Wolfsburg zittert, Potsdam und Frankfurt souverän

Von am 24. März 2013 – 17.22 Uhr 83 Kommentare

Am 16. Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga hat sich das Spitzentrio keine Blöße gegeben. Doch während der 1. FFC Frankfurt und der 1. FFC Turbine Potsdam souveräne Siege feierten, musste der VfL Wolfsburg bis in die Nachspielzeit zittern.

Beim 2:1 (0:1)-Sieg beim SC Freiburg geriet Tabellenführer Wolfsburg nach einem von Juliane Maier verwandelten Foulelfmeter (28.) nach vorhergehendem Foul von Luisa Wensing an Marina Makanza sogar mit 0:1 in Rückstand und verlor den Spielfluss.

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Wolfsburg kommt ins Schwimmen
„Wir haben die ersten zehn bis 15 Minuten ordentlich angefangen, aber mit dem Elfer völlig die Linie verloren“, urteilte VfL-Trainer Ralf Kellermann. „Der Elfmeter hat uns das Genick gebrochen“, wurde Stürmerin Conny Pohlers noch drastischer. Die Gastgeberinnen hatten bis zur Pause sogar die Möglichkeit, auf 2:0 zu erhöhen, verpassten es aber, nachzulegen.

Martina Müller

Martina Müller brachte den VfL wieder ins Spiel. © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Müller kommt, foult und trifft
Das rächte sich nach dem Seitenwechsel, denn Kellermann schien in der Pause die richtigen Worte gefunden zu haben. Auch die Einwechselung von Nationalspielerin Lena Goeßling zeigte Wirkung. In der 53. Minute traf Alexandra Popp nach einer Ecke nur die Latte. Kurz darauf wurde Martina Müller eingewechselt. Deren erste Handlung war zwar nach nicht einmal 60 Sekunden ein Foul an Melanie Leupolz, für das es die Gelbe Karte gab. Doch die Umstellung auf die Doppelspitze mit Conny Pohlers und Müller sollte sich auszahlen.

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Viele Chancen in der Nachspielzeit
In der 64. Minute behielt SC-Torfrau Laura Benkarth beim Schuss von Viola Odebrecht noch die Oberhand, gegen den Nachschuss von Müller war sie machtlos. Es stand 1:1. In der Folge hatten die Gastgeberinnen Glück, nicht noch höher in Rückstand zu geraten. In der 79. Minute setzte Pohlers einen Flugkopfball am Tor vorbei. In der Nachspielzeit ließ zunächst Müller die Möglichkeit zur Führung aus, als sie freistehend am Tor vorbei schoss, kurz darauf köpfte Pohlers am Kasten vorbei. Kurz darauf machte sie es jedoch besser, als sie frei zum Schuss kommend zur 2:1-Führung einnetzte (90.+4).

Potsdam gewinnt in der Kurstadt
Auch die Verfolger 1. FFC Turbine Potsdam und 1. FFC Frankfurt feierten Auswärtssiege. Die Potsdamerinnen kamen zu einem klaren 3:0 (2:0)-Sieg beim SC 07 Bad Neuenahr. Weltmeisterin Yuki Ogimi brachte den Deutschen Meister vor 405 Zuschauern in der 13. Minute in Führung. Antonia Göransson (24.) erhöhte noch vor der Pause auf 2:0. Nach dem Seitenwechsel gelang Genoveva Anonma (83.) der 3:0-Endstand.

Garefrekes trifft dreifach
Der 1. FFC Frankfurt gewann beim FSV Gütersloh 2009 mit 5:2 (4:1). Vor 1303 Zuschauern gelang Kerstin Garefrekes bereits in der fünften Minute die Führung. Die konnte Maren Wallenhorst jedoch nur sieben Minuten später egalisieren. Bis zur Pause sorgten die Tore von Tameka Butt (13.), Kim Kulig (27.) und Garefrekes (30.) jedoch für die Entscheidung. In der zweiten Halbzeit machte die im Sturm aufgebotene Garefrekes (49.) mit dem 4:1 ihren dritten Treffer. Nina Claassen konnte für die Gastgeberinnen in der 63. Minute nur noch auf 2:5 verkürzen.

