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2012

Frankfurt aus allen Träumen gerissen

Vor drei Wochen tanzte der 1. FFC Frankfurt noch aussichtsreich auf allen drei Hochzeiten in Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League . Doch nach drei Niederlagen in Folge steht der mit Nationalspielerinnen gespickte Kader mit leeren Händen und ohne Titel da, der Zutritt zur europäischen Bühne dürfte in der nächsten Saison verwehrt bleiben. Zu selten konnte die Frankfurter Weltauswahl ihr Potenzial ausschöpfen, auch verunsichert durch häufige Rotation.

Der Schlusspfiff im mit 50 212 Zuschauern prall gefüllten Münchner Olympiastadion war kaum ertönt, da verließ die groß gewachsene schwedische Stürmerin Jessica Landström als erste Spielerin den Ort der zerplatzten Frankfurter Titelträume und stapfte mit versteinerter Miene in Richtung Kabine. Ganze sieben Minuten lang hatte sie aktiv am Geschehen teilnehmen dürfen, eine zweijährige sportliche Leidenszeit seltener Beachtung fand einen neuerlichen Tiefpunkt. Dabei hätte der 1. FFC Frankfurt gegen die nicht immer sattelfest wirkende Lyoner Defensive eine wie sie gut gebrauchen können.

Keine Durchschlagskraft in der Offensive Denn offensiv verbreitete der 1. FFC Frankfurt in den entscheidenden Spielen gegen die kompakten Abwehrreihen aus Potsdam, München und Lyon nicht gerade Angst und Schrecken. „Wir kommen nicht weiter als bis zum Strafraum“, analysierte Melanie Behringer, die mit dem von ihr verschuldeten Foulelfmeter und zwei ausgelassenen Großchancen zu einer tragischen Figur des Finales wurde, obwohl sie eine ihrer besseren Saisonleistungen zeigte.

Keine Automatismen Dem eingespielten und kaum Schwachstellen aufweisenden Champions-League-Sieger Olympique Lyonnais reichte am Donnerstag eine durchschnittliche Leistung, um die Frankfurterinnen in Schach zu halten. „Es gab viele Automatismen, die bei uns nicht waren“, zollte Frankfurts Trainer Sven Kahlert dem Gegner Respekt. Bei seinem eigenen Team war hingegen wie schon oft in dieser Saison Sand im Getriebe. „Wir sind an unserer eigenen Abschlussschwäche und der individuellen Klasse von Lyon gescheitert.“

Baustelle Offensive In der Abwehr ging die Integration neuer Spielerinnen wie Ria Percival oder Saki Kumagai zügig vonstatten, doch in der Offensive ist etwa die Abstimmung der Laufwege bis heute eine ungelöste Baustelle geblieben. So fällt der zuletzt von Verletzungen gebeutelten Fatmire Bajramaj nach wie vor die Umstellung schwer, ihr individuelles Können im Kollektiv und Spielsystem des 1. FFC Frankfurt zur Entfaltung zu bringen.

Es fehlen die Persönlichkeiten Das Karriereende von Birgit Prinz sowie die Abgänge von Ariane Hingst und Conny Pohlers ließen sich zudem schwerer als erwartet kompensieren. Auf dem Platz fehlt nach wie vor eine Führungsfigur, die in schwierigen Momenten wie dem 0:2-Rückstand im Finale die Ärmel hochkrempelt, das Spiel an sich reißt und für überraschende, kreative Impulse sorgt. Eine der zentralen Aufgaben der Zukunft wird es sein, aus den talentierten Spielerinnen Persönlichkeiten zu formen. „Das geht nicht von heute auf morgen“, sagt Kahlert.

Verunsicherung durch Rotation Die häufige Rotation und der Einsatz von Spielerinnen auf verschiedenen Positionen haben das Team mehr verunsichert, als dazu beigetragen, dass das Team zu einer homogenen Einheit zusammenwächst.

Die verletzte Kapitänin Nadine Angerer meint: „Wenn ich Trainer wäre, würde ich eine gewisse Konstante bevorzugen.“ Selbst Kahlert räumt ein: „Vielleicht haben wir in manchen Spielen einen Tick zu viel rotiert.“

Da Mbabi auf der Wunschliste Für die kommende Saison wird sich das Team weiter gezielt verstärken müssen, vor allem in der Offensive besteht Handlungsbedarf. Auf dem Wunschzettel ganz oben steht dabei Nationalstürmerin Célia Okoyino da Mbabi , deren Treueschwüre zum SC 07 Bad Neuenahr zuletzt an Intensität nachgelassen haben. Sie hat an der Ahr noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2013, der aber eine Ausstiegsklausel enthält.

Vertrauen in Kahlert Und so wird Manager Siegfried Dietrich alles daran setzen, die Offensive mit ihr oder einer anderen europäischen Topstürmerin zu besetzen. Trotz der titellosen Saison sprach er seinem Trainerteam schon vor dem Champions-League-Finale das Vertrauen aus. „Es wäre eine Farce, wenn von einem Champions-League-Endspiel Schicksale abhängen.“ Der Erfolgsdruck auf Kahlert und sein Trainerteam werden jedoch wachsen, denn auch die Geduld Dietrichs und seiner Sponsoren wird nicht endlos sein.