DFB-Elf siegt dank furioser Schlussphase

Von am 16. Juni 2011 – 22.21 Uhr 58 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft hat zehn Tage vor Beginn der Frauenfußball-WM eine gelungene Generalprobe gefeiert. Allerdings dauerte es bis in die Schlussminuten, ehe eine wahre Torflut im Minutentakt den Sieg perfekt machte.

Vor 13 812 Zuschauern feierte die DFB-Elf in Mainz einen 3:0 (0:0)-Sieg. Simone Laudehr (79.) und zweimal Alexandra Popp (81., 83.) sorgten für einen späten, aber verdienten Erfolg.

Bundestrainerin Silvia Neid nahm gegenüber dem 5:0-Sieg gegen die Niederlande in Aachen zwei Veränderungen in der Startformation vor: Inka Grings ersetzte Fatmire Bajramaj, Linda Bresonik kehrte nach überstandener Achillessehnenreizung in die Anfangself zurück, für sie nahm Bianca Schmidt auf der Bank Platz.

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Verheißungsvoller Start
Der Beginn der DFB-Elf war viel versprechend, Célia Okoyino da Mbabi flankte scharf vom linken Flügel, doch Norwegens Torhüterin Ingrid Hjelseth hielt sicher (2.). Doch die Norwegerinnen hielten gut dagegen, einen Schnitzer von Saskia Bartusiak konnte Annike Krahn gerade noch ausbügeln (7.). Norwegen erwies sich als der erwartet unbequeme Gegner, der den deutschen Spielerinnen mit seiner Kompaktheit nur wenig Raum zur Entfaltung bot, die Folge waren Fehlpässe und Ungenauigkeiten.

Erste Chancen
Nach einer guten Viertelstunde gelangen den deutsche Spielerinnen erste konstruktive Aktionen, Inka Grings verfehlte eine Hereingabe von Kerstin Garefrekes nur knapp (18.). Birgit Prinz tankte sich am Strafraum durch, wurde aber von zwei Verteidigerinnen geblockt (22.).

DFB-Elf erhöht Druck
Die Skandinavierinnen kamen nur selten vor das deutsche Tor, Emilie Haavi vergab einen Drehschuss (26.). Nach einer halben Stunde erhöhte die deutsche Auswahl den Druck, Grings hatte mit einem Schuss von der Strafraumgrenze die bis dahin beste deutsche Chance.

Viele Chancen, wenig Effizienz
Ein zentraler Schuss  von Grings (33.), ein Kopfball von Garefrekes nach Freistoß von Da Mbabi (34.) sowie eine neuerliche Gelegenheit von Grings, deren Schuss in letzter Sekunde von Marita Skammelsrud Lund geblockt wurde, waren Belege der wachsenden Überlegenheit (38.). In der Schlussminute hatten die Zuschauer den Torschrei schon auf den Lippen, doch Hjelmseth klärte einen Garefrekes-Schuss reflexartig per Fuß, Prinz hatte die Vorarbeit geleistet (45.).

Melanie Behringer war als Vorbereiterin doppelt erfolgreich. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Drei Einwechslungen
Mit drei Wechseln ging die DFB-Elf in Halbzeit zwei, Melanie Behringer kam für Garefrekes, Fatmire Bajramaj ersetzte Prinz und Alexandra Popp nahm die Position von Grings ein. Auf der Gegenseite feierte Ingvild Stensland ihr Comeback, auch Stürmerin Leni Larsen Kaurin vom VfL Wolfsburg durfte nun ran. Und Behringer setzte gleich ein erstes Ausrufezeichen, Hjelmseth klärte mit den Fingerspitzen zur Ecke (48.). Doch auch Norwegen kam schnell zu einer guten Chance, Kaurin bediente Haavi, die den Ball aber über das Tor setzte (51.).

Die DFB-Elf war bemüht, Behringer und Bajramaj konnten über die Flügel ansatzweise Druck entfachen, doch echte Torchancen stellten sich keine ein, Simone Laudehr prüfte Mitte der zweiten Halbzeit die nun bei Norwegen im Tor stehende Erika Skarbø, Kaurin zwang kurz darauf Nadine Angerer zu einer Glanzparade (70.). Auch ein heftiger Platzregen sorgte nicht für Inspiration, wenngleich Da Mbabi kurz vor ihrer Auswechslung aus 18 Metern eine gute Chance hatte (73.). Für sie kam Martina Müller in die Partie, Lena Goeßling ersetzte Krahn.

Deutsches Torfestival in der Schlussphase
Müller setzte sofort einen ersten Akzent, doch ihre scharfe Hereingabe konnten weder Popp noch Bajramaj gewinnbringend verarbeiten (75.). Doch es musste eine Standardsituation herhalten: Behringer schlug eine Ecke von rechts herein, Laudehr stieg am höchsten und drückte den Ball per Kopf ins Netz (79.). Und nur Sekunden später sorgte Popp nach einem Konter für die Entscheidung, als sie den Ball geschickt ins Tor schob (81.). Und im Minutentakt ging es weiter, erneut Popp nach Vorarbeit von Behringer machte die Torflut in den Schlussminuten perfekt (83.).

