Marta führt Brasilien ins Viertelfinale

Von am 3. Juli 2011 – 20.06 Uhr 56 Kommentare

Die brasilianische Frauenfußball-Nationalmannschaft hat bei der Frauen-WM auch ihr zweites Gruppenspiel gewonnen. Gegen Norwegen feierte das Team einen klaren Sieg, der allerdings durch eine Fehlentscheidung eingeleitet wurde.

Beim 3:0 (1:0)-Sieg vor ausverkauftem Haus in Wolfsburg brachte die fünffache Weltfußballerin Marta ihr Team mit einem irregulären Treffer in Führung (22.). Norwegen verschlief den Beginn der zweiten Halbzeit und wurde durch Rosana (46.) und wiederum Marta (48.) gnadenlos bestraft.

Guter Beginn von Norwegen
Die Norwegerinnen starteten gut und hatten gegen die Brasilianerinnen, die zunächst Abstimmungsprobleme im Aufbauspiel hatten, die erste Chance. Doch der Schuss von Madeleine Giske aus elf Metern war zu harmlos, um Torhüterin Andreia vor echte Probleme zu stellen (18.).

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Irregulärer Treffer von Marta
Wenige Minuten später ging Brasilien in Führung: Marta brachte im Laufduell Nora Holstad Berge zu regelwidrig zu Fall, ließ im Strafraum mit zwei Übersteigern Maren Mjelde aussteigen und verwertete mit einem platzierten Schuss zur zu diesem Zeitpunkt eher schmeichelhaften Führung (22.).

Bruch im norwegischen Spiel
Doch Norwegen verlor durch den Rückstand seine Linie, Brasilien beherrschte nach und nach das Geschehen, Norwegens Torhüterin Ingrid Hjelmseth lenkte einen Distanzschuss von Rosana über die Latte (42.). Doch wer gedacht hatte, die Skandinavierinnen würden in den zweiten 45 Minuten wieder besser ins Spiel finden, sah sich getäuscht.

Marta

Zwei Tore gegen Norwegen: Marta ist bei der WM angekommen © Hanna Urbaniak

Teurer Doppelschlag
Kurz nach Wiederanpfiff kam Marta im Mittelfeld an den Ball, stürmte auf und davon und hatte das Auge, den Ball quer auf den rechten Flügel zu legen, von dort verwertete Rosana mit einem trockenen Schuss zum 2:0 (46.). Und nur kurz darauf war die Partie entschieden, als Marta einen Fehler von Mjelde ausnutzte und aus sieben Metern den Ball gegen den Lauf von Hjelmseth ins Netz schob (48.) – zwei schnelle Gegentreffer, die Norwegen noch teuer zu stehen kommen könnten, denn gegen Australien muss nun wegen des schlechteren Torverhältnisses ein Sieg her, um ins Viertelfinale einzuziehen.

Nur eine Chance
Norwegen versuchte zwar noch einmal in die Partiezurückzufinden, doch Brasilien hatte das Geschehen fest im Griff. Nach Kopfballvorlage der eingewechselten Cecilie Pedersen hatte Giske die Chance zum Anschlusstreffer, doch sie hob den Ball übers Tor (83.). Die Brasilianerinnen spielten die Schlussminuten herunter und haben sich durch den Erfolg bereits sicher fürs Viertelfinale qualifiziert.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

56 Kommentare »

  • Jarmusch sagt:

    @Markus Juchem

    Martas Foul ist eine grobe Unsportlichkeit, Gareferekes Aufstützen ein Foulspiel das abgepfiffen werden kann. Bei Garefrekes Aufstützen besteht ja zudem noch ein mehrfach geäußerter Zweifel ob es sich hier überhaupt um eine Regelwidrigkeit gehandelt hat.

    Und warum ich Garefrekes Aufstützen weniger unsportlich finde habe ich doch oben beschrieben.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Jarmusch: Martas Foul ist für mich ein Foul, nicht mehr und nicht weniger. Für mich besteht kein Unterschied.

