Potsdam gewinnt Pokalkrimi

26

Der 1. FFC Turbine Potsdam hat das DFB-Pokal-Halbfinale beim FC Bayern München gewonnen und trifft im Finale auf den 1. FFC Frankfurt. Die Turbinen mussten 90 Minuten hart kämpfen, ehe der Sieg perfekt war.

Der 1. FFC Turbine Potsdam hat in einer packenden Pokalpartie das DFB-Pokal-Halbfinale beim FC Bayern München gewonnen und trifft im Finale auf den 1. FFC Frankfurt. Die Turbinen mussten 90 Minuten hart kämpfen, ehe der Sieg perfekt war.

Trefferreiche Partie

Die Elf von Trainer Bernd Schröder setzte sich vor 1 180 Zuschauern im Sportpark Aschheim mit 4:2  (3:2) durch. Viola Odebrecht (13.), Yuki Nagasato (15.) und Anja Mittag (20.) sorgten für eine schnelle 3:0-Führung, ehe Carina Wenninger (36.) und Petra Wimbersky (39.) für Hoffnung bei den Münchnerinnen sorgten. Doch die eingewechselte Natasa Andonova machte per Kopf den Finaleinzug perfekt (74.).

Highlights in der Sportschau anschauen

Bajramaj und Kerschowski bereiten Treffer vor

Doch es war ein hartes Stück Arbeit, ehe der Finaleinzug für die favorisierte Potsdamer Mannschaft fest stand. Fatmire Bajramaj, die bei drei er vier Treffern an der Vorbereitung beteiligt war, erklärte: „Wir haben verdient gewonnen, weil wir einfach die Tore gemacht haben und läuferisch stärker waren.“ Doch hinter den beiden Mannschaften lagen 90 spannende und nervenaufreibende Minuten. Und Bajramaj räumte ein, dass der Sieg alles andere als souverän war. „Nach dem 2:3 haben wir wirklich gewackelt, weil Bayern sehr gut Druck gemacht hat. Da hat man natürlich Angst, dass noch das 3:3 und das 4:3 fällt, denn Bayern war heute wirklich sehr gut drauf.“

Spielszene Bayern-Potsdam
Bayerns Steffi Mirlach (li.) im Duell mit Yuki Nagasato © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Potsdam besticht durch Effizienz

Dabei schien Potsdam früh einem sicheren Sieg entgegen zu steuern, denn Bayern gehörte zwar die Anfangsphase und Vanessa Bürki hatte die erste gute Chance des Spiels (7.), doch der Deutsche Meister bestach durch Effizienz und machte aus seinen ersten drei Chancen binnen sieben Minuten eine 3:0-Führung. Erst drückte Odebrecht eine Flanke von Bajramaj über die Linie, die Steffi Mirlach ausspielte, nur kurz darauf bedankte sich Nagasato mit einer Direktabnahme für einen weiten Pass von Isabel Kerschowski.

Die Potsdamer Nr. 7 war es auch, die mit einem weiten Schlag den dritten Treffer einleitete, Bajramaj leitete den Ball per Hinterkopf zu Mittag weiter, die überlegt und eiskalt verwertete. „Das ist schon sensationell, wie effektiv sie Fußball spielen. Dabei standen wir kompakt und hatten Überzahl, aber die Zuordnung hat nicht gestimmt“, musste Bayern-Trainer Thomas Wörle neidlos die drei Nackenschläge anerkennen.

Bayern fightet zurück

20 Minuten gespielt, der Finaleinzug schien für Potsdam bereits perfekt, doch weit gefehlt. „Da denkt man, die Partie ist gelaufen, aber so war es nicht“, räumte Bajramaj ein. Denn die Bayern ließen die Köpfe nicht hängen und bissen sich binnen drei Minuten in die Partie zurück. „Wir sind sehr stark zurückgekommen, da ging ein Ruck durch die Mannschaft“, so Wörle. Erst traf Carina Wenninger aus kurzer Distanz, nachdem Bianca Schmidt einen Wimbersky-Eckball unglücklich verlängert hatte, dann schlief die Turbine-Hintermannschaft bei einem flachen Pass in den Strafraum von Sylvie Banecki, den Wimbersky dankend zum 2:3 nutzte. „Das ging ganz schnell bei den Gegentoren, das waren blöde Fehler“, so Bajramaj.

