Stille Sieger, faire Verlierer

Von am 27. März 2011 – 16.45 Uhr 26 Kommentare

Auf dem Rasen bekämpften sich Frankfurt und Potsdam 90 Minuten lang hart und verbissen, doch nach dem 2:1-Sieg ging es erstaunlich ruhig und emotionslos zu. Die Frankfurterinnen genossen still ihren Triumph, Potsdam gab den sportlichen Verlierer. Und das, obwohl vor allem der aberkannte Treffer von Jennifer Zietz reichlich Zündstoff bot.

Die diskussionswürdigste Szene des DFB-Pokalfinales ereignete sich nach einer knappen Stunde: Einen Freistoß der Turbine-Kapitänin vom linken Flügel ließ Frankfurts Torhüterin Nadine Angerer ins eigene Tor passieren. 2:2 – so der erste Gedanke von Angerer und den Zuschauern im Stadion.

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Angerer: „Es war ein reguläres Tor“
„Ich lag am Boden und der Pfiff ertönte. Da dachte ich mir: Gott sei Dank. Und wenn man so ein Gefühl hat, weiß man als Torhüterin, dass man vorher etwas nicht richtig gemacht hat.“ Unumwunden gab die Nationaltorhüterin zu: „Das war mein Fehler und ich denke, dass es ein reguläres Tor war.“ Umso größer war Angerers Erleichterung, als sie den Ball aus dem Tor holen durfte und von Schiedsrichterin Christine Jaworek einen Freistoß zugesprochen bekam.

Peter: „Manche pfeifen es, manche nicht“
Jaworek verweigerte dem Treffer die Anerkennung, weil Turbine-Verteidigerin Babett Peter Angerer regelwidrig behindert haben soll. Peter erklärte: „Im ersten Moment hätte ich nicht gesagt, dass es ein Foul ist, wenn ich mir die TV-Bilder angucke, sieht es schon so aus, also ob ich den Arm ein bisschen ausfahre. Manche pfeifen es, manche nicht, da brauchen wir uns nicht darüber aufregen.“ Angerer brachte es auf den Punkt: „Heute hatten wir das Quäntchen Glück, dass Potsdam vielleicht während der Saison hatte.“

Traute Einigkeit
Versöhnliche Töne aus beiden Lagern, obwohl man sich zuvor 90 Minuten lang nichts geschenkt hatte. Trotz der strittigen Szene waren sich beide Seite am Ende darüber einig, dass Frankfurt an diesem Tag als verdienter Sieger den Platz verlassen hatte. „Wir waren nicht energisch genug und auch einen Tick unentschlossener“, so Peter selbstkritisch. Zietz meinte: „Frankfurt war heute etwas cleverer.“ Und auch Turbine-Trainer Bernd Schröder erklärte: „In Summe war Frankfurt dieses eine Tor besser, das ärgert mich, denn auch wir hatten Möglichkeiten.“ Zudem räumte er ein, dass „Frankfurt hier und da die besseren Einzelspielerinnen hatte.“

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Spannung pur
Birgit Prinz erklärte: „Das Wichtigste war, dass wir gewonnen haben, spielerisch war es nicht ganz so gut, wie wir können, Potsdam hat sehr viele lange Bälle gespielt und nur wenig probiert, Fußball zu spielen. Wir haben uns leider da ein bisschen angepasst, aber ich denke wir haben verdient gewonnen und spannend war es auf jeden Fall.“ Bundesliga-Torschützenkönigin Conny Pohlers, der wieder einmal nur die undankbare Rolle des Jokers blieb, meinte: „Ich habe keine Revanchegefühle, ich freue mich über jeden Titel, egal gegen wen. Ich fand das heute richtig spannend, es ging hin und her, wir hatten das Glück des Tüchtigen, man konnte nie wissen, wie es nach 90 Minuten aussehen wird.“

Seitenhiebe in Richtung Sven Kahlert und Silvia Neid konnte sie sich nicht verkneifen. „Dass mich der Trainer wieder einmal nicht von Beginn an aufgestellt hat, nervt einfach nur noch.“ Und zu ihrer Nicht-Nominierung für den vorläufigen WM-Kader meinte sie: „Ich glaube, Joachim Löw hätte mich trotzdem mitgenommen, man sieht ja, dass ein Klose spielt, obwohl er kein Stammspieler ist.“

