Erst Nervenflattern, dann Torgala

Von am 1. April 2012 – 12.22 Uhr 30 Kommentare

25 Minuten lang musste man sich am Samstag in Mannheim um die deutsche Frauenfußball-Nationalelf gegen Spanien Sorgen machen, doch eine Célia Okoyino da Mbabi in bestechender Form zog den Spanierinnen mit vier Treffern beim 5:0-Sieg nahezu im Alleingang den Zahn.

Die Stürmerin des SC 07 Bad Neuenahr hat in den vergangenen zehn Monaten 20 von 27 Toren in ihrer inzwischen siebenjährigen Nationalmannschaftskarriere erzielt und sich aktuell das Prädikat Weltklasse verdient.

In der ersten Halbzeit erschreckend schwach
Und vor allem ihr erster Treffer gegen Spanien (24.) nach Vorarbeit von Anja Mittag und gewonnenem Kopfballduell von Viola Odebrecht wird als einer der wichtigen in Erinnerung bleiben, denn die DFB-Elf fand im ausverkauften Carl-Benz-Stadion in der Anfangsphase nicht einmal ansatzweise in die Partie und bot eine der schlechtesten Halbzeiten seit langem, nach gut 20 Minuten waren sogar erster Pfiffe im Carl-Benz-Stadion zu hören. Wer weiß, welchen Verlauf die Partie genommen hätte, wäre den Spanierinnen die Führung gelungen. „Die erste Halbzeit war erschreckend“, konstatierte Okoyino da Mbabi. „Uns sind viele einfache Fehlpässe unterlaufen und wir haben ein Gesicht gezeigt, das wir in dieser Form nicht kannten.“

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Frauenfußball - DFB-Jubel

Viola Odebrecht (re.) bejubelt mit ihren Teamkolleginnen das 1:0 © Nora Kruse / ff-archiv.de

DFB-Elf kann Vorgaben nicht umsetzen
Mit aggressivem Pressing und gepflegtem Kurzpassspiel unterbanden die Spanierinnen geschickt das deutsche Aufbauspiel, darüber hinaus war der DFB-Elf eine gehörige Portion Nervosität anzumerken. Etwa bei Torhüterin Almuth Schult, die in ihrem ersten Länderspiel auf heimischem Boden nicht den allersichersten Eindruck hinterließ. Doch auch andere Akteurinnen liefen an diesem Tag nicht zur Topform auf, Kapitänin Melanie Behringer musste gar bereits nach 25 Minuten den Platz für ihre Frankfurter Teamkollegin Fatmire Bajramaj räumen, Babett Peter übernahm die Kapitänsbinde.

Führungstreffer sorgt nicht für Beruhigung
Und auch der Führungstreffer zeigte nicht die gewünschte Wirkung. „Das Tor hat nicht zur Beruhigung beigetragen“, so Okoyino da Mbabi. Und Mittelfeldspielerin Viola Odebrecht ging nach der Partie hart mit ihrer Elf ins Gericht: „Das Spiel war im Großen und Ganzen nicht dem der deutschen Mannschaft würdig.“

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Worte, die dem Gegner aus Spanien allerdings wie Hohn vorkommen müssen. „Wir waren in den ersten 30, 40 Minuten nicht wach und nicht die Mannschaft, die wir sein wollten. Wir haben nicht umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir sind zu spät in die Zweikämpfe gekommen und hätten enger stehen müssen. Wir wollten außerdem zehn Meter weiter vorne agieren und haben uns zu sehr in die eigene Hälfte drängen lassen.“

Alexandra Popp, Celia Okoyino da Mbabi

Alexandra Popp (li.) und Celia Okoyino da Mbabi bejubeln das 2:0. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Leistungssteigerung in Halbzeit zwei
Doch in den zweiten 45 Minuten drehte die DFB-Elf auf, vor allem die Einwechslung von Alexandra Popp erwies sich als geschickter Schachzug. Die Duisburgerin erzielte einen Treffer selbst und bereitete einen weiteren Treffer von Okoyino da Mbabi zusammen mit Bajramaj mustergültig vor. Und die Torschützin des Tages spielte mit ihren spanischen Gegenspielerinnen zunehmend Katz und Maus, in puncto Schnelligkeit und Athletik konnte keine Gegnerin Okoyino da Mbabi das Wasser reichen.

