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2012

Erst Nervenflattern, dann Torgala

25 Minuten lang musste man sich am Samstag in Mannheim um die deutsche Frauenfußball- Nationalelf gegen Spanien Sorgen machen, doch eine Célia Okoyino da Mbabi in bestechender Form zog den Spanierinnen mit vier Treffern beim 5:0-Sieg nahezu im Alleingang den Zahn.

Die Stürmerin des SC 07 Bad Neuenahr hat in den vergangenen zehn Monaten 20 von 27 Toren in ihrer inzwischen siebenjährigen Nationalmannschaftskarriere erzielt und sich aktuell das Prädikat Weltklasse verdient.

In der ersten Halbzeit erschreckend schwach Und vor allem ihr erster Treffer gegen Spanien (24.) nach Vorarbeit von Anja Mittag und gewonnenem Kopfballduell von Viola Odebrecht wird als einer der wichtigen in Erinnerung bleiben, denn die DFB-Elf fand im ausverkauften Carl-Benz-Stadion in der Anfangsphase nicht einmal ansatzweise in die Partie und bot eine der schlechtesten Halbzeiten seit langem, nach gut 20 Minuten waren sogar erster Pfiffe im Carl-Benz-Stadion zu hören. Wer weiß, welchen Verlauf die Partie genommen hätte, wäre den Spanierinnen die Führung gelungen. „Die erste Halbzeit war erschreckend“, konstatierte Okoyino da Mbabi. „Uns sind viele einfache Fehlpässe unterlaufen und wir haben ein Gesicht gezeigt, das wir in dieser Form nicht kannten.“

DFB-Elf kann Vorgaben nicht umsetzen Mit aggressivem Pressing und gepflegtem Kurzpassspiel unterbanden die Spanierinnen geschickt das deutsche Aufbauspiel, darüber hinaus war der DFB-Elf eine gehörige Portion Nervosität anzumerken. Etwa bei Torhüterin Almuth Schult, die in ihrem ersten Länderspiel auf heimischem Boden nicht den allersichersten Eindruck hinterließ. Doch auch andere Akteurinnen liefen an diesem Tag nicht zur Topform auf, Kapitänin Melanie Behringer musste gar bereits nach 25 Minuten den Platz für ihre Frankfurter Teamkollegin Fatmire Bajramaj räumen, Babett Peter übernahm die Kapitänsbinde.

Führungstreffer sorgt nicht für Beruhigung Und auch der Führungstreffer zeigte nicht die gewünschte Wirkung. „Das Tor hat nicht zur Beruhigung beigetragen“, so Okoyino da Mbabi. Und Mittelfeldspielerin Viola Odebrecht ging nach der Partie hart mit ihrer Elf ins Gericht: „Das Spiel war im Großen und Ganzen nicht dem der deutschen Mannschaft würdig.“

Worte, die dem Gegner aus Spanien allerdings wie Hohn vorkommen müssen. „Wir waren in den ersten 30, 40 Minuten nicht wach und nicht die Mannschaft, die wir sein wollten. Wir haben nicht umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir sind zu spät in die Zweikämpfe gekommen und hätten enger stehen müssen. Wir wollten außerdem zehn Meter weiter vorne agieren und haben uns zu sehr in die eigene Hälfte drängen lassen.“

Leistungssteigerung in Halbzeit zwei Doch in den zweiten 45 Minuten drehte die DFB-Elf auf, vor allem die Einwechslung von Alexandra Popp erwies sich als geschickter Schachzug. Die Duisburgerin erzielte einen Treffer selbst und bereitete einen weiteren Treffer von Okoyino da Mbabi zusammen mit Bajramaj mustergültig vor. Und die Torschützin des Tages spielte mit ihren spanischen Gegenspielerinnen zunehmend Katz und Maus, in puncto Schnelligkeit und Athletik konnte keine Gegnerin Okoyino da Mbabi das Wasser reichen.

Übergewicht im Mittelfeld Im Mittelfeld eroberte sich die DFB-Elf nun immer schneller die Bälle, den schnellen Kontern hatten die Spanierinnen immer weniger entgegenzusetzen. „In der zweiten Halbzeit lief das wirklich wesentlich besser“, meinte auch Lena Goeßling, die zusammen mit Odebrecht das Spiel auf der Doppel-Sechs nun in den Griff bekam. Und vorne kann sich die Elf derzeit auf die Knipserqualitäten von Okoyino da Mbabi verlassen.

Okoyino da Mbabi als Torgarant „Bei mir läuft es einfach derzeit rund. Ich fühle mich fit und habe längere Zeit keine größere Verletzung gehabt, dann kann man sich auch weiterentwickeln“, so die 23-Jährige, die auch in der kommenden Saison für den SC 07 Bad Neuenahr spielen wird und somit weiterhin als eine der wenigen Nationalspielerinnen nicht bei einem der vier Großen der Bundesliga unter Vertrag stehen wird. Am Donnerstag geht es für die DFB-Elf in Aarau nun gegen die von Martina Voss-Tecklenburg trainierte Schweiz. “Da wollen wir natürlich definitiv die nächsten drei Punkte holen”, so Okoyino da Mbabi.