Schlagwörter:

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

58 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Alles Super, alles Spitze, wir sind ja so genial und sowieso viel zu geil für diese Welt!!!
    Keiner kann uns besiegen, niemand ist besser als Deutschland!!!

    Auch TURBINE hat letzte Saison soooooooo suuuuuuuuper gespielt, daß es eine wahre Pracht war ihnen zuzusehen!!!

    Wieviel Drogen (und welche) muß man eigentlich nehmen, um so positiv drauf zu sein???

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  • NCB sagt:

    Deutschland hat übrigens neben der USA/Schweden/Nordkorea/Kolumbien-Gruppe die schwerste Gruppe im Nachhinein. Nimmst du mal Nigeria weg, hast du dort mit Frankreich und Kanada zwei Teams, die Deutschland durchaus schlagen könnten. Kanada hat nicht zuletzt England und Schweden geschlagen sowie die USA-Bezwinger aus Mexiko im Gold Cup und Brasilien in diesem Jahr zweimal ein Unentschieden abgetrotzt.
    Mit Sinclair haben sie eine Stürmerin, die eine bessere Torquote als Grings und Prinz hat und die mit 28 doch noch sehr viel frischer und spritziger ist als unsere Herrschaften da vorne im Sturm. Außerdem zeichnet sich dort ein durchaus positiver Werdegang einer jungen Dame namens Jonelle Filigno ab, die mit ihren gerade mal 20 Jahren mit Sinclair ein immer gefährlicher werdendes Sturmduo abgibt, gerade auch wegen ihrer starken Vorlagen.

    Und Frankreich hat mit Bruno Bini einfach einen fantastischen Trainer, von dem ich sehr sehr viel halte, der Europa in der Quali mit Frankreich in Grund und Boden geschossen hat und der es wie kein anderer versteht, seine Mannschaft zu formen und zu motivieren. Und gerade als letzter Gruppengegner könnten sie sehr schwierig werden…

    Man darf gespannt sein, was mit diesem wackeligen Gerüst passiert.

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  • Jan sagt:

    @SF
    Lt.

    (1:11 – 1:14 min) schaute sich Pia Sundhage die Partie Schweden – Mexiko im Stadion in Göteborg an – was auch viel mehr Sinn macht, da die USA ja ein Gruppenspiel gegen Schweden bestreiten. Es sollte doch sehr verwundern, wenn sie es anschl. noch bis Mainz geschafft hätte. 😉

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Jan
    Dann ist die Galeskesche Aussage, auf die ich mich bezog, eben auch Blablabla…

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  • Paul sagt:

    Nigeria würde ich nicht unterschätzen .
    Die U20 war läuferisch sehr stark und gnau so etwas erwartet uns im Gruppenspiel —mit Sicherheit. Es war eine lange Vorbereitung, aber „einige“ Spielerinen wirken nicht gerade austrainiert.
    Siehe Grings und Generation wirken müde und es fehlt an der nötigen Durchschlagskraft

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  • NCB sagt:

    @Paul: Nigeria kann froh sein, halbwegs durch die WM zu schliddern. Sie haben massive Probleme im Verband und die Trainerin hat kaum noch Rückendeckung. Zudem haben sie sich nicht für die African All-Games qualifiziert. Es brodelt gewaltig und auch die WM-Vorbereitung von Nigeria war alles andere als Positiv!

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  • pinkpanther sagt:

    @NCB: Auch wenn ich dir in deiner Argumentation grundsätzlich folgen kann, oft sind gerade „angeschlagene Boxer“ sehr gefährlich 😉

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  • Rallfb sagt:

    Ich war im Stadion,

    besonders gut hat mir Simone Laudehr gefallen. Sehr guter Antritt, und diese elegante Spielweise und Übersicht, sehr stark. Wenn sie auch vielleicht einige Hänger in der Bundesligasaison hatte, in der Nationalelf ist sie top. Ein Klassesechser.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Was zum Ablachen ->
    😀

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  • Fee sagt:

    „Schau dir Spielerinnen wie Laudehr, Grings, Bajramaj, Krahn oder Bartusiak an. Sobald etwas nicht klappt, werden sie lethargisch. Diese Null-Bock-Stellung spricht gegen diese Spielerinnen. Nur kannst du sie nicht einfach wieder rausnehmen.“

    Absolut sinnfrei. 😀

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  • NCB sagt:

    @Fee: Noch, freu dich mal nicht zu früh!!

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  • Rallfb sagt:

    Also, bei der Laudehr z.B. habe ich in keiner Phase auch nur im geringsten Lethargie gesehen. Die war fast immer überall an der richtigen Stelle.
    Probleme sehe ich eher bei ihrer Sechserkollegin Kulig. Ihr fehlt Antritt, in einigen Situationen ist sie einfach zu langsam und schließt die Räume nicht.
    Bajramaj hat sich oft festgelaufen, suchte zu sehr das Dribbling, statt mal eher schnell zu spielen. Irgendwann ist man dann auch mal genervt.
    Aber pauschal das als Null Bock hinzustellen, ist doch etwas übertrieben.