Erster Auswärtssieg für Duisburg
Durch die neuerliche Niederlage des FSV konnte der FCR 2001 Duisburg seinen Vorsprung auf die Abstiegsränge auf sieben Punkte vergrößern. Denn der FCR feierte beim 3:0 (1:0) bei Schlusslicht VfL Sindelfingen den ersten Auswärtserfolg der Saison. Für die Duisburgerinnen, die kurzfristig auf die verletzte Lieke Martens verzichten mussten, traf Jennifer Oster (13.) aus 14 Metern von halbrechts zum 1:0. Nach dem Seitenwechsel erhöhten Mandy Islacker (75.) und Jackie Groenen (89.) vor lediglich 80 Zuschauern auf 3:0. Bei den Gastgeberinnen sah Nicole Loipersberger wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte.

Torhüterin Bellinghoven zurück
„Wir gehen hier nach den vielen Ausfällen personell auf dem Zahnfleisch und hatten nur noch elf bundesligaerfahrene Spielerinnen im Kader. Bedenkt man dann noch den sehr schwierigen Platz, dann kann man diesen Sieg gar nicht hoch genug einschätzen. Jetzt können wir etwas beruhigender arbeiten“, zeigte sich FCR-Trainer Sven Kahlert nach dem Spiel erleichtert. Überraschung auf der Bank: Dort saß die frühere Torhüterin Christina Bellinghoven, die nach einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt wieder in Duisburg ist und bis zum Saisonende aushelfen wird.

FCB verliert in Leverkusen
Unterdessen besiegte Bayer 04 Leverkusen den offensiv ausgerichteten FC Bayern München mit 2:1 (0:1). Ivana Rudelic hatte in der 28. Minute für die Gästeführung gesorgt, doch nur Sekunden nach Beginn der zweiten Halbzeit glich Carolin Simon für die Werkself aus. In der 78. Minute gelang Lisa Schwab der Siegtreffer zum 2:1.

Remis in Essen
Mit einem 2:2 (1:1)-Unentschieden endete die Begegnung zwischen der SGS Essen und dem FF USV Jena. Vor 530 Zuschauern brachte Carolin Schiewe die Gäste per Foulelfmeter in der 36. Minute in Führung. Doch die hielt keine sechzig Sekunden, dann glich Irini Ioannidou für die SGS aus. In der zweiten Halbzeit umgekehrte Vorzeichen: Diesmal waren es die Essenerinnen, die durch ein Elfmetertor von Sabrina Dörpinghaus (66.) vorlegten. In der 84. Minute traf die neuseeländische Nationalspielerin Ria Percival jedoch zum Ausgleich.

Kraus lobt Moral
„Mit dem Punkt heute können wir zufrieden sein. Die Mannschaft hat nach dem Rückstand eine sehr gute Moral gezeigt. Allerdings haben wir die nötige Zweikampfstärke vermissen lassen und waren oft zu spät am Ball. Das müssen wir in den nächsten zwei Heimspielen verbessern“, so Jenas Trainer Daniel Kraus.

Ergebnisse und Tabelle 16. Spieltag

Bayer 04 Leverkusen FC Bayern München 2:1 (0:1)
SGS Essen FF USV Jena 2:2 (1:1)
VfL Sindelfingen FCR 2001 Duisburg 0:3 (0:1)
SC Freiburg VfL Wolfsburg 1:2 (1:0)
FSV Gütersloh 2009 1. FFC Frankfurt 2:5 (1:4)
SC 07 Bad Neuenahr 1. FFC Turbine Potsdam 0:3 (0:2)
Rang Verein Spiele Torverhältnis Punkte
1. VfL Wolfsburg 14 48:10 35
2. 1. FFC Turbine Potsdam 13 45:11 31
3. 1. FFC Frankfurt 14 33:18 31
4. SC Freiburg 16 26:19 25
5. FC Bayern München 14 31:16 24
6. SGS Essen 15 19:19 19
7. Bayer 04 Leverkusen 15 23:31 17
8. FF USV Jena 13 11:23 15
9. FCR 2001 Duisburg 14 19:25 14
10. SC 07 Bad Neuenahr 13 11:19 14
11. FSV Gütersloh 2009 14 14:50 7
12. VfL Sindelfingen 13 5:44 5

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83 Kommentare »

  • Sheldon sagt:

    @Lolly: Nun, du willst gerne, dass der Frauenfußball genau dieselbe Resonanz bekommt wie der Männerfußball. Das ist ein erstrebenswertes Gut, was wir denke ich hier alle weitestgehend wollen. Diejenigen, die eine elitäre Liga wie im Hockey beispielsweise befürworten, als kleine Randsparte, scheinen mir jedenfalls in der Minderheit zu sein.

