FCR 2001 Duisburg muss Insolvenzantrag stellen

Von am 17. Januar 2013 – 19.07 Uhr 88 Kommentare

Das Frauenfußball-Jahr 2013 beginnt mit einer traurigen Nachricht: Der FCR 2001 Duisburg ist im Sinne der Insolvenzordnung zahlungsunfähig und wird in der kommenden Woche beim zuständigen Amtsgericht den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen.

Wie es in einer Pressemitteilung des Vereins heißt kann der FCR 2001 Duisburg „die zum 15. Januar 2013 fälligen Gehälter nicht zahlen.“ Diese Liquiditätslücke sei kurzfristig nicht zu schließen, so dass der Vorstand rechtlich verpflichtet sei, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Logo des FCR 2001 Duisburg

Logo des FCR 2001 Duisburg ©FCR 2001 Duisburg

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Insolvenzantrag in der nächsten Woche
Um den Verein in die Lage zu versetzen, den Spielbetrieb in der laufenden Saison fortzusetzen und um eine Sanierung des Vereines und damit auch eine weitere Teilnahme am Spielbetrieb der 1. Bundesliga zu ermöglichen, lässt der Vorstand zur Zeit den Insolvenzantrag durch einen Insolvenzrechtler vorbereiten, um ihn dann in der nächsten Woche zu stellen.

Verhandlungen mit dem DFB
Gleichzeitig werden auch Gespräche mit dem DFB und den nachgelagerten Verbänden geführt, damit der laufende Spielbetrieb nicht beeinträchtigt wird und um den Fortbestand des Vereins über das Saisonende hinaus zu sichern. Wie der DFB in einer Pressemitteilung am Freitagmorgen bekanntgab, hat das Einreichen des Insolvenzantrags zunächst keine Auswirkungen auf den Spielbetrieb der Frauenfußball-Bundesliga, weder auf die schon ausgetragenen Spiele des Vereins noch auf die noch zu absolvierenden.

Duisburg droht Abstieg
Sollte jedoch ein Insolvenzverfahren mangels Masse abgelehnt oder vor dem letzten Spieltag eröffnet werden, würde Duisburg als erster Absteiger der Saison 2012/2013 feststehen. Alle Spiele, die der Klub in der Bundesliga bis zu diesem Zeitpunkt absolviert hat und die er danach noch austrägt, würden in diesem Fall nicht gewertet werden. Heike Ullrich, DFB-Abteilungsleiterin Spielbetrieb, erklärt: “Wir stehen im engen Kontakt mit dem FCR. Der Verein hat deutlich gemacht, Lösungen finden zu wollen, und möchte den Spielbetrieb in der Frauen-Bundesliga aufrecht erhalten.”

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

88 Kommentare »

  • sitac sagt:

    Nur ein kleiner aktueller Vergleich zum Männerfußball.
    Der FC Bayern München führte vor einigen Tagen ein Benefizspiel für die insolvenzbedrohte Alemannia Aachen durch(3.Liga!!). Die gesamten Einnahmen von 500 000 Euro(Eintrittsgelder!) gehen an die Alemannia.

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  • Beobachter sagt:

    Laut der Zeitung WAZ wird kolportiert eine Lücke von etwa 200.000 Euro. Na, dann gute Nacht FCR 🙁

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  • berggruen1 sagt:

    @sitac: Daran musste ich auch gleich denken, allerdings dürften, selbst wenn sich Potsdam, Wolfsburg oder Frankfurt zu so einem Benefizspiel bereit erklärten, niemals 200 000 Euro zusammen kommen, nicht einmal die Hälfte dürfte realistisch sein – selbst wenn man es schaffen sollte, das Duisburger Stadion zu füllen.

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  • Cosmos sagt:

    @FF-Fuchs

    Deine Gedanken zu den reinen FF-Vereinen einerseits und den FF-Abteilungen in den Männerclubs andererseits weisen durchaus in die richtige Richtung.