Bayern hat Pech bei Lattentreffern

Und auch in der zweiten Halbzeit waren die Bayern lange Zeit am Drücker, doch Sylvie Banecki traf mit einem Schuss von der der Strafraumgrenze genauso nur die Latte (54.), wie später Wimbersky bei einem Freistoß aus gut 25 Metern (77.). Die Bayern hatten durchaus ihre Chancen, ein Ausgleich hätte dem Spiel möglicherweise noch eine andere Wendung gegeben. „Potsdam wurde zwar in der zweiten Halbzeit stärker, doch wir hatten gute Ausgleichschancen“, so Wörle.

Spielszene Bayern - Potsdam
Fatmire Bajramaj (re.) im Laufduell mit Petra Wimbersky © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Andonova trifft per Kopf

Doch Turbine agierte dann wieder druckvoller und berannte, angetrieben von Bajramaj und Anja Mittag, immer wieder das Bayern-Tor. Die junge Bayern-Abwehr ließ zunächst nichts anbrennen, doch einmal verschaffte sich Bajramaj einen halben Meter Luft, den sie zu einer Flanke auf die eingewechselte Mazedonierin Nadasa Andonova nutzte, die per Kopf den vierten Turbine-Treffer erzielte. „Sie ist die Spielerin der Zukunft“, so Schröder über sein Jungtalent.

Ebenbürtiges Duell

Doch auch danach war die Partie noch nicht gelaufen, denn die Bayern gaben sich immer noch nicht geschlagen und drückten in der Schlussphase noch einmal aufs Tempo. Doch trotz guter Ansätze fehlte die letzte Präzision, um die nicht immer sichere Dreierkette der Turbinen aus den Angeln zu heben. Schröder bilanzierte: „Es war ein Duell auf Augenhöhe und trotz der Bedeutung ein faires Spiel, Hut ab.“ Und er meinte: „Heute hätte Bayern jede Mannschaft geschlagen, nur uns nicht.“ Das Fazit von Wörle: „Insgesamt war es ein ebenbürtiges Spiel, mit einem Stück weit glücklichen Gewinner. Riesenkompliment für die Energieleistung meiner Mannschaft.“

Jones: „Partie voller Herzblut“

Und auch WM-OK-Präsidentin Steffi Jones fand lobende Worte: „Da war heute sehr viel Herzblut in der Partie, schade für die Münchnerinnen, die eine tolle Leistung gezeigt haben. Mit Glück hätten sie als Sieger vom Platz gehen können, aber Potsdam hat es verdient. Das war ein tolles Spiel, der Weg hat sich gelohnt.“ Am 26. März trifft der 1. FFC Turbine Potsdam im Finale in Köln nun auf den 1. FFC Frankfurt, der gegen den SC 07 Bad Neuenahr mit 3:1 gewann. Die Fans dürfen sich schon jetzt auf einen Frauenfußball-Leckerbissen freuen!

FRAUENFUSSBALL - Weltmeisterschaften 1991 bis 2019: Enzyklopädie des Sports
1 Bewertungen
FRAUENFUSSBALL - Weltmeisterschaften 1991 bis 2019: Enzyklopädie des Sports
  • Roland M. Weissbarth
  • Herausgeber: Independently published
  • Taschenbuch: 272 Seiten

Letzte Aktualisierung am 9.10.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

26
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
25 Kommentar-Themen
1 Themen-Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf den am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar-Thema
14 Kommentatoren
DetlefpinkpantherstarSchenschtschina FutbolistaGarrincha Neueste Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
Jochen
Jochen

Es ist einigermaßen erbärmlich und lässt erst recht nach der WM Schlimmstes erwarten, dass man keines der Halbfinale im Internet oder gar im TV sehen konnte. Im ZDF – Sportreportage – waren die Ergebnisse „immerhin“ eine müde Meldung wert :(. Noch nicht einmal ein Tor wurde gezeigt.

Jochen
Jochen

Immerhin jetzt 4 Minuten in der ARD-Sportschau !