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  • Ralf sagt:

    @Markus

    Ich muss schon sagen, 😉 ^^ … Foul ist eben nicht gleich Foul; sonst bräuchten wir auch keine Differenzierung/Abstufung der Sanktionsmöglichkeiten (Karten).

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  • Markus Juchem sagt:

    @Ralf: Sind wir doch mal ehrlich: Die Aufregung ist doch nur so groß, weil es Marta gemacht hat. Bei jeder anderen Spielerin würde heute niemand mehr darüber diskutieren, bei einer deutschen Spielerin würde es jetzt Kommentare geben, die das Verhalten als „clever“ oder „kaltschnäuzig“ beschreiben würden. Mir geht einfach die Marta-Hetze gewaltig gegen den Strich. Man muss sie nicht mögen und man muss sie auch nicht zur Weltfußballerin küren, aber fußballerisch spielt sie in einer eigenen Liga und damit kommen offenbar einige nicht klar und verweigern ihr die sportliche Anerkennung, die sie verdient. Mich stört auch, wenn sie es immer wieder mit Schwalben versucht, trotzdem finde ich, eine Schiedsrichterin + zwei Schiedsrichter-Assistentinnen dürfen auch mal die Augen auf machen. In diesem Sinne hat mich ihre Schwalbe gestern viel mehr gestört als das Foul vor dem 1:0, denn Ersteres ist für mich eine grobe Unsportlichkeit, Zweiteres aus Stürmersicht eine instinktive Handlung.

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  • Jarmusch sagt:

    Markus Juchem schrieb: „Die Aufregung ist doch nur so groß, weil es Marta gemacht hat. Bei jeder anderen Spielerin würde heute niemand mehr darüber diskutieren, bei einer deutschen Spielerin würde es jetzt Kommentare geben, die das Verhalten als “clever” oder “kaltschnäuzig” beschreiben würden.“

    Da muss ich einlenken. Auch wenn ich mehr als einmal geäußert habe, dass ich Marta nicht mag, hat das keinen Einfluss auf meine Bewertung der beiden Foulspiele Marta/Garefrekes.
    Hätte anstelle von Marta da Mbabi das Foul begangen, hätte ich genau so argumentiert. Vielleicht weniger leidenschaftlich, aber im Kern genau so.

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  • Ralf sagt:

    @Markus

    „Mich stört auch, wenn sie es immer wieder mit Schwalben versucht, trotzdem finde ich, eine Schiedsrichterin + zwei Schiedsrichter-Assistentinnen dürfen auch mal die Augen auf machen. In diesem Sinne hat mich ihre Schwalbe gestern viel mehr gestört als das Foul vor dem 1:0, denn Ersteres ist für mich eine grobe Unsportlichkeit, Zweiteres aus Stürmersicht eine instinktive Handlung.“

    Dann ist es aber eine Schirie-Diskussion und keine Marta-Debatte! 🙂

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  • dadida sagt:

    @markus: da bin ich bei dir. dieses geschreibe von wegen das hat sie ja nicht notwendig, unfair, buh … find ich ehrlich gesagt scheinheilig. ungeachtet dessen, dass hier wirklich die schiedsrichterin in der pflicht war, glaub ich nicht einmal, dass die marta das foul mit absicht begangen hat, sondern einfach beim wechseln auf die andere seite der norwegerin über die beine gelaufen ist. zweitens möcht ich schon sehen wie hier einige reagieren würden, wenn im viertelfinale vielleicht der celia in der letzten minute so etwas passiert und sie dann brav vor dem torschuss stehen bleibt, obwohl die schiedsrichterin nicht pfeift und dieser den ball mit den worten: „oh sorry, i made a foul and you and your assis did not see it“ in die hände schupft. wenn dann die deutsche natio ausscheidet wird danach sicher ein eigener fairnesspreis nach ihr benannt, sie wird millionen dankschreiben erhalten und zur nächsten bundespräsidentin gewählt.

