DFB-Elf will Mangel an Effizienz beheben

Von am 28. Juni 2011 – 15.16 Uhr 6 Kommentare

Mit dem 2:1-Auftakterfolg gegen Kanada hat die deutsche Frauenfußball-Nationalelf einen dem Ergebnis nach perfekten Start in die Heim-WM hingelegt. Doch in den letzten zehn Minuten mussten die DFB-Frauen mächtig zittern, aufgrund einer ungewohnten Abschlussschwäche in Halbzeit zwei.

„Es war ein verrücktes Spiel“, kommentierte Bundestrainerin Silvia Neid die Tatsache, dass ihr Team in der schwächeren ersten Halbzeit zwei Treffer erzielte, in der stärkeren zweiten hingegen beste Chancen ausließ, allen voran Kerstin Garefrekes, die eine hundertprozentige Gelegenheit aus kurzer Distanz nicht verwerten und somit eine starke Leistung nicht rundum krönen konnte.

Ungewöhnliche Abschlussschwäche
Und so hätte sich die DFB-Elf am Ende nicht beklagen dürfen, wäre den Kanadierinnen noch der Ausgleich gelungen. Erstaunlich, dass die deutsche Mannschaft ihre Überlegenheit anders als gewohnt nicht in Tore ummünzen konnte, eine ungewohnte Abschlussschwäche zum Auftakt der Titelkämpfe, die es für die beiden nächsten Partien gegen Nigeria und Frankreich zu bekämpfen gilt.

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Melanie Behringer

Melanie Behringer trauert einer vergebenen Chance hinterher © Nora Kruse / ff-archiv.de

Mehr Ballbesitz für Kanada
Dabei dominierte die DFB-Elf den Weltranglisten-Sechsten vor allem in den ersten 30 Minuten der zweiten Halbzeit nach Belieben, obwohl das Team von Trainerin Carolina Morace erstaunlicherweise mit 51:49 Prozent mehr Ballbesitz im gesamten Spiel hatte. Dabei sprach die Schussstatistik klar für Deutschland: 21:6. In puncto Effizienz bestach Kanada, denn der einzige Schuss aufs Tor führte auch zum Treffer, während die deutschen Spielerinnen neun Schüsse aufs Tor brauchten, um zwei Treffer zu erzielen.

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Kanada erst am Schluss stark
Kanada zeigte zum Glück für die DFB-Auswahl über weite Strecken der Partie zu wenig Selbstvertrauen, erst nach dem Anschlusstreffer offenbarten die Ahornblätter ihr wahres Gesicht, das einige schon von Beginn an vom CONCACAF-Meister erwartet hätten. Vor allem die defensive Leistung der zweiten Halbzeit sollte den Kanadierinnen aber zu denken geben.

Defensive Probleme
Bereits in den ersten 45 Minuten war die Nummer 20 Marie-Eve Nault überfordert, und auch Rhian Wilkinson hatte, nachdem sie in der zweiten Halbzeit auf die linke Abwehrseite gezogen wurde, mächtig zu kämpfen. Und sollte gar im zweiten Gruppenspiel gegen Frankreich Christine Sinclair fehlen, könnte der WM-Traum der Kanadierinnen bereits frühzeitig platzen.

Dank an das Publikum
Neid war froh, dass ihre Elf am Ende die drei Punkte einfuhr, auch ein Verdienst des Publikums. „Die Menschen haben gefühlt, dass es nochmal eng werden kann. Das war eine tolle Reaktion, das haben die Spielerinnen auch mitbekommen.“ Die DFB-Elf weiß, dass sie sich schon im zweiten Spiel gegen Nigeria am Donnerstag, 30. Juni, 20.45 Uhr, wird steigern müssen. „Wir haben der Mannschaft Szenen aus dem Auftaktspiel gezeigt, die gut waren und solche, die verbesserungswürdig sind. Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen. Wir wollen besser Fußball spielen. Gegen Kanada sind wir selten mit guten Kombinationen durchgekommen. Das gilt es zu verbessern“, analysierte Assistenztrainerin Ulrike Ballweg den Auftaktsieg.

Angerer warnt vor Nigeria
Torhüterin Nadine Angerer warnt davor, die Afrikanerinnen auf die leichte Schulter zu nehmen. „Das letzte Länderspiel gegen Nigeria war kein Maßstab. Wir wissen, dass sie sich anders präsentieren werden. Beim letzten Duell war es auch nicht gerade ihr Wetter mit den Minusgraden, dazu kamen sie vom Afrika-Cup und waren müde.“

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • fribu sagt:

    Wenn die Effizienz verbessert werden kann (nein, ich sage jetzt nicht , daß eine bestimmte Spielerin dazu viel beitragen könnte 😉 ), dann wüßte ich nicht, vor welchem Team die deutschen Frauen Angst haben müßten. Bis heute, 20:00 Uhr, habe ich jedenfalls noch keine gesehen…
    Mal sehen, wie sich Brasilien morgen präsentiert, die USA und erst recht Schweden haben heute nur mit Mühe überzeugen können…

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  • laasee sagt:

    „(nein, ich sage jetzt nicht , daß eine bestimmte Spielerin dazu viel beitragen könnte )“

    hmmmm…..is she good?

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  • eisbär sagt:

    Sehe ich etwas anders. Sowohl Schweden als auch die USA haben eine gute Leistung gezeigt. Allein die Abschlussschwäche Schwedens hat das Spiel solange offen gelassen. USA hat gegen Nordkorea nicht viel zu gelassen und das Spiel über weite Strecken beherrscht. Zudem konnte USA zeigen, dass sie 90 Minuten ihr Niveau und das Tempo hoch halten können.

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  • laasee sagt:

    „Zudem konnte USA zeigen, dass sie 90 Minuten ihr Niveau und das Tempo hoch halten können.“

    Yes, their fitness and high tempo in the second half was impressive.

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  • Detlef sagt:

    Ich stimme Eisbär absolut zu!!!

    Schweden hat mich bis jetzt am meisten überzeugt, was aber auch am schwachen Gegner gelegen haben könnte!!!
    Auch die Tre-Kronors müssen mit ihrer Abschlußschwäche hadern (genau wie Deutschland)!!!
    Beide Teams sind in der Defensive kaum ernsthaft geprüft worden, und müssen erst nachweisen, daß sie Druckphasen des Gegners widerstehen können!!!

    Die USA haben sich erneut sehr schwer getan, und zeigten zunächst deutliche Schwächen in der Abwehr!!!
    Allerdings hatten sie es auch mit einem (über weite Strecken gleichwertigen, zT etwas stärkeren) Gegner zu tun, der ihnen vor allem in der ersten Hälfte alles abverlangte!!!
    Es gehört zur großen Stärke des FIFA-Weltbesten, daß sie ihre Probleme im Spiel selber lösen konnten, und bis zum Abpfiff an ihren Sieg glaubten!!!

    Frankreich hat ebenfalls gut gespielt, und ebenfalls seine vielen Chancen nicht konsequent nutzen können!!!
    Sie werden sich aber schon gegen Kanada enorm steigern müssen, um überhaupt die Gruppenphase zu überstehen!!!

    Man muß jetzt sehen, was Top-Favorit Brasilien, und die Norwegerinnen, und Geheimfavorit Australien morgen zeigen werden!!!

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  • Mika sagt:

    USA hat für mich in der zweiten Hälfte auch überzeugt. Über ein 2-0 ist Deutschland gegen N. Korea auch nicht hinausgekommen und die Koreanerinnen haben heute viel besser gespielt als gegen D.

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