Misstöne in Frankfurt, Wolfsburg ernüchtert
Der 15. Spieltag der Frauen- Bundesliga hatte es in sich: Der 1. FFC Frankfurt bangt nach der überraschenden Heimniederlage gegen den Hamburger SV um die Teilnahme am internationalen Geschäft, die Überflieger vom VfL Wolfsburg mussten ihrerseits anerkennen, dass die Trauben derzeit noch ein wenig zu hoch hängen.
Der mit Nationalspielerinnen gespickte Kader des 1. FFC Frankfurt ging nach der 0:1-Heimniederlage gegen den Hamburger SV wettbewerbsübergreifend bereits zum siebten Mal in dieser Saison als Verlierer vom Platz. Viel zu häufig für eine Mannschaft mit solch hoch gesteckten Ansprüchen, die sich in Richtung europäische Spitze orientieren will. Und so kam es auf der anschließenden Pressekonferenz erstmals zu öffentlichen Dissonanzen zwischen Trainer Sven Kahlert und Manager Siegfried Dietrich.
Uneinigkeit zwischen Kahlert und Dietrich Denn Kahlert stellte sich trotz der Niederlage gegen den Tabellenneunten hinter seine Elf und wollte „ein gutes Spiel“ gesehen haben. „Nur der Torabschluss war miserabel“, so seine Einschätzung . Dietrich sparte hingegen nicht mit Kritik und erklärte, von mehrfachen Blicken in Richtung Kahlert begleitet: „Wir müssen alle besser spielen. Wir haben nicht das gezeigt, was wir zeigen wollten, hätten aggressiver sein müssen.“
Flaute im Sturm Die Stimmung ist angespannt vor dem so wichtigen Viertelfinal-Rückspiel in der UEFA Women’s Champions League am Mittwoch (ab 15 Uhr live im HR) gegen den schwedischen Meister LdB Malmö, wo es gilt, das 0:1 aus dem Hinspiel vom vergangenen Donnerstag wettzumachen. Bleibt zu hoffen, dass die Chancenverwertung der Frankfurterinnen dann besser wird als in den vergangenen Spielen, das Sturmproblem des Teams ist offensichtlich und es scheint sich zu rächen, dass im Winter auf dem Transfermarkt keine weitere Stürmerin verpflichtet wurde.
Wolfsburg auf dem Boden der Tatsachen Beim VfL Wolfsburg musste man nach der 0:1-Niederlage beim 1. FFC Turbine Potsdam nach acht Siegen in Folge anerkennen, dass in der Breite doch noch ein wenig Qualität zur Topspitze fehlt, denn das knappe Ergebnis bringt die wahren Kräfteverhältnisse auf dem Rasen nicht zum Ausdruck, die Potsdamerinnen hatten das Spiel fest im Griff und ließen den Gegner so gut wie nicht zur Entfaltung kommen. „Das war heute eine Riesenchance, aber vielleicht sind wir noch nicht so weit“, räumte auch Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann ein.
Mittelfeld abgemeldet Vor allem im Mittelfeld gelang es dem Duo Lena Goeßling und Nadine Keßler nicht, das Spiel an sich zu reißen, umso besser schafften dies Viola Odebrecht und Patricia Hanebeck auf der Gegenseite. Und auch die Wolfsburger Abwehr wirkt nicht immer sattelfest, so hatte etwa Stephanie Bunte auf der rechten Außenbahn ihre liebe Müh und Not mit der schnellen Antonia Göransson. „Wir sind in der ersten Halbzeit gar nicht ins Spiel gekommen“, lamentierte Goeßling, die aber optimistisch bleibt: „Platz 2 ist für uns noch drin und wir hoffen, dass wir am Ende der Saison einen Champions-League-Platz haben.“
Schiewe beendet Bad Neuenahrs Serie Doch der 15. Spieltag hatte noch mehr zu bieten: Der FF USV Jena gewann beim SC 07 Bad Neuenahr überraschend mit 1:0 und beendete die Serie des Gegners von sechs Spielen ohne Niederlage und Gegentor. Carolin Schiewes‘ Treffer in der 74. Minute verschafft den Thüringerinnen Luft im Abstiegskampf. Auch der Tabellen-Schlusslicht Bayer 04 Leverkusen kam beim 4:1-Auswärtssieg gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig zu einem wichtigen Dreier.
Getrübte Freude in Leverkusen Doch die Freude dürfte durch die Überraschungserfolge von Hamburg und Jena getrübt gewesen sein. Doch Leverkusens Trainerin Doreen Meier gibt sich kämpferisch : „Gegen den HSV müssen wir so oder so alles in die Waagschale legen, um unsere Chancen zu wahren. Uns helfen in unserer Situation nur Punkte weiter.“