    Allerdings sehe ich, möglicherweise in leichter Differenz zu dir, nur im Erhalt der bestehenden sowie in der Bildung neuer reiner FF-Vereine eine tatsächliche Entwicklungschance für den deutschen Frauenfußball.

    Denn nur eigenständige FF-Vereine, die für sich selber stehen, als eigene und einzigartige Marke vermatrktet werden können und sich auf diesem Wege eine eigene stabile Fanbasis aufzubauen in der Lage sind, könnten in der Lage sein den Frauenfußball auf Vereinsebene aus seinem derzeitigen völligen Nischendasein mit Zuschauerzahlen im teilweise unteren dreistelligen Bereich herauszuführen.

    Die Unterabteilungen der Männerclubs dagegen werden niemals in der Lage sein dieses Nischendasein zu überwinden, da sie eben unter den Fans der jeweiligen Männerclubs bestenfalls als nettes Anhängsel belächelt werden, aber eben nicht in der Lage sind sich eine eigene substanzielle Fanbasis unabhängig vom Hauptverein zu schaffen.

    Die miserablen Zuschauerzahlen in Freiburg, München, Köln, Leverkusen, Hoffenheim, Leipzig und bis letzte Saison auch Hamburg sprechen hier Bände.
    Einzige Ausnahme hiervon scheint derzeit der VfL Wolfsburg zu sein, allerdings mit der Betonung auf dem „scheint“. Denn die mitunter hohen Zuschauerzahlen dort resultieren zum einen aus intensiven und zumeist immer nur auf einzelne Topspiele bezogene Werbemaßnahmen seitens des Hauptvereins und zum anderen natürlich aus dem aktuellen Erfolg. Wer sich die Zuschauerzahlen der Wölfinnen einmal genauer ansieht, der erkennt schnell, dass kein anderer Verein über derart schwankende Zuschauerzahlen verfügt wie der VfL. In dieser Saison z.B. zwischen 3.000 und 300. In der letzten Saisonn noch extremer. Auch hier ist also beileibe keine signifikante eigene Fanbasis am Werke oder auch nur in Sicht.
    Man ist und bleibt abhängig vom Wohl und Wehe der Fans des männlichen Hauptvereins bzw. deren Mobilisierung durch eben jenen Verein.

    Dagegen zeigen die Beispiele vor allem in Potsdam und Frankfurt (unterschiedliche Herangehensweisen jeweils, aber beide gleich wertvoll für den FF -> siehe auch den guten Beitrag von waiiy dazu), aber auch in Duisburg und ansatzweise in Essen, dass sich (nur) als eigenständig vermarkteter FF-Verein stabile und signifikante eigene Fanbasen aufbauen lassen.

    Desweiteren ist der Frauenfußball für die Männervereine auch nur solange interessant, solange man sie sich zur eigenen Imagepflege für kleines Geld halten kann. (Der Run der Männervereine sich einen FF-Verein einzuverleiben begann ja auch passenderweise exakt zu dem Zeitpunkt als bekannt wurde, dass Deutschland die Frauen-WM 2011 austragen würde und jegliche Medienarbeit zugunsten der dann einverleibten FF-Abteilungen endete dann auch quasi abrupt nach dem WM-Finale. Einzige Ausnahmen wären auch hier Wolfsburg und ansatzweise vielleicht noch Hoffenheim und Bayern).
    Sprich solange man sich einen FF-Bundesligisten für sechsstellige Summen im Jahr in die Bundesliga führen respektive dort halten kann. Denn jede Investition über solche Summen hinaus würde bei den meisten Bundesligisten zu Belastungen der Herrenabteilungen führen, die aber natürlich niemand ernsthaft anstrebt oder gar vereinsintern durchzusetzen bereit wäre. Die Entscheidung des HSV im letzten Sommer war insofern auch konsequent und ein Vorgeschmack auf die Zukunft.

    Ergo werde insbesondere die FF-Abteilungen der großen Männervereine auch kein Interesse an einer weiteren Entwicklung des deutschen FF-Vereinsfußball haben, da diese weitere und höhere Ausgaben mit sich brächte.