    Wie lässt sich nun dieses Ziel realisieren? Detlef spricht es schon an, durch Zuschauer. Fußball hat vor allem dadurch die Resonanz heutzutage bekommen, weil er bereits zu einem Zeitpunkt, wo der Fußball noch nicht taktisch-technisch hochklassig und mehr Kampf als Gala war, Horden an Zuschauern ins Stadion bekommen hat. Erst dadurch konnte er sich bis heute so entwickeln.

    Wie kann man aber Zuschauer bekommen und halten im Frauenfußball? Einerseits durch Qualität, andererseits durch Rivalität. Derbystimmung lockt auch noch heute die meisten Zuschauer ins Stadion. Dort braucht die Mannschaft jeden Fan, deswegen kommen sie alle dahin.
    Das bedeutet, Vereinsrivalitäten sind ein wichtiger Weg zu größeren Zuschauerpotential. Duelle wie natürlich Potsdam-Frankfurt, aber auch Duisburg-Essen (Revierderby), Potsdam-Jena (Ostderby) sowie auch ein Duell wie Gütersloh-Herford lockt die Fans hinterm Ofen vor.
    Andererseits ist heute auch ein wichtiger Indikator die Qualität der Sportart. Schnelligkeit, technische Fähigkeiten und Fertigkeiten, Zweikampfverhalten, Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, Spielwitz, Spielideen, das sind zumindest in der gehobenen Frauenfußballschicht wichtige Qualitätsbestimmungen, ebenso wie natürlich auch die Qualitätsunterschiede. Je geringer, desto besser für die Zuschauerzahlen, denn bei knappen Abständen ist eine Unterstützung durch Fans viel wichtiger.

    Das bedeutet, als Fan kann man mehrere Dinge schon tun, die zwar im Kleinen geschehen, die aber doch für den Frauenfußball in der medialen Präsenz durchaus von Bedeutung sind:

    1. Werde Fan einer bestimmten Mannschaft – nur als Fan kannst du das Feeling des Fußballs übermitteln. Ein objektiver Beobachter ist ein Ausbund an Langeweile. Der motiviert niemanden, zum FF dazu zu kommen. Niemand geht ins Stadion, nur wegen diesem Family-Feeling, das mag in Japan funktionieren, aber nicht in Deutschland, wo Fußball ganz anders bewertet wird.

    2. Lass dich auf Fan-Rivalitäten ein – sie tun dem FF gut, egal, wie sie geführt werden. Die Identifikation mit dem Verein wächst auch immer mit der Abgrenzung gegen andere. Das stärkt Fangruppen, sowohl die eigene als auch andere. Andere Fangruppen werden auch dadurch gestärkt, dass die eigene Fangruppe überlegen ist. Gerade bei wichtigen Spielen wird es dann nämlich auch relevant, wer die energischeren Fans hat. Das kann spielentscheidend sein.

    3. Fordere als Fan hochwertigsten Fußball – Qualität, die nur dazu reicht, so gerade die beste Mannschaft zu sein, reicht nicht aus. Denn der Großteil des Fanklientels, dass der FF erreichen könnte, ist von den Eindrücken des MF dominiert. Das ist nunmal so, damit muss man leben.
    Und da ist ein Spiel wie das am Sonntag zwischen Wolfsburg und Freiburg, das zum Teil auf beiden Seiten zu großen Teilen durch Standfußball geprägt ist, nunmal nicht zufriedenstellend. Die Ansprüche im Profifußball steigen dauerhaft. Die Aussagen von Neid („die anderen haben aufgeholt“) sind da extrem kontraproduktiv, weil sie sich genau diesen immer steigenden Ansprüchen verweigern.

