Ein Mehr an allem
Man konnte kaum mitzählen, wie oft auf der Pressekonferenz von Frauenfußball-Bundesligist 1. FFC Frankfurt der schmunzelnde Hinweis von Präsident und Manager an Trainer Sven Kahlert kam, dass ein solch stark besetzter Kader zu Erfolg verpflichte. Aber Schmunzeln hin oder her, der FFC wird sich an den eigenen Vorgaben messen lassen müssen, denn die Bedingungen waren noch nie so gut.
„Wir wollen auf die Erfolgsstraße zurück“, so die Vorgabe von Manager Siegfried Dietrich für die am Sonntag beginnende neue Saison – ein Satz, den man in dieser Form vor jeder der vergangenen drei Spielzeiten gehört hat. Und rückblickend sind es für Dietrich doch nur „drei Jahre Konsolidierung“ gewesen, obwohl in der vergangenen Saison der DFB-Pokal gewonnen wurde. Sollte in einem Jahr nur ein Titel zu Buche stehen, wäre das fast eine Niederlage.
FFC will in die Commerzbankarena Frankfurt spricht offensiv davon, um alle drei Titel – Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League – spielen zu wollen. Der Traum geht soweit, dass man ein Halbfinale in der Champions League – möglichst gegen Olympique Lyonnais – gerne in der Commerzbankarena austragen möchte. Das Engagement des Hauptsponsors wird in der kommenden Saison auf alle FFC-Teams erweitert – nicht die einzigen Bedingungen, die sich stark verbessern.
Mehr Hauptamtliche in Training und Management Sieben Neuzugänge konnten die Frankfurterinnen vermelden, 13 A-Nationalspielerinnen stehen nun unter Vertrag. Es ist ein Mehr auf allen Ebenen, denn erstmals arbeiten vier hauptberufliche Trainer mit der Mannschaft. Optimale Bedingungen, findet Torhüterin Nadine Angerer, „denn ich kann auch morgens schon vor den anderen trainieren.“
Sechs hauptberufliche Mitarbeiter sind darüber hinaus im Management beschäftigt, und das jährliche Budget hat sich um 200.000 Euro auf 1,7 Millionen Euro erhöht. Sollte der FFC Erfolge verzeichnen können, steigt der Betrag weiter. Gestiegen ist auch die Zahl der verkauften Dauerkarten. Der Absatz habe sich verdoppelt, so der Manager. Erstmals gelten die Eintrittskarten am Spieltag auch im Nahverkehr.
Angerer: “Haben wunderbar harmoniert” Der FFC ist zum Erfolg verpflichtet, aber „uns ist nicht bange“, sagt Kahlert nach dem einwöchigen Trainingslager in Polen, das Angerer „überragend“ fand, denn „wir haben als Team wunderbar harmoniert.“ Die Harmonie dürfte ein wichtiger Faktor in der Mannschaft werden. In Frankfurt rechnet man den VfL Wolfsburg zu den Teams, die ganz oben mitspielen werden, wenn sie denn mit ihren Neuzugängen zu einer Einheit werden – doch hier dürfte auch die Krux beim FFC liegen.
Die Qual der Wahl „Wir haben das Gefühl, das wir ein gutes Team sind“, so der Trainer, der bei der Besetzung des Kaders zwangsläufig auch Nationalspielerinnen wird auf die Bank setzen müssen. Dass Unruhe aufkommt, denke er nicht, schließlich seien die Spielerinnen „alle Profis, die damit leben müssen.“ Ob gestandene Nationalspielerinnen das auch so sehen, wenn der Moment eintritt, wird man abwarten müssen.
Kulig in der Reha, Krieger glücklich Mit Kim Kulig befindet sich eine der Nationalspielerinnen nach ihrem Kreuzbandriss seit Montag in der Reha. „In fünf Wochen ist auch die Schiene weg. Das Reha-Programm ist momentan etwas lau, aber die Fortschritte werden kommen“, ist der Neuzugang optimistisch. Ausgeglichen wirkt auch Alexandra Krieger , die nach ihrem kurzen Intermezzo in den USA „für meine Zufriedenheit“ wieder zurück beim FFC und in ihre alte Wohnung gezogen ist. „Während der WM ist mir aufgefallen, wie glücklich ich in Deutschland bin. Das haben auch die USA-Mädels gesehen.“