    (Als einzige mögliche Ausnahmen von dieser Tendenz sähe ich theoretisch nur drei Männerclubs und zwar Wolfsburg, Hoffenheim und Bayern München. Denn diese drei Clubs verfügen über derart große und stabile finanzielle Mittel, dass auch FF-Budgets von 3-5 Mio zu keiner substanziellen Schwächung ihrer Herrenabteilungen führen würden.)

    Fazit: Sollte der deutsche Frauenvereinsfußball tatsächlich mal sein derzeitiges Schattendasein überwinden und Zuschauerzahlen bzw. auch Medienpräsenz vergleichbar mit dem Herren-Handball oder -basketball erreichen, dann wird dies auf der Grundlage einer von eigenständigen und gut vermarkteten FF-Vereinen dominierten Liga geschehen. Oder es wird eben gar nicht geschehen.

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  • HH1971 sagt:

    Ich hab mir jetzt einige Beiträge durchgelesen, gerade die der letzten Woche, und ich muss sagen, ich bin ein wenig geschockt von soviel Blauäugigkeit. Was glaubt ihr denn, wo die Zuschauer herkommen sollen? Hatten wir nicht 2011 ne WM im eigenen Land, wo die Stadien recht voll waren, wo man meinte, jetzt geht es voran, und dann ist nichts passiert? Warum ist das so? Die WM fand statt, während die Männer Sommerpause hatten. DAS war der Hauptgrund, warum die Stadien voll waren. Sobald gleichzeitig die Männerligen laufen, interessiert sich nur ein kleiner Teil der Fussballfans für Frauenfussball. Und wenn man mal ehrlich ist: das wird man in den nächsten 20 Jahren auch nicht ändern. Wenn selbst die Medienpräsenz, die während der WM da war, nicht zu mehr Zuschauern führt, muss man einfach mal die einsehen, dass Frauenfussball kein massenkompatibles Potenzial hat. Aber was ist daran so schlimm? Es gibt so viele Sportarten, die jedes Wochenende Wettkämpfe stattfinden lassen, ohne dass es um Geld geht. Dann muss man halt einfach mal einsehen, dass man mit Frauenfussball kein Geld verdienen kann, und dass die Spielerinnen ihren Sport als Hobby betreiben, so wie das Hundertausende anderer Sportler in Deutschland auch tun. Dafür muss man sich nicht schämen. Der Geldkuchen wird schon von den Männern verputzt, und daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

    Im übrigen sehe ich in den letzten Jahren kein Wachstum bei den Zuschauerzahlen. Guckt euch doch mal Wolfsburg, Bayern oder Leverkusen an: Da gehen 300-400 Leute hin, in Wolfsburg sind es ab und zu mehr, aber das ist doch finanziell für keinen Bundesligaverein interessant. Da wird nicht mehr reingesteckt, als die Steuerberater raten. 🙂 In Duisburg fallen die Zahlen, vorallem auch, weil man meint, man müsste die höchsten Eintrittspreise haben, obwohl das Team das nicht rechtfertigt. Nach dem Hype bei der WM sollten die Verantwortlichen endlich mal wieder auf den Boden der Tatsachen kommen, und sehen, dass Frauenfussball mehr mit Idealismus zu tun hat, als mit Geld scheffeln. Und damit meine ich auch die Spielerinnen!

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  • HH1971 sagt:

    OK, ich korregiere mich in einem Punkt. Ich habe gerade nochmal nachgeforscht: Wolfsburg hat keinen schlechten Zuschauerschnitt in der Hinrunde. Allerdings fällt auf, dass es da sehr hohe Schwankungen gibt. So waren gegen Sindelfingen angeblich über 3000 Zuschauer im Stadion, gegen Freiburg aber nur 350. Ich denke, da wird irgendwas mit den Tickets gedeichselt, z.B. mit Schulklassen, oder die Fans, die schon Tickets für´s Männerspiel haben, kommen umsonst zum Frauenspiel, oder sowas in der Art. Nur ne Schlussfolgerung, also nicht empirisch belegt. 🙂

    Insgesamt liegt der Zuschauerschnitt der Hinrunde bei 910. Die 1000 wurden also nicht geknackt. Zieht Potsdam, Frankfurt und Wolfsburg ab, bleibt ein Schnitt von 550.
    Die Vereine, die Männerbundesligisten haben, haben einen Schnitt von 720, ohne Wolfsburg bleiben allerdings nur 310.

