Lyon macht Turbine Potsdam nass

Von am 15. April 2012 – 20.14 Uhr 68 Kommentare

Für den 1. FFC Turbine Potsdam ist der neuerliche Einzug ins Finale der UEFA Women’s Champions League nach dem Hinspiel in weite Ferne gerückt. Im strömenden Regen von Lyon kassierte das Team von Trainer Bernd Schröder eine herbe Niederlage, ein Treffer in den Schlussminuten lässt aber noch ein winziges Fünkchen Hoffnung.

Olympique Lyonnais setzte sich in der Neuauflage des Vorjahresfinales im Stade de Gerland überraschend deutlich mit 5:1 (3:0) durch, das Rückspiel in einer Woche in Potsdam sollte somit für die Französinnen nur noch Formsache sein.

Hanebeck auf der Bank
Potsdam bot in der Anfangsformation die zuletzt angeschlagenen Alyssa Naeher, Viola Odebrecht, Bianca Schmidt und Yuki Nagasato auf, Patricia Hanebeck nahm wegen Wadenproblemen zunächst auf der Bank Platz. Von Beginn an war das Team von Trainer Patrice Lair überlegen, Eugénie Le Sommer gab früh einen ersten Warnschuss ab (3.).

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Früher Rückstand
Nur Minuten später setzte Lara Dickenmann mit einem präzisen Pass Amandine Henry in Szene, die wurde von Bianca Schmidt, Genoveva Anonma und Viola Odebrecht zu zögerlich angegriffen und bedankte sich mit einem Heber aus 20 Metern zur frühen 1:0-Führung (6.). Der frühe Rückstand schien das Turbine-Spiel zu lähmen, die Französinnen waren auf dem glitschigen Boden immer einen Tick schneller am Ball.

Doppelschlag bricht Turbine das Genick
Sommer scheiterte nach Vorarbeit von Schelin, als Potsdam nicht aufmerksam genug war (18.). Und dann kam es ganz dick für den Deutschen Meister: Nach einem Foul von Babett Peter gegen Sommer unweit der Strafraumgrenze gab es Freistoß, Camille Abily verwandelte direkt in den Winkel (20.). Und nur Sekunden später bekamen Turbines Finalhoffnungen den nächsten Dämpfer, als Schelin Alexandra Singer düpierte und aus der Drehung das 3:0 erzielte (21.).

Turbine kaum gefährlich
Nach einer halben Stunde versuchte Turbine einen Fuß in die Partie zu bekommen, eine Flanke von Isabel Kerschowski konnte Lyons Torhüterin Sara Bouhaddi erst im Nachfassen sichern (33.). Kerschowski war die Einzige, die in der ersten Halbzeit für einen Hauch von Gefahr vor dem Lyon-Gehäuse sorgte, bei einem Kopfball (38.) und einem abgefälschten Schuss (42.). Doch auch in der zweiten Halbzeit erwies sich Lyon als die effektivere, zweikampfstärkere und an diesem Tag klar bessere Mannschaft.

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Dickenmann profitiert von Schmidts Patzer
Odebrecht klärte einen Freistoß von Sonia Bompastor in höchster Not (48.), Kapitänin Jenny Zietz musste vor der einschussbereiten eingewechselten Elodie Thomis Kopf und Kragen riskieren (54.). Doch die Lyoner Offensive war nicht zu stoppen: Nach einem individuellen Fehler von Schmidt traf Dickenmann mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze zum 4:0 (54.).

Frauenfußball - Bernd Schröder

Turbine-Trainer Bernd Schröder kam mit seinem Team in Lyon unter die Räder © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Abily düpiert Turbine-Abwehr
Und der Titelverteidiger hatte damit immer noch nicht genug, Schelin schoss zunächst übers Tor, doch nach einer Flanke von Henry war Abily zum zweiten Mal zur Stelle und erzielte per Kopf den fünften Treffer der Französinnen, Naeher kam nicht aus ihrem Tor heraus und Odebrecht verschätzte sich (61.).

Schmidt haucht Potsdam neues Leben ein
Turbine kam dem so wichtigen Auswärtstreffer nahe, doch die eingewechselte Margrét Lára Vidarsdóttir scheiterte nach schöner Vorarbeit von Stefanie Draws an der glänzend reagierenden Bouhaddi (75.). Doch in den Schlussminuten kam Potsdam doch noch zum so wichtigen Auswärtstreffer. Bouhaddi verschätzte sich nach einem Eckball und Schmidt nach Kopfballvorlage von Kerschowski nickte den Ball ins Netz (88.).

