Sympathien verscherzt

Von am 18. Juli 2011 – 15.00 Uhr 176 Kommentare

“My Game is Fairplay“, heißt einer der Wahlsprüche des Fußball-Weltverbands FIFA. Doch ausgerechnet Teile der DFB-Delegation zeigten sich beim Finale zwischen Japan und den USA zum Abschluss der WM im Frankfurter Stadion alles andere als von der fairen und respektvollen Seite.

“Wir wollen den beiden Finalisten unsere Wertschätzung und unseren Respekt ausdrücken und als gute Gastgeber auftreten“, erklärte DFB-Managerin Doris Fitschen vor dem Besuch des Spiels. Doch vor den Stadiontoren schienen einige die guten Vorsätze und Manieren gleichermaßen abgestreift zu haben. Es mag Zufall sein, dass auch auf der DFB-Website der Beitrag mit besagtem Zitat nicht mehr abrufbar ist.

Mehr Jubel als beim deutschen Tor
Kann man den etwas zu überschwänglichen und übertriebenen Jubel von  Bundestrainerin Silvia Neid und Fitschen beim Ausgleich der Japanerinnen zum 1:1 noch mit etwas gutem Willen nicht als Schadenfreude werten, waren die Reaktionen der deutschen Spielerinnen im Elfmeterschießen nach dem verschossenen Elfmeter der Amerikanerin Tobin Heath gleichermaßen unzweideutig wie unfair, peinlich und respektlos.

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DFB-Elf

Die DFB-Elf hat sich einige Sympathien verspielt © Zetbo / Framba.de

Respektloses Verhalten
Torhüterin Nadine Angerer riss sich freudestrahlend den Hut vom Kopf, Linda Bresonik quittierte den US-Fauxpas mit geballten Fäusten und einem hämischen Lachen im Gesicht, Angerer machte ihrer Freude über den Lapsus der Amerikanerinnen dann noch per Handschlag mit Annike Krahn und Kim Kulig Luft.

Dass man als Sportlerin einen sportlichen Tiefschlag eines gegnerischen Teams in einem derart bedeutenden Spiel mit solcher Häme überzieht, dürfte die deutschen wie amerikanischen Fans unter den mehr als 15 Millionen Zuschauern an den TV-Schirmen gleichermaßen empört und verärgert haben, die dies live in der heimischen Stube miterleben durften. Die DFB-Elf hat sich Sympathien verscherzt.

Wahre Größe ist anderswo
Was Wertschätzung und Respekt über Worthülsen hinaus wirklich bedeuten, zeigte Abby Wambach nach dem verlorenen Finale, die es sich trotz tiefer Enttäuschung nicht nehmen ließ, jeder japanischen Spielerin einzeln noch auf dem Rasen zum Titelgewinn zu gratulieren. „Es ist nicht einfach, dem Sieger nach so einem Spiel zu gratulieren. Aber sie haben es verdient, zu gewinnen. Es war richtig, das zu tun.“ Nicht nur in der Weltrangliste sind die Amerikanerinnen den Deutschen einen Schritt voraus.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

176 Kommentare »

  • ws sagt:

    @Jens
    Aber wie ich eben lese, bleibt Herr Schröder störrisch! Erfreulicherweise…

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  • Ute sagt:

    @ws
    wo hast Du ein aktuelles Statement von B.S. gelesen?
    würde mich nämlich sehr interessieren was aus dem „Rapport“ bei Theo rausgekommen ist.

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  • Ute sagt:

    @Markus: Danke für die schnelle Info.

    ein kurzer aber aussagekräftiger Artikel; alles andere als eine gewohnte Standfestigkeit von B.S. hätte mich auch gewundert und JA er hat auch recht, den Weg ins Leistungszentrum am Luftschiffhafen, kennt das Navi von S.N. wahrlich nicht und das ist schade.

