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2013

Turbine Potsdam: Leaderin verzweifelt gesucht

Nach der dritten Auswärtsniederlage in Folge läuft der 1. FFC Turbine Potsdam Gefahr, in der kommenden Saison zum ersten Mal seit der Spielzeit 2008/09 nicht mehr in der UEFA Women’s Champions League vertreten zu sein. Dem Team fehlt es derzeit nicht nur an offensiver Durchschlagskraft, sondern auch an einer echten Führungsfigur.

0:2 in München, 0:1 in Essen, 0:1 in Frankfurt – die Chancen des 1. FFC Turbine Potsdam, in der kommenden Saison an der UEFA Women’s Champions League teilzunehmen, haben sich durch die letzten beiden Niederlagen innerhalb von drei Tagen bedeutend verschlechtert. Und das, obwohl der 1. FFC Frankfurt mit der Niederlage in Freiburg und dem Remis in Jena den Potsdamerinnen wie ein taumelnder Boxer eine Steilvorlage zum K.-o.-Schlag geliefert hatte. Doch die Potsdamerinnen hauchten dem kränkelnden Patienten vom Main mit der Niederlage in Essen neues Leben ein.

Ladehemmung im Sturm „Frankfurt war schon tot, der Knackpunkt war das Spiel in Essen, dadurch sind wir ins Strudeln gekommen“, so Turbine-Trainer Bernd Schröder gegenüber Womensoccer . Ausgerechnet in den zwei Spielen, wo sein Team nicht auf Dritte angewiesen war, blieb das Team ohne Punkte. „Es ist auch eine Frage der Qualität, das muss man so sehen, auch wenn uns das nicht gefällt.“ Noch schlimmer als die Niederlagen wog die Tatsache, dass seine Elf in den Spielen keine Tore schoss. „Die Offensive funktioniert im Moment nicht, die Spielerinnen haben eine Ladehemmung.“

Kein Aufbäumen Dabei gab es sowohl in München, Essen und auch Frankfurt durchaus Momente, die Partie zum Positiven zu gestalten. „Der Unterschied ist, dass in Situationen, in denen es nicht läuft, kein nervlicher Ruck durch die Mannschaft geht.“ Bei der 0:1-Niederlage in Frankfurt steigerte sich Turbine zwar nach der blutleeren Vorstellung in Essen, doch auch der Gegner hatte mit dem Sieg gegen Duisburg drei Tage zuvor und dem dankbaren Potsdamer Ausrutscher in Essen den Hebel rechtzeitig vor dem Klassiker umgelegt.

Team ohne Lautsprecher In der derzeitigen Schwächephase gibt es keine Spielerin, die die Ärmel hochkrempelt, das Zepter in die Hand nimmt und ein Zeichen setzt. „Wir spielen gut, wenn alle gut spielen und die Mannschaft ist in ihrer Gesamtstruktur zu ruhig“, analysiert Schröder. Leaderin verzweifelt gesucht: „Wir haben in dieser Mannschaft keine“, sagt Schröder. Zwar gibt es hervorragende Akteurinnen, wie etwa Abwehrspielerin Steffi Draws, doch sie ist wie auch alle ausländischen Spielerinnen nicht der Typ, der die Mitspielerinnen wenn nötig zusammenstauchen und mitreißen kann. Stürmerin Genoveva Anonma wirkt blockiert, seit sie ihr selbst gestecktes Ziel, Torschützenkönigin zu werden, nicht mehr erreichen kann. Und Patricia Hanebeck hat zwar das fußballerische Vermögen, doch wenn es brennt, ist sie eine der ersten, die die Flügel hängen lässt.

Simic und Wälti sollen für Kreativität sorgen So ruhen die Hoffnungen schon jetzt darauf, dass Neuverpflichtung Julia Simic in der kommenden Saison diese Rolle im kreativen Mittelfeld für die zum SC 07 Bad Neuenahr wechselnde Hanebeck übernehmen kann, unterstützt von der Schweizer Nationalspielerin Lia Wälti, die auf wärmste Empfehlung von Martina Voss-Tecklenburg von Young Boys Bern nach Potsdam wechselt und die abwandernde Sara Doorsoun-Khajeh ersetzen soll, von der sich die Verantwortlichen ebenfalls mehr versprochen hatten. „Wälti ist zur Zeit das größte Talent, das die Schweiz zu bieten hat“, freut sich Schröder auf die Verstärkung.

Schwindender Erfolgshunger Seit 2004 hat der 1. FFC Turbine Potsdam in 9 Jahren 17 Titel geholt, 6 Meistertitel, 3 DFB-Pokal -Sieg, 6 Hallenpokal-Titel und zweimal gar die europäische Krone gewonnen, so dass die Erwartungshaltung ins Unermessliche gestiegen ist. Nach zuletzt vier Meistertiteln in Folge ist es auch ein ganz normaler Prozess, dass die Spannung und auch der Erfolgshunger im Team ein wenig nachlassen. Ärgerlich ist dennoch, dass ausgerechnet in der entscheidenden Endphase der Meisterschaft der Startplatz in der Champions League womöglich verspielt wird, auch wenn die Bundesliga -Konkurrenz aus Wolfsburg und Frankfurt sicherlich über einen stärkeren Kader verfügt.

Hoffen auf Champions League Denn mit den Neuverpflichtungen und den nach und nach aus der Reha zurückkehrenden Spielerinnen wie Jennifer Zietz oder Johanna Elsig sowie den noch in der Anpassung befindlichen Norwegerinnen, wie der jungen Ada Hegerberg oder der viel versprechenden Pauline Bremer, hat der 1. FFC Turbine Potsdam auch in der kommenden Saison einen Kader, der europäischen Ansprüchen genügt. „Wir werden eine gute Mannschaft haben, deswegen ist der zweite Platz wichtig.“

Mehr Spirit im Team Zumal die Potsdamerinnen noch ein weiteres heißes Eisen im Feuer haben, denn eine noch junge, aber bereits erfahrene Spielerin aus den USA soll dem Team in Zukunft auch ein Quäntchen Fighting Spirit einhauchen. „Mit Amerikanerinnen haben wir gute Erfahrungen gemacht, die haben diese Power. Wenn wir so eine in der Mannschaft hätten, würde sie ganz anders funktionieren.“

Wer ergattert den zweiten Champions-League-Startplatz?