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2012

Bad Neuenahrs Erfolgsspur wird länger

Es war ein rabenschwarzer Saisonstart für den SC 07 Bad Neuenahr in der Bundesliga. In den ersten sieben Partien holten die Kurstädterinnen gerade zwei Punkte. Dann kam die Wende: 13 Zähler in Serie und ein ausgelassener Siegesjubel beim Hallenturnier in Bielefeld. „Die Mannschaft hat zueinander gefunden“, sagt Trainer Colin Bell. „Aber es war ein Lernprozess – auch für mich.“

Bad Neuenahr ist Bells erste Station im Frauenfußball, der Umgang dort sei anders als im rauen Männerfußball. „Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass ich mein Coaching verändern musste. Die Mannschaft braucht eine eher ruhige und positive Ansprache. Ich habe eine natürliche Aggressivität und musste lernen, im Training eher ruhig zu bleiben.“

Bundesligafußball keine Selbstverständlichkeit Nach der 0:1-Heimniederlage gegen den FC Bayern München am sechsten Spieltag kritisierte Bell Spielerinnen und Vereinsführung öffentlich. „Das war aus der Emotion heraus. Es sollte kein Rundumschlag werden.“ Bedauert er seine Worte heute? „Nein. Ich wollte klar machen, dass Bundesliga-Fußball in Bad Neuenahr keine Selbstverständlichkeit ist und dass wir uns auf allen Ebenen entwickeln müssen.“

Positives Aufzeigen Erste Ansätze seien zu erkennen, die Infrastruktur und die Arbeit in der Geschäftsstelle hätten sich verbessert, meint der Engländer, dessen Mannschaft im Folgespiel beim 1. FFC Turbine Potsdam in Form kam. „Dieses Spiel hätten wir niemals verlieren dürfen“, meint Bell über die 0:1-Niederlage. „Wir haben viele Spiele in der Saison verloren, aber es war nicht immer alles schlecht.“ Daher sei auch viel psychologische Aufbauarbeit vonnöten gewesen, und die Mannschaft habe in der Videoanalyse, statt vieler Fehler, vor allem auch die guten Dinge gezeigt bekommen.“

Almuth Schult ist beste Torhüterin Ausgerechnet am achten Spieltag gegen den FCR 2001 Duisburg platzte mit einem 2:0-Sieg der Knoten. Seitdem ist der SC, außer im DFB-Pokal, ungeschlagen – auch in Bielefeld-Jöllenbeck, wo das Siegerteam die „Beste Torhüterin des Turniers“, Almuth Schult, in seinen Reihen hatte. Die U20-Weltmeisterin kam vor Saisonbeginn vom Zweitligisten FFC Magdeburg.

Immer neue Treppen „Es waren zwei unglaubliche Jahre“, sagt Schult über die Zeit seit der U20-Weltmeisterschaft 2010. Überraschend kam dann die Nominierung in den WM-Kader der A-Nationalmannschaft. Nach dem Rücktritt von Ursula Holl ist sie dort mittlerweile gar die „Nummer 2“ hinter Nadine Angerer. „Immer wenn ich eine Treppe bestiegen hatte, war schon wieder eine neue vor der Tür“, schmunzelt die 20-Jährige, der man ihren rasanten sportlichen Aufstieg ansieht. Aus der talentierten, aber etwas schüchtern wirkenden Zweitligatorfrau ist eine mit Präsenz und Ausstrahlung auf dem Platz geworden.

Studium in Köln Der Sprung in die Erste Bundesliga war daher unumgänglich. „Das ist ein anderes Niveau, eine andere Klasse und macht einfach Spaß.“ Vollzeitfußballerin ist Schult nicht. Sie wohnt in Köln und studiert dort an der Sporthochschule. Von den wöchentlich sieben bis neun Trainingseinheiten in Bad Neuenahr verpasst sie daher meist die Vormittage. Und das wird wohl auch noch einige Zeit andauern, denn es ereilte sie ein übliches Studentenschicksal: Ihre „Scheine“ aus zwei Semestern Studium im Magdeburg wurden beim Wechsel nach Köln nicht anerkannt. Schult ist wieder Erstsemester.