Best of… Frauen-WM 2011

Von am 20. Juli 2011 – 9.38 Uhr 29 Kommentare

Hinter uns liegt die beste Frauenfußball-WM der Geschichte mit vollen Stadien, tollen Einschaltquoten, packenden Spielen und einem würdigen Weltmeister. Womensoccer lässt in einem Best of die schönsten Tore, besten Spiele und vieles mehr noch einmal Revue passieren.

Die schönsten Tore

Homare Sawa (Japan – USA)
Elise Bussaglia (England – Frankreich)
Nahomi Kawasumi (Japan – Schweden)
Ellen White (England – Japan)
Ellyse Perry (Schweden – Australien)

Anzeige

Die wichtigsten Tore

Homare Sawa (Japan – USA)
Abby Wambach (Brasilien – USA)
Karima Maruyama (Deutschland – Japan)
Eilse Bussaglia (England – Frankreich)
Kyah Simon (Australien – Norwegen)

Die besten Spiele
Japan – USA
Brasilien – USA
Frankreich – Deutschland
England – Frankreich
Schweden – USA

Das beste Spiel
Japan – USA:
Wohl selten zuvor hat es bei einem FIFA-Turnier ein Finale gegeben, das seinem Namen dermaßen gerecht wurde wie die Partie zwischen Japan und den USA. Das Finale hatte alles, was ein gutes Fußballspiel ausmacht: Tore, gelungene Spielzüge, überraschende Wendungen, nie aufgebende Japanerinnen und ein dramatisches Elfmeterschießen. 120 Minuten lang wog das Spiel zwischen Japan und den USA hin und her, am Ende hatten die Asiatinnen das glücklichere Ende für sich. Fast 50 000 Zuschauer im Stadion und allein mehr als 15 Millionen TV-Zuschauer in Deutschland konnten sich davon überzeugen, dass Frauenfußball im Jahr 2011 weder langsam, langweilig noch unansehnlich ist.

Das bedeutendste Spiel
Deutschland – Japan:
Dieses Spiel hat mit seinem überraschenden Ausgang die Wahrnehmung des Frauenfußballs weltweit verändert und die Hierarchien ins Wanken gebracht. Die Asiatinnen stellten dem großen Favoriten ein Bein und brachen somit in die Phalanx der scheinbar unbezwingbaren Topteams aus den USA, Deutschland und Brasilien ein. Das Selbstvertrauen wuchs ins Unermessliche und keinem anderen Team gelang es danach, Japan auf dem Weg zum WM-Titel zu stoppen. Der Erfolg Japans dürfte auch andere Nationen auf den Plan rufen, ihre Investitionen in den Frauenfußball zu erhöhen.

Das dramatischste Spiel
Brasilien – USA:
An das Viertelfinale zwischen Brasilien und den USA in Dresden wird man sich noch lange erinnern. Die USA gingen schnell durch ein Eigentor von Daiane in Führung, gerieten dann Mitte der zweiten Halbzeit nach der Roten Karte gegen Rachel Buehler in Unterzahl und anfangs der Verlängerung nach Martas zweitem Treffer sogar in Rückstand, doch Abby Wambach rettete ihr Team angefeuert von den „USA, USA“-Sprechchören des Dresdner Publikums in der Nachspielzeit der Verlängerung per Kopfballtor ins Elfmeterschießen, das die USA gewannen. Wambachs Tor dürfte eine ganze Weile in den Rekordbüchern als spätestes Tor der WM-Geschichte verzeichnet werden, in den USA löste das Spiel eine neue Begeisterung für den Frauenfußball aus.

Die beste Spielerin
Homare Sawa
: Japans Kapitänin krönte ihre fünfte WM-Teilnahme mit dem Titel, eine Leistung, die ihr und ihrer Elf wohl die wenigsten zugetraut hätten. Die 32-Jährige erzielte fünf Treffer und war Dreh- und Angelpunkt im Spiel ihrer Mannschaft. Sie wurde zurecht zur besten Spielerin des Turniers gewählt und wurde dazu auch noch beste Torschützin des Wettbewerbs. Gegen Mexiko erzielte sie drei Treffer, im Halbfinale gegen Schweden erzielte sie das so wichtige 2:1 und im Finale krönte sie ihre überragende Turnierleistung mit dem 2:2-Ausgleich per Hacke, das ihrem Team den Weg ins Elfmeterschießen und zum Titel ebnete.