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  • Jan sagt:

    Bajramaj spielte s e h r engagiert: Sie hat viel geackert und gerackert – zwar persönlich noch nicht allzu erfolgreich – das waren die Anderen bis dahin aber auch ALLE NICHT! – ABER sie holte die Ecke zum endlich erlösenden 1:0 raus!! (und bei der WM 2007 die Vorlage zum 1:0 im HF und die Ecke zum 2:0 im Finale!) – Lira, Du machst das schon! 🙂 Andere Teams wären froh, solch eine Team-Spielerin in ihren Reihen zu haben! 🙂

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  • KarlMai sagt:

    Böse Zungen würden einwenden: Wie können Krahn und Bartusiak „lethargisch“ werden, wenn ihnen etwas schiefgeht? Deren Fehler resultieren doch viel mehr aus Panik und Hektik, also dem genauen Gegenteil von Lethargie… 😉

    Also dass der Willen und die richtige Einstellung bei manchen Spielerinnen fehlen, kann ich nicht sehen.

    Ich hoffe, in dieser Äußerung war stattdessen gemeint, dass diese Spielerinnen, sobald ihnen Missgeschicke unterlaufen, danach nicht mehr das nötige Selbstbewusstsein haben, um weiter unverdrossen Aktionen zu starten. Dass sie also passiv werden, weil ihnen schnell das Selbstvertrauen abhanden kommt.

    Das wäre für mich natürlich auch ein Grund, solche Akteurinnen nicht gerade in der Elf sehen zu wollen. Aber es wäre trotzdem noch etwas anderes und weniger moralisch verwerflich als eine „Null-Bock-Einstellung“, also Dienst nur nach Lust und Laune.

    Ich sehe aber ehrlicherweise auch das nicht bei unserem Kader. Die probieren es alle immer wieder, egal was passiert. Die wissen alle, worum es geht.

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  • licaro sagt:

    wie auch einige meiner vorschreiber sehe ich in der vierekette die größten schwächen der mannschaft. für mich ist bartusiak nicht sicher genug, um mit krahn die zentrale der 4 zu bilden. ich kann jetzt nicht einschätzen, in welcher verfassung hingst momentan ist, aber warum sieht neid sie, gerade weil sie erfahren und routiniert ist, nicht mehr an bartusiaks position hinten, sondern als ersatzspielerin für die doppel-sechs? bei der euro hat das doch super zusammen mit krahn funktioniert und sie würde der mannschaft hinten festen halt geben. jedenfalls habe ich bei ihr noch nie gesehen, dass sie solche böcke fabriziert, wie bartusiak…

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  • Detlef sagt:

    @licaro,
    Ach ja, ARI hat auch schon solche Böcke zustandegebracht, aber natürlich nicht so oft wie Bartusiak!!!

    Für mich wäre sie zumindest in der IV viel besser aufgehoben, als wartend auf der Bank zu sitzen, daß sich Kim oder Simon müde gelaufen haben!!!

    Natürlich kann man weiter hoffen, daß Annike sich weiter steigern kann!!!
    Aber das Ganze hat schon so ein Geschmäckle von „russischem Roulette“, was Frau Bundestrainerin da treibt!!!
    Mit Annike in Top-Form, könnte man zumindest darauf hoffen, daß sie einige Böcke von Bartusiak noch ausbügeln kann!!!
    Aber wenn auch sie weiter so wackelt, ist sie genau so ein Gefahrenherd, wie Super-Sassi in Normalform!!!

    Arme NATZE, sie wird wohl wieder über sich hinauswachsen müssen, wenn die IV vor ihr ins schwimmen gerät!!!

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  • Webcam sagt:

    Krahn hat ja von Spiel zu Spiel an Sicherheit zurückgewonnen – hoffen wir, dass sie sich in den drei Vorrundenspielen wieder in die von ihr gewohnte Sicherheit und Zweikampfstärke spielt.

    Wer die DFB-Herren gelegentlich schaut: Nach der Aserbaidschan-Partie müsste Löw Hummels eigentlich für immer aus der Startelf verbannen, was der sich so geleistet hat. Aber das wäre natürlich Quatsch, weil man weiß, was er sonst so kann,

    Hoffen wir im eigenen Interesse, dass SB ihre Böcke endlich hinter sich bringt, obwohl sie aus der Testphase ja längst heraus ist.

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  • Rallfb sagt:

    Das sehe ich bei der Annike Krahn ähnlich.
    War übrigens überhaupt das erste Spiel unserer Mannschaft, das ich über 90 Minuten gesehen habe.
    Alex Popp strotzt vor Selbstbewußtsein. Diese Dynamik gepaart mit der nötigen Lockerheit, das ist schon stark. Die wirft offenbar nichts und niemand um.

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