Selbstvertrauen getankt
Hope Powell gibt sich in der Regel viel Mühe zu betonen, dass ihr gute Leistungen wichtiger sind als ein Spielergebnis. Aber der Sieg gegen die USA ist der englischen Nationaltrainerin eine Ausnahme wert. Schließlich hat er auch 23 Jahre auf sich warten lassen.
1988 gelang der letzte Erfolg gegen die Amerikanerinnen. „Es war an der Zeit“, so Powell über den 2:1-Sieg gegen den zweifachen Weltmeister.
Selbstvertrauen in der WM-Vorbereitung Das Resultat hat daher einen besonders hohen Stellenwert. „Wir können gegen die Besten mithalten“, so die Erkenntnis des Abends, die Powell vor der Weltmeisterschaft in Deutschland besonders wichtig war. „Ich wollte unbedingt gegen die USA spielen, um eine Messlatte zu legen, die uns zeigt, wo wir in der Welt stehen.“ Dabei stimmte aus englischer Sicht allerdings nicht nur das Resultat, sondern auch die über weite Strecken grandiose Leistung der „Lionesses“, die gerade in der ersten Halbzeit überhaupt nicht wiederzuerkennen waren. Und das, obwohl (oder gerade weil?) Powell bei der Aufstellung überraschte.
US-Erfahrung bleibt auf der Bank Die Nationaltrainerin ließ mit Karen Carney, Eni Aluko und Anita Asante gleich drei Akteurinnen auf der Bank, die Erfahrung in der US-amerikanischen Profiliga vorzuweisen haben. Stattdessen erhielten Ellen White und Jess Clarke ihre Chance in der Anfangsformation, und die Youngsters legten los wie die Feuerwehr. White sollte zwar kein Treffer gelingen, “aber es gibt eben auch Tage, an denen man sich einfach nur für die Mannschaft die Seele aus dem Leib rennen muss”, war Powell dennoch zufrieden mit dem Einsatz der jungen Stürmerin. Und Clarke bedankte sich für das Vertrauen mit dem frühen 1:0. „Wir sind mittlerweile in der Lage, auch leistungsstarke Spielerinnen von der Bank zu bringen“, so eine sichtlich zufriedene englische Trainerin. „Wir werden immer besser.“
Powell warnt vor Übermut Und tatsächlich war die Leistung der ersten Halbzeit ein Beleg dafür, denn die „Three Lions“ schafften, was sonst selten gelingt: einer Top-Nation das eigene Spiel aufzudrängen, anstatt sich auf die Taktik des Gegners einzustellen. „Es gibt viel Positives an diesem Spiel“, aber Powell warnte auch zugleich vor Übermut. „Wir haben auch noch unglaublich viel zu tun.“ Und dabei dürfte sie vor allem an die letzten zwanzig Minuten der Partie denken, in denen ihrer Mannschaft rein gar nichts mehr gelang und sie sich daher noch glücklich schätzen musste, den Sieg über die Zeit gebracht zu haben.
Bardsley empfiehlt sich für WM Sicherer Rückhalt war dabei Karen Bardsley. Die in den USA aufgewachsene und dort lebende Torhüterin spielte über die vollen 90 Minuten und erhielt ein Sonderlob ihrer Trainerin. „Karen war exzellent und sehr präsent.“ Es würde kaum überraschen, wenn sie auch bei der WM die „Nummer 1“ ist.
Testspiel gegen Schweden Auf dem Weg zu den Titelkämpfen empfangen die Engländerinnen am 17. Mai Schweden zu einem weiteren hochkarätigen Testspiel. Für die „Lionesses“ kann es nur darum gehen, auf der Leistung gegen die USA aufzubauen, denn irgendwann kommt eben auch Powell nicht umrum einzugestehen, dass einzig Resultate zählen. Das gegen die USA war „ein grandioses. Aber sie müssen auch dann eintreten, wenn es darauf ankommt. Die WM ist genau dieser Zeitpunkt.“