    OK, man kann nun Frankfurt, Potsdam und Wolfsburg anführen, die zusammen einen Schnitt von fast 2000 haben, wobei ich bei Wolfsburg nicht sicher bin, wie die zu den hohen Zahlen kommen, aber ich bezweifel, dass das Zuschauerpotenzial alle Vereine haben. Duisburg hat nen Schnitt von 940 Zuschauern, wobei die schon Frankfurt und Potsdam zu gast hatten, was jeweils 1300 Zuschauer gebracht hat. Aber ich erinner mich an Spiele, da waren in Duisburg über 2000 wenn diese beiden kamen. Anscheinend geht mit dem Erfolg auch ein großer Teil der sogenannten Fans, und Erfolg können nicht alle 12 Mannschaften in der Liga haben. Ausser bei den Topvereinen hat sich an den Zuschauerzahlen jedenfalls nicht viel getan.
    Ich frage mich allerdings schon, warum man in Duisburg keine Struktur finden konnte, die ähnliches wie in Potsdam oder Frankfurt möglich macht. Ich gehe da mal stark von Mismanagement aus. Da wird lieber ein Stadion gemietet, um ein Rückspiel des UEFA Pokal Endspiels auszutragen, welches schon im Hinspiel entschieden war. Zu günstigen Ticketpreisen kriegt man zwar das Stadion voll und brüstet sich mit der rekordverdächtigen Zuschauerzahl, aber die Kohle für das Stadion kriegt man nicht wieder rein. Danach spielt man dann Europapokalspiele in Oberhausen aus, wo man mehr Miete bezahlt, aber auch nicht mehr Leute hatte, als ins PCC Stadion gepasst hätten. Da ist einiges schiefgelaufen und man hat sich wohl auf Dinge konzentriert, die kurzfristig Erfolg bringen, aber langfristig den Bach ausheben, den es danach dann runtergeht.

    Naja, ich vermisch jetzt Insiderwissen mit Vermutungen. Aber mit Sicherheit ist da was dran, und ich bin mir sicher, dass Frauenfussball in den nächsten Jahren wieder interessanter wird, wenn man sich bewusst wird, dass es ein Amateursport ist.

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  • Alice sagt:

    HH1971,
    ich war bei jedem wolfsburger Heimspiel der Hinrunde, außer bei denen, die eben mitten in der Woche stattfinden -> Das Spiel gegen Freiburg war an einem Mittwoch um 15:00Uhr, was die Zuschauerzahl erklärt.
    In Wolfsburg ist es so, dass nur die VfL-Dauerkartenbestitzer auch umsonst ins Stadion am Elsterweg zu den Frauen gehen können. Ich weiß nicht was du genau mit „an den Tickets gedeichselt“ meinst, aber so wie ich das sehe wird da wenig bis gar nicht gedreht. Schulklassen hab ich auch noch nie beobachten können. Studenten, Schüler, Rentner und Kinder zahlen weniger, wie überall 🙂 Aber das ist ja auch total Off-Topic, jetzt. Sollte nur ein kleiner Einschub sein.

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  • HH1971 sagt:

    Alice: Das war gar nicht so böse gemeint. Im vergleich zu den anderen Mannschaften fielen mit bei Wolfsburg halt die extremen Schwankungen auf. Ist auch egal wo sie herkommen, denn die Zahlen der anderen Vereine mit großen Männermannschaften sehen trotzdem armselig aus, und das ist das, was ich ausdrücken wollte.

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