Übergewicht im Mittelfeld
Im Mittelfeld eroberte sich die DFB-Elf nun immer schneller die Bälle, den schnellen Kontern hatten die Spanierinnen immer weniger entgegenzusetzen. „In der zweiten Halbzeit lief das wirklich wesentlich besser“, meinte auch Lena Goeßling, die zusammen mit Odebrecht das Spiel auf der Doppel-Sechs nun in den Griff bekam. Und vorne kann sich die Elf derzeit auf die Knipserqualitäten von Okoyino da Mbabi verlassen.

Okoyino da Mbabi als Torgarant
„Bei mir läuft es einfach derzeit rund. Ich fühle mich fit und habe längere Zeit keine größere Verletzung gehabt, dann kann man sich auch weiterentwickeln“, so die 23-Jährige, die auch in der kommenden Saison für den SC 07 Bad Neuenahr spielen wird und somit weiterhin als eine der wenigen Nationalspielerinnen nicht bei einem der vier Großen der Bundesliga unter Vertrag stehen wird. Am Donnerstag geht es für die DFB-Elf in Aarau nun gegen die von Martina Voss-Tecklenburg trainierte Schweiz. „Da wollen wir natürlich definitiv die nächsten drei Punkte holen“, so Okoyino da Mbabi.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

30 Kommentare »

  • Pappnase sagt:

    Ok, ich dachte es wäre der Wind gewesen, der durch’s Stadion gepfiffen hat.

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  • Pappnase sagt:

    PS: Die Leistung der Schiedsrichterin war unterirdisch. Es hätte zwei rote Karten für die Spanierinnen geben müssen. Einmal in der ersten Halbzeit, als Okoyino da Mbabi alleine aufs Tor zulief und gefoult wurde. Und dann noch in der zweiten Halbzeit, als die Torfrau außerhalb des Strafraums die deutsche Stürmerin hart foulte. Laut Regelwerk zwei klare rote Karten.

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  • karl sagt:

    @Pappnase : Von den Pfiffen hab ich auch nichts mitbekommen , irgendwie muessen die nur in der tv Uebertragung zu hoeren gewesen sein. Im Gegensatz zu dir bin ich schon der Meinung dass die Frauen den schoeneren Fussball spielen , aber Geschmaecker sind halt verschieden. Wenn man das mal im Preis-Leistungsverhaeltnis betrachtet spielen die Frauen um Welten besser. Und die Leistung der Schiedsrichterin fand ich sehr gut,besonders im Vergleich zu der Schiedsrichterin die das Hinspiel in Spanien geleitet hat. Die roten Karten die du ansprichst wurden zwar lautstark vom Publikum gefordert aber ich haette sie auch fuer unangemessen hart gehalten.

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  • Ina sagt:

    Hätte hätte Fahrradkette…

    Schade, dass Pappnase nicht mehr zum FF gehen möchte. Das Spiel war leider eines der schlechtesten unabhängig von der Torausbeute (und da befolge ich Pappnases Rat realistisch zu sein). Ich würde ihm/ihr den Rat geben einfach dranzubleiben.

    Trotz der richtigen Feststellung, dass ein Vergleich zwischen Männern u. Frauen nicht fair ist, hat er/sie den Vergleich (ich kann’s nicht mehr hören/sehen) ausgepackt, was widerum keine realistische Beurteilung ist. Um derartige Vergleiche unwirksam zu machen könnte ich jetzt genauso anfangen und schreiben, dass ich schon extrem unansehnliche Männer-Natio-Spiele gesehen habe, die so grottig waren, dass ich mit den Augen rollen musste, aber das tue ich (zumal ein Formtief zum Sport dazugehört) natürlich nicht 😉

    Ich habe keine Ahnung wer mit diesem hartnäckigen Vergleich in der jetzt schon langen Geschichte des Fußballs angefangen hat, ich kann nur sagen, dass derjenige sich schämen sollte, weil er heute noch nervt.

    Zum Spiel: Ich halte nichts davon einzelne Spielerinnen zu kritisieren (v.a. negativ), denn das können qualifizierte Leute im Teamumfeld und sie selber machen. Glückwunsch an die deutsche Mannschaft, hoffentlich gehen sie gegen die Schweiz von Anfang an sicher ins Spiel und sind etwas konzentrierter. Ansonsten weitermachen so!

