Verletzungen überschatten Spitzenspiel, Aufsteiger überraschen

Von am 30. September 2012 – 17.27 Uhr 89 Kommentare

Der 1. FFC Frankfurt hat das Spitzenspiel des vierten Bundesliga-Spieltags beim 1. FFC Turbine Potsdam mit 2:1 gewonnen und damit die Tabellenführung übernommen. Dabei wurde die Partie allerdings von schweren Verletzungen in der Schlussphase überschattet.

Beim Stand von 1:1 stießen die Potsdamerinnen Stefanie Mirlach und Alex Singer in der 87. Minute mit den Köpfen zusammen. Beide mussten minutenlang behandelt werden und anschließend vom Feld getragen werden. Das medizinische Team der Frankfurter half bei der Versorgung der Spielerinnen. Schiedsrichterin Riem Hussein entschied anschließend, fünf Minuten nachspielen zu lassen. In der siebten Minute war schon Potsdams Antonia Göransson verletzt ausgewechselt worden.

Auch Bajramaj verletzt
Turbine-Trainer Bernd Schröder hatte bereits dreimal gewechselt, sein Team stand in der Nachspielzeit nur noch zu neunt auf dem Feld. Fatmire Bajramaj nutzte in dieser Phase eine Vorlage von Ana-Maria Crnogorcevic zum 2:1-Endstand. Bajramaj und die Frankfurterinnen verzichteten im gellenden Pfeifkonzert der Potsdamer Fans auf den Jubel. Und möglicherweise müssen die Frankfurterinnen den Sieg teuer bezahlen, denn ausgerechnet die Torschützin musste nur wenige Minuten später nach einem Foul von Tabea Kemme mit einer augenscheinlich schweren Knieverletzung vom Feld.

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Fatmire Bajramaj

Erst das 2:1 erzielt, dann verletzt vom Feld: Fatmire Bajramaj © Nora Kruse / ff-archiv.de

Chancen auf beiden Seiten
So stand das Spitzenspiel ganz im Zeichen der Schlussphase. Zuvor hatte Kerstin Garefrekes die Frankfurterinnen in der 59. Minute nach einer Hereingabe von Sandra Smisek mit 1:0 in Führung gebracht. Die Gastgeberinnen kamen in der 71. Minute zum Ausgleich. Yuki Ogimi köpfte einen Freistoß von Patricia Hanebeck zum 1:1 in den Kasten von Nationaltorhüterin Nadine Angerer. Vor 4120 Zuschauern hatten beide Teams Möglichkeiten, die Partie zu entscheiden. Kurz vor dem Ausgleich kratzte Saskia Bartusiak einen Ball von Ogimi noch von der Linie, in der 80. Minute konnte Lisa Evans einen Schuss von Crnogorcevic klären.

Wolfsburg holt drei Punkte in Jena
Vize-Meister VfL Wolfsburg fuhr vor 500 Zuschauern einen 3:0-Erfolg beim FF USV Jena ein. Conny Pohlers brachte die „Wölfinnen“ mit dem 1:0 bereits in der vierten Minute auf die Siegerstraße. Kurz nach der Halbzeit legte Zsanett Jakabfi (48.) das 2:0 nach, ehe Pohlers in der 70. Minute das 3:0 gelang.

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Maren Wallenhorst sorgte für das entscheidende dritte Tor der Gütersloherinnen. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Gütersloh überrascht gegen Duisburg
Der FCR 2001 Duisburg musste unterdessen eine 2:3-Niederlage beim FSV Gütersloh 2009 einstecken. Der Aufsteiger führte nach 26 Minuten durch die Treffer von Nina Claassen (16.) und die Ex-Duisburgerin Anne van Bonn (26.) bereits mit 2:0, ehe Jackie Groenen (42.) kurz vor der Halbzeit verkürzen konnte. „Wir waren nicht entschlossen und konsequent genug vor dem Tor und sind dann eiskalt ausgekontert worden“, so Duisburgs Trainer Marco Ketelaer. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Maren Wallenhorst in der 67. Minute auf 3:1. Doch durch den Treffer von Gülhiye Cengiz in der 82. Minute zum 3:2 entwickelte sich eine spannende Schlussphase, in der die Ostwestfälinnen den knappen Erfolg aber über die Zeit brachten.

Mit nun sechs Punkten liegt Gütersloh auf dem vierten Rang, der FCR mit drei Zählern auf dem neunten. „Ganz klar: Mit drei Punkten aus drei Spielen können wir nicht zufrieden sein“, hadert Ketelaer mit dem schwachen Saisonstart.

Sindelfingen holt die ersten Punkte
Aufsteiger VfL Sindelfingen hat beim 3:2 (0:1)-Sieg gegen den SC Freiburg die ersten Punkte der Saison gewonnen. Dabei hatten die Gastgeberinnen nach dem Elfmeter-Treffer von Juliane Meier (42.) sowie dem Tor von Irlands Nationalspielerin Fiona O’Sullivan (60.) bereits mit 0:2 zurückgelegen. Doch innerhalb von fünf Minuten drehte der VfL die Partie. Für den Aufsteiger trafen Julia Schneider (80.), Jana Sprengler (81.) und Alexandra Szarvas (85.)

