Nach dem Finalsieg: die letzte EM-Presseschau
Nach dem sechsten EM-Titel in Folge jubelt die deutsche Presse, Nadine Angerer wird zur “Titanin” erhoben, die hohen TV- Einschaltquoten werden gelobt. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die fordern: Der DFB sollte endlich sein Engagement auch auf den Ligabetrieb ausweiten. Die EM und ihre Folgen in der Presseschau.
So vermisst Kolumnist Andreas Rüttenauer in der taz ein nachhaltiges Engagement der DFB-Spitze und blickt dabei insbesondere auf Wolfgang Niersbach : “Der Frauenfußball ist auch wegen seiner kurzen Geschichte auf einem weit niedrigeren Entwicklungsstand als das Business der Männer. Gerade deshalb sollte der DFB sich besonders intensiv um die Belange seiner Kickerinnen kümmern. Stattdessen demonstriert Wolfgang Niersbach den Eindruck, dass er sich erst dann für die kickenden Frauen interessiert, wenn die Blicke der ganzen Nation sowieso schon auf diese gerichtet sind.”
Thomas Hais von der S tuttgarter Zeitung bläst ins gleiche Horn: ”Alle zwei Jahre wieder kümmern sich die TV-Sender und die DFB-Männer so rührend um ihre Frauen – immer, wenn eine WM oder eine EM ausgetragen wird. Da spielen sie vor der Kamera den Doppelpass. Und dazwischen? (…) Es gibt maximal Absichtserklärungen, wie der Alltagsbetrieb besser in Szene gesetzt werden könnte – aber kein Konzept, wie seit 20 oder 25 Jahren nicht.”
Kathrin Steinbichler von der Süddeutschen Zeitung meint, die DFB-Frauen seien noch weit von der Gleichbehandlung entfernt: “Deutschlands Fußballfrauen haben mit ihren Auftritten Millionen Menschen begeistert, der DFB freut sich über die tollen Europameisterinnen – eigentlich rosige Aussichten für den Sport. Doch solange die Verbände nicht mehr Geld locker machen, bleibt dem Frauenfußball nur eine Nebenrolle.”
Daniel Meuren von der FAZ zieht dagegen den europäischen Vergleich und findet: “Deutschland ist unabhängig von sportlichen Erfolgen wie dem EM-Titel eine der wenigen Inseln der glückseligen Spielerinnen.”
Jörg Leopold gratulierte bereits vor dem Finale im Tagesspiegel und greift noch einmal die Heim-WM 2011 und das Thema Akzeptanz auf: ”Die Fallhöhe ist seit der verpatzten Heim-WM 2011 sogar noch größer geworden. Und so kämpft der Frauenfußball in Deutschland – wie eigentlich immer – nicht nur gegen die internationale Konkurrenz, sondern auch gegen die eigene Expertenschar in der Heimat. Dass die oft männlich ist, macht es nicht leichter.”
Oliver Fritsch fordert auf Zeit Online von Silvia Neid mehr Mut zur Spielkultur: ”Silvia Neid sollte den Titelgewinn zum Anlass nehmen, mehr Mut zur Spielkultur zu entwickeln. Das wäre die beste Werbung für diesen Sport, dem im Alltag Zuschauer und Sponsoren fehlen. Dass die Deutschen dies draufhaben, belegte eine der wenigen direkten Kombinationen im Finale: Laudehr zu Kessler, Kessler zu Mbabi, Mbabi zu Mittag, drin!”
Die ARD -Sondersendung zum Empfang der Spielerinnen in Frankfurt gibt’s in voller Länge hier im Netz.
Unterdessen titelte Der Tagesspiegel “ Bernd Schröder : Wir jubeln immer zu lange” und man könnte meinen, der Turbine-Trainer sei wieder auf Krawall gebürstet. Dabei gratuliert er nur.
Wie es bei Nadine Angerer jetzt weitergeht, erzählt die Torhüterin im Interview mit der Frankfurter Rundschau .