Bad Neuenahr auf sportlicher Talfahrt
Der SC 07 Bad Neuenahr ist nach sechs Spieltagen mit nur zwei Punkten überraschend Tabellen-Schlusslicht der Frauenfußball-Bundesliga . Dabei ist der Kader gespickt mit A- und diversen Juniorinnen-Nationalspielerinnen. Doch die Probleme sind nicht neu.
Nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Bayern München platzte Bad Neuenahrs Trainer Colin Bell am Sonntag der Kragen. “Ich habe fünf U-19-Nationalspielerinnen im Team – wie kann es sein, dass sie im Spiel keinen einzigen Zweikampf gewinnen?”, griff er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel seine Spielerinnen öffentlich an .
Angestauter Frust Und auch der Verein bekam sein Fett weg: „Der Club muss professioneller werden. Das fängt bei der Jugend an und setzt sich nach oben hin fort. Der SC 07 Bad Neuenahr spielt in einer Profiliga. Da kannst du mit einer amateurhaften Einstellung nicht bestehen.”
Bells Auftritt war sicherlich keine diplomatische Meisterleistung, doch der angestaute Frust des 50-Jährigen ist nur allzu verständlich, denn Woche für Woche kann die Mannschaft derzeit nur selten andeuten, welches Potenzial in ihr steckt.
Hochwertiger Kader Und das obwohl das Team gespickt ist mit Spielerinnen diverser Auswahlmannschaften – den A-Nationalspielerinnen Célia Okoyino da Mbabi und Almuth Schult, den U20-Nationalspielerinnen Leonie Maier, Marie Pyko und Ramona Petzelberger, U19-Nationalspielerin Sofia Nati sowie weitere Spielerinnen, die im Blickfeld diverser DFB-Auswahlmannschaften stehen (Anja Selensky, Laura Störzel, Sara Doorsoun Khajeh). Hinzu kommen erfahrene Kräfte wie Corina Schröder oder Peggy Kuznik sowie die neuseeländischen Nationalspielerinnen Sarah Gregorius und Katie Hoyle .
Rech: “90 Prozent reichen nicht im Abstiegskampf” „Die Qualität hat die Mannschaft allemal“, sagt auch die erfahrene Kapitänin Bianca Rech, die in dieser schwierigen Phase zu allem Überfluss wegen einer Knieverletzung mehrere Monate ausfallen wird . Auch sie geht mit einigen ihren Teamkolleginnen hart ins Gericht. „Wenn man am Sonntag zwei, drei Ausfälle auf dem Platz hat, ist es schwierig gegen Mannschaften wie Jena oder Leipzig, die es kapiert haben, dass es ohne Kampf nicht geht. Das müssen bei uns einige erst einmal verstehen, dass es nicht mit Hacke, Spitze, 1, 2, 3 geht. 90 Prozent reichen nicht im Abstiegskampf“, so Rech im Gespräch mit Womensoccer .
Ein bisschen Licht und viel Schatten In den Partien gegen nominell stärkere Teams zog sich Bad Neuenahr bisher achtbar aus der Affäre, beim 1. FFC Frankfurt gab es eine unglückliche 0:2-Niederlage, beim VfL Wolfsburg holte man beim 1:1 gar einen Punkt. Doch vor allem bei den Niederlagen gegen die SG Essen-Schönebeck und beim FF USV Jena und auch gegen den FC Bayern München ließen es Teile der Mannschaft an der nötigen Einstellung vermissen.
Die Last siegen zu müssen, scheint in den Spielen, wo das Team als Favorit in die Partie geht, schwere Beine zu machen. Doch ganz neu sind die Probleme nicht. „Die gab es schon letzte Saison, nur da hat es immer gereicht, da hat man sich durchgemausert. Jetzt in einer engen Phase kommt es zum Vorschein“, so Rech.
Richtungsweisende Spiele Doch schnelle Besserung in Form dringend benötigter Punkte ist nicht in Sicht, denn nun geht es ausgerechnet am nächsten Spieltag zum Deutschen Meister 1. FFC Turbine Potsdam, eine Woche später ist der FCR 2001 Duisburg im Apollinaris-Stadion zu Gast. Doch danach folgen zum Abschluss der Hinrunde Spiele gegen Leipzig, Hamburg und Leverkusen, die für das Team richtungsweisend sein werden.
In diesen werden der junge Kader und auch sein Trainer beweisen müssen, dass sie dem Druck des Abstiegskampfs gewachsen sind. Die Kapitänin wird ihrem Team wohl erst wieder in den Spielen nach der Winterpause zur Verfügung stehen. „Es hat mein eh schon verletzungsanfälliges Knie erwischt, deswegen brauche ich vielleicht ein paar Tage länger und will keine Hauruckaktionen machen.“