Michael
Michael

@Jochen

Ich hatte diese Woche beim DFB angefragt, warum der DFB selbst kein Interesse daran hat, die beiden Pokal-Halbfinals als Livestream zu übertragen. Darauf erhielt ich die Antwort, dass hier die öffentlich-rechtlichen Sender in der Pflicht seien, die ohnehin schon die Bildrechte hätten. Ausserdem würden sich bei den DFB.TV – Livestreams der FF-Bundesliga auch nur etwa 1000 User einklicken und die Produktionskosten pro Spiel würden etwa im fünfstelligen Bereich liegen. Man würde jedoch am Abend jeweils Highlights zeigen.

gruss,
Michael

djane
djane

demnach müssen die „fachkundigen“ Kommentatoren ja Unsummen verdienen, denn ob ich das Spiel nun über 90min beobachte und dann für ne Zusammenfassung zusammenschneide, oder komplett durchlaufen lasse, kann ja nicht so nen großen Unterschied machen, oder ?!?

Michael
Michael

@djane

Über die Zusammensetzung der Produktionskosten ist mir nichts bekannt, da solltest Du vielleicht beim DFB nachfragen.

Einge „fachkundige“ Kommentatoren können aber bis heute leider immer noch nicht den Nachnamen von Lira richtig wiedergeben: hier sagen diese oft noch „Bajmaraj“.

djane
djane

nun ja, ich bin mir sicher, der ein oder andere Fan hätte nix dagegen, wenn das Spiel komplett ohne Kommentar durchläuft- die jeweilige Aufstellung könnte man sich ja eh vom dfb ticker besorgen, wenn man schon im Netzt ist… 😉

Detlef
Detlef

Es war wirklich ein packendes Duell zweier fast gleichwertiger Mannschaften!!! Nach dem 3:0 feierten einige TURBINE-Fans schon den Einzug ins Finale, aber mir ging das dann doch zu glatt!!! Und tatsächlich schlichen sich plötzlich mehr und mehr Fehler im Spiel des deutschen Meisters ein!!! Und da der Gegner diesmal FC Bayern hieß, und nicht Saarbrücken, wurden zwei dieser Fehler auch bestraft!!! Und wieder ging das große Zittern los, vor allem bei den Lattentreffern!!! TURBINE erspielte sich zwar auch einige Chancen, bloß war die Effektivität plötzlich weg!!! Respekt vor den Bayern-Ladies, die niemals aufgaben, selbst nach dem 2:4 nicht!!! Das war… Weiterlesen »

FFFan
FFFan

@ Michael:
„Einge “fachkundige” Kommentatoren können aber bis heute leider immer noch nicht den Nachnamen von Lira richtig wiedergeben: hier sagen diese oft noch “Bajmaraj”.“

Und das ist leider kein Einzelfall: Weitere ‚Highlights‘ von DFB-TV, die mir jetzt spontan einfallen, waren „Nicole Polser“ (mehrfach) und „VCR Duisburg“ (einmal 90 Minuten lang!).

mrx
mrx

Weitere Bilder aus München:

Marcel
Marcel

Irgendwie ein typisches Turbine-Spiel in dieser Saison der schmale Grad zwischen genial und haarsträubend.
Also nervenschwach darf man diese Saison als Turbinefan nicht sein aber das hat man ja spätestens seit dem CL-Finale verinnerlicht aber es geht ja immer wieder gut bis jetzt.

Trotzdem fragt sich der kleine Pessimist in mir ob es so ein gute Idee war ins Finale zu kommen nicht das es wieder so ne Schmach wie beim letzten mal wird und dann noch gegen den FFC,aber es ist ja immer gut gegangen bis jetzt…

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

Auch Stadionsprecher haben mit der Aussprache von Bajramaj so ihre Probleme! Der größte Lacher war „Batschmaratsch“. 😀

Detlef
Detlef

Markus schrieb;“Fatmire Bajramaj, die alle vier Treffer ihres Teams vorbereitete“
Das ist nicht ganz korrekt!!!
Das 0:2 von YUKI bereitete ISY vor, und auch dem 0:3 von ANJA, ging eine schöne Flanke von ISY voraus, die von LIRA per Kopf verlängert wurde!!!
Somit muß man Bernd Schröder heftig widersprechen, der in der PK, ISY als „Totalausfall“ bezeichnete!!! 🙁

ISY war heute sicher nicht so stark wie in den beiden letzten Partien, aber sooooo schlecht habe ich sie nicht gesehen!!! 🙁

Fußballmama
Fußballmama

Es war ein suuuuppppper Spiel !!!