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  • pinkpanther sagt:

    Tja, da muss Frau Neid jetzt mal Farbe bekennen. Aber wer nichts falsch gemacht hat, kann es sich wohl auch leisten, den amtierenden Meister weiter mit Missachtung zu strafen … ich bin mal gespannt wie weit es mit der Lernfähigkeit der Bundestrainerin her ist 😉

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  • Jens sagt:

    Warum sollte sich Herr Schröder für diesen Artikel entschuldigen. All diejenigen, die sich nicht nur von den vollen Stadien haben blenden lassen und sich weit ab der sogenannten „fachkundigen Fussballreporter“ eine eigene Meinung gebildet haben, lesen in dem Bericht von Herrn Schröder viel wahres. Mit Verlaub, darf man einen Trainer in Deutschland nicht mehr kritisieren.
    Hier der Link zum Bericht:
    Zu starr und zu müde : Bernd Schröder kritisiert Silvia Neids Taktik
    https://j.mp/n2oqxh

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  • Jens sagt:

    hier entsteht eine interessante Diskussion

    https://j.mp/rjqhDy

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  • Jennifer sagt:

    @Jens: Danke für den Artikel. Sehr interessant. Es ist meiner Meinung nach vorteilhaft für den deutschen Frauen-Fussball wenn alle Aspekte weiterhin in der Presse diskutiert werden.

    Ich denke, was in diesem Zusammenhang noch viel zu wenig diskutiert wurde, ist auch die verpasste Olympia-Qualifikation. Das ist DIE große Katastrophe!

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  • Detlef sagt:

    @Jens,
    Danke für die beiden interessanten Links!!!

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  • sitac sagt:

    @Jens:auch von mir Dank für den Link.
    Als der Stadionsprecher in Kirchheim gegen Ende des Spiels die öffentlich zugängliche Pressekonferenz ankündigte, dachte ich mir schon, dass da von Schröder noch was kommt. Leider konnte ich aus Zeitgründen nicht mehr hingehen. Schade, hätte ich gerne live gehört.
    Nur der Vollständigkeit halber hier der Originallink des „Teckboten“ zur Pressekonferenz.

    https://j.mp/nlx1vE

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  • ws sagt:

    Grundsätzlich gebe ich Bernd Schröder ja in den meisten Punkten seiner Kritik an der offenbar beratungsresistenten Bundestrainerin recht. Ob aber der Ausdruck, Sivia Neid sei „nicht therapierbar“, da sehr hilfreich ist, wage ich zu bezweifeln. Frau Neid ist gerade mal 47, hat als Spielerin und Trainerin eine herausragende Karriere hingelegt und jetzt gerade mal bei einem (allerdings sehr wichtigen) Turnier ein paar Fehler gemacht, besonders was ihren Umgang mit durchaus berechtigter Kritik angeht. Aber darf man sie deswegen als „krank“ bezeichnen? Denn nichts anderes assoziiert man beim Begriff „nicht therapierbar“.
    Als wohltuend sachlich und konstruktiv empfinde ich in dieser Sache hingegen die Aussagen von Siegfried Dietrich. Denn in der Tat muss es jetzt endlich darum gehen, eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen DFB, Nationalmannschaft und Bundesliga herbeizuführen. Denn wie soll man einem Außenstehenden weiterhin erklären, dass die Nationalmannschaft vor ausverkauften Häusern spielt, die Bundesliga-Frauen dagegen vor 833. Dabei sind die Bundesligavereine nichts weniger als die „Lieferanten“ der Nationalmannschaft. Abgesehen davon, dass es mir absolut schleierhaft ist, dass es nicht schon seit Jahren so etwas wie eine DFFL gibt, MUSS in diesem Punkt jetzt etwas geschehen, sonst wird ZDF-Gruschwitz, der eben noch über Rekordeinschaltquoten beim FF jubelte, recht behalten mit seiner Prognose, dass der Frauenfußball nach der WM wieder „in der Versenkung“ verschwinden werde. Ich bin mal gespannt, ob es Steffi Jones gelingen wird, endlich Bewegung in dieses leidige Thema zu bringen. Dazu gehört zwingend, dass sie sich mit Dr. Zwanziger, Schröder, Dietrich, Ratzeburg und Neid an EINEN Tisch setzt, um dort miteinander zu reden, anstatt wie bisher an getrennten Tischen übereinander.

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  • Jens sagt:

    @Hallo WS, „nicht therapierbar“ auch das ist ein Grund warum ich Hr. Schröder nur als Fachmann auf fussballerischer Ebene schätze. Mit seinen Aussagen und seiner Wortwahl polarisiert Schröder die Frauenfussballnation. Aber ist es nicht gerade das was wir brauchen. Herr Schröder hat nix zu verlieren, er lässt sich nicht verbiegen. Genau das glaube ich ist beim DFB der Fall. Dort haben fast alle einen „krummen“ Rücken. Was das Alter betrifft ist Herr Schröder 22 Jhre älter und hat nichts mehr zu verlieren. Herr Dietrich spekuliert vielleicht und drückt sich deshalb „diplomatisch“ meint aber in der Sache das gleiche. Raubein gegen Diplomat.Sportler gegen Politiker. Lieber WS, was ist Dir lieber? Zusammenarbeit kommt von zusammen arbeiten, frag mal Frau Neid wie oft Sie in den letzten Jahren in Potsdam war beim x-maligen deutschen Meister und CL Sieger. Ich bin kein Potsdam Fan aber ich hasse Ungerechtigkeit. Was sagt Dir folgendes :
    6 x Duisburg, 6 x Frankfurt, 2 x Potsdam usw.
    Dazu hat Frau Neid vor dem Pokalendspiel ihren WM-Kader bekannt gegeben. Wie würdest Du Dich als Spielerin fühlen, wenn Du nach einer guten Saison im Verein die Hoffnung hast noch auf den WM-Zug aufzuspringen. Im Gegensatz dazu war eine Anike Krahn die Saison gar nicht präsent und gehört zum Kader. Das Ergebnis haben gesehen. Krahn war für mich eine komplette Fehlbesetzung. Nervös, unkontrollierte Abspiele. Wie fühlen sich die Innenverteidiger wenn Sie sehen was die A.K. dort für eine Leistung abgliefert hat. Ich denke beim DFB spielt nicht nur Leistung eine Rolle… aber ich denke mit der Meinung stehe ich allein da….

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  • ws sagt:

    @Jens
    Nur damit hier keine Missveerständnisse aufkommen: Ich schätze Herrn Schröder wegen seiner geradlinigen Art, seines Fachverstandes und seines „Herzbluts“ für den Frauenfußball ungemein. Aber trotzdem hat auch Frau Neid seit 2005 vieles richtig gemacht. Ich kann mich beispielsweise nicht mit dem permanenten Krahn-Bashing anfreunden. Für mich wurde sie gegen Nigeria völlig zu Recht zum „Player of the match“ gewählt. Dass sie technisch limitiert ist, sieht jeder, aber Frau Neid weiß eben, dass sie sich jederzeit auf Krahn verlassen kann, weil die sich NIE hängen lässt. Und wegen Krahn sind „wir“ sicher nicht gegen Japan ausgeschieden.
    Aber natürlich muss der DFB-Präsident „seine“ Bundestrainerin auch mal auf den Topf setzen, anstatt permanent Welpenschutz für sie einzufordern. Dass sie es beispielsweise nicht für nötig hielt, zum Champions-League-Finale nach London zu fliegen, obwohl dort eine deutsche Manschaft spielte, halte ich für eine Hochnäsigkeit sondergleichen. Da Herr Dr. Zwanziger normalerweise weiß, was sich gehört, war er selbstverständlich live in Fulham dabei. Und auch der von mir oft nicht sehr geschätzte Herr Dietrich hat seinem größten Bundesligarivalen dort die Ehre erwiesen.
    Eine private Frage noch: Wo wohnst Du? Vielleicht begegnen wir uns ja mal bei einem Bundesligaspiel, z. B. beim HSV. Da gibt es ja dann auch viel zu fachsimpeln 😉

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  • Winter sagt:

    Bei den Männern zeigt sich gegenseitige Kompetenz und Vertrauen.
    Austauschen, reden, gemeinsam analysieren für Liga und Nationalmannschaft.
    Kompetenzen die Silvia Neid im Gegensatz zu Jogi Löw einfach fehlen.
    Deswegen wird es mit der EM bei „Silv“ auch nicht´s werden, da sie einfach selber etwas bewegen muss und nicht mehr auf den Strukturen von Tina T. aufbauen kann.
    Dazu ist sie aber nicht fähig, also bitte erlöst uns alle!!

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  • Jennifer sagt:

    @Winter: Ganz so einseitig solltest du das aber nicht mit den Männern sehen, s. die Personalien um Kuranyi, Frings, Ballack usw. Da kann man nicht unbedingt von Kompetenz und Vertrauen sprechen. Bei Löw läuft auch nicht immer alles wie am Schnürchen – allerdings hat er eine bessere Lobby. Das macht auch viel aus.

    Gibt es denn eigentlich in der FF-Bundesliga so etwas wie einen DFL Präsidenten, wie Dr. Rauball, bei den Herren? Oder macht das jetzt die Steffi Jones? Wäre natürlich gut, wenn auf dieser Basis zwischen Natio und Buli mal eine bessere Zusammenarbeit entstehen würde.

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  • sodalith7 sagt:

    Hier sind zwei aktuelle Artikel zu Frau Neid.

    https://j.mp/oNbmIV

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