Obliers: „Heute bin ich 90 Minuten Nigerianer“

Von am 30. Juni 2011 – 14.51 Uhr 2 Kommentare

Nach der 0:1-Niederlage gegen Frankreich zum WM-Auftakt muss Afrikameister Nigeria nun fast schon das Unmögliche möglich machen und gegen Deutschland punkten, um noch eine Chance auf das Erreichen des Viertelfinales zu haben.

Denn minimal vier Punkte braucht man, um eine Chance auf das Erreichen der K.-o.-Phase zu haben, glaubt Thomas Obliers, der als Sportlicher Leiter die Geschicke der Nigerianerinnen lenkt und seit seiner Berufung jede Trainingseinheit geleitet hat.

Abenteuer Afrika
Als am 14. März das Telefon bei ihm klingelte und ein Mittelsmann des nigerianischen Verbands aus München anrief, zögerte er nicht lange, das Angebot anzunehmen und schon zwei Wochen später war er in Nigerias Hauptstadt Abuja, wo das Abenteuer begann. „So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben und ich habe nichts zu verlieren. Da gab es nicht viel zu überlegen“, so Obliers, der gerade verfügbar war, weil er sein Traineramt beim SC 07 Bad Neuenahr aufgegeben hatte, Frankfurts Manager Sigi Dietrich hatte ihn für die Aufgabe empfohlen.

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Herkulesaufgabe
Heute Abend geht es nun in Frankfurt (ab 20.45 Uhr live in der ARD) im zweiten WM-Gruppenspiel ausgerechnet gegen sein Heimatland, eine Herkulesaufgabe, vor der seine Schützlinge stehen. „Wenn wir einen guten Tag oder eine gute Phase haben, können wir überraschen“, glaubt Obliers. Heute bin ich 90 Minuten Nigerianer, auch wenn ich der DFB-Elf im Turnier natürlich nur das Beste wünsche“, so Obliers.

Thomas Obliers: "In Nigeria fehlen nur die Strukturen" © Frank Scheuring

Schwierige Vorbereitung
Unterschiedliche Voraussetzungen: Während die DFB-Elf in mehreren Lehrgängen über Monate den Feinschliff erhielt, hatte Obliers zusammen mit Trainerin Eucharia Uche erst spät seinen WM-Kader zusammen, denn gleich elf Spielerinnen im WM-Kader kicken in Europa. „Das ist ein Problem, dass alle afrikanischen Topmannschaften haben. Einerseits ist es gut, dass die Spielerinnen in Europa ausgebildet und gefordert werden, für Länderspiele ist es problematisch, wenn sie außerhalb der FIFA-Abstellungsperiode liegen.“

Mit Insiderwissen zum Erfolg?
Er hofft, dass es ein kleiner Vorteil für seine Spielerinnen ist, dass er die DFB-Elf in- und auswändig kennt. „Ich habe einige Spielerinnen ja selbst trainiert, das ist schon ein Vorteil. Aber letztendlich muss ein Spiel erst einmal gespielt werden, die taktischen Vorgaben können sich schnell ändern, wenn man ein Tor schießt oder eines kassiert.“

Spielerinnen wollen sich für Topklubs empfehlen
Nicht nur für die Spielerinnen, die sich für Engagement in Europa empfehlen wollen, sondern auch Obliers selbst könnte bei Erreichen des Viertelfinales von einem Anschlussvertrag bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London träumen, der derzeitige Vertrag läuft bis 31. Juli. „Ich würde gerne im Frauenfußball-Bereich weiter machen.“

Großes Potenzial in Nigeria
Vom Potenzial der nigerianischen Spielerinnen ist er überzeugt. „In Nigeria fehlen nur die Strukturen. Wenn man ein paar Jahre kontinuierlich arbeitet, wären sie ruckzuck in der Weltspitze. Gerade wenn ich an die U20-Spielerinnen denke – wenn sie noch ein, zwei Jahre Ausbildung genießen, wären es Raketen. Schnell sind sie schon, von dieser Schnelligkeit können manche Spielerinnen in Deutschland nur träumen.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Frieda sagt:

    Thomas Obliers hat meinen Respekt verloren. Da brüllt Uche ihre homophobe Weltaus-
    schauung in die Welt hinaus, und er steht brav und still daneben.

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  • Michele sagt:

    Meinen Respekt hat er auch verloren. Soll er ruhig für 90 Minuten Nigerianer sein. Hauptsache unsere Mädels gewinnen. Ich hoffe Nigeria scheidet aus und fliegt heim. Uche dürfte wegen ihren Äusserrungen überhaupt nicht auf der Bank sitzen.

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