Wolfsburg feiert Last-Minute-Sieg

Von am 23. November 2012 – 21.28 Uhr 82 Kommentare

Im Topspiel des 10. Spieltags der Frauen-Bundesliga schienen sich lange Zeit die Fußballgötter gegen den VfL Wolfsburg verschworen zu haben. Denn trotz drückender Überlegenheit und hochkarätiger Chancen der Wolfsburgerinnen führte Potsdam bis in die Schlussphase, ehe Nadine Keßler mit zwei Treffern das Spiel drehte, als Potsdam in Unterzahl agierte.

Am Ende stand vor 3 069 Zuschauern im VfL-Stadion am Elsterweg ein 2:1 (0:1)-Sieg der Wolfsburgerinnen. Lisa Evans erzielte kurz vor der Pause den Führungstreffer für Turbine (44.), Nadine Keßler glich in der Schlussphase aus (82.) und erzielte in der Nachspielzeit den viel umjubelten Siegtreffer (90.+3). Wolfsburg zementierte somit die Tabellenspitze (25 Punkte) vor Potsdam (22) und hat noch ein Nachholspiel in der Hinterhand.

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Highlights Wolfsburg gegen Potsdam anschauen

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Veränderungen in beiden Teams
Der VfL Wolfsburg trat mit einer gegenüber dem 8:1-Pokalsieg beim FCR 2001 Duisburg auf zwei Positionen veränderten Startformation an. Für Ivonne Hartmann und Stephanie Bunte kehrten Josephine Henning und Verena Faißt ins Team zurück. Der 1. FFC Turbine Potsdam bot gegenüber dem 1:0-Erfolg im DFB-Pokal beim SC 07 Bad Neuenahr Jennifer Cramer in der Anfangself für die erkrankte Patricia Hanebeck (Magen-Darm-Grippe) auf.

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Wolfsburg drängt von Beginn an
Von Beginn an übernahm der VfL Wolfsburg das Kommando, schon nach 60 Sekunden musste Stefanie Draws einen Schuss von Conny Pohlers zur Ecke blocken (1.), Pohlers scheiterte kurz darauf mit einem Schuss übers Tor (3.). Für die drückend überlegenen Wolfsburgerinnen sollte es die Halbzeit der verpassten Chancen werden, Pohlers (20.), Nadine Keßer (21.), Goeßling (26.), Odebrecht (27.) und Popp (28.) ließen beste Chancen liegen.

Chancen für Wolfsburg, doch Potsdam trifft
Turbine konnte sich auf dem nassen Rasen nur selten aus der Umklammerung befreien, Evans gab einen ersten Schuss aufs Wolfsburger Tor ab (35.). Wegen einer Abseitsstellung verwehrte Schiedsrichterin Christine Baitinger einem Treffer von Pohlers die Anerkennung. Die mangelnde Chancenverwertung der Wolfsburgerinnen sollte sich rächen, denn Evans kam kurz vor der Pause am langen Pfosten freistehend an den Ball und verwertete aus 12 Metern zur 1:0-Führung für Turbine (44.) – der Spielverlauf der ersten Halbzeit war damit auf den Kopf gestellt.

Jubel des VfL Wolfsburg

Der VfL Wolfsburg hatte späten Grund zum Jubeln © Lutz Kollmann / girlsplay.de

Goeßling verschießt Elfer, Keßler trifft, Yango sieht Gelb-Rot
Und der zweiten Halbzeit ging es im gleichen Rhythmus weiter, Pohlers ließ nach Ecke von Goeßling und Müller-Flanke die nächste gute Chance aus (54.), einen Kopfball von Keßler hielt Naeher sicher (63.). In der Schlussviertelstunde überschlugen sich die Ereignisse, die eingewechselte Jeanette Ngock Yango sah nach einem Foul an Jakabfi die Gelb-Rote Karte – Goeßling scheiterte vom Elfmeterpunkt an Naeher (77.). Und Keßler verpasste die nächste gute Chance (78.). Doch Minuten später ist sie zur Stelle und erzielt mit einem Drehschuss den hoch verdienten Ausgleich (82.).

Ereignisse überschlagen sich
Und Popp vergab Sekunden vor Schluss aus kurzer Distanz den Siegtreffer (89.), Goeßling hatte noch einmal den Sieg auf dem Fuß (90.+1). Doch auch Potsdam hatte noch eine gute Chance in der Nachspielzeit, Ogimis Schuss ging knapp vorbei und als beide Teams schon fest mit einem Remis rechneten, schlug Keßler noch einmal zu und erzielte das 2:1 (90.+3).

