Trainer-Dilemma: Jena hofft auf DFB-Gnade

Von am 1. Februar 2012 – 21.13 Uhr 35 Kommentare

Nach dem Weggang von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg in die Schweiz will Frauenfußball Bundesligist FF USV Jena vorerst keinen neuen Cheftrainer verpflichten, sondern eine altbewährte Notlösung aus dem Hut zaubern.

Denn wie schon in der Saison 2010/11 soll Daniel Kraus das Traineramt übernehmen. „Wir beabsichtigen, mit dem Team um die Co-Trainer Daniel Kraus und Bernd Lindrath weiterzuarbeiten“, so Präsident Ralf Schmidt-Röh.

Keine A-Lizenz
Der Haken: Kraus ist nach wie vor nicht im Besitz der notwendigen A-Lizenz, er verfügt nur über die B-Lizenz. Eine entsprechende Sondergenehmigung ist laut Schmidt-Röh bereits beim DFB beantragt worden. Der Thüringer Verein hofft also, dass der DFB bereits zum zweiten Mal ein Auge zudrückt und eine neuerliche Ausnahme macht.

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Externe Lösung angestrebt
Schmidt-Röh begründet die Entscheidung damit, dass Kraus sich für den im März beginnenden A-Lehrgang angemeldet habe. „Die Ausnahmeregelung müsste also nur für die ersten Wochen der Rückrunde gelten“, so seine Argumentation. Doch der Verein sehe sich auch nach externen Lösungen um, betont er.

Schon 2010 mit Sondergenehmigung
Kraus hatte bereits im November 2010 nach dem Weggang von Thorsten Zaunmüller interimsweise das Traineramt dank einer Sondergenehmigung ausgeübt, der DFB hatte aber wenig später eine längerfristige Ausübung der Tätigkeit untersagt.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

35 Kommentare »

  • foxi sagt:

    Wissenschaftliche Erkenntnisse haben lediglich gezeigt, dass Männer IM DURCHSCHNITT ein etwas besseres räumliches Vorstellungsvermögen haben als Frauen und dass Frauen dafür durchschnittlich eine etwas stärker ausgeprägte verbale Ausdrucksfähigkeit besitzen. Diese Unterschiede sind statistisch signifikant, weil man sie an sehr großen Stichproben nachweisen konnte, im Alltag spielt das aber kaum eine Rolle, weil die Wahrscheinlichkeit, dass der Eine besser als der Andere ist, bei etwa 51 zu 49 liegt. Es sind also sehr geringe Unterschiede! Bei mathematischen Fähigkeiten sind im allgemeinen keine signifikanten Unterschiede messbar, aber es wurde gezeigt, dass Mädchen bereits früh trotz gleicher Leistungen ein geringeres Zutrauen in die eigenen mathematischen Fähigkeiten haben. Wahrscheinlich aufgrund von Äußerungen wie der oben!

    Tatsächlich sind Neid, Sundhage und Morace nicht die überragenden Taktikerinnen, aber MVT traue ich da mehr zu, gerade aufgrund dessen was ich in Jena gesehen habe.

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  • wrack sagt:

    @ H2O: Dein Zitat „Fußball hat vor allem mit Mathematik zu tun. Deswegen haben Männer als Trainer einfach nen Vorteil, was Taktiken angeht!“ kann ich wirklich und ernsthaft nicht nachvollziehen. Kannst du das bitte erläutern ?

    @ foxi, betrifft mathematisches Talent von Männern / Frauen: Das ist auch mein Kenntnisstand. Aber vielleicht gibt es neuere empirische Daten, neue Studien ? Quellen ?

    @ Sheldon: Abgesehen von den Statistiken, was hat Taktik mit Mathematik zu tun ? Ich glaube nicht, dass sich irgendein Trainer von der Errechnung und Bedeutung von Korrelationskoeffizienten, Mittelwertsvergleichen und Messfehlern leiten läßt. Das ist beim Basketball sehr nützlich, aber für den Fußball taugt das m.E. nach lediglich als eine Bestätigung dessen, was man im Spiel schon gesehen hat. Fußball wird von zuvielen Variablen beeinflusst, als das man ein Spiel mathematisch exakt (und nützlich) analysieren kann.

