Lyon macht Turbine Potsdam nass

68

Für den 1. FFC Turbine Potsdam ist der neuerliche Einzug ins Finale der UEFA Women’s Champions League nach dem Hinspiel in weite Ferne gerückt. Im strömenden Regen von Lyon kassierte das Team von Trainer Bernd Schröder eine herbe Niederlage, ein Treffer in den Schlussminuten lässt aber noch ein winziges Fünkchen Hoffnung.

Olympique Lyonnais setzte sich in der Neuauflage des Vorjahresfinales im Stade de Gerland überraschend deutlich mit 5:1 (3:0) durch, das Rückspiel in einer Woche in Potsdam sollte somit für die Französinnen nur noch Formsache sein.

Hanebeck auf der Bank
Potsdam bot in der Anfangsformation die zuletzt angeschlagenen Alyssa Naeher, Viola Odebrecht, Bianca Schmidt und Yuki Nagasato auf, Patricia Hanebeck nahm wegen Wadenproblemen zunächst auf der Bank Platz. Von Beginn an war das Team von Trainer Patrice Lair überlegen, Eugénie Le Sommer gab früh einen ersten Warnschuss ab (3.).

Früher Rückstand
Nur Minuten später setzte Lara Dickenmann mit einem präzisen Pass Amandine Henry in Szene, die wurde von Bianca Schmidt, Genoveva Anonma und Viola Odebrecht zu zögerlich angegriffen und bedankte sich mit einem Heber aus 20 Metern zur frühen 1:0-Führung (6.). Der frühe Rückstand schien das Turbine-Spiel zu lähmen, die Französinnen waren auf dem glitschigen Boden immer einen Tick schneller am Ball.

Doppelschlag bricht Turbine das Genick
Sommer scheiterte nach Vorarbeit von Schelin, als Potsdam nicht aufmerksam genug war (18.). Und dann kam es ganz dick für den Deutschen Meister: Nach einem Foul von Babett Peter gegen Sommer unweit der Strafraumgrenze gab es Freistoß, Camille Abily verwandelte direkt in den Winkel (20.). Und nur Sekunden später bekamen Turbines Finalhoffnungen den nächsten Dämpfer, als Schelin Alexandra Singer düpierte und aus der Drehung das 3:0 erzielte (21.).

Turbine kaum gefährlich
Nach einer halben Stunde versuchte Turbine einen Fuß in die Partie zu bekommen, eine Flanke von Isabel Kerschowski konnte Lyons Torhüterin Sara Bouhaddi erst im Nachfassen sichern (33.). Kerschowski war die Einzige, die in der ersten Halbzeit für einen Hauch von Gefahr vor dem Lyon-Gehäuse sorgte, bei einem Kopfball (38.) und einem abgefälschten Schuss (42.). Doch auch in der zweiten Halbzeit erwies sich Lyon als die effektivere, zweikampfstärkere und an diesem Tag klar bessere Mannschaft.

Dickenmann profitiert von Schmidts Patzer
Odebrecht klärte einen Freistoß von Sonia Bompastor in höchster Not (48.), Kapitänin Jenny Zietz musste vor der einschussbereiten eingewechselten Elodie Thomis Kopf und Kragen riskieren (54.). Doch die Lyoner Offensive war nicht zu stoppen: Nach einem individuellen Fehler von Schmidt traf Dickenmann mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze zum 4:0 (54.).

Frauenfußball - Bernd Schröder
Turbine-Trainer Bernd Schröder kam mit seinem Team in Lyon unter die Räder © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Abily düpiert Turbine-Abwehr
Und der Titelverteidiger hatte damit immer noch nicht genug, Schelin schoss zunächst übers Tor, doch nach einer Flanke von Henry war Abily zum zweiten Mal zur Stelle und erzielte per Kopf den fünften Treffer der Französinnen, Naeher kam nicht aus ihrem Tor heraus und Odebrecht verschätzte sich (61.).

