Potsdam und Duisburg verlieren, Verfolger machen Druck

Von am 25. März 2012 – 17.17 Uhr 47 Kommentare

Am 16. Spieltag der Frauen-Bundesliga verlor Tabellenführer 1. FFC Turbine Potsdam überraschend in Essen, doch auch der Tabellenzweite FCR 2001 Duisburg ging als Verlierer vom Platz. Frankfurt und Wolfsburg machten hingegen Boden gut und wittern Morgenluft im Kampf um den Titel und die beiden Champions-League-Startplätze.

Der Deutsche Meister musste sich drei Tage nach dem Einzug ins Halbfinale der UEFA Women’s Champions League bei der SG Essen-Schönebeck mit 0:1 (0:1) geschlagen geben und somit die zweite Saisonniederlage einstecken.

Ergebnisse und Tabelle

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Youngster bringt Meister zu Fall
Die erst 17-jährige Isabelle Wolf köpfte bereits Mitte der ersten Halbzeit den Treffer des Tages, Caroline Hamann hatte nach einer kurz ausgeführten Ecke maßgerecht auf den langen Pfosten geflankt und die verdiente Führung der Essenerinnen eingeleitet (21.). Potsdam erkannte zu spät den Ernst der Lage und erspielte sich erst in den Schlussminuten gute Torchancen. Patricia Hanebeck (87.), die an Essens Torhüterin Uschi Holl scheiterte, und Bianca Schmidt mit einem Distanzschuss übers Tor (89.) vergaben die besten Möglichkeiten zum Ausgleich.

Popp trifft gegen ihren zukünftigen Verein
Dennoch verteidigten die Potsdamerinnen mit 38 Punkten die Tabellenspitze, da Verfolger FCR 2001 Duisburg (36 Punkte) im Topspiel beim VfL Wolfsburg vor 1 096 Zuschauern mit 1:2 (1:1) ebenfalls als Verlierer den Platz verließ. Dabei waren die Duisburgerinnen nach einem tollen Pass von Gülhiye Cengiz durch einen Flachschuss von Alexandra Popp, die ab der kommenden Saison für den VfL Wolfsburg spielen wird, in Führung gegangen (14.). Doch eine Gemeinschaftsaktion der beiden Mittelfeldspielerinnen Lena Goeßling und Nadine Keßler brachte die Gastgeberinnen gegen zu diesem Zeitpunkt überlegene Gäste ins Spiel zurück, als Keßler einen Freistoß von Goeßling per Kopf ins Tor lenkte (34.).

Duisburg mit athletischen Defiziten
In der zweiten Halbzeit kamen die Wolfsburgerinnen immer besser ins Spiel, bei den Duisburgerinnen machten sich athletische Defizite bemerkbar. Dennoch hatte Wolfsburg Glück, dass ein Foul von Abwehrspielerin Rebecca Smith gegen Cengiz nicht mit einem Elfmeter geahndet wurde (50.). Doch das zunehmend druckvollere Spiel der Niedersachsen sollte sich auszahlen. Nach einem Pfostenschuss von Zsanett Jakabfi reagierte Anna Blässe am schnellsten und erzielte den Siegtreffer (78.).

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Anna Blässe (li.) bejubelt mit Nadine Keßler ihren Siegtreffer zum 2:1 © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Wolfsburg schnuppert am internationalen Geschäft
„Wir sind wieder richtig dabei“, freute sich Wolfsburg Trainer Ralf Kellermann. „Aufgrund der sehr guten zweiten Halbzeit haben wir verdient gewonnen.“ Gäste-Trainer Marco Ketelaer meinte: „Man hat der Mannschaft angemerkt, dass sie mit dem letzten Aufgebot spielt und die Kräfte nicht mehr da sind. Das hat letztlich den Ausschlag gegeben.“ Die Wolfsburgerinnen liegen mit 34 Punkten auf Platz 4, haben aber noch ein Nachholspiel beim SC 07 Bad Neuenahr in der Hinterhand.

