Lyon gewinnt die Champions League
Der 1. FFC Turbine Potsdam hat die Titelverteidigung in der Champions League verpasst. Die Potsdamerinnen unterlagen Olympique Lyonnais mit 0:2. Für den französischen Meister war es der erste Sieg in der Königsklasse.
“Ich bin nicht einmal so enttäuscht. Wir haben unser Gesicht gewahrt, uns nicht abschlachten lassen und nicht so schlecht gespielt”, so ein gefasster Turbine-Trainer Bernd Schröder nach der Partie vor 14 303 Zuschauer im Craven Cottage von London, die von den Französinnen vor allem in der ersten Halbzeit überlegen geführt wurde.
Führung durch Renard Den Führungstreffer erzielte die rechte Verteidigerin Wendie Renard per Abstauber in der 27. Minute nach einem Strafraumgewühl. Der erste Versuch von Lotta Schelin konnte von der Potsdamer Abwehr noch auf der Linie geklärt werden, beim Nachschuss waren die Turbinen aber machtlos. “Wir haben in einer schweren Partie besser gespielt”, so Lyons Camille Abily, die zur besten Spielerin der Spiels gewählt wurde, auch wenn laut Lotta Schelin die Anfangsphase “ein bisschen nervös” war. Ihr Team übernahm aber nach einer Viertelstunde das Kommando und agierte immer selbstbewusster. “Lyon hat schnelle Spielerinnen, die über die Außen kommen und nach innen ziehen oder den Ball hineinflanken. Damit hatten wir in der ersten Halbzeit leider viele Probleme”, räumte Isabel Kerschowski ein.
Potsdam nutzt Chancen nicht Potsdam gelang es im Gegenzug nicht, die Angriffe konsequent zu Ende zu spielen. “Vorne haben wir zu wenig gemacht und der zweiten Halbzeit haben wir zwei hundertprozentige Chancen nicht verwertet, eine davon von mir”, spielte Kerschowski auf die 62. Minute an, wo sie den Ausgleich auf dem Fuß hatte, aber an der sicheren französischen Torhüterin Sara Bouhaddi scheiterte. Und nur zwei Minuten später hatte Anja Mittag einen Treffer auf dem Fuß, doch allein vor dem Tor versprang ihr der Ball (64.). “Als Stürmerin muss ich so ein Tor einfach machen. Es ist ärgerlich, weil wir Chancen auf den Ausgleich hatten, aber letztendlich ist der Sieg von Lyon verdient.” Und Trainer Schröder stimmt ein: “Wir haben unsere Möglichkeiten heute einfach nicht genutzt.”
Entscheidung durch Dickenmann Die Entscheidung fiel in der 85. Minute durch Lara Dickenmann, die in der 55. Minute eingewechselt worden war. Nach einem Angriff über links hatte Inka Wesely bei einem langen Ball der eingewechselten Eugénie Le Sommer auf Dickenmann das Nachsehen – die Schweizerin schloss mit einem sehenswerten Treffer zum 2:0-Endstand ab und meinte nach der Partie: “Wir haben das ganze Jahr für diesen Moment gearbeitet. Das Tor war mehr oder weniger dasselbe wie das gegen Arsenal. Eugénie hat eine gute Flanke hereingeschlagen, genauso wie gegen Arsenal im Halbfinale.”
Die Niederlage war für die Turbine-Spielerinnen nur schwer zu verdauen. Kapitänin Jennifer Zietz meinte: “Wir haben uns ein bisschen den Schneid abkaufen lassen und waren selbst zu harmlos. Diese schwere Niederlage muss man erst einmal verkraften. Lyon war effektiver und gefährlicher und hat deswegen auch verdient gewonnen.”
Bajramaj: “Unbeschreibliche Gefühle” Fatmire Bajramaj hätte sich ihre Abschiedsvorstellung im Turbine-Dress sicherlich auch anders vorgestellt. “Das sind gerade unbeschreibliche Gefühle, ich hätten diesen Sieg zum Abschluss gerne gehabt. Aber wir haben schnell das erste blöde Tor bekommen, das darf nicht passieren. In der zweiten Halbzeit haben wir uns etwas gefangen, aber wenn wir unsere Chancen nicht verwerten, sind wir selbst daran schuld. Dann verliert man auch ein bisschen zurecht.”
Olympique Lyonnais – Turbine Potsdam 2:0 (1:0)
Lyon: Bouhaddi – Renard, Georges, Viguier, Bompastor – Thomis (73. Le Sommer), Henry, Cruz Trana, Abily – Schelin, Necib (55. Dickenmann)
Potsdam: Sarholz – Schmidt, Peter, Henning – Zietz – Isabel Kerschowski, Odebrecht, Kemme – Bajramaj, Mittag, Wesely
Schiedsrichterin: Dagmar Damkova (Tschechien)
Tore: 1:0 Renard (27.), 2:0 Dickenmann (86.)
Beste Spielerinnen: Abily, Schelin / Kemme, Kerschowski