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2011

Mo Marley: WSL kommt zur richtigen Zeit

Mit dem London-Derby zwischen Chelsea und Arsenal wird heute Abend in England die WSL, die neue semiprofessionelle Liga, angestoßen . Man geht mit der Sommerliga bewusst neue Wege und verspricht sich Impulse für den Frauenfußball. Doch der Umstieg hat auch Probleme verursacht. Womensoccer sprach mit Mo Marley, Trainerin von Everton.

Denken Sie, dass der Umstieg von der Premier League zur WSL zur richtigen Zeit kommt? Ja, es ist der richtige Zeitpunkt für eine Veränderung und auch für die Saison an sich. Der Schritt hätte immer zunächst die anderen Wettbewerbe beeinträchtigt – unglücklicherweise auch unsere eigene Vorbereitung, wie wir durch die Champions League und den FA Cup gesehen haben. Aber das ändert nichts daran, dass die Entscheidung trotzdem richtig ist.

Ihre letzten Ligaspiele fanden im Mai 2010 statt. Wurde die lange Pause richtig gehandhabt? Ich denke schon. Es war der Champions League sicherlich nicht zuträglich, aber die FA (Anm.: der englische Fußballverband) musste gemeinsam mit den Vereinen sicherstellen, dass die Liga gut aufgestellt ist. Das Problem, dass dadurch andere Wettbewerbe beeinträchtigt werden, war uns bewusst, und ich akzeptiere das. Aber die Spiele in Champions League und FA Cup haben uns gezeigt, dass unsere Fehler auf mangelnde Spielpraxis zurückzuführen sind, nicht auf mangelnde Fähigkeiten. Wir haben den Preis gezahlt, es hat uns die Qualifikation zur kommenden Champions-League-Saison gekostet. Aber wir lassen den Kopf nicht hängen sondern stellen sicher, dass wir aus der WSL das Bestmögliche rausholen.

Aber das Problem der mangelnden Spielpraxis dürfte wegen der unterschiedlichen Saison ein wiederkehrendes werden. Ja, möglicherweise schon. Aber wir haben gelernt, und auf der anderen Seite sind die englischen Vereine noch nie so weit gekommen, wie in diesem Jahr. Auch werden wir durch die WSL in Ergänzung mit den anderen Wettbewerben regelmäßiger spielen, sodass wir in kommenden Auflagen besser vorbereitet sein werden. Aber es stimmt, gerade die Champions-League-Phase zu Jahresbeginn könnte immer ein Problem für die englischen Mannschaften werden.

Bristol Academy hat in den vergangenen Wochen sehr öffentlichkeitswirksam neue Sponsoren und Spielerinnen vermeldet. In Everton war es erstaunlich ruhig. Warum? Weil wir schon immer in aller Ruhe unseren Job erledigen und die Dinge lieber bei uns regeln. Nicht viele Leute wissen daher allzu viel über uns. Aber wir werden hoffentlich durch unsere Leistung auf dem Platz Öffentlichkeit herstellen.

Wie sieht es mit Neuverpflichtungen aus? Wir haben mit Lucy Bronze eine talentierte U20-Nationalspielerin gewinnen können. Aber wir arbeiten schon seit Jahren nach der Devise, unsere eigene Jugend auszubilden und keine A-Nationalspielerinnen nach Everton zu holen. Wir müssen keine Top-Spielerinnen von außerhalb verpflichten – wir haben unsere eigenen.

Die Erwartungen an die WSL sind hoch. Welche Hoffnungen haben Sie? Wir hoffen, dass die Liga neue Zuschauer und Sponsoren anzieht, weil sie gespielt wird, wenn die Männer Sommerpause haben. Diejenigen, die dann Spiele sehen wollen, gehen also hoffentlich zum Frauenfußball. Ich denke, die Menschen erkennen den hohen Standard der Spiele, und hoffentlich wird dies das Profil aller heben, sowohl des Spiels als auch der Liga und der Spielerinnen. Aber wir stehen am Anfang, und es ist ein langer Weg.

Wie sieht es mit der Anerkennung in der eigenen Umgebung aus? Jeder in Liverpool weiß, dass Everton über ein gutes Frauenteam verfügt. Geht man aber in einen Pub, weiß keiner, dass wir in der Champions League gegen Duisburg oder andere Mannschaften antreten. Das ist die Situation, in der wir uns befinden. Aber schon die Champions League hat erste positive Veränderungen gebracht, und wir hoffen, dass die WSL dort anknüpft.