Deutschland – Kanada: die Spielerinnen in der Einzelkritik
Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf hat, angeführt von einer überragenden Kerstin Garefrekes, mit einem 2:1-Sieg im Eröffnungsspiel der Frauen-WM gegen Kanada die ersten drei Punkten eingefahren. Womensoccer unterzieht die Spielerinnen einer individuellen Bewertung.
Nadine Angerer: Zum ersten Mal seit 679 Minuten musste die deutsche Torhüterin bei einer WM wieder einen Ball aus dem Netz holen. Gegen den platzierten Freistoß von Christine Sinclair war sie machtlos. Ansonsten war sie nur wenig gefordert und verlebte überwiegend ruhige 90 Minuten.
Linda Bresonik: Die Noch-Duisburgerin löste ihre Aufgabe auf der rechten Abwehrseite meist souverän, gelegentlich leistete sie sich aber Nachlässigkeiten. Klärte aber in der 20. Minute hervorragend eine Hereingabe von Diana Matheson. Insgesamt eine gute Vorstellung.
Annike Krahn: Hatte zusammen mit Bartusiak einige Male alle Hände voll zu tun, auch weil das Mittefeld defensiv nicht immer gut dagegenhielt. Versuchte sich ab und an auch nach vorne einzuschalten, etwa bei einer schönen Direktabnahme nach einem Behringer-Freistoß.
Saskia Bartusiak: Kanada kam nicht oft gefährlich vor das deutsche Tor, wenn doch war Bartusiak zumeist zur Stelle und stand dort, wo man stehen muss. Die Frankfurterin ging konzentriert zur Sache, gelegentlich mangelte es aber im Aufbauspiel. Wirkte aber souveräner als sonst.
Babett Peter: Sie hatte die linke Außenbahn gewohnt sicher im Griff und ließ nur wenige kanadische Aktionen über ihre Seite zu. Versuchte sich häufig ins Spiel nach vorne einzuschalten und gab die Flanke zum wichtigen 1:0. In der zweiten Halbzeit war sie jedoch nicht mehr so auffällig.
Kim Kulig: Die Neu-Frankfurterin hatte heute weniger kreative Momente als zuletzt, blieb im Vergleich zu den Testspielen vor der WM ein wenig blass, vor allem in den ersten 45 Minuten. Biss sich später besser in die Zweikämpfe hinein, defensiv wie offensiv ist aber gleichermaßen noch Luft nach oben.
Simone Laudehr: Hatte offensiv stärkere Momente als in der Defensive. Ihr Fehler hätte fast zum frühen Rückstand durch Sinclair geführt, bei einem Schuss an die Latte hatte sie Pech. Ihr unnötiges Foul gegen Sinclair inklusive Gelber Karte brachte den Gegner ins Spiel zurück, was am Schluss fast noch ins Auge gegangen wäre.
Kerstin Garefrekes: War beim WM-Auftakt voll da. Ob am rechten oder am linken Flügel, sie beschäftigte die kanadische Defensive immer wieder. Traf per Kopf zum 1:0 und bereitete das 2:0 vor. Wurde zu Recht zur Spielerin des Spiels gekürt. Vergab aber in Halbzeit zwei eine tausendprozentige Torchance.
Célia Okoyino da Mbabi: Agierte am Anfang auf der zentralen Position im Mittelfeld eher unauffällig, fand aber im Laufe des Spiels immer besser in die Partie. Erzielte in abgebrühter Manier das 2:0 und war auch in der zweiten Halbzeit ein steter Unruheherd für die gegnerische Mannschaft.
Melanie Behringer: Von der ersten Minute an rechtfertige sie ihren Einsatz in der Startformation. Zusammen mit Kerstin Garefrekes setzte sie immer wieder zu Flügelläufen an und spielte kluge Pässe. In der zweiten Halbzeit baute sie zu ihrer Auswechslung hin ein wenig ab. Hatte bei einem Latten-Streifschuss Pech.
Birgit Prinz: Die Kapitänin spielte seit langem wieder einmal als alleinige Sturmspitze in vorderster Front. Versuchte immer wieder die kanadische Abwehr zu beschäftigen, arbeitete gut, ließ es aber an der Durchschlagskraft vermissen. Dennoch bot sie eine solide Leistung, zumal sie an beiden Treffern beteiligt war.
Alexandra Popp: Kam in der 56. Minute für Prinz ins Spiel und warf sich gleich wie gewohnt ins Getümmel. Trieb den Ball immer wieder nach vorne und belebte das deutsche Angriffsspiel, ein Tor blieb ihr aber verwehrt.
Inka Grings: Tat sich in der ungewohnten Rolle als Einwechselspielerin ein wenig schwer, hatte aber in der 79. Minute eine gute Gelegenheit, für die Entscheidung zu sorgen. Zeigte guten Einsatzwillen, wirkt aber immer noch nicht so spritzig wie man sie kennt.
Fatmire Bajramaj: Kam erst spät in die Partie und ihr war anzumerken, dass sie ihre Chance nutzen wollte. Wirkte aber einfach nicht frei im Kopf und konnte keine großen Akzente setzen.