Pflichtsieg vor Trauerkulisse

Von am 18. September 2011 – 12.57 Uhr 43 Kommentare

Die SGL-Arena in Augsburg bot am Samstagnachmittag einen tristen Anblick. Nur 6 632 Zuschauer verloren sich beim 4:1-Sieg Deutschlands gegen die Schweiz ins weite Rund, die zweitschlechteste Kulisse in der bisher sechsjährigen Amtszeit von Bundestrainerin Silvia Neid.

„Der Termin war wegen der zeitgleich stattfindenden Partien in Bundesliga, 2. Liga und Amateurligen nicht glücklich“, räumte Neid auf der Pressekonferenz nach dem Spiel ein. Zwar hatte die UEFA den Samstag als Spieltag auserkoren, doch für die unfreundliche Anstoßzeit um 15.45 Uhr und die unglückliche Auswahl des Spielorts waren der übertragende Fernsehsender ARD und der DFB verantwortlich.

ARD bestimmt Anstoßzeit
Managerin Doris Fitschen erklärte: „Für uns ist es wichtig, TV-Präsenz zu haben, da schauen Millionen zu, deshalb spricht das Fernsehen ein Wörtchen mit.“ Doch auch der DFB muss sich die Frage gefallen lassen, ob der Spielort Augsburg zu diesem Zeitpunkt eine glückliche Wahl war. Denn in Bayern gingen gerade erst die Sommerferien zu Ende, so dass für das Länderspiel an den Schulen keine Werbung gemacht werden konnte.

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Leere Ränge in Augsburg

Leere Ränge in Augsburg - nur 6 632 Zuschauer wollten die DFB-Elf sehen © Nora Kruse / ff-archiv.de

Zweitschwächste Kulisse der vergangenen Jahre
Auch das im 45 Minuten entfernten München am Samstag beginnende Oktoberfest, dessen Terminierung lange feststand, dürfte ein paar Zuschauer gekostet haben. Ein Mix, der dafür sorgte, dass in den vergangenen sechs Jahren nur das Länderspiel gegen die Tschechische Republik in Gera mit 4 793 Zuschauern schlechter besucht war. „Wir haben ja ein jüngeres Publikum, und die können nicht kommen, wenn sie selbst spielen“, versuchte Fitschen Erklärungsansätze zu finden.

Auf St. Pauli soll alles besser werden
Doch sie verspricht, dass der Zuschauerzuspruch beim Spiel in Hamburg gegen Schweden wieder besser sein wird. „Die Zuschauerzahl hier ist nicht repräsentativ, in St. Pauli wird das anders aussehen, da rechnen wir auf jeden Fall mit einer fünfstelligen Kulisse.“ Das enttäuschende WM-Abschneiden sei für den mangelnden Zuschauerzuspruch jedoch nicht verantwortlich gewesen. „Sicherlich wäre die Euphorie größer gewesen, wenn wir Weltmeister geworden wären, aber neueste Marktforschungsstudien belegen, dass das Image der Nationalmannschaft weiter sehr gut ist.“

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Schwache Schweiz
Die wenigen Zuschauer, die ins Stadion gekommen waren, durften sich zumindest über einen Erfolg der deutschen Mannschaft und fünf Treffer freuen, obwohl die Qualität des Spiels bei spätsommerlichen Temperaturen bestenfalls durchschnittlich war. Der Gegner aus der Schweiz blieb an diesem Nachmittag den Nachweis internationaler Klasse schuldig, umso erstaunlicher, dass die neu formierte DFB-Elf trotz eines deutlichen Übergewichts an Chancen nach dem 2:1-Anschlusstreffer noch einmal in Gefahr geriet.