Der beste Trainer
Norio Sasaki:
Der Trainer der japanischen Weltmeister-Mannschaft hat es geschafft, dass sein Team während es Turniers zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenwuchs. Trotz der kurzen und durch die Geschehnisse in Japan erschwerten Vorbereitung, als unter anderem wegen Strommangels Trainingseinheiten am Abend ausfallen mussten, gelang es dem 53-Jährigen, seine Elf auf den Punkt fit zu bekommen und gegen Teams wie Deutschland, Schweden und die USA die richtige Taktik zu finden. Er war sich auch nicht zu schade, auf den Rat seiner Spielerinnen zu hören und taktische Korrekturen vorzunehmen, wie etwa die Auswechslung der eingewechselten Karima Maruyama im Finale

Homare Sawa und Abby Wambach

Homare Sawa (li.) und Abby Wambach - zwei prägende Figuren der Frauen-WM 2011 © Zetbo / Framba.de

Die größte Persönlichkeit
Abby Wambach
– Mit ihrem unerschütterlichen Selbstvertrauen und Glauben an die eigene Stärke führte sie ihr Team bei der WM bis ins Finale, wo die USA trotz ihrer besten Turnierleistung am Ende unglücklich unterlagen. In schwierigen Momenten wie im Viertelfinale gegen Brasilien peitschte sie ihr Team immer wieder nach vorne. In einem der enttäuschendsten Momente ihrer Karriere direkt nach dem verlorenen Finale gratulierte sie jeder japanischen Spielerin individuell zum WM-Titel und zog Homare Sawa für ein gemeinsames Foto zu sich heran. Auch neben dem Platz gehört Wambach zu den Ausnahmeerscheinungen der Szene, für die Medienvertreter ist sie mit ihren intelligenten Antworten einer der willkommendsten Interviewpartner.

Die größte Unsportlichkeit
Erika
– Brasilien führte im Viertelfinale gegen die USA 2:1, da dachte sich Linksverteidigerin Erika, ein bisschen Zeit verzögern könne nicht schaden. Sie simulierte eine schwere Verletzung und ließ sich auf einer Trage hinter der Torauslinie behandeln. Kurze Zeit später sprang sie putzmunter von der Trage und betrat sichtlich unverletzt wieder das Spielfeld. Für ihre Schauspieleinlage kam sie mit der Gelben Karte davon und wurde unverständlicherweise ins FIFA-All-Star-Team aufgenommen.

Der größte Fehler
Die ungarische Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal übersah im Spiel Australien gegen Äquatorialguinea, dass die afrikanische Abwehrspielerin Bruna den Ball sekundenlang im eigenen Strafraum mit beiden Händen festhielt. 15 640 Zuschauer in Bochum hatten die Aktion wahrgenommen, doch sowohl Gaal als auch ihren beiden Assistentinnen Cristina Cini und Natalie Aspinall fehlte der nötige Durchblick, das Spiel lief weiter. Die FIFA sah sich nach dem Spiel genötigt, eine offizielle Entschuldigung auszusprechen.

Die beste Ausrede
Kim Kwang Min:
„Einige unserer Spielerinnen wurden vor dem Turnier vom Blitz getroffen, deswegen hat die Kraft nicht mehr gereicht“, erklärte der Trainer Nordkoreas die 0:2-Niederlage seiner Elf gegen die USA. Doch auch der unerlaubte Einsatz eines Sekrets aus der Drüse des Moschusochsen half nichts: Es folgten ein 0:1 gegen Schweden und ein 0:0 gegen Kolumbien und das enttäuschende Aus nach der Vorrunde für das mit zahlreichen Vorschusslorbeeren ins Turnier gestartete Team.