Kellermann: „Klar bessere Mannschaft“
Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann erklärte: „Wir waren die klar bessere Mannschaft, haben aber unfassbar viele Chancen liegen lassen. Aber wir haben bis zum Schluss an uns geglaubt. Der Sieg in der Nachspielzeit ist glücklich, aber unterm Strich hoch verdient.“

Schröder: „Hatten nicht viel zu bestellen“
Potsdams Trainer Bernd Schröder meinte: „Wir hatten heute nicht viel zu bestellen, Wolfsburg hat verdient gewonnen. Aber das Ergebnis zählt, deswegen ist es ärgerlich. Wir haben nur reagiert und es war klar, dass wir das nicht halten können.“

VfL Wolfsburg – 1. FFC Turbine Potsdam 2:1 (0:1)

VfL Wolfsburg: Vetterlein – Wensing, Goeßling, Henning, Faißt – Jakabfi, Keßler, Odebrecht – Martina Müller (71. Blässe), Pohlers (84. Magull), Popp (90.+4 Ivonne Hartmann)

1. FFC Turbine Potsdam: Naeher – Singer, Draws, Jaques – Cramer (46. Ngock Yango), Doorsoun-Khajeh, Winters (80. Starke), Göransson – Evans, Anonma (69. Mirlach), Ogimi

Tore: 0:1 Evans (44.), 1:1 Keßler (82.), 2:1 Keßler (90.+3)

Schiedsrichterin:
Christine Baitinger (Friesenheim)

Zuschauer: 3 069

Gelbe Karten: Cramer (31.), Ogimi (37.), Anonma (62.)

Gelb-Rot: Ngock Yango (77. wiederholtes Foulspiel)

Besondere Vorkommnisse: Goeßling scheitert mit Foulelfmeter an Naeher (77.)

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

82 Kommentare »

  • speedy75 sagt:

    Da wünsche ich Inka Weseley auch gute Besserung. Ist ja echt bitter in so kurzer Zeit gleich 2 mal die selbe Verletzung.

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  • Detlef sagt:

    Zunächst einmal gute Besserung an INKA!!!
    Kopf hoch Mädel, es kommen sicher wieder bessere Zeiten!!!

    @Katerli,
    FFFan hat absolut Recht, Schröder hat vor der Saison gesagt, daß die „neue Mannschaft“ nicht schlechter sein wird als die letzte!!!
    Und damit legte er selber die Meßlatte ziemlich hoch!!!
    Das dies zumindest im Moment nicht beweißbar ist, da einige wichtige Leistungsträgerinnen krank, angeschlagen oder verletzt sind, macht ihn damit aber nicht zum Lügner!!!

    Und warum können wir nicht endlich damit aufhören, die Kritiker (egal an welcher Mannschaft) immer wieder als „Meckerer“ hinzustellen???
    Bernd Schröder hat selber immer wieder gefordert, daß es in Deutschland endlich wieder eine Streitkultur geben soll!!!
    Dieses „alles ganz toll, alles super, wird schon wieder“-Geschwafel bringt keinen auch nur einen Millimeter vorwärts!!!
    Die Spielerinnen wissen doch selber wenn sie Fehler machen!!!
    Ich würde mir da absolut verarscht vorkommen, wenn mir nach so einem Spiel jemand auf die Schulter klopfen würde, und „gutes Spiel, gut gemacht“ ins Ohr flöten würde!!!
    Also was ist so schlecht daran, wenn man diese Fehler offen anspricht, und über Lösungen und Möglichkeiten offen diskutiert???
    Es wird ja keine Spielerin hier beschimpft oder runtergemacht, wie das im MF Gang und Gäbe ist!!!
    Man sollte auch nicht alles schlecht reden, daß ist schon richtig!!!
    Die Abwehrschlacht hat zumindest gezeigt, daß man sich bei TURBINE nicht in seiner Limitiertheit ausgeruht hat, sondern statt dessen die Arschbacken zusammengekniffen, und den Kampf gegen einen (zumindest an diesem Tag) übermächtigen Gegner angenommen und gekämpft hat!!!

    Und ich gebe Dir auch darin Recht, daß man so zumindest Schlimmeres verhindert hat!!!
    Es ist sicherlich auch so schon schwer genug, die knappe und letztlich auch unglückliche Niederlage zu verdauen!!!
    Aber wenn man mit einem 1:7 oder 1:8 aus Wolfsburg nach Hause gefahren wäre, hätte das wahrscheinlich einen unheilbaren Knacks im Selbstvertrauen gegeben!!!
    Somit ist der Blick aufs reine Ergebnis wesentlich angenehmer!!!
    Und die Tatsache, daß man nur in Unterzahl gegen so einen starken Gegner die 2 Gegentore kassiert hat, läßt zumindest fürs Rückspiel etwas hoffen!!!

    Ob das mangelhafte Paßspiel der letzten Spiele etwas mit dem Training von Schröder zu tun hat, habe ich mich auch schon länger gefragt!!!
    Aber sie haben es in dieser Saison (mit dieser neuen Mannschaft) auch schon ganz anders zelebriert, und nicht nur gegen schwächere Teams!!!
    So hat man gegen Frankfurt ein deutliches Chancenplus herausgearbeitet, und gegen Arsenal immerhin 3 Tore und etliche Chancen!!!
    Sie können es also, wenn sie fest an sich glauben!!!

    Es ist also ein dummes Märchen, daß man in Potsdam nur Waldläufe und Sprints im Training übt!!!
    Oder glaubst Du im Ernst, daß man so viermal in Folge deutscher Meister geworden wäre???

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