Die englische Liga startet Netzoffensive
Am Sonntag beginnt die neue Saison der englischen WSL, und auf den Social Media Plattformen erreicht einen derzeit geradezu eine Flut an Einträgen und Videos. Man wolle die interaktivste Liga der Welt werden, sagt Frauenfußball-Chefin Kelly Simmons. Frei nach dem Motto: Wenn über die traditionellen Medien die Öffentlichkeit nicht erreicht werden kann, wird der eigene Kommunikationskanal geschaffen.
Der Job, auf Facebook, Twitter und Co die Liga und die englische Nationalmannschaft zu promoten, war auch schon in der vergangenen Saison mit einer Vollzeitkraft besetzt. Aber jetzt werden die Vereine in die Pflicht genommen – jeder Club hat eine Spielerin benannt, die als Botschafterin auf den digitalen Medien mit Fans und Öffentlichkeit in Kontakt tritt. Grundlage für diesen Schritt ist eine Untersuchung der Medienlandschaft .
Frauenfußballfans auf sozialen Netzwerken Das Ergebnis der Studie: Die fehlende Berichterstattung über Frauenfußball in den traditionellen Medien treibt die Fans verstärkt auf die sozialen Plattformen im Netz. Unter anderem behauptet der Verband, dass die WSL – auf 1000 Zuschauer gerechnet – siebenmal so viele Google-Suchanfragen habe, wie die Männer. Auch in der Anzahl der Einträge auf Facebook und Twitter lägen die Frauen vorne. Eine Auskunft über die zugrunde liegenden Zahlen und die Durchführung der Studie bleibt der Verband schuldig.
Interpretationsspielraum Aber darüber hinaus wird eine weitere interessante Größe genannt. In Zeitungsartikeln komme der Frauenfußball – erneut umgerechnet auf 1000 Zuschauer – auf 40 Artikel, der Männerfußball auf drei. Doch die Schlagzeilen gehörten dreimal so häufig den Männern. Diese Zahlen lassen sich jedoch auch andersherum lesen: Der Frauenfußball ist in den Medien bei weitem nicht so unterrepräsentiert, wie er sich selbst gerne sieht. Gemessen an den relativ niedrigen Zuschauerzahlen hat er sogar eine gute Präsenz.
Twitteraccount auf den Trikots Für den Verband ist die Schlussfolgerung der Studie klar: Die Liga muss auf die digitalen Plattformen, die Spielerinnen müssen Präsenz zeigen. So hat nun jeder WSL-Verein eine Spielerin mit offiziellem Facebook- und Twitteraccount – letzteren tragen sie sogar auf ihren Trikots. Bei Everton ist Jill Scott die neue Botschafterin, die schon während der Weltmeisterschaft mit humorvollen Videotagebüchern auf Youtube ihr Talent für diese Arbeit unter Beweis stellte. „Wenn die Menschen keine Informationen im Fernsehen oder den Zeitungen bekommen können, warum dann nicht auf Twitter?“, fragt sie in ihrer BBC-Kolumne .
Schon in der ersten Saison wurde stark auf die sozialen Medien gesetzt. “Seitdem haben wir die Zahl der Fans innerhalb und außerhalb des Stadions erhöht”, so Simmons .
Bundesliga hinter ihren Möglichkeiten Die Untersuchung mag ein paar Fragezeichen aufwerfen, doch mit dem Schritt, die sozialen Plattformen zu „entern“, gehört die WSL zu den Vorreitern im Frauenfußball. Nachbar Republik Irland , der mit seiner Liga gerade in der allerersten Saison steckt, orientiert sich mit den Webaktivitäten sichtbar an den Engländern. Wenngleich die Schritte noch etwas unbeholfen wirken und mehr als deutlich wird, dass die Engländer an dieser Stelle über mehr Personal und Geld verfügen, wurde das Potenzial erkannt. Potenzial, das auch von der Bundesliga und den Vereinen bei weitem noch nicht ausgenutzt wird.
Die “Webbotschafterinnen” der WSL-Vereine: Arsenal: Steph Houghton Birmingham: Laura Bassett Bristol: Siobhan Chamberlain Chelsea: Claire Rafferty Doncaster: Julie-Ann Russell Everton: Jill Scott Lincoln: Megan Harris Liverpool: Aroon Clansey