Punkteteilung in Leverkusen
Im rheinischen Duell teilten sich Bayer 04 Leverkusen und der SC 07 Bad Neuenahr die Punkte. Die Partie endete 1:1. Zunächst hatte Nicole Roser (28.) die Gäste in Führung gebracht. Eunice Beckmann (65.) glich für die Werkself aus.

FCB verliert in Essen
DFB-Pokalsieger FC Bayern München verlor bei der SGS Essen mit 0:2. Vor 1331 Zuschauern gelangen Sabrina Dörpinghaus (30./55.) beide Treffer.

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89 Kommentare »

  • ballander sagt:

    wer den besorgten schrei nach den ärzten gehört hat im karli, der wusste, dass die verletzungen ein schreckliches bild ergeben haben müssen, die anlass zur ernsthaften sorge um die spielerinnen mirlach und singer gegeben haben.

    die spielerinnen, die erste hilfe zu leisten versuchten bzw. ohnmächtig das geschehen abwarteten, waren sichtlich unter schock und alles andere als in der lage, einfach so weiterzuspielen. der respekt gegenüber den spielerinnen von turbine hätte es geboten, in dieser situation eben kein tor zu machen.

    wie kann man an einer torfrau (naeher) die murmel einschieben, wenn die soeben mit ansehen musste, wie ihre landsfrau (singer) blutüberströmt und bewusstlos auf dem platz lag und man mit schlimmsten verletzungen rechnen muss? das bild in der maz zeigt sie neben den verletzten kauernd…

    die frankfurterin ali krieger, die ebenfalls zu ihrer landsfrau gelaufen ist, hätte den ball ganz sicher in dieser situation lieber in den himmel als in ein tor geschossen, bei dem die torhüterin nur physisch anwesend ist. das wäre fair play gewesen.

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  • benkku sagt:

    @Guido – du scheinst nicht ganz nachvollziehen zu können, worum es hier geht. Niemand fordert eine Regel, nach der ein Spiel ab einer bestimmten Minute und/oder Schwere der Verletzung eines Beteiligten abgebrochen wird. Wie du ganz richtig bemerkt hast, kann hier keine klare Linie gezogen werden. Was dir dabei entgeht, ist die Tatsache, daß Menschen in der Lage sind oder sein sollten, in einer konkreten Situation ein Verhalten an den Tag zu legen, das über das sture Befolgen von Regeln und das rücksichtslose Verfolgen des eigenen Vorteils hinaus geht. Wenn du das nächste Mal in deinem Leben in eine Situation kommst, in der du darauf angewiesen bist, daß jemand dir gegenüber einen Ermessensspielraum zu deinen Gunsten auslegt, dann erinnere dich vielleicht mal an die bürokratische Regeltreue, die du hier forderst.

    Abgesehen davon ist deine Argumentation unpräzise, und auch wenn hier manches schon einige Male geschrieben wurde, kann ich mir nicht verkneifen, das nochmal klarzustellen.

    Zum Thema Kim Kulig/WM 2011: Ihre Verletzung war schwer im Sinne einer Sportverletzung, die eine lange Pause nach sich zieht – aber nicht gefährlich in medizinischer Hinsicht. Zudem konnten die Deutschen zu dem Zeitpunkt noch dreimal wechseln, und die Spielsituation war völlig offen. Das war eine normale Situation, wie er in vielen Fußballspielen entsteht und einer Mannschaft durchaus nicht immer zum Nachteil gereichen muß. Im Gegenteil, ein intaktes Mannschaftsgefüge kann daraus sogar eine „jetzt erst recht“-Kraft ziehen (siehe Potsdam gestern nach der frühen Göransson-Verletzung), aber das Mannschaftsgefüge der deutschen Nationalelf bei dem Turnier… naja, lassen wird das.

    Zurück zum Thema: Eine Kopfverletzung mit Blutverlust und vorübergehender Bewußtlosigkeit ist, anders als ein Bänderriss o. dgl., schwer UND gefährlich. Das kann auf den ersten Blick alles von einer leichten Gehirnerschütterung bis zum schweren Schädel-Hirn-Trauma oder gar Schädelbruch mit lebenslangen Spätfolgen bedeuten, und kein Mediziner wird da nach ein paar Minuten Notversorgung auf einem Fußballplatz Entwarnung geben. Was den beiden Potsdamerinnen passiert ist, war ja keine leichte Platzwunde, nach der man sich kurz schüttelt und mit einem „Hoeneß-Turban“ weitermachen kann. Wer nach so einer Situation einfach weiterspielt, als wäre nichts gewesen und sich danach hinter den Regeln versteckt, hat meines Erachtens nicht nur in sportlicher, sondern auch in ganz allgemein menschlicher Hinsicht etwas sehr Grundsätzliches von dem, was Humanität ausmacht, nicht verstanden.