Bianca Schmidt (li.) und Svenja Huth

Bianca Schmidt (li.) und Svenja Huth zeigten eine starke Leistung © Nora Kruse, ff-archiv.de

Feiern verboten
Weder sie noch ihre Teamkolleginnen versprühten direkt nach Abpfiff große Feierlaune, vielleicht lag es ja daran, dass im Innenraum des RheinEnergie Stadions Sektverbot herrschte. „Eine kleine Sektflasche hätte man schon mal reinschmuggeln können“, meinte Pohlers augenzwinkernd, die auch den Fauxpas des Tages hautnah miterlebte, als die Medaillen für die Siegerinnen unfreiwillig am Boden landeten. „Die Medaillen war zu schwer und die arme Frau konnte sie einfach nicht mehr halten. Auf einmal machte es klick, klick, klick, das kommt dann bestimmt bei Stefan Raab.“ Gefeiert wurde dann aber doch noch, im „12. Mann“, dem VIP-Raum des RheinEnergie Stadions.

Dietrich erleichtert über Titel
Ein zufriedener Trainer Kahlert meinte: „Aufgrund der Chancen haben wir verdient gewonnen, aber Potsdam kann man nie ausschalten und mit ihren Pässen in die Spitze sind sie kreuzgefährlich.“ Frankfurts Manager Siegfried Dietrich war die Erleichterung über den ersten Titel seit drei Jahren anzusehen. „Es ist ein Traum, zum achten Mal den DFB-Pokal zu gewinnen und das auch im WM-Jahr. In der nächsten Saison werden wir dann in der Bundesliga und auch international angreifen.“

Ratzeburg: „Zuschauerkulisse kein Rückschritt“
Sportlich hielt die Partie über weite Strecken, was man sich von ihr versprochen hatte, die Zuschauerzahl blieb allerdings hinter den Erwartungen zurück. Denn nach den mehr als 26 000 Zuschauern im Vorjahr kamen diesmal trotz der hochwertigeren Kontrahenten nur etwas mehr als 20 000. „Das ist kein Rückschritt“, meinte DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg. „Von diesen Zahlen haben wir vor ein paar Jahren noch für die Nationalmannschaft geträumt.“ Ob 2012 das Pokalfinale wieder in Köln ausgetragen wird, steht allerdings noch nicht fest. „Das liegt nicht an den Zuschauern, sondern auch an den ganzen Rahmenbedingungen.“ Die Entscheidung wird das DFB-Präsidium im Mai nach eingehender Auswertung des Pokalfinales verkünden.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

26 Kommentare »

  • Jazzman sagt:

    Habt Ihr eigetlich keine anderen Probleme?

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  • Iche sagt:

    @render – korrekte aktion!

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  • Eric sagt:

    Danke render!!!
    Endlich konnten SCW seine Unterstellungen widerlegt werden, denn was man nicht sehen will sieht man auch nicht. Ich hoffe, dass eine baldige Entschuldigung nach diesen Diffamierungen durch SCW erfolgt.

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  • SCW sagt:

    Zunächst einmal: Ich bin weiblich, mein lieber Eric. 😉

    Ich habe es nicht gesehen und erklärt, weswegen ich bzw. wir derart reagiert habe(n).
    Die Personen, welche mir versichert haben, die Szene genau gesehen zu haben (wie gesagt u.a. 2 Fotografen) und den Stein überhaupt erst ins Rollen brachten, haben mittlerweile(nachdem dieses Bild aufgetaucht ist) kleinlaut zugegeben, dass sie übertrieben bzw. die Story unnötig aufgebauscht haben. In Zukunft werde ich mich aus solchen Diskussionen heraushalten und mich nur zu Dingen äußern, welche ich SELBST bezeugen kann.

    Natürlich entschuldige ich mich bei Anja für das Beharren auf meiner Fassung, bzw. der meiner Augenzeugen. 😉
    Hoffe das Thema ist nun erledigt.

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  • Jenenser sagt:

    Aber dazu, das Ganze auch im Frankfurter Forum richtig zu stellen reichte es dann doch nicht. Dazu denken wir uns jetzt mal unseren Teil…

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  • SCW sagt:

    ? Manche bekommen den Hals auch nicht voll, oder? *rolleyes*
    Alle die es im Forum verfolgt haben, haben es auch hier verfolgt. 1x entschuldigen reicht finde ich. Wo sich die anderen Involvierten entschuldigen überlasse man einfach ihnen…

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