DFB-Elf zu stark für Italien

Von am 3. Juni 2011 – 20.04 Uhr 79 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf hat ihr zweites von vier Testspielen vor der Frauen-WM im eigenen Land gegen Italien dank einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit klar gewonnen. Gleich vier Einwechselspielerinnen belebten das deutsche Spiel sichtlich.

In Osnabrück gelang dem Team von Bundestrainerin Silvia Neid vor 12 080 Zuschauern nach Anlaufschwierigkeiten ein 5:0 (1:0)-Erfolg. Ein Eigentor der Italienerin Roberta D’Adda (32.) sowie Treffer von Alexandra Popp (46., 77.), Kim Kulig (63.) und Célia Okoyino da Mbabi (69.) machten den in der Höhe überraschenden Sieg perfekt.

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Zu Beginn ohne Bajramaj
Bundestrainerin Silvia Neid nahm in der Anfangsformation gegenüber dem 2:0-Sieg gegen Nordkorea zwei Veränderungen vor: Für die verletzte Verena Faißt spielte Babett Peter auf ihrer angestammten Position als linke Außenverteidigerin, die nach ihrem Muskelfaserriss wiedergenesene Inka Grings stürmte anstellte von Alexandra Popp. Neid verzichtete zunächst auf Fatmire Bajramaj.

Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, da hatte Kim Kulig nach Freistoß von Melanie Behringer die erste Chance des Spiels, doch Italiens Torhüterin Anna Maria Picarelli hielt den Schuss der Mittelfeldspielerin sicher (2.).

Zäher Auftakt
Doch so viel versprechend die Partie begann, so ernüchternd ging es zunächst weiter, denn gegen die kompakten und zweikampfstarken Italienerinnen wollte der DFB-Elf nicht viel gelingen. Ganz im Gegenteil hatten die Italienerinnen die erste hochkarätige Chance des Spiels, doch nach Vorarbeit von Melania Gabbiadini und schöner Ablage von Elisa Camporese scheiterte Patrizia Panico aus 16 Metern an Nadine Angerer, die im Nachfassen hielt (12.).

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Prinz trifft Pfosten
Eine abgerutschte Flanke von Simone Laudehr war eines der wenigen deutschen Highlights in der Anfangsviertelstunde. Doch die DFB-Elf biss sich nach und nach in die Partie, Birgit Prinz vergab aus 20 Metern nur knapp (18.). Wenige Minuten später hatte sie Pech, als sie mit einem Aufsetzer nur den Pfosten traf, Inka Grings vergab den Nachschuss (24.).

Führung durch Eigentor
Kim Kulig leitete dann aber die deutsche Führung ein: Ihren Pass nahm Kerstin Garefrekes auf, die in die Mitte auf Grings legte, deren Schuss Picarelli zwar klären konnte, doch der Ball prallte von Roberta D’Adda unglücklich ins eigene Netz zum inzwischen verdienten 1:0 (32.).

Melanie Behringer in einem der zahlreichen Zweikämpfe in Halbzeit eins © Nora Kruse, ff-archiv.de

Pech für Grings
Von Italien war in der Offensive nur wenig zu sehen, ein Drehschuss von Marta Carissimi war eine der wenigen guten Aktionen des Teams von Trainer Pietro Ghedin (44.). Fast wäre die DFB-Elf mit einer Zwei-Tore-Führung in die Pause gegangen, doch Grings traf aus elf Metern nur die Latte – wieder hatten Kulig und Garefrekes die Vorarbeit geleistet (45.).

Einwechselspielerinnen drehen auf
Mit vier frischen Kräften (Lena Goeßling für Saskia Bartusiak, Bajramaj für Behringer, Célia Okoyino da Mbabi für Prinz und Popp für Grings) ging es in die zweite Halbzeit, und es dauerte nur 40 Sekunden, ehe die Torschützenkönigin der U20-WM des Vorjahres jubeln durfte: Nach einer Hereingabe vom rechten Flügel ihrer Duisburger Teamkollegin Simone Laudehr, schoss sie den Ball mit ihrem ersten Ballkontakt ins Netz (46.).

DFB-Elf überrollt Italienerinnen
Es war der Startschuss für ein wahres Offensivfeuerwerk, das die deutsche Mannschaft in der zweiten Halbzeit abbrannte. Nun agierte die DFB-Elf wesentlich druckvoller als in den ersten 45 Minuten, Okoyino da Mbabi hob einen Schuss von der Strafraumgrenze zunächst noch knapp über das Tor (56.). Doch die Dominanz gegen nun überforderte Italienerinnen wurde in weitere Tore umgemünzt.

