Teamporträt USA

Von am 7. April 2011 – 15.00 Uhr 25 Kommentare

Der Weltranglistenerste USA gilt als einer der Topfavoriten auf den Gewinn der Frauenfußball-WM 2011 – daran können auch die erst spät erfolgte WM-Qualifikation sowie einige Niederlagen nichts ändern.

Bei der CONCACAF-Meisterschaft kassierte das Team von Trainerin Pia Sundhage im vergangenen Herbst einen sensationelle 1:2-Niederlage im Halbfinale gegen Gastgeber Mexiko, erst über zwei hart erkämpfte 1:0-Siege gegen Italien in den Play-offs konnte das Ticket für das Turnier in Deutschland gelöst werden.

Topbilanz bei Weltmeisterschaften
1999 holte das Team zum bisher letzten Mal den WM-Titel, doch in diesem Jahr will man nach 12-jähriger Abstinenz die Trophäe wieder in die Staaten holen. Bisher nahmen die USA an allen Weltmeisterschaften teil, zweimal gewann man das Turnier (1991, 1999), bei allen anderen Weltmeisterschaften belegte das Team den dritten Platz (1995, 2003, 2007). Auf eine derart prachtvolle Bilanz kann kein anderes Team blicken.

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Schwere Gruppe
Doch auf dem Weg zum dritten Titelgewinn gilt es hohe Hürden zu nehmen. Denn in Gruppe C muss sich das Team mit Schweden, Nordkorea und WM-Neuling Kolumbien auseinandersetzen. Bereits vor vier Jahren in China bekamen die Amerikanerinnen beim 2:2 im Auftaktspiel gegen Nordkorea die Stärke der Asiatinnen zu spüren, gegen Schweden setzte es Anfang 2011 eine 1:2-Niederlage beim Vier-Nationen-Turnier in China. Das Team wird also von Beginn an hellwach sein müssen, um die hoch gesteckten Ziele zu erreichen. Zudem hofft man mit einem Titelgewinn auch der Profiliga WPS im eigenen Land neuen Schwung verleihen zu können.

Abby Wambach

Will auch in Deutschland jubeln: Abby Wambach © Nora Kruse / ff-archiv.de

Ausgeglichener Kader
Es gibt eine ganze Reihe Schlüsselspielerinnen im Team, allen voran Stürmerin Abby Wambach, auf deren Torinstinkt die Hoffnungen der Amerikanerinnen ruhen. Die hoch gewachsene, 1,80 Meter große Stürmerin, gilt seit ihrem Debüt im Nationaldress 2001 als eine der weltweit gefährlichsten Stürmerinnen. Und auch im Tor rechnet man Hope Solo zu den Besten ihrer Zunft, auch wenn sie eine Schulteroperation vor der WM für einige Monate zu einer Pause zwang, zuletzt gab sie eine Halbzeit lang ihr Comeback bei der 1:2-Niederlage in England. Der US-Kader verfügt zudem über reichlich Erfahrung, allen voran Verteidigerin Christie Rampone, die seit ihrem Nationalmannschaftsdebüt 1997 bereits über 230 Spiele bestritt.

Schwedische Routine auf der Trainerbank
Neben einem ausgeglichen besetzten Kader verfügt das Team auch über eine routinierte Trainerin. Die 146-fache Nationalspielerin Pia Sundhage bestritt 1991 und 1995 selbst zwei Weltmeisterschaften, 2003 führte die 51-Jährige in der damaligen US-Profiliga WUSA die Boston Breakers zum Titel. Von Greg Ryan übernahm sie Anfang 2008 den Trainerposten, nachdem sie zuvor als Assistentrainerin von Marika Domanski-Lyfors einige Monate in China arbeitete. Dem Schönheitsfehler in der WM-Qualifikation misst sie keine große Bedeutung zu. „Wir wissen, dass wir weiter hart an der Technik und der Taktik arbeiten müssen. Aber wir freuen uns schon auf ein großartiges Turnier, denn dass die WM in Deutschland stattfindet, ist das Beste, was dem Frauenfußball passieren konnte.“

WM-Spielplan USA
28.6. – 18.15 Uhr, USA  – Nordkorea
2.7. – 18.00 Uhr, USA  – Kolumbien
6.7. – 20.45 Uhr, Schweden – USA

Schlagwörter:

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

25 Kommentare »

  • Ulf sagt:

    Sie war aber auch weder beim letzten Meisterschaftspiel in Montpellier, noch beim Spiel gegen Arsenal im Lyon-Kader.

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  • Markus Juchem sagt:

    Also mein letzter Stand der Dinge ist, dass sie derzeit im norwegischen Elitesportzentrum (Toppidrettssenteret) in Oslo versucht, rechtzeitig zur WM fit zu werden, ihre WM-Teilnahme ist derzeit noch in Gefahr. Überhaupt ist Trainerin Eli Landsem nicht zu beneiden, derzeit sind rund zehn Spielerinnen verletzt, siehe auch https://www.vg.no/sport/fotball/kvinner/artikkel.php?artid=10099699 (Quelle in norwegischer Sprache).

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  • Ulf sagt:

    „strekk ut tunga“ heißt auf deutsch „zeige die Zunge“: vielleicht iat sie ja gesperrt a la Robben….
    https://j.mp/eFOd81

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  • Nora Kruse sagt:

    @Der Hamburger:
    Sorry, ich habe deinen Beitrag bis eben überlesen. Also so detailliert kann ich dir auf deine Frage leider nicht antworten, da ich als Fotografin im Stadion war, wodurch taktische Dinge schon allein wegen der Perspektive (neben dem Tor) sowie dem „beschränkten“ Blick durch die Kamera kritisch sind.

    Mein ganz genereller Eindruck ist, dass das US-Spiel stagniert und sich in den letzten Monaten (Jahren?) kaum entwickelt hat. Damit sind sie noch immer Weltspitze, aber der Abstand ist eben nicht mehr groß. Und vor allem haben sie nicht mehr die Ausstrahlung, unschlagbar zu sein. England hat die USA in der ersten Halbzeit klar dominiert, in der zweiten ging ihnen die Puste aus – und konditionell sind die USA natürlich eine der wenigen Mannschaften, die 90 Minuten lang hohes Tempo gehen können.

    Das US-Team hat natürlich einige „alte“ Spielerinnen im Kader – der Nachwuchs ist ohnehin eines der Hauptprobleme, wie ich meine. Ein Blick auf die U-Mannschaften zeigt eine schlechte U20-WM und eine verpasste Qualifikation zur U17-WM. Darüber hinaus ist die WPS keine Liga, die den Nachwuchs im Blick hat bzw. auf ihn setzt. Die diversen Pleiten bieten natürlich auch wenig Kontinuität. Und macht ein Verein dicht, bleiben viele Spielerinnen auf der Strecke – sowohl beim schließenden Verein als auch bei den anderen, die dann die Stars verpflichten, dafür aber junge Spielerinnen aus dem Kader streichen.

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  • Ulf sagt:

    letzter Versuch
    https://j.mp/dKupSr

    oder das hat etwas mit dem Rachen zu tun: „sie kann den Rachen nicht voll genug kriegen“

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