Ein Mehr an allem

Von am 16. August 2011 – 10.59 Uhr 36 Kommentare

Man konnte kaum mitzählen, wie oft auf der Pressekonferenz von Frauenfußball-Bundesligist 1. FFC Frankfurt der schmunzelnde Hinweis von Präsident und Manager an Trainer Sven Kahlert kam, dass ein solch stark besetzter Kader zu Erfolg verpflichte. Aber Schmunzeln hin oder her, der FFC wird sich an den eigenen Vorgaben messen lassen müssen, denn die Bedingungen waren noch nie so gut.

„Wir wollen auf die Erfolgsstraße zurück“, so die Vorgabe von Manager Siegfried Dietrich für die am Sonntag beginnende neue Saison – ein Satz, den man in dieser Form vor jeder der vergangenen drei Spielzeiten gehört hat. Und rückblickend sind es für Dietrich doch nur „drei Jahre Konsolidierung“ gewesen, obwohl in der vergangenen Saison der DFB-Pokal gewonnen wurde. Sollte in einem Jahr nur ein Titel zu Buche stehen, wäre das fast eine Niederlage.

FFC will in die Commerzbankarena
Frankfurt spricht offensiv davon, um alle drei Titel – Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League – spielen zu wollen. Der Traum geht soweit, dass man ein Halbfinale in der Champions League – möglichst gegen Olympique Lyonnais – gerne in der Commerzbankarena austragen möchte. Das Engagement des Hauptsponsors wird in der kommenden Saison auf alle FFC-Teams erweitert – nicht die einzigen Bedingungen, die sich stark verbessern.

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Mehr Hauptamtliche in Training und Management
Sieben Neuzugänge konnten die Frankfurterinnen vermelden, 13 A-Nationalspielerinnen stehen nun unter Vertrag. Es ist ein Mehr auf allen Ebenen, denn erstmals arbeiten vier hauptberufliche Trainer mit der Mannschaft. Optimale Bedingungen, findet Torhüterin Nadine Angerer, „denn ich kann auch morgens schon vor den anderen trainieren.“

Manager Siegfried Dietrich (l.) und Trainer Sven Kahlert begrüßen namhafte Neuzugänge beim FFC. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Sechs hauptberufliche Mitarbeiter sind darüber hinaus im Management beschäftigt, und das jährliche Budget hat sich um 200.000 Euro auf 1,7 Millionen Euro erhöht. Sollte der FFC Erfolge verzeichnen können, steigt der Betrag weiter. Gestiegen ist auch die Zahl der verkauften Dauerkarten. Der Absatz habe sich verdoppelt, so der Manager. Erstmals gelten die Eintrittskarten am Spieltag auch im Nahverkehr.

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Angerer: „Haben wunderbar harmoniert“
Der FFC ist zum Erfolg verpflichtet, aber „uns ist nicht bange“, sagt Kahlert nach dem einwöchigen Trainingslager in Polen, das Angerer „überragend“ fand, denn „wir haben als Team wunderbar harmoniert.“ Die Harmonie dürfte ein wichtiger Faktor in der Mannschaft werden. In Frankfurt rechnet man den VfL Wolfsburg zu den Teams, die ganz oben mitspielen werden, wenn sie denn mit ihren Neuzugängen zu einer Einheit werden – doch hier dürfte auch die Krux beim FFC liegen.

Die Qual der Wahl
„Wir haben das Gefühl, das wir ein gutes Team sind“, so der Trainer, der bei der Besetzung des Kaders zwangsläufig auch Nationalspielerinnen wird auf die Bank setzen müssen. Dass Unruhe aufkommt, denke er nicht, schließlich seien die Spielerinnen „alle Profis, die damit leben müssen.“ Ob gestandene Nationalspielerinnen das auch so sehen, wenn der Moment eintritt, wird man abwarten müssen.

Kulig in der Reha, Krieger glücklich
Mit Kim Kulig befindet sich eine der Nationalspielerinnen nach ihrem Kreuzbandriss seit Montag in der Reha. „In fünf Wochen ist auch die Schiene weg. Das Reha-Programm ist momentan etwas lau,  aber die Fortschritte werden kommen“, ist der Neuzugang optimistisch. Ausgeglichen wirkt auch Alexandra Krieger, die nach ihrem kurzen Intermezzo in den USA „für meine Zufriedenheit“ wieder zurück beim FFC und in ihre alte Wohnung gezogen ist. „Während der WM ist mir aufgefallen, wie glücklich ich in Deutschland bin. Das haben auch die USA-Mädels gesehen.“

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36 Kommentare »

  • Lucy sagt:

    Aber genau diese Clubs werden ja gemeinhin immer die „Plastikclubs“ genannt (Hoffenheim bei den Männern auch noch). Nur weil da eine große Firma dahinter steht, gönnt man ihnen einfach nichts ! 😉 Dabei ist es für mich total egal, ob das Geld jetzt von 1, 2, 3, 5 oder 10 Sponsoren kommt !