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  • Pappnase sagt:

    @karl: Eine Betrachtung des „Preis-Leistungsverhältnisses“ macht es auch nicht besser, dass 80% der Damen auf dem Platz keinen Ball fehlerfrei annehmen oder einen genauen Pass spielen können.
    Ach ja, und was die Schiedsrichterleistung anbelangt, so wird meines Wissen im Frauenfußball nach den selben Regeln gepfiffen, oder? Und demnach sind beide Aktion absolut rotwürdig. Laut aktuellem Regelwerk gilt nämlich folgendes: „Ein Spieler…erhält die Rote Karte und wird des Feldes verwiesen, wenn er eines der folgenden sieben Vergehen begeht: …Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist…“

    @Ina: Nicht ich packe den Vergleich aus, sondern die Verfechter des Frauenfußballs. Schlimm, wie kurz vor bzw. bei der WM der Frauenfußball hochgelobt und gepuscht wurde. Und zwar fernab von der Realität. Daher war wohl auch der Druck und die Erwartungshaltung zu hoch. Leider darf man(n) zu diesem Thema nicht seine Meinung äußern. Aber ich stimme Dir zu, dass bei den Männern es auch so manche Spiele gibt, die nicht gerade ein Genuss sind, aber zumindest ist die technische Basis vorhanden. Es mag zwar für einige überheblich klingen, aber ich bin mir sicher, dass ich Bälle besser annehmen, Pässe exakter spielen und Flanken genauer schlagen kann, als viele von den Spielerinnen. Und ich habe nur Landesliga gespielt. Bis zu dem Spiel habe ich mich mit solchen Äußerungen zurückgehalten, weil man sich da leicht täuschen kann. Aber nun habe ich das live vor Ort gesehen und war entsetzt, wie niedrig das Niveau doch von vielen (nicht allen) ist.

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  • waiiy sagt:

    @Pappnase: Du hast geschrieben: “ hochgelobt und gepuscht wurde. Und zwar fernab von der Realität.“ Das gilt für alle Werbemaßnahmen. Da könnte sich auch jede andere Sportart an die Nase fassen. Von daher muss man das nicht hervorheben. Wenn man das nicht machen würde, würde heute wohl kein Mensch mehr das Bayern-Spiel gegen Marseille sehen wollen, weil eh alles klar ist…

    waiiy

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  • Ina sagt:

    Mag sein, dass ich dich missverstanden habe oder es nur undeutlich beschrieben wurde von dir, aber für mich sind deine Worte „Denn das ist definitiv nicht der Fall“ bezogen auf das vermeintlich „schönere“ Fußballspielen der Frauen ein Vergleich, der von dir kam.

    Die hohe Fehlpassquote der Deutschen in diesem Spiel ist unumstritten, aber gemessen an der Gegenleistung der Spanierinnen, zumindest was das Pressing und doch recht gute Passpiel angeht, m.E. kein Weltuntergang oder ein Grund, die N11 nun unverhältnismäßig schlecht zu machen. Ich denke sie dürfen sich einfach von derart „aggressiven“ Gegnern nicht so beeindrucken lassen, weil das nur die Nervosität steigert. Irgendwie hat mich dieses Spiel streckenweise an das WM-Spiel gegen Nigeria 2011 erinnert, wo D auch sehr unsicher war und vereinzelt nichts so richtig gelingen wollte.

    Also vielleicht wächst mit der zunehmenden Erfahrung des ja doch fast neu zusammengewürfelten Teams die Sicherheit.
    Ich bin jetzt erstmal gespannt, was Frau Voss-Tecklenburg so alles aus den Schweizerinnen an Leistung rausholen kann oder ob es keine Steigerung gab/gibt.

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  • Pappnase sagt:

    @waiiy: „..weil eh alles klar ist..“? Bayern verliert heute Abend 1:3.

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  • waiiy sagt:

    ROTFL 🙂

    waiiy

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  • karl sagt:

    @Pappnase : Wie auch immer , sei froh dass du dort gewesen bist. Das war bestimmt die einzige Gelegenheit in diesem Jahrhundert einen 5:0 Sieg einer deutschen Nationalmannschaft gegen eine spanische zu erleben. 🙂 🙂

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