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2011

Die Tops und Flops der WM-Vorrunde

24 der 32 WM-Spiele sind vorbei, Anlass für uns die zehn Tops und Flops der WM-Vorrunde herauszupicken, darunter volle Stadien und gigantische Einschaltquoten, aber auch kolossale Fehlentscheidungen und sportliche Enttäuschungen.

Volle Stadien, hohe Einschaltquoten 597 644 Zuschauer haben die 24 Vorrundenspiele verfolgt, was einem Durchschnitt von 24 902 Besuchern pro Partie entspricht. 774 480 Eintrittskarten wurden bis heute verkauft. „Theoretisch können wir insgesamt 800 000 Karten absetzen. Das ist eine Weltsensation, das ist eine gewaltige Leistung“, so DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Und auch an den TV-Schirmen hat sich die Frauen-WM zu einem Quotenrenner gemausert. So verfolgten 16,39 Millionen Zuschauer die Partie Deutschland gegen Nigeria, doch auch Partien ohne deutsche Beteiligung bringen es auf millionenstarke Werte, wie etwa 5,65 Mio. beim Duell USA gegen Schweden. Die Erwartungen von ARD und ZDF wurden damit um ein Vielfaches übertroffen.

Schöne Tore, grandiose Assists 60 Treffer haben die 16 Mannschaften in den 24 Spielen erzielt – im Schnitt 2,50 Tore pro Spiel. Das sind deutlich weniger als 2007 in China (85/3,54), 2003 (81/3,38) und 1999 (98/4,08) in den USA. Ein Zeichen für die wachsende Ausgeglichenheit und verbesserte Abwehrarbeit aller Teams. Einige der Treffer waren sehenswert: So wird Ellen Whites Lob gegen Japan genauso in Erinnerung bleiben, wie Monica Ocampos Tor für Mexiko gegen England oder der Dreierpack von Japans Kapitänin Homare Sawa gegen Mexiko. Inka Grings zeigte gegen Frankreich, dass sie es auch mit dem Kopf kann und Marta erzielte gegen Norwegen nicht nur zwei Treffer, sondern bereitete in unnachahmlicher Manier einen weiteren vor. Prädikat: Weltklasse.

Denkwürdige Pressekonferenz mit Birgit Prinz Es muss die medienscheue deutsche Rekordnationalspielerin Birgit Prinz eine ganze Menge Überwindung gekostet haben, nach zwei Auswechslungen und dem Verzicht auf eine Aufstellung im Spiel gegen Frankreich vor die versammelte Medienschar zu treten und die eigene Formkrise einzuräumen. Dazu zeigte sie Größe, als sie erklärte, es gebe wohl derzeit keinen Grund, einen Wechsel in der deutschen Offensive vorzunehmen. Menschlich stark, doch ungewöhnlich, dass die Kapitänin von Bord geht, während das Schiff noch auf hoher See ist.

Tanz- und Gesangseinlagen Ob vor dem Spiel, nach dem Spiel oder nach einem Tor – Schwedens Nationalelf verzückte das Publikum mit einer ganz besonderen Tanzeinlage „Das ist einfach ein Tanz und ein Lied, das uns glücklich macht. Es kommt aus Frankreich, den Text kenne ich nicht so genau“, so Jessica Landström. US-Spielerin Megan Rapinoe zeigte nach ihrem Treffer zum 2:0 gegen Kolumbien, dass sie auch stimmlich einiges drauf hat. Sie schnappte sich am Spielfeldrand ein Mikrofon und schmetterte zur Erheiterung ihrer Mitspielerinnen den Bruce-Springsteen-Klassiker „Born in the USA“.

Erste WM-Punkte für Neuseeland und Kolumbien Die neuseeländische Nationalmannschaft zeigte bei der WM in Deutschland eine beherzte Leistung. Gegen Japan und England setzte es knappe 1:2-Niederlagen, gegen Mexiko schien das Team erneut auf der Verliererstraße. Doch Rebecca Smith (90.) und Hannah Wilkinson (90.+4) sorgten für ein Remis und den ersten neuseeländischen Punkt bei einer WM. Den ergatterte auch WM-Neuling Kolumbien durch ein 0:0 im letzten Gruppenspiel gegen Nordkorea.

