Ideenlose DFB-Elf unterliegt Norwegen

Von am 17. Juli 2013 – 20.22 Uhr 108 Kommentare

Die deutsche Nationalmannschaft hat zum ersten Mal seit zwanzig Jahren ein Europameisterschaftsspiel verloren. Gegen Norwegen kassierte die DFB-Auswahl im letzten Vorrundenspiel eine 0:1 (0:1)-Niederlage und zieht nun als Gruppenzweiter hinter den Norwegerinnen ins Viertelfinale ein.

Bundestrainerin Silvia Neid veränderte ihre Startaufstellung im Vergleich zum Island-Spiel. Für Lena Goeßling spielte Simone Laudehr. Und in der Abwehr rückte, wie erwartet, Leonie Maier auf die linke Seite der gelbgesperrten Jennifer Cramer. Rechts spielte Luisa Wensing.

Norwegen ohne die Stars
Wirklich überraschend war allerdings die Aufstellung der Norwegerinnen. Nationaltrainer Even Pellerud ließ fast alle Stars draußen. Ingvild Stensland, Trine Rønning, Marit Christensen, Solveig Gulbrandsen, Caroline Graham Hansen – sie alle nahmen auf der Bank Platz. Auf dem Feld stand eine junge Mannschaft, die die DFB-Auswahl aber dennoch gut im Griff hatte.

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Gute norwegische Defensive
So gehörte auch die erste Chance in der vierten Minute den Norwegerinnen, doch Torhüterin Nadine Angerer konnte den Freistoß von Emilie Haavi parieren. In der Folge der ersten Halbzeit konnte Norwegen nach vorne zwar keine entscheidenden Akzente setzen, aber in der Defensive agierten sie diszipliniert und standen sicher. War Deutschland in Ballbesitz, zogen sich die Norwegerinnen meist in die eigene Hälfte zurück, und die DFB-Auswahl sah sich zwei Viererketten gegenüber, gegen die kaum ein Durchkommen war. In der 13. Minute schaffte es Dzsenifer Marozsán mit einem Zuspiel auf Célia Okoyino da Mbabi, doch die Stürmerin schoss am Tor vorbei. In der 24. Minute behauptete sie sich im Strafraum gegen drei Gegenspielerinnen, aber ihr Schuss war kein Problem für Torhüterin Ingrid Hjelmseth.

Ingvild Isaksen erzielte den einzigen Treffer der Partie. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Ingvild Isaksen erzielte den einzigen Treffer der Partie. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Isaksen erzielt norwegische Führung
Zu einem kuriosen Treffer hätte es kommen können, als Hjelmseth nach einer knappen halben Stunde einen Ball von Saskia Bartusiak unterschätzte. Die schoss von der Mittellinie, und Hjelmseth konnte den Aufsetzer gerade noch über den Kasten klären. Über das Tor flog auch Luisa Wensings Kopfball bei der anschließenden Ecke. Die DFB-Elf nutzte ihre Chancen nicht – die Norwegerinnen schließlich schon. Mit dem erst zweiten Torschuss der ersten Hälfte erzielten sie durch einen abgefälschten Ball von Ingvild Isaksen das 1:0. „Die erste Halbzeit war wirklich unterirdisch“, konstatierte Bundestrainerin Silvia Neid.

Norwegen taktisch diszipliniert
Nach dem Seitenwechsel sah es zunächst nach neuem Schwung auf Seiten der DFB-Auswahl aus. „Wir haben uns viel besser bewegt und haben mit mehr Tempo nach vorne gespielt“, urteilte Neid, doch Erfolg brachte dies keinen. Pellerud brachte schließlich seine Routiniers Gulbrandsen, Hansen und Stensland aufs Feld. Auch wenn Hansen das Spiel über die linke Seite bei den Norwegerinnen durchaus belebte, war es dennoch weiter die Defensive, mit der Norwegen überzeugte. Die Deutschen waren bemüht, agierten jedoch zu ideenlos und fanden kein Mittel gegen die konzentriert und abgeklärt agierten Norwegerinnen, die aufopferungsvoll kämpften und den knappen Vorsprung schließlich über die Zeit brachten.

Im Viertelfinale gegen Italien
Als nun Gruppenzweiter trifft Deutschland im Viertelfinale am Sonntag in Växjö auf Italien, die ihre Gruppe gestern ebenfalls auf dem zweiten Rang beendeten. Die Norwegerinnen erwartet tags darauf der Zweitplatzierte der Gruppe C.

Island überrascht
Unterdessen haben sich die Isländerinnen etwas überraschend mit 1:0 gegen die Niederlande durchgesetzt. Dagný Brynjarsdóttir gelang in der 30. Minute der einzige Treffer der Partie, der für die schon fast totgesagten Isländerinnen den Viertelfinaleinzug. Mit vier Punkten auf dem Konto sind sie besser als Dänemark in Gruppe A und somit unabhängig von den morgigen Resultaten in Gruppe C sicher in der K.o.-Runde.