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  • H2O sagt:

    @wrack

    Hallo wrack,

    bitte lies nochmal meinen Beitrag. Ich zitiere an der Stelle sheldon, daher steht der Beitrag auch in “ …“ . 🙂
    Der Grund meines Beitrages ist natürlich gerade, dass diese Aussage Blödsinn ist.

    lg H2O

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  • foxi sagt:

    @wrack
    In einzelnen Studien kann man durchaus mal Unterschiede finden, aber Meta-Analysen zeigen, dass die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in puncto Mathe sich rausnivellieren und früher da waren, aber über die Jahrzehnte immer geringer geworden sind. Studie dazu z.B.: Hyde, J. S. & Linn, M. C. (2006). Gender similarities in mathematics and science. Science, 314, 599-600.
    Aber davon mal abgesehen ist das offtopic, weil Mathe nix mit Fußballtaktik und -strategie zu tun hat.

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  • wrack sagt:

    @ H2O: Mea Culpa, sorry. Habe wohl meine Lesebrille verlegt 🙂

    @ foxi: Danke für die Quelle.

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  • Sheldon sagt:

    […]

    Natürlich ist Fußball ein strikt mathematisches Spiel! Über lange Zeit kannst du den Erfolg eines Teams mit einem bestimmten System errechnen.
    Beispielsweise kannst du anhand von einem großen Pott Variablen die beste taktische Ausrichtung für 11 verschiedene Spielerinnen berechnen. Das Ganze geht natürlich in die komplexe Mathematik hinein, wobei im Idealfall auch Variablen wie Bodenbeschaffenheit, Sonneneinstrahlung und Windverhältnisse in die Berechnungen einbezogen werden!
    Beispielsweise kann hierdurch die ideale Laufintensität einer jeden Spielerin beim jeweiligen Wetter anhand ihrer physikalischen Fähigkeiten ermittelt werden, sodass sie innerhalb von 90 Minuten die idealen Laufwege zurücklegt, um sich nicht so sehr zu verausgaben, dass sie am Ende blau geht, aber auch nicht zu wenig zu investieren!
    Indem man nun also die ideale Laufintensität festgelegt hat, kann man darüber entscheiden, welche Position genau auf dem Platz die Idealposition für die jeweilige Spielerin ist, was die idealen Passkombinationen sind und mit welchen Spielzügen die Spielerinnen ihr Laufpotential möglichst effektiv nutzen.
    Hierzu sind natürliche auch im besten Fall auch möglichst differenzierte Gesundheitstests der Spielerinnen nötig, um hier ein möglichst fehlerfreies Ergebnis zu erzielen!
    Aber mit der nötigen Technik, effektiver Trainingszeitnutzung und angewandter Mathematik (zu der die Programmiersprache übrigens nicht gehört, diese ist Teil des Fachgebiets Informatik) kann man aus jeden 11 Spielerinnen eine Meistermannschaft machen, zumal die Abweichung von den ermittelten Ergebnissen hier sogar noch sehr viel größer sein darf als im MF, da die technisch-taktischen Belange hier noch nicht mit der Präzision genutzt werden wie das beim MF der Fall ist, Stichwort: Computerauswertung der Laufwege. Auch hier wäre zwar noch mehr Analyse möglich, zum Beispiel Puls- und Blutdruckmessgeräte während des Spiels, um beispielsweise sehen zu können, wie der Körper eines jeden Spielers auf verschiedene Spielsituationen reagiert, wie er sich bei einem abgebrochenen Sprint verhält oder wie beim Dribbling.

    Selbst der Schiedsrichter kann ausgewertet werden, seine bisherigen Leistungen, seine Mimik und Gestik und wie er unterbewusst zu beeinflussen ist.
    Je mehr das Spiel mathematisch durchstrukturiert wird und je mehr die Spielerinnen zu Schauspielern, zu eiskalt berechnenden Sportlern werden, bei denen kein Schritt auf dem Spielfeld ungeplant ist, desto größer ist die Kontrolle über das Spiel! Und hier haben es nunmal die Mathematiker wesentlich leichter!

    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion in Übereinstimmung mit den Womensoccer-Leitlinien editiert. Die editierten Stellen wurden mit Auslassungszeichen […] markiert.