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  • Striker sagt:

    Die Diskussion hier ist völlig absurd. Marta hat gestoßen, ein Allerweltsfoul wie es in jedem Spiel mehrfach vorkommt. Die Stürmerin will ich sehen, die stehen bleibt und der Schiedsrichterin sagt, dass sie pfeifen soll wenn die ihr Foul nicht gesehen hat. Wenn sich bald jede Spielerin öffentlich entschuldigen soll, die ein nicht geahndetes Foul begangen hat, räumt man auf den Pressekonferenzen demnächst am besten jeder Spielerin schon mal pauschal drei Minuten Entschuldigungszeit ein. Rein sportlich betrachtet war das eine Leistung von Marta, die unterstrichen hat, warum sie zurecht Weltfußballerin ist.

    Zum Glück war es nur ein Schieben. Nicht auszudenken, was hier los wäre wenn Marta den Ball im Strafraum in die Hand genommen hätte, oder sie so über den Platz pflügen würde wie Anomna…

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  • Probiersmalmit... sagt:

    Marta als Weltfussballerin hat Vorbildfunktion. Das Problem mit vorsätzlichem Foulspiel und Schauspiel besteht nicht erst seit dieser
    Weltmeisterschaft sondern seit dem Marta diese Auszeichnung erhielt.
    Werden solche Zeichen gesetzt vesteht man auch warum Frauenschiris vor
    Zicken zucken.
    Die Heuchelei ist ja schon mit Händen zugreifen:
    Es beginnt mit „Fair geht vor“
    R E S P E K T Achtung des fussballspielenden Gegners
    Niedliche Kinder beim Einlaufen
    Shake hands
    Dann der Anpfiff der gleichzeitig der Abpfiff dieser geforderten Tugenden ist.
    Wo soll das noch hinführen, wenn argumentiert wird, die anderen spielen ja so auch foul. Aber das ganze fing ja mal an.
    Wie gesagt die Richtungsweisende Spielerin ist, aufgrund ihrer Bezeichnung Weltfussballerin, Marta und diese Art zu spielen wird versucht zu kopieren. Daraus resultiert auch m. E. das grosszügige
    wegsehen der Schiris in allen Spielen. Das absichtliche Wegstossen,
    plump in den Gegner laufen, von hinten mit voller Gewalt in den Gegner springen, das auch noch mit ausgefahrenem Ellbogen usw. hat nichts aber auch gar nichts mit den oben beschriebenen Erklärungen
    zutun.
    Es hat sich was verändert im Frauenfussball. Als Birgit Prinz
    Weltfussballerin war, gab es auch Foulspiel es herrschte aber mehr
    Achtung gegenüber dem Gegner.
    Heute wird beim Anstoss die Menschenwürde für ca.90min vergessen.
    Das ist Sport wie ihn die Journaille gerne hat.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Probiersmalmit: Ich denke, man muss sich einfach von dieser romantisierenden Vorstellung entfernen, der Frauenfußball wäre weicher, sauberer, fairer. Das war vielleicht einmal, doch mit zunehmender Professionalisierung, einhergend mit der Möglichkeit, auch im Frauenfußball inzwischen in der Spitze gutes Geld zu verdienen, verschwimmen die Grenzen zum Männerfußball immer mehr. Das muss man nicht mögen oder gutheißen, stoppen wird man diese Entwicklung nicht.

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  • Probiersmalmit... sagt:

    Sehr bedenklich, wenn gegenseitiger Respekt im Zuge der Professionalisierung zur romantischen Vorstellung verkommt.
    Der überwiegende Anteil der mit Gut bewerteten Kommentare spricht
    eine eindeutige Sprache. Nichts Destotrotz wäre das, wie KarlMai schon erwähnte, eine gute Diskusionsgrundlage für die saure Gurkenzeit im Dezember.