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108 Kommentare »

  • sitac sagt:

    @Kaiserkatze: Danke für den Link. Aber leider 30 Minuten Zeitverschwendung. Bis auf ansatzweise die beiden Herrn in Weiß hinten S.N. Hofjubelveranstaltung. Von all dem, was hier geschrieben wurde, ließ Herr Juchem gar nichts einfließen-muss er natürlich auch nicht. Aber für mich leider Totalausfall!

    Gejammer über das Fehlen von erfahrenen Spielerinnen und
    k e i n e r fragt, warum Conny Pohlers eigentlich nicht dabei ist?!? Armselige Veranstaltung!

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  • karl sagt:

    Im Gegensatz zu meinem Vorredner fand ich den Beitrag von Markus Juchem gut und vor allem fachkundig. Die Potsdamer DFB Hetze muss er sich nun wirklich nicht zu eigen machen. Und Conny Pohlers ist vielleicht deshalb nicht dabei weil zumindest die Bundestrainerin glaubt drei noch bessere Stuermerinnen mitgenommen zu haben. Auch das halte ich fuer nachvollziehbar. Wenn man in der Bundesliga trifft ist das schon was anderes als in der Nationalmannschaft. Und wenn ich mich richtig erinnere war CP in der Nationalmannschaft nie so gut wie im jeweiligen Verein.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Nachdem wir jahrelang einen Vorsprung hatten, und das in allen Altersklassen, ist dieser nach und nach geschmolzen und hat sich eigentlich nahezu in allen Ebenen in ein Hinterhinken gewandelt. Oder wie kann sonst ein Land wie Frankreich sich derart mausern, wo doch deren Liga keine echte Herausforderung darstellt. Wenn OL nicht so finanzkräftige Sponsoren hätte, würde heute kaum jemand davon Notiz nehmen, dass Frankreich eine FF-Liga hat. Eigentlich sponsoren die gleichen auch deren N11!
    Diese verlinkte Gesprächsrunde war echt der Knaller; fehlte nur noch die Faßbrause, und Tachilles reden, wollten auch keiner so recht. Vergleiche mit z.B. Pia Sundhage, deren kurzes Traineramt bei Schweden nicht von ungefähr daherkommt, stellte keiner an, stattdessen wurden die US-Amerikanerinnen in ihrem Spiel als so eben mal locker und leicht eingestuft! Keine Ahnung, ob das als Vor- o. Nachteil von Rottenberg gemeint war? 😀 😉

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  • FF-Talent sagt:

    @ Jennifer/ sitac zum Link:
    „Der DFB will keine Baustelle im Frauenfußball aufmachen.“ Bei genau diesem Zitat hätte eigentlich die Runde einsteigen müssen und inhaltlich etwas draus machen können!

    Aber kurz und platt formuliert: ZDF-Sportredaktion!
    Das ist doch klar, dass da keine „kritische Masse“ entstehen kann in Diskussionen. Die sportliche Einschätzungsfähigkeiten in Ehren, aber wer erwartet denn ernsthaft von jemand wie Rottenberg oder z.B. da Mbabi (neulich im Sportstudio) Neid-Kritik? WM2011 gab es im ZDF jemand wie die vielfach umstrittene DFB-Schiedsrichterin Riem Hussein. Wer erwartet denn ernsthaft, dass solche Leute dem eigenen Verband ans Bein pinkeln? Künzer in der ARD redet offener, aber auch meistens nur auf die sportlichen Belange des jeweils zu kommentierenden Spiels und keinen Meter weiter.
    Frage ist: Will man/ wollen wir(?) stattdessen für den Frauenfußball einen DFB-Veteranen wie z.B. Netzer bei den Herren früher, der auch einmal mehr kommentiert und fragt als anderen lieb ist? Oder würde so ein „Hans Dampf“ in der Welt des zarten Pflänzchens „Frauenfußball in den Medien“ gegenwärtig mehr schaden als nutzen? Wer käme da überhaupt in Frage?

    Überraschend ist doch, dass sich überhaupt so viele Journalisten für einen FF-Plausch eingefunden haben.
    Für eine Diskussion über die italienische Elf hätte man genau null Leute gefunden in Schweden (Hellmann, der Herr rechts in weiß mit den fragwürdigen MF-Vergleichen, hat es angedeutet).
    Auf der journalistischen Ebene ist Frauenfußball eben nach wie vor am meisten RANDSPORTART:
    Eine kleine (meistens heile) überschaubare Welt, man kennt sich, ein paar nach wie vor idealistisch-optimistische Medienvertreter (die z.B. auch noch presseunfreundlichen Vereinen und Offiziellen hinterherlaufen statt wie es eigentlich sein sollte andersherum!!!), dazu noch ein paar Sportredakteure aus „cooleren“ Bereichen wie Männerfußball etc.(die ausnahmsweise zur Randsportart-Berichterstattung verdonnert werden und das beste draus machen müssen)… WIE soll in so einem Klima kritischer Journalismus entstehen?
    Das betrifft alle Randsportarten. Wer Berichte über Eishockey, Frauen-Handball oder Frauen-Volleyball kennt, weiß, dass die Journalisten in diesen Bereichen noch abhängiger von Verbänden sind und noch höriger Offiziellen gegenüber sind! Mit Grausen liest man heute in Archiven die sportjournalistischen Jubelwerke über die (damals schon dopingverseuchte) „schöne Radsportwelt“ der 80er/90er oder die sportjournalistisch-naiven Berichte über die „große ehrliche Gewichtheber-Familie“ der 2000er-Jahre (Nachfragen zu Massen-Doping Fehlanzeige).

