WM-Quali: Glanzloser Arbeitssieg der DFB-Elf

Von am 30. Oktober 2013 – 20.07 Uhr 88 Kommentare

Die deutsche Nationalelf hat auch ihr drittes Qualifikationsspiel zur Frauenfußball-WM 2015 in Kanada gewonnen. Nach einer durchwachsenen Leistung stand am Ende gegen Kroatien ein Pflichtsieg. Es dauerte gar fast eine Stunde, ehe der erste Treffer gelang.

Beim 4:0 (0:0)-Sieg gegen den 63. der FIFA-Weltrangliste vor 6 104 Zuschauern im Frankfurter Volksbank Stadion erzielte Célia Šašić die Führung (52.), zwei Eigentore der Kroatin Helenna Hercigonja-Moulton (56., 62.) schraubten das Ergebnis in die Höhe, ehe Luisa Wensing für den Schlusspunkt sorgte (80.).

Schwache DFB-Elf
Die DFB-Elf, die mit Melanie Behringer statt der verletzten Lira Bajramaj in der Startformation begann, agierte von Beginn an zu behäbig und zeigte eine uninspirierte Leistung, auch wenn Anja Mittag mit einem Schrägschuss die erste Chance hatte, Kroatiens Torhüterin Doris Bačić klärte (7.). Die beste Chance der ersten Halbzeit ließ Šašić aus, die den Ball aus kurzer Distanz über das Tor hob (22.).

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Tätlichkeit von Laudehr
Mittag mit einem Heber (37.) und ein Kopfball von Simone Laudehr (40.) hatten weitere Chancen. Die sichtlich gefrustete Frankfurterin hatte Glück nicht die Rote Karte zu sehen, die finnische Schiedsrichterin Lina Lehtovaara übersah in der Nachspielzeit Laudehrs Tätlichkeit (45.+3).

Luisa Wensing (hinten) erzielte ihr erstes Länderspieltor. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Luisa Wensing (hinten) erzielte ihr erstes Länderspieltor. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Šašić bricht den Bann
Nach einer Flanke von Dzsenifer Marozsán gelang Šašić per Kopf der Führungstreffer (52.), sie zog somit mit 48 Toren in der ewigen Torschützinnenliste mit Bundestrainerin Silvia Neid gleich.

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Zwei Eigentore von Kroatien
Doch auch mit der Führung im Rücken konnte die DFB-Elf nicht überzeugen, eine Kroatin leistete allerdings tatkräftig Unterstützung: Helenna Hercigonja-Moulton brachte es fertig, binnen sechs Minuten gleich zwei Eigentore zu produzieren (56., 62.).

Wensing trifft aus Abseitsposition
Ein irregulärer Treffer sorgte für das 4:0, Wensing stand bei ihrem ersten Länderspieltreffer nach Vorarbeit von Lena Goeßling und Kopfballablage von Šašić im Abseits (80.). Die eingewechselte Sara Däbritz hätte das Ergebnis mit einem Kopfball an den Pfosten fast in die Höhe geschraubt (84.), doch einen höheren Sieg hätte sich die DFB-Elf an diesem Tag gegen engagierte Kroatinnen nicht verdient.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

88 Kommentare »

  • Sheldon sagt:

    @Jan: Vielleicht liegt es daran, ob man um jeden Preis Erfolg will oder ob man guten Fußball will. Denn ich nehme lieber so ein 4:0 gegen Kroatien in Kauf als einen Komplett-Catenacchio. Das zerstört die gesamte Idee des Fußballs.

    Wie so ein Fußball aussieht, konnte man im CL-Finale 2012 beobachten. Es ist einfach nur traurig, wenn eine Mannschaft wie Chelsea sich bis in den eigenen Strafraum zurückzieht, mit allen 11 Mann und nur verteidigt. Man bedenke: Diese Mannschaft hatte riesiges Offensivpotential: Drogba, Torres, Mata, Lampard, Malouda.

    Ich glaube, niemand, selbst der größte Bayern-Feind hat sich über diese Art, mit der Chelsea das Spiel gewonnen hat, gefreut.

