Die Nordstaffel wird spannend wie nie
Womensoccer wird in Zukunft regelmäßig Beteiligte des Frauenfußballs in Gastbeiträgen zu Wort kommen lassen. Zum Auftakt haben wir Tanja Schulte, Trainerin des BV Cloppenburg, nach ihrer Einschätzung der neuen Saison in der Zweiten Bundesliga Nord gefragt.
Immer wieder wird diskutiert, welche der beiden Zweitligastaffeln die stärkere sei. Zuletzt wurde mit dem Hamburger SV II und dem 1. FFC Turbine Potsdam II gleich zwei Jahre in Folge eine Zweitvertretung Meister, und „nur“ der Zweitplatzierte stieg ins Oberhaus auf. Seit dem VfL Wolfsburg im Jahr 2006 ist es keinem der Aufsteiger der Nordstaffel gelungen, sich dort zu halten.
Hamburg-Rückzug hebt Relegation auf Der Hamburger SV hat in den letzten beiden Jahren anderweitig – dennoch entscheidend – in die Auf- und Abstiegsregelung eingegriffen. Die Relegationsspiele, die über den fünften Absteiger aus den beiden Staffeln entscheiden, fielen aus, weil der HSV im Jahr 2011 die Zweitvertretung aus der zweiten Liga abmeldete und vor dem Start in die Saison 2012/2013 auch die Erstligamannschaft.
HSV-Spielerinnen heben Liga-Niveau Die negativen Auswirkungen sowie das Gesamtbild, das der Verein damit abgab, waren und sind verheerend, der Nordstaffel hat es jedoch qualitativ gutgetan. Es sind etliche Spielerinnen dort gelandet und heben das Niveau kräftig an. In der seit zwei Spieltagen frischen Saison ist bereits zu erkennen, dass die Nordstaffel so spannend und ausgeglichen wird wie nie zuvor.
Mannschaften mit unterschiedlichen Philosophien Ein Fünfkampf um den Aufstieg darf erwartet/erhofft werden – ein Quintett mit dem 1. FC Lok Leipzig , dem BV Cloppenburg, dem Herforder SV, dem SV Meppen sowie dem SV Werder Bremen . Fünf Mannschaften also, die allesamt unterschiedliche Geschichten schreiben, unterschiedliche Philosophien verfolgen und unterschiedliche Voraussetzungen haben. Titelträger Potsdam II gesellt sich im Kampf um die Meisterschaft hinzu, darf jedoch nicht aufsteigen.
Leipzig: Vorteil Erstligaerfahrung Lok Leipzig kommt nach einem turbulenten Bundesliga-Jahr mit neuen aber auch vielen alten Gesichtern zurück, die den Vorteil haben, das Erstligatempo und das körperbetontere Spiel verinnerlicht zu haben. Leipzigs Zielsetzung Platz eins bis vier ist realistisch. Die Mannschaft ist gespickt mit unterschiedlichen Spielertypen; technisch, spielstark und sehr athletisch.
Cloppenburg: kleiner hochwertiger Kader Als letztjähriger Tabellendritter werden wir von vielen als der heißeste Kandidat auf den Aufstieg gehandelt, was vor allem an den Neuverpflichtungen Nathalie Bock (Wolfsburg) sowie Aferdita Kameraj und Marie-Louise Bagehorn (Hamburg) liegt. Zudem konnten wir weitere Leistungsträgerinnen in Cloppenburg halten. Auf der Gegenseite stehen aber auch viele Abgänge zu Buche. Es ist ein kleiner, qualitativ hochwertig besetzter Kader mit sieben ausländischen Nationalspielerinnen. Unserer Favoritenrolle können und wollen wir gerecht werden; personell darf uns angesichts des kleinen Kaders aber nicht viel passieren.
Bremen: Leisetreter mit Ambitionen In Sachen Saisonzielangabe gilt der SV Werder Bremen als Leisetreter der Liga. „Irgendwann wollen wir mal nach oben, aber wir haben noch Zeit“ lautet die Aussage der Bremer Verantwortlichen. Die Mannschaft ist durch die Profianbindung mit einer tollen Infrastruktur ausgestattet, darf sie aber nur bedingt nutzen. Defensiv ist die Mannschaft eingespielt, offensiv hat sie sich mit Maike Timmermann und Daniela Schacher vom HSV sinnvoll und qualitativ verstärkt. Bremen schickt eine eingespielte, taktisch gut ausgebildete Mannschaft mit vielen bemerkenswerten B-Juniorinnen ins Rennen.
Herford: Vorjahresergebnis verbessern Mit talentierten B-Juniorinnen und dem Verbleib einiger Leistungsträgerinnen hat der Herforder SV den drohenden Zusammenbruch nach dem zweiten Bundesligaabstieg 2011 abwenden können. Sie haben den Umbruch gut gemeistert, landeten im vergangenen Jahr auf dem vierten Tabellenplatz und wollen sich nun verbessern.
Meppen: Mit starken Neuverpflichtungen nach oben Verbessert hat sich auch der SV Meppen. Die Mannschaft galt lange „nur“ als lauf- und kampfstark – ihr lag es mehr, das Spiel des Gegners zu bekämpfen, denn es selbst zu gestalten. Hinzu kam, dass dem Team eine echte Torjägerin fehlte. Mit drei Treffern aus zwei Spielen scheinen sie die in der niederländischen Nationalspielerin Nangila van Eyck gefunden zu haben. Zweiter hochkarätiger Neuzugang ist Heike Freese vom Hamburger SV. Der SV stapelt zwar gerne tief, eine Top-Platzierung würde aber nicht mehr überraschen.
Aktuell mischt der Magdeburger FFC mit sechs Punkten aus zwei Spielen sogar hoch oben in der Tabellenregion mit. Vielleicht gesellt sich also noch ein siebter Kandidat hinzu. Es wird eben spannend wie nie.