    Zum Thema Gijon 1982: Ich habe das Beispiel gebracht, weil die Haltung der Frankfurterinnen nahezu exakt der Einstellung der deutschen und österreichischen Nationalmannschaften damals entspricht. Eine Dummheit im Turniermodus (danach erst wurde aus gutem Grund eingeführt, daß die letzten Gruppenspiele parallel ausgetragen werden) brachte den beiden Mannschaften den – nicht durch sportliche Leistung erreichten – Vorteil, daß sie genau wußten, welches Ergebnis ihnen beiden zum Weiterkommen reichen würde, und als dieses Ergebnis – wohlgemerkt schon nach ca. 10 Spielminuten – erreicht war, haben sie die Zeit halt runterlaufen lassen. Das war alles regelkonform – aber du bezeichnest es selbst, und völlig zu recht, als „Schande“. Fällt dir was auf?

    Zum Thema Miro Klose: das Tor war irregulär erzielt, aber das macht laut Fußballregeln keinen Unterschied, wenn der Schiedsrichter es anerkannt hat. Nach solchen Toren durften andere schon ungestraft die „Hand Gottes“ herbeizitieren. Darin liegt ja gerade die Größe einer solchen sportlichen Haltung (ist übrigens nicht das erste Mal, Klose hat ja auch schonmal einen Elfmeter „zurückgegeben“) – sich im Sinne einer höheren Moral darüber hinwegzusetzen, was einem die Regeln erlauben und was einem einen Vorteil verschafft.

    Man kann sich möglicherweise mit guten Gründen über die Potsdamer Fans ärgern – in der Internetübertragung war nicht gut zu hören, was da alles gesagt und gerufen wurde, aber ich war auch schon bei Spielen gegen den FFC im Karli und kann mich erinnern, was da so für peinliche Kommentare kommen. Aber das hat mit dem eigentlichen Skandal dieses Spiels ja nichts zu tun.

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  • franksquasher sagt:

    Hmh…der ausgebliebene Frankfurter Jubel hat nix mit Fairness zu tun…sondern war einfach der Angst geschuldet dass die Fans dann über den Zaun gestiegen wären.
    Die Schiedsrichterin hat sich sowohl beim Kemme-Foul und bei der Nachspielzeit wohl den Regeln entsprechend verhalten. Fingerspitzengefühl wird zwar immer wieder von den Schiedsrichtern gewünscht…aber gut…wenn´s nicht kommt…

    Dann bleiben meiner Meinung nach noch die „erfahrenen“ Spielerinnen oder die Trainer übrig, die auf das Spiel hätten einwirken können.
    Ich würde keiner jungen Spielerin die Schuld geben, wenn sie weiter mit Zug zum Tor spielt…
    Aber ich hätte allerdinge von den „Alten“ wie Garefrekes oder Angerer erwartet dass sie das Ding runterfahren.
    Die sollten sich mal hinterfragen…wenn die das nicht auf die Reihe kriegen, wer dann…

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  • Towatei77 sagt:

    https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hitlisten_des_nordens/hitlisten303_item-17910_liste-39.html

    Die Bayern haben damals quasi ohne Torwart weitergespielt und hätten dieses Spiel auch gut und gerne verlieren können. Ich glaube nicht, dass da einer sich im Nachhinein beschwert hätte, dass nicht abgebrochen worden ist.

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  • wfm sagt:

    @Sokrates
    In der Regel stimme ich Deinen Beiträgen zu, kann Dir in der moralischen Verurteilung der Mannschaft des FFC nicht folgen. Interessanterweise ist auch Ogimi nicht Deiner Meinung. Sie selbst findet in ihrem Blog, dass Frankfurt das getan hat, was sie tun mussten und dass sie dasselbe getan hätten.
    Es muss erlaubt sein zu fragen, was gewesen wäre, wenn die mehr als unglückliche Verletzung von Mirlach und Singer 15 Minuten früher gewesen wäre. Hätte man dann einen Nichtangriffspakt schließen und eine Viertelstunde den Ball hinundherschieben sollen? Und was, wenn Frankfurt dabei den Ball vertändelt hätte und Potsdam mit einem schnellen Konter das Siegtor geschossen hätte.
    Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass alle mit der Situation überfordert waren. Es standen doch auch Potsdamer Spielerinnen abseits der Verletzten ohne sich diese anzusehen, weil man wohl nur von einer üblichen Platzwunde ausging.
    Schröder hat doch auch auf der PK gesagt, dass man im Nachhinein anders hätte handeln können oder müssen, z.B. das Gespräch mit Frankfurt suchen.

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  • Kati sagt:

    auf der Homepage des FFC Frankfurt heißt es, dass sich der Verdacht auf Kreuzbandriss bei Bajramaj leider bestätigt hat.

    Gute Besserung!

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  • Iche sagt:

    Lira – Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie 🙁

    Was für eine Bilanz dieses Spiels 🙁

    Allen Verletzten gute Besserung

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  • xXx sagt:

    Der Verdacht auf Kreuzbandriss bei Lira Bajramaj hat sich bestätigt.

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  • Nora Kruse sagt:

    Der Thread ist geschlossen.

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