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  • FFFan sagt:

    Wenn jetzt Claudia von Lanken als mögliche Nachfolgerin von Martina Voss-Tecklenburg (die selbst kurz nach ihrer Entlassung beim FCR Duisburg in Jena ‚angeheuert‘ hatte) gehandelt wird, zeigt dies, dass mittlerweile auch im Frauenfußball so etwas wie ein ‚Trainerkarussell‘ existiert, was noch vor wenigen Jahren nicht der Fall war!

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  • FFFan sagt:

    @ Sheldon:
    „Das Ganze geht natürlich in die komplexe Mathematik hinein, wobei im Idealfall auch Variablen wie Bodenbeschaffenheit, Sonneneinstrahlung und Windverhältnisse in die Berechnungen einbezogen werden!“

    Richtig, und ganz große Experten ziehen darüber hinaus noch die Konstellation der Sterne und den Monatszyklus der Spielerinnen in Betracht. 😉

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  • Sheldon sagt:

    @FFFan: Selbst dieses muss bei abergläubischen Spielerinnen unbedingt mitbedacht werden, da sich ein schlechtes Horoskop auf die Moral auswirkt.
    Der Monatszyklus muss sowieso mitbedacht werden, da die körperliche Leistungsfähigkeit der Spielerinnen damit abnimmt.

    Zu den anderen Dingen:
    Die Bodenbeschaffenheit wirkt sich auf das Verletzungsrisiko bestimmter Spielerinnen aus, sodass hier die Laufwege auf den gut begehbaren Stellen des Platzes vorrangig zu nutzen sind.
    Dieses ist insbesondere bei Plätzen wie in Wolfsburg von höchster Priorität. 😉
    Sonneneinstrahlung beeinträchtigen die Sichtverhältnisse und dadurch das Stellungsspiel zum Ball. Außerdem kann dies zu Ermüdungserscheinungen führen.
    Wind wirkt ebenso auf die Erschöpfung der Spielerinnen. Je stärker der Gegenwind und je heimtückischer er ist, desto schneller ist die Ermüdung!

    Du siehst, je mehr man bedenkt, desto feiner kann man die Leistung der Spielerinnen beeinflussen!

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  • be sagt:

    Regelmäßiger O-Ton Schröders: „Fußball ist keine Naturwissenschaft.“

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  • Sheldon sagt:

    @be: Joa, man muss ja nicht immer mit ihm mitgehen. Aber schließlich hat Schröder auch von seiner harten DDR- bzw. Ostzonenschule profitiert! Es ist kein Wunder, dass er heute der beste deutsche Trainer bei den Frauen ist, schließlich legte man gerade in der DDR den Schwerpunkt auf Naturwissenschaften!

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  • wrack sagt:

    @ Sheldon: Du kannst neben den Lottozahlen natürlich auch Fußball mathematisch erfassen und auswerten. Nur: Was hast du bei den Lottozahlen davon, auch wenn Lotto ein „strikt mathematisches“ Gewinnspiel ist ? Vorhersagen kannst du die Zahlen trotzdem nicht.

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  • H2O sagt:

    @sheldon

    Ich muss dich erstmal loben, deine Beiträge motivieren mich öfter mal was zu schreiben. 🙂

    „Aber mit der nötigen Technik, effektiver Trainingszeitnutzung und angewandter Mathematik (zu der die Programmiersprache übrigens nicht gehört, diese ist Teil des Fachgebiets Informatik) kann man aus jeden 11 Spielerinnen eine Meistermannschaft machen…“

    Dein mathematisches Modell soll so gut sein, dass du damit alle besiegst? Dein mathematisches Modell löst Fußball?

    Also 2007 wurde das Brettspiel Dame gelöst.
    https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,495493,00.html

    Bis heute ist Schach noch nicht gelöst.

    Bis heute gibt es noch keine wirklich gute „go“ Simulationen (die gegen gute menschliche go Spieler bestehen kann).

    Dies sind Spiele die relativ einfach modellierbar sind. (immer nur einer am Zug, es wird von einer zentralen Person pro Partei der Zug ausgeführt, diskretisiertes Spielfeld).

    Selbst wenn du dir ein Modell aufbauen kannst, das einigermaßen geeignet ist und sollte das ganze riesig und schwierig zu lösen sein. Da würde mich interessieren womit du die Lösung berechnest. Mit einem Quantemcomputer?