    Abhängigkeiten schaffen kein Klima der Kritikfähigkeit! Deshalb keine Überraschung, dass da von Seiten von FF-Clubs, Trainern, Liga-Vertretern oder Journalisten nix ernsthaftes kommt.

    PS: Bis vor kurzem (bis zu dieser unterhaltsamen „Zensur“-Debatte) wurden ja auch hier auf Womensocer alle DFB-, Zwanziger-, Neid- oder Schiri-kritischen Kommentare gelöscht. Da muss man Herrn Juchem und sein Womensoccer-Team auch einmal loben und danke sagen! Mittlerweile wird hier ja nahezu alle (sachlich vorgetragene) Kritik publiziert, oder? Für ZDF-Sportsendungen ist das zwar noch zu „schlimm“, aber es tut sich was. Übrigens @ Herr Juchem: Schön, Sie auch einmal bunt und in Farbe gesehen zu haben. 😉

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  • Zaunreiter sagt:

    @karl: „Die Potsdamer DFB Hetze“

    Gut, zur Grammatik sag ich jetzt mal nichts.

    Aber ich möchte betonen, da ich Fan vom SC 07 Bad Neuenahr bin, dass auch Fans anderer Vereine in die sachliche Kritik, die du „Hetze“ nennst, mit einstimmen.

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  • Detlef sagt:

    @Karl;
    Eigentlich sollte Dir aufgefallen sein, daß „die Potsdamer DFB Hetze“ mittlerweile sogar von Frankfurt-Fans kommt!!! 😉

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  • Jennifer sagt:

    @Karl: Also ich stimme da mit @Zaunreiter überein. Das ist doch völlig egal für welchen Verein jemand ist, wenn man sachliche Kritik vorträgt. Ich bin kein TP-Fan und man muss ja nicht gleich so draufhauen wie der Schröder das ab und an mal macht. Aber sachliche Kritik muss in unserer Gesellschaft immer erlaubt sein, sonst läuft etwas falsch. Außerdem geht es hier um die Nationalmannschaft der deutschen Frauen.

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  • karl sagt:

    @zaunreiter, Detlef und Jennifer : Ich hatte geschrieben :“Im Gegensatz zu meinem Vorredner fand ich den Beitrag von Markus Juchem gut und vor allem fachkundig. Die Potsdamer DFB Hetze muss er sich nun wirklich nicht zu eigen machen.“ Das bezog sich auf Markus Juchems Beitrag in dem von kaiserkatze verlinkten video , den ich ausgesprochen gut und sachlich fand im Gegensatz zu meinem Vorredner , sitac, der es offensichtlich gut gefunden haette wenn sich Herr Juchem der Schroederschen „kritik“ angeschlossen haette , oder zumindest die Kritik einiger Forumsteilnehmer an Neid und/oder der Nationalmannschaft ungefiltert weitergegeben haette.
    Ich nehme jetzt mal ein paar Beispiele von Detlefs post vom
    20. Juli 2013 um 20.46 Uhr , sorry Detlef , nur ein Beispiel: Der Satz “ Vor allem dann, wenn Frau Bundesgöttin auch nach der EM weiter ihr “Unwesen” treiben darf!!!“ , ehrlich , besonders sachlich finde ich den Satz nicht, und ist es wirklich sinnvoll oder noetig die immer Bundesgoettin zu nennen?
    oder die Verschwoerungstheorie: „Frankfurt hat seit Jahren einen Pakt mit dem DFB,“. Gibts darueber was schriftliches?
    Ich will damit eigentlich nur sagen dass Kritik nie ankommt wenn man es damit uebertreibt. Den Beitrag von Schlafwagenfussball fand ich auch gut, und soweit ich mich erinnere wurde das Spielsystem und andere Kritikpunkte auch in dem videobeitrag angesprochen. Das einige , vor allem fallen mir da halt manche Potsdam Fans wie zum Beispiel auch doc, fisch und einige andere Neid vor allem deswegen immer noch kritisieren weil sie ihrer Meinung nach die falschen Spielerinnen beruecksichtig, und nicht immer das tut was Schroeder will ist legitim aber sachlich wirkt es zumindest auf mich meistens nicht. Vor allem meinte ich mit der Potsdamer DFB Hetze Schroeders „Ausfaelle“ und solche Beitraege. Sollte euch das Wort Hetze zu beleidigend erscheinen nehm ich es gerne zurueck. Und ich entschuldige mich schonmal im Voraus bei Zaunreiter fuer eventuelle Schreib- oder grammatikfehler und natuerlich auch dafuer ihn fuer einen Potsdam Fan gehalten zu haben.

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