Frankfurt macht Boden gut
Der drittplatzierte 1. FFC Frankfurt konnte durch einen 3:1 (0:0)-Auswärtssieg beim SC 07 Bad Neuenahr den Abstand zum Spitzenduo verkürzen, die Hessinnen haben jetzt ebenfalls 34 Punkte auf der Habenseite. Die Schweizer Nationalspielerin Ana Maria Crnogorcevic brachte die Gäste in Führung (50.), die eingewechselte Schwedin Sara Thunebro erhöhte auf 2:0 (70.). Peggy Kuznik sorgte für kurzzeitige Hoffnung bei den Gastgeberinnen (75.), doch Dzsenifer Marozsán sorgte postwendend für die Entscheidung (77.). Somit trennen die Top 4 der Liga nur vier Punkte, ein packender Titelkampf ist an den verbleibenden sechs Spieltagen garantiert.

Leverkusen spielt nur remis
Bayer 04 Leverkusen musste sich im Duell mit dem Hamburger SV mit einem 2:2 (0:1) begnügen, zu wenig für das Tabellen-Schlusslicht im Abstiegskampf. Aylin Yaren brachte die Gäste frei vor Torhüterin Lisa Schmitz in Führung (26.), Winter-Neuzugang Katie Bethke gelang nach einem Freistoß per Kopf der Ausgleich (55.). Doch die Hanseatinnen gingen durch einen Distanzschuss der eingewechselten Maike Timmermann erneut in Führung (71.). Johanna Elsig gelang per verwandeltem Foulelfmeter nur noch der Ausgleich (77.). „Ein Punkt war unser Minimalziel. Das haben wir erreicht“, so HSV-Trainer Achim Feifel.

Bayern siegt beim Simic-Comeback
Der FC Bayern München entledigte sich mit einem 3:1 (1:0)-Auswärtserfolg beim FF USV Jena aller Abstiegssorgen, da das Team nun bereits elf Vorsprung auf einen Abstiegsplatz hat. Isabell Bachor brachte die Münchnerinnen in Führung (36.), der Neuseeländerin Amber Hearn gelang der Ausgleich (78.). Doch in der Schlussphase trafen die Gäste noch zweimal: Erst gelang Rebecca Huyleur der Führungstreffer (85.), in der Nachspielzeit setzte die eingewechselte Julia Simic in ihrem ersten Spiel nach ihrem Kreuzbandriss im vergangenen September den Schlusspunkt (90.+1).

SC Freiburg siegt ohne Mühe
Der SC Freiburg kam auf eigenem Platz zu einem deutlichen 3:0 (1:0)-Sieg gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig, für die Gäste war es die fünfte Niederlage im fünften Rückrundenspiel. U17-Nationalspielerin Sara Däbritz gelang für die Gastgeberinnen der Führungstreffer (23.), nach der Pause sorgten Margarita Gidion (74.) und Anja Maike Hegenauer für die Entscheidung (82.). Freiburgs Trainer Milorad Pilipovic erklärte: „Das war heute spielerisch sicherlich keine Glanzleistung von uns. Aber man muss auch nach solchen Spielen mal zufrieden sein. In erster Linie zählt, dass wir heute gewonnen haben und jetzt 13 Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz haben.“

Alle Ergebnisse des 16. Spieltags:

SC Freiburg – 1. FC Lok Leipzig 3:0 (1:0)
Bayer 04 Leverkusen – Hamburger SV 2:2 (0:1)
SG Essen-Schönebeck – 1. FFC Turbine Potsdam 1:0 (1:0)
VfL Wolfsburg – FCR 2001 Duisburg 2:1 (1:1)
SC 07 Bad Neuenahr – 1. FFC Frankfurt 1:3 (0:0)
FF USV Jena – FC Bayern München 1:3 (0:1)

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

47 Kommentare »

  • Homare_fan sagt:

    Man kann hier Seiten lange Kommentare schreiben. Es ändert trotzdem, nicht an der Tatsache, dass Turbine ganz oben stehen, in der Buli. Und auch in der Champions League, immer noch zu den ganz großen gehören. Euren Klugen Kommentaren, könnt ihr gerne behalten. Wenigsten, bis die Turbinen, nicht mehr die Buli anführt. Oder aus der Champions League fliegen. Potsdam ist zwar einer der besten, Nachwuchs Förderer Deutschland. Aber, sollen die wirklich?, auf Spielerinnen wie Nagasato und Anonma verzichten. Und stattdessen, mit Spielerinnen aus der Zweiten Mannschaft antreten. Um mit den Topclubs Europa zu konkurieren?.

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  • Homare_fan sagt:

    Und Danke, für die ganzen Daumen runter. Ich habe nur meine Angst und Befürchtung, kund getan. Natürlich, wünsche ich mir auch, dass Yuki die Buli erhalten bleibt. Aber, einiger Vorzeichen sprechen dafür, dass eine Stürmerin Potsdam bald verlassen wird. Tatsache ist, Potsdam ist an Rasmussen interessiert. So eine erfahrene, Spielerin wie Rasmussen, holt man nicht als Ergänzungsspielerin sondern als Stammspielerin. Potsdam hat momentan Sechs Stürmerinnen. Wozu, brauchen die also noch mehr Stürmerinnen, wenn keine geht?.

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  • Jennifer sagt:

    Hier gibt es bewegte Bilder von Essen – Potsdam. Zwar nicht so supergroße Klasse, aber immerhin gibt es etwas zu sehen.

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  • DAWIDenko sagt:

    @ jennifer:
    vielen Dank für den Link.
    Auch bei dfbtv gab es ja mMn keine bewegten Bilder.
    Muss ja echt ein abwechslungsreiches Spiel gewesen sein. Viele Chancen auf beiden Seiten. Und ich fand die Zusammenfassung recht gut. Habe gerade was FF angeht, schon wesentlich schmalere Kost bekommen.

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  • TomS sagt:

    @Jennifer ja wirklich gute und vor allem ausführliche Zusammenfassung mit PK…danke für den Link.

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  • fisch sagt:

    Ich sehe in Anja’s vorzeitigen Wechsel den entscheidenden Grund für den stotternden Turbine-Angriffsmotor. Sie hat Yuki und Ayoma geführt und erfolgreich in Szene gesetzt. Jetzt hängen die beiden seit der Rückrunde förmlich in der Luft. Dieser Ausfall konnte bis jetzt nicht kompensiert werden, durch Maggie, wie erhofft und geglaubt, nicht ansatzweise. Ein Irrtum von BS mit möglicherweise fatalen Folgen.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @fisch
    Habe bei jeder passenden Gelegenheit immer wieder auf diesen negativen Umstand hingewiesen, den Du auch ansprichst!
    Und wenn man die nahezu befreite Spielweise von Anja seitdem sieht, kann man sich nur noch fragend am Hinterkopf kratzen und über die Gründe rätseln.
    Ich schrieb auch, dass es eigentlich ein Unding ist, eine langzeitverletzte und immer wieder mit Oberschenkelproblemen ausfallende Maggie als fragwürdigen Ersatz zu holen, der letztendlich weit weg davon ist, Turbine eine Hilfe, eher ein Problemkind mehr, zu sein!
    Ich hoffe nunmehr ein bisschen, dass man minimal darüber nachdenkt, z.B. eine Pernille Harder zu holen. 🙂
    Wenn man die zahlreichen Abgänge am Saisonende nämlich in ähnlicher Weise versucht zu kompensieren, kann ich nur konstatieren:“Gute Nacht!“. Es wird dann nämlich zumindest für ein Jahr kein schlagkräftiges Torbienenteam auflaufen, was den Kampf um CL-Plätze und damit den Geldfluss erheblich beeinträchtigen wird.

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