    Soweit ich das bisher gesehen habe, und ich habe mich damit nicht sonderlich beschäftigt, werden heutzutage bei den Auswertungen statistische Daten ermittelt. Laufwege, Anzahl der Sprints usw. also einfach weitere Möglichkeiten um das Verhalten von Spielern zu erfassen. Damit wird dann gearbeitet…

    Das hilft dir aber nicht einen Masterplan zu erhalten wie du den nächsten Gegner aushebelst. Du lernst deine und die anderen Spieler bestenfalls besser kennen.

    Davon abgesehen hast du 11 unabhängig agierende Spieler und keine Zentrale die alles steuert… und und und….

    FFFan hat das ganze gut auf den Punkt gebracht. 😉

    „Das Ganze geht natürlich in die komplexe Mathematik hinein…“
    Komplexe Mathematik? Die Lösung liegt in den komplexen Zahlen?

    Wenn du mit DGLn und PDGLn modellierst ist das nicht unwahrscheinlich oder meinst du damit anspruchsvollere mathematische Verfahren aus der mathematischen Optimierung, Numerik und Stochastik/Statistik?

    „angewandter Mathematik (zu der die Programmiersprache übrigens nicht gehört, diese ist Teil des Fachgebiets Informatik)“

    Was willst du mir damit sagen? 🙂
    Ada Lovelace war Mathematikerin und so „Top“ dass, später ihr zu ehren eine Programmiersprache nach ihr benannt wurde.
    Davon abgesehen ging die Informatik aus der Mathematik hervor.

    „Je mehr das Spiel mathematisch durchstrukturiert wird und je mehr die Spielerinnen zu Schauspielern, zu eiskalt berechnenden Sportlern werden, bei denen kein Schritt auf dem Spielfeld ungeplant ist, desto größer ist die Kontrolle über das Spiel! Und hier haben es nun mal die Mathematiker wesentlich leichter!“

    Hört sich eher nach Voodoo an. 😉

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  • wrack sagt:

    @ H2O: Du schriebst „Hört sich eher nach Voodoo an.“
    🙂
    Wenn beide Trainer zweier gegeneinander spielenden Teams ausschließlich Zombies zur Verfügung haben, die sich nur verhalten und nicht handeln, und wenn Schieds- und Linienrichter ebenfalls auf Kugelfisch-Diät gesetzt werden, wenn man Rahmenbedingungen wie Wetter, Platz und Ball konstant halten kann, dann wäre nach einigen tausend analysierten Spielen mit immer denselben Spielern unter immer denselben konstanten Randbedingungen vielleicht eine mathematische Steuerung der ersten 30 Sekunden des Spiels möglich.

    Aber ich glaube, mit echtem Voodoo (bzw. Santaria) kann man mehr erreichen, siehe Brasiliens Männernationalteam in den 50ern und 60ern.

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  • sitac sagt:

    Technische Fertigkeiten möglichst perfekt brauchen alle. Verteidiger/innen brauchen Disziplin und perfektes Stellungsspiel und „legale“ Härte, belegt mit dem Adjektiv beinhart. Mittelfeldspieler/innen brauchen Genialität und Kreativität und einen Schuss Verrücktheit. Stürmer/innen brauchen Schnelligkeit und Robustheit und Killerinstinkt.
    Mehr braucht es nicht!
    Vodoo, vielleicht ja, Mathematik, mit Sicherheit nein.

    Unter Quadrillionen Spielen wird keines sein wie ein anderes.
    Bei keinem einzigen Schuss auf das Tor vom Elfmeterpunkt aus wird man die Flugbahn des Balles mathematisch berechnen oder vorhersagen können.

    Ich denke, es ist egal, ob ein Mann oder eine Frau Trainer/in ist.

    Neben Disziplin, Taktik, Laufwege pauken etc muss Spass, Freude, Verrücktheit massiv Platz haben, sonst geht gar nichts. Diese Balance ist höchste Kunst, die Wenige beherrschen.

    Es hängt nicht von der Frage Trainer Mann-Frau ab.

    Dennoch ist Bruno Bini für mich da derzeit derjenige, der alles möglicherweise ganz gut unter einen Hut kriegt.

    Ich drücke den Französinnen den Daumen, dass sie in London Gold holen. Sie spielen für mich den derzeit faszinierensten Frauenfussball.

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