Handspiel schreibt WM-Geschichte Die 16. Minute im Spiel Australien gegen Äquatorialguinea hat unrühmliche WM-Geschichte geschrieben. Die ungarische Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal übersah, dass die afrikanische Abwehrspielerin Bruna den Ball sekundenlang im eigenen Strafraum mit beiden Händen festhielt. 15 640 Zuschauer in Bochum hatten die Aktion wahrgenommen, doch sowohl Gaal als auch ihren beiden Assistentinnen Cristina Cini und Natalie Aspinall fehlte der nötige Durchblick, das Spiel lief weiter. Die FIFA sah sich nach dem Spiel genötigt, eine offizielle Entschuldigung auszusprechen. Auch andere Schiedsrichterinnen gaben Anlass zur Kritik: Die Finnin Kirsi Heikkinen verteilte in der fairen Partie Deutschland gegen Frankreich übertriebene fünf Gelben Karten und einen Platzverweis, die Südkoreanerin Cha Sung Mi schien sie beim ruppigen Aufeinandertreffen zwischen Deutschland gegen Nigeria hingegen zuhause vergessen zu haben.

Äquatorialguinea sorgt für Negativschlagzeilen Erst die Diskussion um angebliche Männer im Team, dann die Suspendierung von Jade Boho und der Ausschluss von den Olympischen Spielen 2012 in London – Afrikas Vizemeister war das Team, das für die meisten negativen Schlagzeilen sorgte. Und nach der dritten Niederlage im dritten Spiel erhob Brasiliens Trainer Kleiton Lima den nächsten schweren Vorwurf. Carol Carioca genannt „Carolina“ und Vania seien für Äquatorialguinea nicht spielberechtigt gewesen, weil sie unter Limas Amtszeit bereits für Brasilien gespielt hätten und damit laut FIFA-Statuten nicht hätten spielen dürfen.

Patzer und Peinlichkeiten Bereits vor vier Jahren bei der Frauenfußball-WM in China standen die Torhüterinnen im Zentrum der Kritik und auch diesmal gab es einige krasse Patzer. Ob die Kolumbianerin Sandra Sepulveda, die Engländerin Karen Bardsley, Norwegens Ingrid Hjelmseth oder die Brasilianerin Andreia – die Qualität auf der Torhüterinnnen-Position lässt weiter zu wünschen übrig. Hauptproblem: Es gibt nach wie vor zu wenig spezialisiertes Torhüterinnen-Training und auch der Speedcell-Ball begünstigt nicht die Frauen auf der Nummer-Eins-Position: „Seitdem es diesen Ball gibt, sind alle Torhüterinnen um eine Klasse schlechter“, sagt Schwedens Torhüterin Hedvig Lindahl.

Blitzeinschlag und Dopingverdacht Sportlich konnte das Team Nordkoreas bei der Frauen-WM nur eine Halbzeit lang gegen die USA überzeugen, dann begann die Talfahrt. Erst machte Trainer Kim Kwang Min einen Blitzunfall vor der WM für den Formeinbruch seiner Elf verantwortlich, dann wurde bei zwei seiner Spielerinnen eine verbotene Substanz entdeckt. Nordkorea verzichtete auf die Öffnung der „B-Probe“, was nahezu einem Schuldeingeständnis gleich kommt. Das Team reiste lieber schnell zurück in die Heimat, die FIFA wird über Sanktionen beraten.

Vorzeitiges WM-Aus für Norwegen und Kanada Es ist bisher nicht gerade eine WM der Überraschungen, das vorzeitige WM-Aus Norwegens hatten zumindest nicht alle erwartet. Nach einem 1:0-Sieg gegen Äquatorialguinea und einer 0:3-Niederlage gegen Brasilien hatte es das Team von Trainerin Eli Landsem gegen Australien selbst in der Hand und ging durch Elise Thorsnes sogar in Führung, doch zwei Treffer von Kyah Simon besiegelten das Schicksal der Skandinavierinnen, die erstmals bei einer WM bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten müssen. Mit vollmundigen Ankündigungen war Team Kanada nach Deutschland gereist, nicht weniger als der WM-Titel sollte her. Doch nach drei Niederlagen (1:2 gegen Deutschland, 0:4 gegen Frankreich und 0:1 gegen Nigeria) reiste das Team ohne einen einzigen Punktgewinn zurück in die Heimat.