    Übrigens, noch etwas zur totalen Manndeckung: Ich weiß nicht, ob du schon mal Fußball gespielt hast, aber du verbrauchst viel, viel mehr Kraft, wenn du den Ball nicht hast, als wenn du ihn hast. Denn du kannst das Tempo nicht selbst bestimmen. Du läufst immer hinterher, musst ständig reagieren, kannst dir deine Kräfte nicht einteilen und sie gezielt nutzen.

    Es gibt solche Spiele, wo manche Mannschaften das versucht haben, wo sie dazu gezwungen wurden, weil der Außenseiter unerwartet von vorne offensiv gespielt hat. Und diese Spiele sind immer nach hinten losgegangen.

    Totale Manndeckung setzt voraus, dass man das Spiel des Gegners komplett kontrollieren kann. Wer das aber kann und nicht selbst spielt, der schadet dem Fußball.

    Denn eine Grundregel wird dem Fußball erhalten bleiben: „In jeder Sekunde, Minute, in der du den Ball nicht hast, kannst du kein Tor schießen, kannst du keinen Angriff initieren.“

    Übrigens, noch etwas zum Tempo: Koutrobois hat nach dem Spiel von SiFi gegen Frankfurt im Kicker gesagt, dass das Tempo für seine Spielerinnen viel zu hoch war.
    Es zeigt sich also, dass höheres Tempo der einzige Weg ist, eine so defensivstarke Mannschaft zu knacken.

    Das zeigt zum Beispiel auch die Statistik von Barca, die jede Saison gegen vorwiegend defensive Mannschaften 100 Tore oder mehr schossen. Jetzt, wo sie nicht mehr so ballbesitzzentriert spielen, ist diese Zahl deutlich gesunken und die Zahl der Arbeitssiege gestiegen. Das nur als populärstes Beispiel!

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  • laasee sagt:

    @Sheldon

    „Wie so ein Fußball aussieht, konnte man im CL-Finale 2012 beobachten. Es ist einfach nur traurig, wenn eine Mannschaft wie Chelsea sich bis in den eigenen Strafraum zurückzieht, mit allen 11 Mann und nur verteidigt.“

    And FF CL-Finale 2013 when WOB had similar tactics as Chelsea?

    Chelsea and WOB had tactics that gave themselves the best chance of winning the Cup.
    Tactics is a very important aspect of football.

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  • Sheldon sagt:

    @laasee: Eine solche Taktik hat mit Fußball nix zu tun, denn sie zerstört die Idee des Fußballs.

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  • Altwolf sagt:

    @Sheldon.Na,jetzt wiedersprichst du dich aber selbst.Taktik ist immer das Resultat der Einschätzung deiner eigenen Stärken und Schwächen, deines Spielstiles und der der gegnerischen Mannschaft.Natürlich gibt es taktisches Verhalten,was das Fußballspiel unatraktiv für den Zuschauer und Fußball-Fan machen kann,aber letztendlich will man auch gegen scheinbar stärkere Gegener eine Chance zum Gewinn haben.Wenn WOB sich auf die spielerische Ebene von OL eingelassen hätte,wären sie untergegangen,also muste man etwas machen,was OL nicht gewohnt ist – nämlch eine Art Pressing mit Zustellen der Räume und Unterbinden der Passwege ohne auf eigene Angriffe zu verzichten.Da OL die sich bietenden wenigen Chancen nicht nutzen konnte,ging das Konzept auf und im Prinzip hat sich auch Chelsea gegen Bayern so verhalten, was dadurch ein nicht sehr atraktives Spiel wurde.

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  • enthusio sagt:

    @Sheldon, Iaasee, Altwolf:

    Ihr wollt doch wohl nicht ernsthaft behaupten, dass Wolfsburg im CL-Endspiel gegen Lyon mit 11 Spielerinnen nur gemauert und destruktiv gespielt hat ? Dann habt Ihr wohl ein anderes Spiel gesehen als ich.

    „Wenn WOB sich auf die spielerische Ebene von OL eingelassen hätte, wären sie untergegangen, also musste man etwas machen, was OL nicht gewohnt ist – nämlich eine Art Pressing mit Zustellen der Räume und Unterbinden der Passwege ohne auf eigene Angriffe zu verzichten. Da OL die sich bietenden wenigen Chancen nicht nutzen konnte, ging das Konzept auf“.
    Dieser Analyse stimme ich voll zu, allerdings nicht Deinem letzten Halbsatz, @Altwolf.

