Aus dem Keller an die Spitze
Vor einem Jahr stand der BV Cloppenburg nach dem dritten Spieltag punkt- und torlos im Tabellenkeller, jetzt hat sich das Bild gedreht. Mit einem 7:1 gegen den Mellendorfer TV hat der BVC die Spitze der Zweiten Bundesliga Nord erobert. Ein Erfolg mit Ansage, denn schon die Kaderzusammenstellung vor der Saison zeigte, wo es hingehen soll.
„Ich bin in der Sommerpause viel geflogen und gefahren, um eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die sportlich und charakterlich passt“, sagt Trainerin Tanja Schulte, die seit Oktober letzten Jahres in Cloppenburg tätig ist und das Team nach dem glücklichen Klassenerhalt komplett umgestaltet hat.
Perspektive: Erste Liga „Wir wussten, dass wir diesen Aufwand betreiben und international erfahrene Spielerinnen verpflichten mussten“, so die A-Lizenzinhaberin, die in Cloppenburg über Möglichkeiten verfügt, die in der zweiten Liga alles andere als der Regelfall sind – die aber nötig waren, um die polnischen Neuzugänge Agnieszka Winczo und Marta Stobba zum BVC zu locken. „Sie sind die bekanntesten Spielerinnen in Polen, haben Länderspiel- und Champions-League-Erfahrung und wollten eigentlich lieber in die erste Liga wechseln.“ Man konnte sie von Cloppenburg mit dem Plan, „selbst in ein bis zwei Jahren in der ersten Liga spielen zu wollen“ überzeugen und ihnen das „Rundum-Paket“ aus Sport, Wohnung und Sprachkursen bieten.
Treffsicheres Duo Dass sich der Einsatz gelohnt hat, bewiesen die beiden mit insgesamt neun der bisherigen 13 Saisontreffer. Im Pokal kam außerdem die Treffsicherheit von Marie Pollmann und Verena Aschauer hinzu, die Schulte von ihrem ehemaligen Arbeitgeber Herforder SV abgeworben hat. Aus Hamburg wechselte Imke Wübbenhorst. Durch die vielen Neuen wurde es eng im Kader – viele Spielerinnen wurden in die zweite Mannschaft abgestellt.
Neue Ausrichtung „Bisher kamen immer alle Spielerinnen aus der Region“, sagt die hauptamtliche Trainerin, „da ist der neue Kader natürlich auch ein Risiko, und es gab kritische Stimmen. Aber bislang läuft alles gut.“ Dass viele ihrer Trainerkollegen den BVC allerdings zum Top-Favoriten im Aufstiegskampf ernannten, sei der 36-Jährigen „aber doch zu viel. Mit Bremen, Lübars und Gütersloh gibt es einige Mannschaften, die eingespielter sind. Und bei uns ist noch nicht alles Gold, was glänzt. Aus Erfahrung weiß ich: Die Saison ist lang, und es kann viel passieren.“ Doch die Entwicklung sei positiv und auf Langfristigkeit angelegt.
Verein hat überzeugt Als Schulte vor einem Jahr in Cloppenburg anfing, war sie noch etwas zurückhaltend, was ein längerfristiges Engagement anging und zog erst einmal ins Hotel. Mittlerweile hat der Verein sie überzeugt, „weil ich solche Bedingungen noch nie erleben durfte.“ Ressourcen und Ausrichtung stimmen, und „wir sind voll im Verein integriert und werden auch so geführt.“ Kein Wunder also, dass Schulte nun auf Wohnungssuche ist.