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  • waiiy sagt:

    FFFan schrieb: „was Arsene Wenger zu diesem Thema sagt: “I don’t believe in leaders, I believe in good passers!”“

    Arsenal war übrigens seit 2003/2004 nicht mehr Meister… 😉

    waiiy

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  • Fuxi sagt:

    Ich glaube – auch durch die Einkäufe des 1.FFC Frankfurt – ist die Liga insgesamt schwächer als letzte Saison, und es wird sich wieder mehr polarisieren. Gut, der HSV als Vierter war auch nicht gerade nah dran an den Top-3, aber ich glaube schon, dass der Abstand zwischen den Top-3 und dem Rest größer wird, die Abstände zwischen den Abstiegskandidaten und dem Mittelfeld aber kleiner. Und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass
    1. Frankfurt, obwohl sie keinen wirklich überragenden Kader haben (u.a. Crnogorcevic, die ich als Spielerin/Spielertyp beim HSV nicht vermissen werde – und das heißt was!), vor allem nicht als Mannschaft, dennoch Meister wird, und
    2. der Ligadritte deutlicheren Abstand zu Meister und Vizemeister haben wird als letzte Saison.

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  • spocky sagt:

    Also es ist ja schön für Frankfurt, dass dort unter solchen fantastischen Bedingungen gespielt werden kann … Vor allem der finanzielle Rahmen ist ja wirklich super… Aber wenn ich mir die ganze Bundesliga ansehe, dann ist das mindestens eine „Zwei- bis Drei-Klassengesellschaft“ …
    Was sollen die Vereine machen, die nicht solche finanzielle Möglichkeiten haben …? Ich hoffe wirklich, dass die „kleinen“ Vereine trotzdem nicht aufgeben … Ich habe vor solchen Mannschaften viel mehr Respekt, die nur einen kleinen Geldbeutel haben und dann evtl. auch auf die jungen (unbekannteren) Spielerinnen setzen … Wenn nur Geld die Welt regiert … Na dann wird das bestimmt eine ziemlich langweilige Saison …

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  • Mini sagt:

    @fuxi:
    die frage ist wer sind denn die top-drei…ich glaub es wird keine top 3 geben..wenn man noch auf den FCR setzen kann.

    Ich wünsche mir dass es mehr BL Vereine gibt,die dem FFC ffm ein BEin stellen werden!!! Weil so wie Spocky meinte…es kann ja nicht sein dass Geld hier alles ist.

    UNd ich betone gerne wieder…NULL ZUKUNFT in 2-3j wird der der FFC ffm wieder ein Tief haben,weil sie einfach NULL Nachwuchs haben und ihre vermeintlichen Topspielerinnen in die Jahre gekommen sind.

    Aber solange es noch geldgierige Spielerinnen gibt,wird der FFC ffm so wieter machen können wie bisher.LEIDER!

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  • berggruen1 sagt:

    @Detlef: Volle Zustimmung! Kleine Ergänzung: Zumal es ja auch keinem Verein verboten ist, ebenfalls mit Banken (das Geld bei Frankfurt wird wahrscheinlich nicht von der Bank, sondern von der Versicherung kommen?), Versicherungen, Firmen und Privatleuten zu verhandeln!

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  • Lucy sagt:

    Was sollen denn Frankfurt und Potsdam machen ? Sollen sie ihr hart mit Sponsoren verhandeltes Geld mit allen teilen, nur weil die anderen es nicht schaffen, genug an Land zu ziehen ?

    Abgerechnet wird zum Schluß und nicht schon vorher. Gerade so Mannschaften wie Frankfurt stolpern doch gerne immer mal wieder über ihre ganzen „Stars“ 😉

    @Mini
    Soooo alt sind die Frankfurterinnen nun auch wieder nicht. War schon schlimmer.

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  • Michele sagt:

    @Mini
    Ich verstehe deine Kritik überhaupt nicht. Mit dieser Mannschaft wird der FFC über Jahre in der Spitze der Bundesliga spielen. Warum sollen sie keine Zukunft haben? Der Nachwuchs ist in Frankfurt viel besser, als viele glauben. Vielleicht ist es aber auch nur der Neid, dass andere Vereine nicht solche Möglichkeiten haben.