    Das sind die Möglichkeiten, die wir haben: Auf der einen Seite selbst mit aller Energie für den eigenen Verein brennen, auf der anderen Seite aber auch kritisch gegenüber der Qualität des FFs zu sein und sich zu äußern. Selbst wenn es niemand von den Bossen hier liest, die Fans lesen es.

    Und da bewirkt es etwas, weil es authentisch ist. Und das ist wichtig heute: Fordernde, selbstbestimmte Fans, die was wollen, die guten Frauenfußball haben wollen. Selbst wenn man sie nicht hört, sie setzen ein Zeichen!

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  • Altwolf sagt:

    @Sheldon.Das ist eine sehr gute Analyse und Beurteilung der Lage des FF, da kann ich Dir nur zustimmen.
    Wie ich schon zuvor geäussert habe,nützen d.FF keine einseitigen Spiele mit hohen Ergebnissen, sondern Spiele auf möglichst hohem Niveau, entweder mit Derby-Charakter oder solche Spiele wie derzeit zwischen den 3 Grossen, so erinnere ich mich gern an WOB-Frankfurt mit über 8000 Zuschauern u.natürlich dabei der erforderlichen Darstellung in d.Öffentlichkeit.
    Hier sind auch die regionalen Printmedien,wie auch lokale Sponsoren u.letztendlich auch die TV-Wahrnehmung entscheidend.EUROSPORT bemüht sich zumindest den internationalen FF zu zeigen,aber den DFB-TV kennen nur die, die sowieso schon FF-Fans sind.Auch ich versuche immer wieder Männerfussball-Anhänger für den FF zu interessieren und einige sind auch bereit sich das mal anzuschauen.In WOB sind d.Vorraussetzungen sicherlich nicht d.Schlechtesten, denn alle Dauerkarten-Besitzer d.MF haben freien Eintritt u.auch aufgrund d.Erfolge haben hier inzwischen regelmäßig Berichte in d.lokalen Medien ihren Platz.Aber es gibt da auch das Problem der Spielzeiten, denn e.Spiel abends an e.Wochentag o.Freitag, wie z.B.gegen Turbine,dann fallen hier 2 Schichten von etwa 30.000 potentiellen Zusachauern aus (betrifft auch d.MF).Andererseits versucht man Überschneidungen zu vermeiden, so So 13:00 gegen Essen u.um 15:30 VFL gegen Nürnberg:So gehe ich erst zu d.Frauen,dann direkt anschließend zu den Männern.
    Ich möchte auch nochmal die Art und Weise der Diskussionen und die Beteiligten hier loben,denn in anderen Foren,insbes. beim MF wird dieses Niveau bei Weitem nicht erreicht.
    Liegt vielleicht auch an dem „Wächter“!!

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  • Sheldon sagt:

    @Altwolf: Das mit dem Niveau hier gegenüber den Männerforen dürfte auch daran liegen, dass es beim MF nicht so schlimm ist, wenn einfach mal ne große Gruppe Fans wegbricht. Dafür gibt es dort einfach zu viele.

    Ich würde mich nicht auf die Printmedien bzw. Medien generell verlassen. Die ziehen erst nach, wenn sich der FF durchgesetzt hat. Im Fernsehen beispielsweise haben immer Sportarten zu kämpfen, die einen langen Zeitraum einnehmen. Das ist auch beim Wintersport so. Rodeln und Bob wird eigentlich immer gezeigt, weil es gerade mal 15 Minuten am Stück einnimmt, Ski Alpin, da sind es schonmal 30 Minuten, Skispringen auch nur 30 Minuten.
    Das sind alles Kurzsportarten.

    Sportarten wie Biathlon oder Langlauf, wo ein Rennen sich auch schonmal über 1 1/2 Stunden strecken kann, mussten lange kämpfen und erstmal eine Riesenlobby aufbauen, bevor man sie komplett zeigte.

    Frauenfußball wird sich erst durchsetzen, wenn die Lobby groß genug ist, als dass die öffentlich-rechtlichen es verantworten können. Medien ziehen erst ganz spät mit, wenn man die hat, kann man sagen, dass sich eine Sportart wirklich durchgesetzt hat.

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