Erst Nervenflattern, dann Torgala

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25 Minuten lang musste man sich am Samstag in Mannheim um die deutsche Frauenfußball-Nationalelf gegen Spanien Sorgen machen, doch eine Célia Okoyino da Mbabi in bestechender Form zog den Spanierinnen mit vier Treffern beim 5:0-Sieg nahezu im Alleingang den Zahn.

Die Stürmerin des SC 07 Bad Neuenahr hat in den vergangenen zehn Monaten 20 von 27 Toren in ihrer inzwischen siebenjährigen Nationalmannschaftskarriere erzielt und sich aktuell das Prädikat Weltklasse verdient.

In der ersten Halbzeit erschreckend schwach
Und vor allem ihr erster Treffer gegen Spanien (24.) nach Vorarbeit von Anja Mittag und gewonnenem Kopfballduell von Viola Odebrecht wird als einer der wichtigen in Erinnerung bleiben, denn die DFB-Elf fand im ausverkauften Carl-Benz-Stadion in der Anfangsphase nicht einmal ansatzweise in die Partie und bot eine der schlechtesten Halbzeiten seit langem, nach gut 20 Minuten waren sogar erster Pfiffe im Carl-Benz-Stadion zu hören. Wer weiß, welchen Verlauf die Partie genommen hätte, wäre den Spanierinnen die Führung gelungen. „Die erste Halbzeit war erschreckend“, konstatierte Okoyino da Mbabi. „Uns sind viele einfache Fehlpässe unterlaufen und wir haben ein Gesicht gezeigt, das wir in dieser Form nicht kannten.“

Frauenfußball - DFB-Jubel
Viola Odebrecht (re.) bejubelt mit ihren Teamkolleginnen das 1:0 © Nora Kruse / ff-archiv.de

DFB-Elf kann Vorgaben nicht umsetzen
Mit aggressivem Pressing und gepflegtem Kurzpassspiel unterbanden die Spanierinnen geschickt das deutsche Aufbauspiel, darüber hinaus war der DFB-Elf eine gehörige Portion Nervosität anzumerken. Etwa bei Torhüterin Almuth Schult, die in ihrem ersten Länderspiel auf heimischem Boden nicht den allersichersten Eindruck hinterließ. Doch auch andere Akteurinnen liefen an diesem Tag nicht zur Topform auf, Kapitänin Melanie Behringer musste gar bereits nach 25 Minuten den Platz für ihre Frankfurter Teamkollegin Fatmire Bajramaj räumen, Babett Peter übernahm die Kapitänsbinde.

Führungstreffer sorgt nicht für Beruhigung
Und auch der Führungstreffer zeigte nicht die gewünschte Wirkung. „Das Tor hat nicht zur Beruhigung beigetragen“, so Okoyino da Mbabi. Und Mittelfeldspielerin Viola Odebrecht ging nach der Partie hart mit ihrer Elf ins Gericht: „Das Spiel war im Großen und Ganzen nicht dem der deutschen Mannschaft würdig.“

Worte, die dem Gegner aus Spanien allerdings wie Hohn vorkommen müssen. „Wir waren in den ersten 30, 40 Minuten nicht wach und nicht die Mannschaft, die wir sein wollten. Wir haben nicht umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir sind zu spät in die Zweikämpfe gekommen und hätten enger stehen müssen. Wir wollten außerdem zehn Meter weiter vorne agieren und haben uns zu sehr in die eigene Hälfte drängen lassen.“

Alexandra Popp, Celia Okoyino da Mbabi
Alexandra Popp (li.) und Celia Okoyino da Mbabi bejubeln das 2:0. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Leistungssteigerung in Halbzeit zwei
Doch in den zweiten 45 Minuten drehte die DFB-Elf auf, vor allem die Einwechslung von Alexandra Popp erwies sich als geschickter Schachzug. Die Duisburgerin erzielte einen Treffer selbst und bereitete einen weiteren Treffer von Okoyino da Mbabi zusammen mit Bajramaj mustergültig vor. Und die Torschützin des Tages spielte mit ihren spanischen Gegenspielerinnen zunehmend Katz und Maus, in puncto Schnelligkeit und Athletik konnte keine Gegnerin Okoyino da Mbabi das Wasser reichen.

Übergewicht im Mittelfeld
Im Mittelfeld eroberte sich die DFB-Elf nun immer schneller die Bälle, den schnellen Kontern hatten die Spanierinnen immer weniger entgegenzusetzen. „In der zweiten Halbzeit lief das wirklich wesentlich besser“, meinte auch Lena Goeßling, die zusammen mit Odebrecht das Spiel auf der Doppel-Sechs nun in den Griff bekam. Und vorne kann sich die Elf derzeit auf die Knipserqualitäten von Okoyino da Mbabi verlassen.