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  • intersoccer sagt:

    Ich denke auch, es ist absurd Vereinen vorzuwerfen, dass sie gute Sponsoren haben. Das ist absolut notwendig für eine professionelle Liga. Und ja, dafür braucht man auch Geld und kann nicht nur mit paar kleinen Geldgebern wirtschaften. Wenn ich die Internetseiten z. B. von Freiburg, HSV, Leverkusen anschaue, kann ich mich nur noch ärgern. Kaum Aktualisierungen und außerdem muss man auf den Seiten erst mal auf die Suche nach den Frauen gehen. Ein guter Artikel dazu:

    Da lobe ich mir professionelle Vereine wie Turbine, FFC und auch Wolfsburg!

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  • Pit sagt:

    Ich habe mir heute mal die Listen beim DFB angeschaut,wo man nachlesen kann,wer für gewisse Lehrgänge und Leistungstests eingeladen wurde.Bei U15/16/17/19(20) habe ich gerade mal 1Jugendspielerin von Frankfurt entdeckt. wie kann man,wenn man über ein so großes Budget verfügt,den Nachwuchs so vernachlässigen? Es kann doch nicht sein,dass die 1. Damen mit goldenen löffeln gefüttert werden und keinen Wert auf die Jugend gelegt wird. Ich bewundere den sportlichen Erfolg von den 1. Damen,aber meine Hochachtung und Respekt gehören den anderen kleineren Vereinen,die die Talente mit viel einsatz und wenig Geld ausbilden und fördern.

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  • Antje sagt:

    Wie wäre es denn, wenn die Natio nur aus maximal drei bis vier Spielerinnen pro Verein zusammengestellt werden dürfte?

    Das ist mein Vorschlag an den DFB.

    Ich glaube, die gesamte Buli würde sich neu sortieren und die sportliche Seite geriete viel deutlicher in den Vordergrund.

    Ich weiß, ich bin eine Träumerin, aber so stelle ich mir spannende Ligen und letztlich kämpferischere Spiele vor.

    Noch ein Vorteil: Frau Neid (oder wer auch immer) müsse die Vereine regelmäßig besuchen und genauer auf Spielqualität einzelner Akteurinnen achten. Und das immer wieder! Yeh.

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  • Frieda sagt:

    @ Antje
    Entschuldigung, aber der Vorschlag ist völliger Schwachsinn!
    Es ist doch ganz normal und in jedem Sport so, dass die besten Mannschaften den Großteil der Nationalmannschaft stellen. Manchmal sind Vereine dabei aus irgendeinem Grund dominant, manchmal mit Recht, manchmal ohne.
    Aber weißt du was passieren würde, wenn Potsdam, Frankfurt, Duisburg und Wolfsburg nur Spielerinnen stellen dürften? Sie würden noch gezielter Nationalspielerinnen aus dem Ausland einkaufen. Denn warum soll ich die Jugend fördern, wenn sie eh nicht im Nationalteam spielen dürfen?

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  • uwe sagt:

    Wolfsburg hab ich die letzten Jahre immer auf der Rechnung gehabt was Meisterschaft bzw.CL Platz angeht.Weil sie immer schon eine gute Mannschaft hatten. Aber irgendwie schaffen sie es immer wieder alles niederzureissen was sie sich aufgebaut haben. Letzte Saison, Heimsiege gegen Frankfurt, Potsdam und Duisburg um dann Auswärts in Lev. oder Essen zu verlieren.
    Meister dieser Saison wird Frankfurt oder Potsdam.

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  • Antje sagt:

    Die Entschuldigung nehme ich an. 😉

    Dennoch finde ich es berechtigt sich mit der sportlichen Seite zu beschäftigen. Oft rutschen die Diskussionen ins Finanzielle ab. Vereinspolitiken werden verkündet, gefährliches Halbwissen über Hintergründe verbreitet. In manchen Beiträgen lese ich über Spielerinnen, da wissen die Autoren mehr und genau, was gedacht wurde und wie sich in Zukunft entschieden wird. Es ist nicht selten interessant, doch frage ich mich, woher das Wissen kommt?

    Ich wollte lediglich eine (meine) Vision von Veränderung mitteilen. Warum nicht einmal etwas phantasieren?

    Aber Vorsicht – es könnte Spaß machen!

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  • Frieda sagt:

    Wenn ich träumen würde, würde ich eine Trainerin aus dem Ausland herbei träumen. Eine, der man nicht Vereinsdünkelei vorwerfen kann und die weil sie von außen kommt einen erfrischend anderen Blick auf die Bundesliga und so hat.
    Pia Sundhage tut den US-Frauen unheimlich gut, Carolina Morace tat bis zur WM den Kanadierinnen gut, was John Herdmann in Neuseeland leistet ist unglaublich und diese Liste könnte man weiterführen.
    Trainer aus dem Ausland sind nicht immer die Lösung, aber in der Situation, in der sich der Deutsche Frauenfußball momentan befindet vielleicht ein guter Weg.

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  • Antje sagt:

    Danke Frieda!

    … mir gefällt, wovon du träumst.

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