Schmidt haucht Potsdam neues Leben ein
Turbine kam dem so wichtigen Auswärtstreffer nahe, doch die eingewechselte Margrét Lára Vidarsdóttir scheiterte nach schöner Vorarbeit von Stefanie Draws an der glänzend reagierenden Bouhaddi (75.). Doch in den Schlussminuten kam Potsdam doch noch zum so wichtigen Auswärtstreffer. Bouhaddi verschätzte sich nach einem Eckball und Schmidt nach Kopfballvorlage von Kerschowski nickte den Ball ins Netz (88.).

Klarer Sieg im Rückspiel notwendig
Und in der Nachspielzeit hatte Kerschowski die Chance auf einen zweiten Treffer, doch Bouhaddi hielt sicher (90.+1). Doch auch Naeher musste sich nach einem Abily-Schuss noch einmal kräftig strecken (90.+3). Im Rückspiel in sieben Tagen müsste Potsdam gegen Lyon mit 4:0 gewinnen, um doch noch ins Finale einzuziehen, nach der heutigen Vorstellung jedoch nur schwer vorstellbar.

FRAUENFUSSBALL - Weltmeisterschaften 1991 bis 2019: Enzyklopädie des Sports
1 Bewertungen
FRAUENFUSSBALL - Weltmeisterschaften 1991 bis 2019: Enzyklopädie des Sports
  • Roland M. Weissbarth
  • Herausgeber: Independently published
  • Taschenbuch: 272 Seiten

Letzte Aktualisierung am 9.10.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

68
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
67 Kommentar-Themen
1 Themen-Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf den am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar-Thema
36 Kommentatoren
maxseePaulawaiiyMarcelSpeedy75 Neueste Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
Highlander Saxy
Highlander Saxy

oh, wie ist das schön 🙂

Andrea König
Andrea König

Was ist daran schön?

Ralf Wolfram
Ralf Wolfram

Es ist nicht schön zu sehen wie TP so gedemütigt wurde weil sie ne super Truppe waren, aber wenn man nicht mit der Zeit geht und und gute Spielerinnen gehen lässt, weil sie nicht in die Philosophie passen, dann passiert so was.

Kay
Kay

Meine Enttäuschug hält sich in Grenzen.

Das war für mich heute keine Überraschung, die Spiele gegen Essen und Jena waren gute Wegweiser welchen Pfad Turbine derzeit beschreitet, ich habe wenn ich ehrlich bin mit einem noch größeren Debakel gerechnet, hatte mir beim letzten Heimspiel gegen Jena schon in voller Absicht keine Karte für’s Heimspiel gegen Lyon gekauft.

Bianca Skamrahl
Bianca Skamrahl

ich denke es wird für hr. schröder langsam zeit zu gehen…

Highlander Saxy
Highlander Saxy

Potsdam ist ne große Nummer im Deutschen Frauen Fußball, keine Frage, aber irgendwas stimmt da zur Zeit nicht! hab das Gefühl, man verschläft dort die Entwicklung im Frauenfußball!…

Andrea König
Andrea König

Sicher muss etwas passieren das ist richtig aber ein wahrer Turbine Fan hat sich die Karte gekauft geht hin auch wenn es schwierig wird das Spiel noch zu drehen aber da muss man als Fan durch.

Sheldon
Sheldon

Noch ist ja lange nix verloren. Turbine ist und bleibt eine Heimmacht und Lyon ist lange nicht unschlagbar.

Auf jeden Fall gilt es im Finale dem Sieger dieses Halbfinals die Daumen zu drücken!

Speedy75
Speedy75

Da war heute schon ein grosser Unterschied zwischen den beiden Mannschaften zu sehen. Lyon kam mit den Platzverhältnissen viel besser zurecht. Turbine fand heute überhaupt nicht ins Spiel.

Im Rückspiel muss da eine wirklich grosse Leistungssteigerung her wenn man das noch mal drehen will.