Okoyino da Mbabi als Torgarant
„Bei mir läuft es einfach derzeit rund. Ich fühle mich fit und habe längere Zeit keine größere Verletzung gehabt, dann kann man sich auch weiterentwickeln“, so die 23-Jährige, die auch in der kommenden Saison für den SC 07 Bad Neuenahr spielen wird und somit weiterhin als eine der wenigen Nationalspielerinnen nicht bei einem der vier Großen der Bundesliga unter Vertrag stehen wird. Am Donnerstag geht es für die DFB-Elf in Aarau nun gegen die von Martina Voss-Tecklenburg trainierte Schweiz. „Da wollen wir natürlich definitiv die nächsten drei Punkte holen“, so Okoyino da Mbabi.

Letzte Aktualisierung am 19.11.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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pinkpanther
pinkpanther

Offtopic: So, jetzt habe ich doch nen live-stream vom kirin challenge cup Japan-USA gefunden 🙂
Hz Jap-USA 1:0

mas
mas

Nach den ersten 25 min. hätte man Behringer und Bresonik auswechseln können. Die Anderen haben sich auch nicht mit Ruhm bekleckert, aber die beiden…

FFFan
FFFan

Celia Okoyino da Mbabi hat derzeit wirklich einen unheimlichen ‚Lauf‘!

20 Länderspieltore in weniger als 12 Monaten dürften in der knapp 30-jährigen Geschichte der deutschen Frauen-Nationalmannschaft einmalig sein. Celia ist seit Samstag auch die erste deutsche Nationalspielerin, die in drei aufeinanderfolgenden Länderspielen jeweils drei (oder mehr) Tore erzielen konnte.

Aber von mir aus dürfen diese Bestmarken am Donnerstag gern weiter ausgebaut werden! 🙂

waiiy
waiiy

Ich schließe mich in den meisten Dingen den anderen (auch in dem anderen Thread) an. Ich kann nicht verstehen, wie man Melanie Behringer verletzt aufstellen kann. Wenn sie angeschlagen ist, darf sie nicht auflaufen. Sie hat zuletzt selbst verletzungsfrei nicht die Leistung gebracht, die man sich von ihr wünsche würde. Da darf man sie verletzt nicht bringen. Sie hat dann auf dem Feld auch gar nichts gebracht. Die Ecken kamen von ihr wie gewohnt… Da schlägt jede andere Außenspielerin aus vollem Lauf mit verbundenen Augen bessere Flanken, als es Behringer mit ruhendem Ball von der Eckfahne aus schafft… Demzufolge konnte… Weiterlesen »

waiiy
waiiy

@FFFan: Ich denke, dass Inka Grings im letzten Jahr sicher 40 Tore und in den letzten 3 Spielen 15 getroffen hätte oder laasee??? 😉

waiiy

Sokrates
Sokrates

@ waiiy: Vielleicht wäre Simon als offensive Mittelfeldspielerin auf dem rechtem Flügel besser aufgehoben als im zentralen Mittelfeld. Rechts scheint Linda auf der falschen Position zu spielen und sich dort auch nicht wohl zu fühlen. Lena Goeßling sehe ich nach wie vor als einen Schwachpunkt im zentralen Mittelfeld. Sie ist zu zweikampfschwach, leistet sich zu viele Ballverluste und ist zu bieder und auch mental nicht stark genug. Lira habe ich nicht so stark gesehen. Sie zeigt immer wieder gute Ansätze, aber viele Aktionen führt sie nicht gut zu Ende, so dass der relativ große Aufwand, den sie betreibt, häufig wirkungslos… Weiterlesen »

Fuxi
Fuxi

Seh ich das eigentlich zu sehr durch die HSV-Brille, wenn ich mich frage, wann Frau Neid denn wohl mal auf den Gedanken kommt, unser kleines rothosiges Allzweckkampfschwein Aferdita Kameraj (jetzt neu mit Prädikat „Frankfurt-Killer“ :D) versuchsweise einzuladen?
Britta Carlson war ja auch nicht mehr die Jüngste bei ihrem Nationalelf-Debüt, ungefähr im gleichen Alter.

waiiy
waiiy

@Sokrates: Gute Idee mit Laudehr, wenn sie wieder fit ist, zumal sie ihre Wege meist sowieso in die Richtung der rechten Eckfahne führen. Bei Bresonik bin ich ein wenig überfragt. Sie wird immer wieder als sehr wichtige Spielerin bezeichnet und dass sie jetzt ihre Form wiedergefunden hat. Aber auf der anderen Seite werden ihre Auftritte im sowohl im defensiven Mittelfeld als auch auf der rechten Seite (Verteidigung wie Mittelfeld) als nicht so stark angesehen. In der Innenverteidigung scheint sie verschenkt zu sein. Wo ist sie denn nun wirklich effektiv? Wo ist sie stark? Wo kann sie die Mannschaft mitreißen? Oder… Weiterlesen »

waiiy
waiiy

@Fuxi: Manchmal fehlt ein wenig Lobby, um auf bestimmten Positionen eine Chance zu erhalten.