Kim Kulig (li.) und Alexandra Popp

Kim Kulig (li.) und Alexandra Popp waren zwei der stärksten im Spiel gegen Italien © Nora Kruse / ff-archiv.de

Schöne Tore
Kulig krönte mit kraftvollem Einsatz ihre starke Leistung nach Doppelpass mit Popp zum 3:0 (63.). Okoyino da Mbabi trug sich wie schon gegen Nordkorea in die Torschützenliste ein, als sie einen Konter mustergültig abschloss (69.). Und es war erneut Popp, die mit einer tollen Direktabnahme den fünften deutschen Treffer erzielte (77.).

Rekordsieg eingestellt
Auch in der Schlussphase ließ die DFB-Elf nicht nach, Martina Müllers Schuss klärte Picarelli per Fuß (78.). Und die Wolfsburgerin hätte fast das halbe Dutzend voll gemacht, scheiterte aber knapp (84.), so dass es beim 5:0-Erfolg blieb, womit im 26. Spiel gegen Italien der bisher höchste Sieg egalisiert wurde. 2006 hatte die DFB-Elf in Krefeld die Italienerinnen ebenfalls mit 5:0 bezwungen.

Deutschland – Italien 5:0 (1:0)

Deutschland: Angerer, Bresonik, Bartusiak (46. Goeßling), Krahn, Peter, Laudehr, Kulig (67. Hingst), Garefrekes (67. Müller), Prinz (46. Okoyino da Mbabi), Behringer (46. Bajramaj) Grings (46. Popp)

Italien: Picarelli, D’Adda, Tona, Neboli, Gama (72. Guagni), Carissimi, Gabbiadini, Tuttino, Domenichetti, Camporese (59. Pini/85. Parisi), Panico (63. Sabatino)

Tore: 1:0 D’Adda (32. Eigentor), 2:0 Popp (46.), 3:0 Kulig (62.), 4:0 Okoyino da Mbabi (69.), 5:0 Popp (77.)

Gelbe Karten: Gama, Tuttino

Schiedsrichterin: Alexandra Ihringova (England)

Zuschauer: 12 080

Schlagwörter:

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

79 Kommentare »

  • licaro sagt:

    @jan:
    das ist mal ne witzige (um)frage. ich kann mir gut vorstellen, dass garefrekes ein einzelzimmer beziehen könnte, aber auch bresonik oder grings wären für mich kandidatinnen dafür 😉

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  • Speedcell sagt:

    Ich würde gerne mal eine andere Abwehr sehen. Schmidt – Peter – Goeßling – Faißt. Das wäre mal eine interessante Option,die man testen könnte. Krahn und Bartusiak empfinde ich als sehr unsicher, Bresonik gehört ins defensive Mittelfeld und Laudehr auf die Flügel. Obwohl mich Laudehr mal wieder sehr überzeugt hat auf der 6er Position. Dafür würde ich Behringer auf die Bank setzen. Auf der Prinz Position sehe ich eher Bajramaj…

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  • licaro sagt:

    @speedcell:
    ja, das finde ich auch. hoffentlich wird das beim nächsten testpiel am dienstag mal so getestet. aber ich denke, dass neid auf jeden fall wieder krahn durchspielen lassen wird, damit sie wieder spielroutine bekommt.

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  • horst sagt:

    Schmidt würde ich auch endlich gern mal wieder sehen. Bei der EM und den Testspielen davor hat sie mich sehr überzeugt, aber irgendwie scheint da 2009 in Finnland ja irgendetwas vorgefallen zu sein.
    Sehr schade!

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  • laasee sagt:

    @Speedcell

    Since WM 2007 the defence has been showing weakness.
    Maybe Germany does not have the great defenders of the past.
    At the moment I only rate Peter as world class.
    Krahn needs games and time to get back to her best.
    The others are good players but not top level.
    The only other possible options in the squad are Garefrekes, Hingst and Popp.

    At EM 2009 Final England scored 2 and caused lots of problems.
    USA in the last two games scored 3 and 4.
    Brazil in the Olympics scored 4.

    Is the achilles heel of German football the lack of top quality defenders?

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  • Silvia sagt:

    Man(Frau)kann sich eigentlich nur schlapp lachen über diverse Kommentare!beste Spielerin war doch Linda Bresonik.Lira müsste von den Medien abgeschottet werden,damit sie wieder frei wird im Kopf!Laßt das Team um SN in Ruhe ihre Arbeit machen ,dann werden wir gute Spiele sehen.

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  • speedcell sagt:

    theoretisch gibt es in Deutschland genug gute Abwehrspielerinnen, jedoch stimmt die Abstimmung nicht,vor allem in der IV. mit Schmidt,Peter,Krahn,Faißt,Henning und so weiter ist genug qualität vorhanden. Aber bis zur WM wird sich die Abwehrkette noch einspielen, da bin ich einfach mal optimistisch. Obwohl wahrscheinlich nicht die Abwehr spielen wird,die ich mir wünsche.