Die besten Sprüche
„Besser ein blödes Karriereende als eine blöde Karriere“ (Birgit Prinz über ihre Ausbootung aus der Nationalmannschaft)
„Einige unserer Spielerinnen wurden vor dem Turnier vom Blitz getroffen, deswegen hat die Kraft nicht mehr gereicht“ (Nordkoreas Trainer Kim Kwang Min nach der 0:2-Niederlage gegen die USA)
„Dass die Amerikanerinnen ihre Elfer verschossen haben, war eine große Hilfe für mich“ (Japans Torhüterin Ayumi Kaihori nach dem gewonnenen WM-Finale)

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

29 Kommentare »

  • Zaunreiter sagt:

    @jule: Du erinnerst mich an eine Userin des Facebook-Universums, aus der Natio-Gruppe. Die mäkelte auch dauernd an dem langweiligen Spiel der Japanerinnen herum. 😉
    Wenn du auch kein „Fan des hintenherum spielens“ bist, solltest du doch den Töchtern Nippons“ deinen Respekt erweisen. Für mich ist das kein „hintenherum spielen“, sondern Ballbesitz in Ruhe und dann auf seine Chancen warten. Ich fand es toll, wie sie die Schwedinnen ausgespielt und den Sieg dann sehr abgezockt herausgearbeitet haben. Das war für mich perfekter moderner Fußball. Ich fand es eher nervtötend, daß z.b. auch die deutsche Mannschaft nicht davor zurückschreckte, den Ball in kick-and-rush-Manier immer nach vorne zu schlagen. Außerdem wirkte der deutsche Rumpelfußball auf mich, als würden die Erbinnen von Hans-Peter Briegel dort spielen ;).

    (0)
  • jule sagt:

    sie haben meinen respekt! wirklich! und ich habe nicht gesagt das ich das deutsche spiel schön finde! 🙂 alles gut und ich erkenne auch jede meinung an, die das japanische spiel als nahezu perfekt empfindet 😉 meine meinung bezog sich ja auch viel eher darauf, dass ich dieses spiel insgesamt nicht unter meinen top 5 sehe! 😉

    (0)
  • Lucy sagt:

    Die FIFA sperrt Nordkorea für die Frauen-WM 2015 !

    Und das ist auch gut so ! 🙂

    Wobei die phantasievollen Ausreden (Gewitter) bei Niederlagen werden sicher fehlen 😀

    (0)
  • FFFan sagt:

    Hier die Erklärung der FIFA-Disziplinarkommission:

    Bedeutet das nun, dass für das olympische Fussballturnier (das ja ebenfalls ein FIFA-Turnier ist) im nächsten Jahr keine Sperre gilt? Fände ich seltsam!

    (0)
  • Katerli sagt:

    @ Der Hamburger
    nichts gegen Hope Solo, im Gegenteil, aber bitte nicht nach Frankfurt, dahin ist unsere Schuhmann gegangen mit dem Versprechen, die Nachfolgerin von Angerer zu werden, wenn diese kommendes Jahr ins Ausland geht (was wohl ziemlich feststeht). Das wäre erneut ein Einkauf für die Bank und da ist Schuhmann zu gut für

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    @Katerli: Woraus schließt Du, dass Angerer ins Ausland wechselt und wie kommst Du zu dem Schluss, dass das „wohl ziemlich feststeht“? Bitte begründen.

    (0)
  • Katerli sagt:

    Großes Interview mit ihr vor der WM in der Süddeutschen (Ende Juni irgendwann, müßte ja vielleicht noch zu finden sein), da hat sie dies alles klar gesagt und auch dass sie selbst den Transfer für Desi Schuhmann initiiert hat, aus besagten Gründen.
    @ Markus: ich weiß, dass ich hier nicht in einem anderen Frauenfußballdiskussionforum bin, dass nur von Gerüchten lebt (da würde ich mich nie beteiligen!)

    (0)
  • defense2 sagt:

    @Markus und Katerli

    hier ist das Interview:

    https://j.mp/qXWUNb

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    @Katerli und defense2: Danke!

    (0)