Linda Bresonik

Linda Bresonik erzielte den wichtigen dritten Treffer © Nora Kruse / ff-archiv.de

Bresoniks Kopfballtor als Knackpunkt
„Da kamen wir wieder unnötig in eine Stresssituation“, monierte Neid, doch der schnelle dritte Treffer von Linda Bresonik erstickte die aufkommende Gefahr im Keim. Die Schweizer Trainerin Béatrice von Siebenthal erklärte: „Wir haben uns gut heran gekämpft, doch der dritte Treffer ist zu schnell gefallen. Wir haben uns das ein bisschen anders vorgestellt, haben uns mehr vorgenommen und nicht das abgerufen, was wir wollten und auch können.“

Mangelnde Chancenverwertung
Neid war vor allem mit dem Kombinationsspiel ihrer Mannschaft zufrieden, die Chancenverwertung sei das „einzige Manko“ gewesen. „Das Spiel über außen mit Linda und Mel war gut, die Spitze mit Lira und Alex auch, die Sechserpositionen haben auch nicht viel zugelassen und die Viererkette war insgesamt sehr diszipliniert und konzentriert.“

Spanien überzeugt
Ob die Schweiz aber der schärfste Rivale auf dem Weg zur Europameisterschaft 2013 sein wird, darf indes bezweifelt werden. Denn Gruppengegner Spanien kam zum Auftakt zu einem fulminanten 10:1-Auftaktsieg in der Türkei, Rumänien gewann in Kasachstan mit 3:0. Bereits am Mittwoch, 21. September, empfängt die Schweiz im nächsten EM-Qualifikationsspiel in Aarau Rumänien, die DFB-Elf ist am 22. Oktober das nächste Mal im Einsatz, wenn es zum Auswärtsspiel nach Rumänien geht.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

43 Kommentare »

  • waiiy sagt:

    @xXx: Ich sehe Lira gar nicht so unkonstant. Gegen starke Gegner hat sie eine ganz andere Rolle. Da ist sie meist die Gejagte, die immer gleich mehrere Gegenspielerinnen auf sich zieht, die oft gefoult und provoziert wird, die dann aber auch austeilt, die unendlich viel rennt und auch hinten die Löcher stoppt, sodass andere vorn bleiben können. Dass dadurch natürlich die Impulse fürs Offensivspiel zurückgehen, ist klar. Aber das sollte man dabei schon sehen und nicht unbedingt immer als „untertauchen“ bewerten. Wenn ich Gegner gegen eine Mannschaft mit Lira bin, dann stelle ich sie auch kalt, weil dann das Spiel des Gegners lahmt.

    Aber ich gebe Dir völlig recht (dafür auch „Daumen hoch“), dass sie endlich öfter auf der Position hinter den Spitzen spielen sollte, um wirklich alles entfalten zu können, was sie so in sich hat. Das habe ich schon in den letzten beiden Jahren bemängelt, dass sie in meinen Augen zu weit vorn gespielt hat in Potsdam.

    Aber wenn man das konsequent macht, wird es natürlich sowohl in Frankfurt als auch beim DFB eng für Maro…

    waiiy

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  • Sheldon sagt:

    @waiiy: Ohja, wie Lira treten kann und wie sie sich provozieren lässt, das haben wir zur Genüge gesehen. Sie ist die einzige, die es innerhalb der letzten 2 Jahre geschafft hat, zweimal vom Platz zu fliegen, was beim FF schon eine ganz schöne Leistung ist!

    Das Problem, was ich bei Lira sehe, ist, dass man sie mit einfachen Mitteln kalt stellen kann. Es bedarf noch nicht mal einer solchen 1:1-Manndeckung wie von Bruna bei Marta während der WM und trotzdem hat es Marta geschafft, das Spiel zu entscheiden.
    Deswegen denke ich auch nicht, dass sie sich wirklich in Frankfurt auf dieser Position durchsetzen kann, es sei denn, Maroszan wird defensiver eingesetzt auf der Doppel-6, wo sie meines Erachtens eigentlich auch hingehört.
    Gegen die Qualitäten einer Maroszan kommt Bajramaj jedenfalls nicht an!

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  • waiiy sagt:

    @Sheldon: Ich bin nicht Deiner Meinung. Aber das ist auch egal.

    waiiy

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