waiiy

Lusankya
Lusankya

@Sokrates: „„Good quality soccer” (Hope Solo) konnte man am Wochenende beim Spiel Japan gegen USA vor einem begeisterten Publikum sehen. Im Vergleich zu diesen beiden Weltklasse-Mannschaften hinkt die deutsche Spielkultur hinterher.“

Das sehe ich anders, Deutschland hängt den beiden kein Stück hinterher und „Good quality soccer“ habe ich von den Amis auch schon lange nicht mehr gesehen, außer du meinst, dass lange, höhe Bälle auf Morgan „good quality“ sind.
Kannst ja mal die US-Fans fragen, was die aktuell von ihrer Mannschaft halten. Im Vergleich dazu klingen die ganzen negativen Beiträge über die DFB.Elf in den Womensoccer.de Kommentaren wie die reinsten Lobeshymnen. 😉

karl
karl

Ich stimme Lusankya zu. Das US team steht zuhause auch in der Kritik. Da wird halt auch bei jeder Niederlage vom Untergang des Amerikanischen Frauenfussballs philosophiert. Und besser als die deutsche Mannschaft sind die USA und Japan auch nicht.Die anderen Teams kochen auch nur mit Wasser und die Unterschiede in der Spielweise sind wahrscheinlich Mentalitaetsspezifisch und nicht ab- oder antrainierbar und wer da zum Schluss gewinnt haengt mehr von Glueck und Tagesform ab als von sonst was. Zum Beispiel werden Deutschland, Brasilien oder Frankreich nie so spielen wie Japan oder die USA und die waeren damit auch nicht erfolgreich wenn… Weiterlesen »

Pauline
Pauline

Karl, ich stimme dir mit wertvolle Spielerin zu, aber ihre Körpersprache lässt zur Zeit zu wünschen übrig.
Es sieht manchmal recht Lustlos aus oder sie steht sich selbst im Weg. Bei ihrer Erfahrung dürfte die Position keine Rolle spiele

Jan
Jan

Hätten die Spanierinnen – statt die Gegend um den Mittelkreis mit gefälligem Kombinationsspiel okkupieren zu wollen – sich 20-30m weiter zurückgezogen u. in ihrer Hälfte so engagiert u. ballsicher verteidigt, wäre es wohl schwer geworden, Tore gegen sie zu erzielen (zumal die dt. Standards mal wieder zu wünschen übrig ließen). Aber WIE! Alex (3), Anja (2), Celia (4), Lira /2) u. Viola (2) (+Silvia) – halb Instinktfußballerinnen, halb einstudiert – dann vorne so oft das gängige Erfolgsrezept gegen diese Taktik des Gegners anstrebten u. lehrbuchmäßig umsetzten; also: gedankenschnell die Situation erkannten, genaue ‚tödliche‘ Pässe schlugen, ihre Schnelligkeitsvorteile nutzten, u. dann… Weiterlesen »

karl
karl

@Jan : Nein, das Tor wurde von der Schiedsrichterin direct anerkannt (ohne videobeweis) obwohl der Linienrichter die Fahne hochhatte. Schiedsrichter ueberstimmt linienrichter soweit ich weis.

Lusankya
Lusankya

Richtig, außerdem kam der „Pass“ auch von einer Japanerin. 😉

pinkpanther
pinkpanther

Jepp, das war der Knackpunkt!
Von ihrer Position aus konnte die Schiedsrichterin kaum erkennen, ob Abseits oder nicht. Aber dass eine Japanerin Morgan (unfreiwillig) bediente, das hat sie sehen können und auch gesehen … Respekt!

karl
karl

Ist euch eigentlich auch aufgefallen dass am Samstag nur eine einzige Frankfurter Spielerin in der Startelf stand? Wann hat es das zuletzt wohl mal gegeben? Da muessten doch alle die sich immer so negativ ueber den ffc frankfurt auslassen jubeln.

Pappnase
Pappnase

Der Deutschen Elf fiel leider erst spät auf, dass sie mit langen Pässen über die Außen zum Erfolg kommen. Allerdings gab es auch verdammt viele Fehlpässe, die zum Teil echt peinlich waren. Abwehr und Mittelfeld hatten Kreisklasse-Niveau. Lediglich Bajramaj brachte mit ihrer Einwechslung ein wenig Schwung in das Offensivspiel, auch wenn der Abschluss nicht unbedingt ihre Stärke war. Okoyino da Mbabi war dagegen eiskalt und setzte sich auch gut durch. Und auch Popp fügte sich offensiv gut ein. Die Defensive kann dagegen froh sein, dass die Spanierinnen doch recht harmlos waren. Im Klein-klein waren sie beweglicher, konnten sich aber keine… Weiterlesen »

hanah
hanah

Für mich waren die besten des Spiels: Lira und Celia !!!!! 😉 Und Glückwunsch für den Sieg;)

Pappnase
Pappnase

Ok, ich dachte es wäre der Wind gewesen, der durch’s Stadion gepfiffen hat.