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  • Fee sagt:

    Herr Juchem, sie haben sich mal wieder verrannt. Das Tor von KG mit dem von Marta zu vergleichen ist mehr als abenteuerlich.

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  • Matt sagt:

    Marta ist die weltbeste Fussballerin. Punkt. Sie hat die Athletik und die Technik. Es hapert an taktischem Vermögen (Willen?) und an medienwirksamer Darstellung. Jeder Fussballer hätte in dieser Situation das Tor gemacht und gut ist. Wenn der Schiri nicht pfeift… Pech, so ist das schon tausendmal passiert.
    Auch ist festzustellen, dass die norwegische Spielerin ggü. Marta so schnell lief, als hätte sie Betonplatten an den Füssen. Man muss Marta nicht lieben, aber sie ist eben Lichtjahre von allen anderen Fussballerinas entfernt, was das Einzelkönnen betrifft. Es ist gar nicht einfach als Superkönner sich auf das Spiel von Mitspielern einzulassen, die mindestens eine Liga tiefer spielen.

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  • karl sagt:

    Ich moechte hier nochmal was praezisieren um Misverstaendnisse zu vermeiden: Ich glaube niemand bezweifelt ernsthaft dass Marta die perfekteste und talentierteste Spielerin(moeglicherweise aller zeiten) ist. Und niemand verlangt von ihr dass sie nach dem foul nicht weiterspielt. Was mich stoert ist ihr Verhalten auf dem Fussballplatz .
    Die Schwalben , die ungeahndeden fouls , das gemecker , das fordern von karten fuer Gegenspielerinnen und vor
    allem dass sie selbst bei guten Schiedsrichtern immer damit durchkommt. Sicher ist all das eine allgemein bekannte brasilianische Unart, nicht umsonst ist allgemein bekannt dass man
    jede noch so leichte Beruehrung eines Brasilianers auf dem Spielfeld vermeiden sollte weil der sich sonst sofort fallen laesst und den toten Mann spielt bis seine Mannschaftskameraden
    den Schiedsrichter von der roten karte fuer den vermeintlichen
    uebeltaeter ueberzeugt haben. Das und nichts anderes ist es was mich an Marta und auch anderen , sehr haeufig brasilianischen Spielern und Spielerinnen stoert und was mir die unsympathisch macht. Ich bin ueberzeugt wenn zum Beispiel Abby Wambach das gleiche foul begangen haette waere das von jeder Schiedsrichterin sofort abgepfiffen worden und Anonma wuerde fuer ne Schwalbe sofort ne gelbe Karte kriegen und Bajramaj kriegt ne gelbe Karte fuers meckern , an die Statistiker unter uns : hat Marta jemals ne gelbe Karte bekommen ….

    Im Grund genommen geht meine Kritik mehr in Richtung der Schiedsrichter die das unschoene Verhalten Martas dulden , aber vielleicht dulden sie es ja nur deshalb weil sie zuviel

    Respekt vor einer weltfussballerin aufbringen , wer weis das schon…

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  • Gast sagt:

    @ Karl: „Ich glaube niemand bezweifelt ernsthaft dass Marta die perfekteste und talentierteste Spielerin(moeglicherweise aller zeiten) ist.“

    doch: laasee 🙂

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  • Sven sagt:

    Warum soll eigentlich Marta die beste Spielerin sein? Weil sie Weltfußballerin ist? Das ist bekanntermaßen ein Medienpreis und als solcher zwar für den Gewinner ganz nett, für den Rest der Menschheit aber völlig irrelevant. Klar ist sie technisch ausgezeichnet und ihre Aktionen sind bisweilen schön anzusehen, aber Tricksereien machen höchstens ein Prozent eines Fußballspiels aus. Ich persönlich finde kluge Pässe sehenswerter als Egotricks. Ich gucke Fußballspiele, weil mich das Zusammenspiel von 11 Menschen begeistert, die gemeinsam ein Ziel erreichen wollen.

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