Klarer Sieg im Rückspiel notwendig
Und in der Nachspielzeit hatte Kerschowski die Chance auf einen zweiten Treffer, doch Bouhaddi hielt sicher (90.+1). Doch auch Naeher musste sich nach einem Abily-Schuss noch einmal kräftig strecken (90.+3). Im Rückspiel in sieben Tagen müsste Potsdam gegen Lyon mit 4:0 gewinnen, um doch noch ins Finale einzuziehen, nach der heutigen Vorstellung jedoch nur schwer vorstellbar.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

68 Kommentare »

  • maxsee sagt:

    Jeder, der sich als Turbine-Anhänger ortet, muß am Sonntagabend tief enttäuscht gewesen sein. Das Positive war jedoch Lyon. Da hat sich auch unter widrigen Platzverhältnissen ein Team von Klassespielern gezeigt und durchgesetzt.
    M.E. haben Guido und teilweise Kay recht, in anderen Ländern Europas sind Entwicklungen vonstatten gegangen, die man im deutschen FF endlich zur Kenntnis nehmen sollte.
    Auch bei Turbine war bisher der Teamgedanke im Vordergrund des Klubdenkens. Aber jede „Team“spielerin bei Turbine war 20-30 % schwächer als ihre Gegenspielerin; und das in der Leistung und im schnellen Denken sowie im taktischen Umschalten.
    Man sollte noch das Endspiel in München abwarten für eine endgültige Beurteilung; aber die Klubs und der DFB sollten sich auf tiefergehende Schlussfolgerungen einstellen

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  • Render sagt:

    @Michele, SF
    Heute abend im RBB, Brandenburg aktuell haben sie auch berichtet dass das Karli gesperrt wurde von der UEFA. Neuer Rollrasen 125.000 Euro, müsste die Stadt zahlen, geht aber nicht bis Sonntag heisst es. Als Ausweichlösungen wurden Alte Försterei oder das Stadion in Waldstadt.

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  • Render sagt:

    https://www.rbb-online.de/nachrichten/sport/2012_04/vor_cl_rueckspiel.html RBB Nachrichten, hier ist vom Waldstadion in Ludwigsfelde die Rede, mal schauen.
    Egal wo, ich werde die Turbinen wie immer anfeuern 😉

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  • Speedy75 sagt:

    Wenn der Rasen im Karli so schlecht sein soll dann frag ich mich auf was die eigentlich gestern gespielt haben.

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  • Marcel sagt:

    Also Wasserballspiele sind erlaubt aber ein halbwegs bespielbarer Platz nicht, das ist wieder UEFA-Logik die man nicht verstehen muss 🙁

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  • waiiy sagt:

    Punkt 1: Ja, der Rasen ist so schlecht. Das hat man im letzten Heimspiel gesehen.

    Punkt 2: Schon nach dem Viertelfinale hat die UEFA Turbine Potsdam aufgefordert, die Platzverhältnisse zu korrigieren ( https://www.bild.de/newsticker-meldungen/sport/19-potsdam-stadion-23668718.bild.html ).

    Punkt 3: Der Platz in Lyon wurde abgenommen, weil es ja vor dem starken Regen war. Das Spiel wegen Unbespielbarkeit des Platzes nicht stattfinden zu lassen, hätte nur die Schiedsrichterin die Möglichkeit gehabt.

    Es wäre schon schade, wenn man das jetzt nicht mehr hinbekommt mit einem neuen Rasen. Die Ausgabe für einen neuen Rasen müsste doch sowieso getätigt werden. Ob man sie nun ein paar Wochen vorzieht, ist finanziell sicher kaum von Relevanz. Schade, dass man die letzten 2 Wochen nicht genutzt hat. Immerhin sind die Bedingungen vom ganzen Drumherum am besten geeignet. Und es ist ja auch die Chance, die Mannschaft und das Stadion vielen Leuten zu präsentieren, die sonst nicht ins Stadion gehen. Ich selbst bringe (neben anderen) 6 Leute mit, die noch nie im Karl-Liebknecht-Stadion waren. Da wäre es bitter, nach Ludwigsfelde zu ziehen.

    Wenn man den Rasen morgen oder übermorgen verlegen würde, würde es noch hinhauen bis Sonntag. Aber da müsste wohl eine Entscheidung ohne viel Bürokratie her. Und wer glaubt daran?

    waiiy

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  • Paula sagt:

    Die Moderatoren auf British Eurosport haben unter anderem mitgeteilt, dass beide Mannschaften, vor dem Spiel von der Schiedsrichterin befragt wurden, ob sie den Platz bzw. die Bedingungen für bespielbar halten. Da Niemand Einwände vorgebracht hat und wie bereits erwähnt, das letzte Wort bei der Schiedsrichterin liegt. Ist das Spiel in Lyon folgerichtig angepfiffen wurden.

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  • maxsee sagt:

    1. Zum Rasen: Zur Erinnerung: Der Rasen im K-L-STadion gehörte zu Zeiten Von Rotation Babelsberg zu den Schmuckstücken der DDR-Oberliga. Sind die Stadion-Arbeiter heute schlechter als früher? wo Liegen die tatsächlichen Ursachen?
    2. Zum 5:1 Debakel: Ob die eine Spielerin besser oder schlechter war, ist doch unwesentlich. Wenn die innere Einstellung bei allen TP-Spielerinnen nicht stimmt oder nicht dem Level der Spiele gegen Wolfsburg und Frankfurt (0:2) entspricht, daann ist der Meistertitel in Gefahr.

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