Pflichtsieg vor Trauerkulisse
Die SGL-Arena in Augsburg bot am Samstagnachmittag einen tristen Anblick. Nur 6 632 Zuschauer verloren sich beim 4:1-Sieg Deutschlands gegen die Schweiz ins weite Rund, die zweitschlechteste Kulisse in der bisher sechsjährigen Amtszeit von Bundestrainerin Silvia Neid.
„Der Termin war wegen der zeitgleich stattfindenden Partien in Bundesliga, 2. Liga und Amateurligen nicht glücklich“, räumte Neid auf der Pressekonferenz nach dem Spiel ein. Zwar hatte die UEFA den Samstag als Spieltag auserkoren, doch für die unfreundliche Anstoßzeit um 15.45 Uhr und die unglückliche Auswahl des Spielorts waren der übertragende Fernsehsender ARD und der DFB verantwortlich.
ARD bestimmt Anstoßzeit Managerin Doris Fitschen erklärte: „Für uns ist es wichtig, TV-Präsenz zu haben, da schauen Millionen zu , deshalb spricht das Fernsehen ein Wörtchen mit.“ Doch auch der DFB muss sich die Frage gefallen lassen, ob der Spielort Augsburg zu diesem Zeitpunkt eine glückliche Wahl war. Denn in Bayern gingen gerade erst die Sommerferien zu Ende, so dass für das Länderspiel an den Schulen keine Werbung gemacht werden konnte.
Zweitschwächste Kulisse der vergangenen Jahre Auch das im 45 Minuten entfernten München am Samstag beginnende Oktoberfest, dessen Terminierung lange feststand, dürfte ein paar Zuschauer gekostet haben. Ein Mix, der dafür sorgte, dass in den vergangenen sechs Jahren nur das Länderspiel gegen die Tschechische Republik in Gera mit 4 793 Zuschauern schlechter besucht war. „Wir haben ja ein jüngeres Publikum, und die können nicht kommen, wenn sie selbst spielen“, versuchte Fitschen Erklärungsansätze zu finden.
Auf St. Pauli soll alles besser werden Doch sie verspricht, dass der Zuschauerzuspruch beim Spiel in Hamburg gegen Schweden wieder besser sein wird. „Die Zuschauerzahl hier ist nicht repräsentativ, in St. Pauli wird das anders aussehen, da rechnen wir auf jeden Fall mit einer fünfstelligen Kulisse.“ Das enttäuschende WM-Abschneiden sei für den mangelnden Zuschauerzuspruch jedoch nicht verantwortlich gewesen. „Sicherlich wäre die Euphorie größer gewesen, wenn wir Weltmeister geworden wären, aber neueste Marktforschungsstudien belegen, dass das Image der Nationalmannschaft weiter sehr gut ist.“
Schwache Schweiz Die wenigen Zuschauer, die ins Stadion gekommen waren, durften sich zumindest über einen Erfolg der deutschen Mannschaft und fünf Treffer freuen, obwohl die Qualität des Spiels bei spätsommerlichen Temperaturen bestenfalls durchschnittlich war. Der Gegner aus der Schweiz blieb an diesem Nachmittag den Nachweis internationaler Klasse schuldig, umso erstaunlicher, dass die neu formierte DFB-Elf trotz eines deutlichen Übergewichts an Chancen nach dem 2:1-Anschlusstreffer noch einmal in Gefahr geriet.
Bresoniks Kopfballtor als Knackpunkt „Da kamen wir wieder unnötig in eine Stresssituation“, monierte Neid, doch der schnelle dritte Treffer von Linda Bresonik erstickte die aufkommende Gefahr im Keim. Die Schweizer Trainerin Béatrice von Siebenthal erklärte: „Wir haben uns gut heran gekämpft, doch der dritte Treffer ist zu schnell gefallen. Wir haben uns das ein bisschen anders vorgestellt, haben uns mehr vorgenommen und nicht das abgerufen, was wir wollten und auch können.“
Mangelnde Chancenverwertung Neid war vor allem mit dem Kombinationsspiel ihrer Mannschaft zufrieden, die Chancenverwertung sei das „einzige Manko“ gewesen. „Das Spiel über außen mit Linda und Mel war gut, die Spitze mit Lira und Alex auch, die Sechserpositionen haben auch nicht viel zugelassen und die Viererkette war insgesamt sehr diszipliniert und konzentriert.“
Spanien überzeugt Ob die Schweiz aber der schärfste Rivale auf dem Weg zur Europameisterschaft 2013 sein wird, darf indes bezweifelt werden. Denn Gruppengegner Spanien kam zum Auftakt zu einem fulminanten 10:1-Auftaktsieg in der Türkei, Rumänien gewann in Kasachstan mit 3:0. Bereits am Mittwoch, 21. September, empfängt die Schweiz im nächsten EM-Qualifikationsspiel in Aarau Rumänien, die DFB-Elf ist am 22. Oktober das nächste Mal im Einsatz, wenn es zum Auswärtsspiel nach Rumänien geht.
Die Leistung der DFB-Elf beim 4:1-Sieg gegen die Schweiz war…?