Warum hier dann einige Schadenfreude haben muss man nicht verstehen. Für den deutschen Frauenfußball wäre es nicht förderlich wenn im Endspiel keine deutsche Mannschaft wäre.

preuße
preuße

So sehr ich Herrn Schröder für seine getane Arbeit schätze,aber irgendwann stößt diese Art des Fussballspielens und Trainierens eben doch mal an seine Grenzen.Die moderne Art des Frauenfussballs
wurde hier plastisch demonstriert.Dabei scheint auch diese Art zu spielen ganz einfach,die Pässe müssen eben einfach nur mal vernünftig ankommen, und man muß auch das Selbstbewußtsein und das
spielerische Vermögen besitzen aus allen Lagen Tore zu schiessen,
und das scheint bei Potsdam eben alles nicht mehr zu passen.

Ich würde mich jedenfalls sehr freuen,wenn B.S. sich als Geschäftsführer in den Verein einbringen würde,und einem Anderen
mal die Trainerzügel überlassen würde.

Betti Salomon
Betti Salomon

Mit dieser leistung holen wir nüscht 🙁

Andrea König
Andrea König

Das ist Ehren Sache,sollte es im Rückspiel nicht reichen werden die Daumen für denn Sieger dieses Halbfinal Spiels gedrückt.

TomS
TomS

@sheldon Du hast vergessen das die CL völlig überbewertet wird, wie der DFB Pokal. ;-(((

Torsten Gröbner
Torsten Gröbner

betti,ich gebe dir recht, der traum ist ausgeträumt

Iggy Von Falkenberg
Iggy Von Falkenberg

@highlander saxy: welche entwicklung – die entwicklung dass man nur noch einkauft und keine talente mehr in der jugend holt und aufbaut?? oder welche entwicklung wurde verpennt??
und nich hinter jedem verein steht eine riesige bank oder ein autokonzern. jeder verein durchläuft alle paar jahre ma ne krise..jetz is potsdam halt ma wieder dran. so ist das..aber ich finde nichts hat man verpennt..

Torsten Gröbner
Torsten Gröbner

ja es fehlen die großen geldgeber,glaub ich auch langsam.wissen tut mans nicht

Krissi
Krissi

@Sheldon: Nö, is klar „Noch ist ja lange nix verloren.“ – Hab ich da was verpasst??? Lyon war klar besser heute und wird sich das nicht mehr nehmen lassen…Schade für Turbine, aber so realistisch muss man sein! Die Chancen weiterzukommen sind für Turbine leider gegen 0 gesunken…Und was meinst du mit: „Auf jeden Fall gilt es im Finale dem Sieger dieses Halbfinals die Daumen zu drücken“??? Ich für meine Verhältnisse werde auf jeden Fall dem FFC Frankfurt die Daumen drücken, den die Mädels haben sehr gute Chancen auf den Finaleinzug 😉 Nicht falsch verstehen: ich würde Turbine auch das Weiterkommen… Weiterlesen »

Michele
Michele

Was sich Potsdam heute geleistet hat, war eine absolute Frechheit. Kein Zweikampfverhalten, keine Laufbereitschaft, kein Siegeswillen, einfach gar nichts. […] Die gesamte Mannschaft hat versagt, aber Odebrecht war der Gipfel. So schlecht hab ich sie noch nie gesehen. Vielleicht lag es an ihrer Verletztung, aber dann dürfte sie nicht spielen.

Dieser Kommentar wurde von der Redaktion in Übereinstimmung mit den Womensoccer-Leitlinien editiert. Die editierten Stellen wurden mit Auslassungszeichen […] markiert.

Torsten Gröbner
Torsten Gröbner

wenn man lyon und ff vergleicht dürfte es für lyon ausgehen

Highlander Saxy
Highlander Saxy

@iggy von F.: Potsdam macht ne riesen Jugendarbeit, keine Frage, selbst Talente aus dem Rhein-Main Gebiet gehen mittlerweile nach P., aber in der Spitze, sprich der ersten Mannschaft, den Senioren, läuft was schief! Wer das in P. nicht sieht, hat verpennt!