    Lyon hatte sich keine wirklich zwingenden Torchancen erspielt und nix getroffen, Wolfsburg hat dagegen den Elfer versenkt. Schelin wurde fast komplett aus dem Spiel genommen, nur Thomis war über rechts immer wieder brandgefährlich. Der Vergleich mit Bayern-Chelsea ist daher in diesem Fall nicht zulässig. Wolfsburg war von Kellermann taktisch hervorragend auf Lyon eingestellt worden und hat nicht unverdient gewonnen. Eine destruktive Spielweise habe ich bei Wolfsburg nicht gesehen, solch eine Sichtweise konterkariert die gute Leistung der Wölfinnen.

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  • laasee sagt:

    „Eine solche Taktik hat mit Fußball nix zu tun, denn sie zerstört die Idee des Fußballs.“

    ‚Symphony orchestra‘ or ‚heavy metal‘ – Herr Klopp spoke before the game about the differences between Arsenal and Dortmund.
    That is football – different styles and philosophy.

    WOB beat Lyon because Kellermann was intelligent with tactics.

    Chelsea beat Bayern because the Chelsea team had a gameplan and it succeeded. If Chelsea had played an ‚open game‘, then Bayern would have won with Kantersieg.

    Both WOB and Chelsea do not reach the Final by playing ‚anti football‘. Only good teams reach CL Finals.

    Sheldon, you want pure and ideal football?
    However, you do not criticise Fr Neid for her team only scoring 6 goals in 6 games at EURO Sweden.
    Fr Neid ignored Inka Grings and Conny Pohlers – the two best goalgetters in German football history.
    So, Germany win the Final becuase Norway can not score either of their penalty chances.

    I use the EURO Sweden illustration as an example of you being happy to enjoy the success of ‚anti football‘ – despite your protestations that you only want ‚pure football‘.

    The truth is that you are always very selective and biased in your writings – you do not like Inka Grings, you do not like WOB, you do not like full FF professional football – but you want ‚pure football‘.

    You have a strange perspective about football.

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  • wrack sagt:

    @ laasee: „Fr Neid ignored Inka Grings and Conny Pohlers – the two best goalgetters in German football history.“

    Inka Grings ist meines Wissens aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Von einer Änderung dieses Status habe ich nichts gehört.
    Bezüglich Conny Pohlers darf man die Bundestrainerin sicherlich mal fragen.
    Neid hatte freilich ohne Pohlers Erfolg. Erfolg (abgesehen von Ethik) ist m.E. im Fußball das stärkste Argument und erstickt jede Personal-Kritik.

    „…you do not criticise Fr Neid for her team only scoring 6 goals in 6 games at EURO Sweden.“

    Die EM war insgesamt und einmalig torarm. In 25 Spielen fielen nur 56 Tore, von denen Island (Vorrunde + Viertelfinale) mit 8 (!) Treffern am meisten kassierte. Deutschland bekam übrigens nur ein Tor. Mit 6:1 Toren, einer Niederlage und einem torlosen Remis in der Vorrunde und einer kontinuierlichen Steigerung des Teams bis hin zum Finale kann man den Job, den Neid gemacht hat, kaum kritisieren, ohne den permanenten Konjunktiv Irrationalis oder hier auch: Konjunktivus Gringis zu bemühen.

    PS: Ich hatte es schon einmal erwähnt: Wenn du ein echter Fan von Inka Grings bist, überlege dir doch einmal, ob du INKA mit dieser blinden Verehrung einen Gefallen tust. Ich habe keine Lust, zum Anlass deiner Marotte hier auch nur den kleinsten negativen Satz über Inka Grings zu schreiben.

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  • Altwolf sagt:

    @enthusio.Ich habe nur das taktische Konzept,also die prinzipielle Spielanlage, von WOB u.Chelsea verglichen,nicht die Spielweise,so daß mir allerdings auch „subjektiv“ gesehen das Spiel gegen OL fußballerisch besser als Bayern gegen Chelsea gefallen hat. Eine Mauertaktik kann man WOB wahrlich nicht unterstellen. Ich hätte da eine deutlichere Trennung formulieren sollen.

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