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  • Paul sagt:

    2009 in Finnland sind die Stammspieler wieder genesen.
    Da rutschte Schmidt einfach zurück auf die Bank.
    Bresonik und Laudehr waren Anfangs verletzt (Schulter usw.)
    Vielleicht die Leistung bei der U20 WM 2010?

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  • laasee sagt:

    „theoretisch gibt es in Deutschland genug gute Abwehrspielerinnen“

    Reality and the moment of truth arrives on 26 June.

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  • Doc sagt:

    Nun, man stelle sich die IV in persona Krahn und Bartusiak gegen den brasilianischen Sturm Marta und Cristiane vor. Oh…ich will da gar nicht dran denken 🙂
    Nehme an, SN hofft, Krahn mit den Testspielen noch in annähernd WM-Form zu bringen. Das ist ein kalkuliertes Risiko, das die Chefin wohl bewusst eingeht. Aber was ist Plan B, falls es nicht gelingt?
    Hingst zurück in die 4erkette…um der dann überforderten Bartusiak „Erfahrung & Ruhe“ an die Seite zu stellen? Die gute Ariane ist aber nicht mehr so flott wie einst. Warum ist die überhaupt aus der IV genommen worden? Wegen ihrer Verletzung?

    Wie auch immer. Erst das T-Spiel gegen Norwegen ist eine echte Standortbestimmung. Danach wissen wir definitiv mehr. Alles vorher sind „Sparringspartner“.

    Na, das werden spaßige Wochen…hihi.

    Gruß an alle.

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  • laasee sagt:

    It is not just the 4 defenders but also the defensive midfielders all working together.

    Did Bartusiak start out as a midfield player? Play her in front of the 4 and put Hingst alongside Krahn, or Hingst with Peter.

    There is still some time available at the ‚university‘ to find the formula.

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  • Ulf sagt:

    die letzten Spiele gegen Brasilien hatten folgende Innenverteidigung:
    WM Endspiel 2007 Krahn/Hingst (2:0)
    Olympia Vorrunde 2008 Krahn/Hingst (0:0)
    Olympia Halbfinale 2008 Krahn/Hingst (1:4)
    Freundschaftsspiel 2009 Krahn/Bartusiak (1:1)

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  • Michele sagt:

    Warum war Lira nicht in der Startelf? Melanie war im Training wesentlich frischer. SN hat es im Sportstudio gesagt. Es hatte nur sportliche Gründe.

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  • laasee sagt:

    The same eleven started the EURO 2009 Final with England.
    Maybe that is the plan of Frau Neid for 26 June – cautious and conservative.

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  • Paul sagt:

    Freundschaftspiel 2009 gegen Brasielien da stand Schmidt auf rechts -Marta wurde ausgeschalten.

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  • FFFan sagt:

    @ Paul:
    Daran kann ich mich noch gut erinnern. Das war Schmidts bestes Länderspiel überhaupt. Danach war ich überzeugt, dass die Nachfolgerin von Kerstin Stegemann (die diese Position gefühlte 20 Jahre innehatte) gefunden ist. Doch leider ist es anders gekommen.

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  • spocky sagt:

    Dass Saskia so viele schlechte Kritiken bekommt = das finde ich nicht „fair“ … Es sah natürlich in der 1. Hz. oft ziemlich hilflos aus, wenn sie u. auch Annike das Spiel eröffnen wollten = aber es lag auch oft daran, dass es ein riesiges Loch zwischen Abwehr – Mittelfeld gab … Auch wurde sich – 1. Hz. – nicht so viel frei gelaufen … Das lag natürlich auch an der „härteren“ Gangart der Italienerinnen … Die wohl in der 2. Hz. ein Schlafmittel genommen haben … Dieses 5 : 0 sollten wir nicht zu doll „überbewerten“ … Aber die 1. Hz. macht mich doch ein wenig nachdenklich in Sachen „Spielaufbau u. Spielkultur“ … Aber es gibt doch ein gutes Gefühl, was für „Alternativen“ auf der Bank sitzen = vor allem in der Offensive … Ich hoffe, dass die meisten Fans jetzt nicht glauben, dass es bei der WM auch solche hohen Siege gibt … Da brauchen wir gute Nerven u. ganz viel Geduld …

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  • laasee sagt:

    @Markus and Nora

    This is a bit off-topic but here is a brief comment (35 seconds long) by Danny Jordaan, WM2010 organiser, about women having Fifa ExCo status.

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  • Jennifer sagt:

    @laasee: FIFA itself is outdated! Thanks for link.

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