Wenn auch die drei Tore für Potsdam in der ersten HZ zu einfach gefallen sind.

Das war pure Werbung für den FF. Selbst mein Mann war begeistert !!

Bayern hat nie aufgegeben und immer weiter gespielt , und man konnte deutlich sehen was in der Mannschaft steckt.

Macht weiter so !!

Garrincha
Garrincha

Alle Achtung vor den Leistungen der Bayern-Spielerinnen dieses Jahr! Nach dem wunderbaren Spiel gegen Duisburg nun ein noch besseres Spiel – trotz Niederlage – gegen einen noch stärkeren Gegner. Nach dem frühen 3:0 und schon erkennbarer erster Enttäuschung in den Gesten und Gesichtern einiger Spielerinnen hätte ich keinen Pfifferling mehr auf die Bayern gewettet. So zurückzukommen und auch dagegenzuhalten – RESPEKT! …und wenn Frau Banecki in der 2. Halbzeit trifft…aber das ist „Hätti, wari, tätti“. Das beste, was man allerdings für die Bayern-Frauen aus diesem Spiel ziehen kann, ist die Erkenntnis, daß ALLE Spielerinnen noch Potential nach OBEN haben! So… Weiterlesen »

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

Als Schröder die Isy-Leistung so überhart als Totalausfall kritisierte, war er sicherlich noch, ob des leichtfertig vergeigten 3-Torevorsprung, so unter Adrenalin gestanden, dass ihm das rausrutschte. Aber ich bin mir auch sicher, das Isy das richtig bewertet und ihm es nicht nachträgt. Ausserdem ist es an diesem Tag auch nicht die einzige Feststellung von ihm, die nicht zu 100% zutraf… 😉

Garrincha
Garrincha

Frau Kerschowski wurde während des Spiels mehrmals sehr heftig von Mitspielerinnen „zusammengefaltet“ (z.B. Babett Peter). Sie scheint keinen allzu guten Stand in der Mannschaft zu haben. Sie hat meines Erachtens sehr unsicher und ohne Selbstbewußtsein agiert. Ich sah sie allerdings auch nicht als Ausfall, schon gar nicht als Totalausfall.

star
star

wieso sollte sie keinen guten stand in der mannschaft haben ? nur,weil sie andere im spiel wachrütteln ? ! is doch schwachsinn…

paule
paule

Typisch Schröder, von Menschenführung keine Ahnung. Egal wie I. Kerschowski gespielt hat, seine eigene Spielerin öffentlich so zu bewerten, ist erbärmlich. Zu seinen Ausführungen heute im Kicker-Interview, dass er morgens den Kampf Altersstarrheit gegen Weisheit bestehen muß, kann ich nur feststellen: Den Kampf verliert er leider immer öfter. Es wir Zeit aufzuhören, aber das scheint nach dem Interview sehr unwahrscheinlich.

Detlef
Detlef

ISY ist genauso Teil des Teams wie jede andere TURBINE!!! Wenn es auf dem Platz mal laut wird (das würde ich mir viel öfter wünschen) hat das sicher nichts mit dem „Stand“ in der Mannschaft zu tun!!! ISY war an keinem der Gegentreffer Schuld, und ich kann mir auch nicht vorstellen, daß sie von Irgendjemanden überlaufen wurde!!! Da hast Du Dich sicher verguckt Markus!!! 😉 Ihr großes Problem ist die Technik, und das weiß sie auch!!! Sie ist oft schneller als der Ball, und hat dann Mühe ihn zu kontrollieren!!! 🙁 Sie kann tolle Flanken schlagen (siehe gestern)!!! 😀 Aber… Weiterlesen »

Garrincha
Garrincha

@star

Das war kein Wachrütteln! Wofür auch? Das war ANMACHE! Ich habe so das Gefühl, daß die beiden Kerschowskis sich in Potsdam immer unwohler fühlen…