Homberger Hilflosigkeit
Drei Tage nach der Entlassung von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg versuchten Vorstand und Aufsichtsrat des FCR 2001 Duisburg gemeinsam das zerschlagene Porzellan der vergangenen 72 Stunden zu kitten. Vergeblich, denn die offizielle Stellungnahme des Vereins lieferte keine neuen Erkenntnisse, und der Burgfriede mit dem Team scheint brüchig.
„Wir sind der Meinung, dass die Mannschaft derzeit ihre mögliche Leistung nicht abliefert; und dann ist nun mal der Trainer das schwächste Glied“, versuchte Aufsichtsratsvorsitzender Joachim Bellinghoven auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg eine nachvollziehbare Begründung zu finden.
Impuls an die Mannschaft Auch die gemeinsame schriftliche Erklärung von Vorstand und Aufsichtsrat hinterließ nicht die gewünschte Wirkung. „Der Vorstand des FCR 2001 Duisburg hat sich deshalb entschlossen, jetzt eine Veränderung herbeizuführen, um einen Impuls an die Mannschaft zu geben, möglichst wieder zur alten spielerischen Stärke zurückzufinden.“ Noch einmal betonte man die Befürchtung, dass das Erreichen der sportlichen Zeile fraglich sei, zumindest rang man sich nach der öffentlichen Schelte der vergangenen Tage zu einem Dank an das Ehrenmitglied des Vereins durch.
Offener Brief Inka Grings verlas, flankiert von ihren Teamkolleginnen Annike Krahn, Ursula Holl, Simone Laudehr, Sonja Fuss und Christina Bellinghoven, auf der emotional aufgeladenen Veranstaltung im Namen der Mannschaft einen Dankesbrief an Martina Voss-Tecklenburg, in dem Bedauern über die Trennung geäußert wurde. Zugegen war dabei überraschend auch die geschasste Trainerin selbst, die nächste in einer ganzen Kette von Ungereimtheiten.
Grings vor dem Absprung? In der anschließenden Mixed Zone wurde Grings deutlicher : „Wir müssen die Entscheidung hinnehmen, über dessen sind wir uns bewusst.“ Mehr wollte sie nicht sagen, um Ärger aus dem Weg zu gehen, aber zynischer kann man seinen Unmut kaum zum Ausdruck bringen. “Hinnehmen” – Rückendeckung für die Vereinsführung klingt anders. Und so sollte man nicht allzu überrascht sein, wenn die düpierte Spielführerin zur kommenden Saison das Weite suchen wird, nur die bevorstehende WM dürfte Grings am sofortigen Ausbruch aus dem Löwinnenkäfig gehindert haben.
Absagen für die Erste, Adieu für die Zweite Der Verein steuert nicht erst mit dem Abgang von Voss-Tecklenburg einer unsicheren Zukunft entgegen. Denn die Suche nach zahlungskräftigen Sponsoren für die kommende Saison gestaltet sich nach wie vor schwierig, ob sich potenzielle neue Spielerinnen für das unruhige Umfeld derzeit erwärmen können, bleibt abzuwarten.
Erste Absagen für die neue Saison hat sich das Team bereits eingefangen, wie die von den Banecki-Zwillingen vom FC Bayern München und Jessica Bade von der SG Essen-Schönebeck. Gespräche über Vertragsverlängerungen sind vorerst auf Eis gelegt. Neben Femke Maes, Annemieke Kiesel und Grings dürften weitere Nationalspielerinnen den Verein verlassen, Simone Laudehr gilt als eine weitere heiße Kandidatin auf einen Weggang. Zudem gibt es Pläne, die zweite Mannschaft in die Regionalliga zu verbannen.
Ketelaer: “Will noch viel erreichen” Auch für Interimstrainer Marco Ketelaer ist die derzeitige Situation alles andere als leicht: „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht; ich bedauere die Trennung und habe gerne mit Martina zusammen gearbeitet, die mich auch zum FCR geholt hat; aber nun will ich zusammen mit der Mannschaft noch viel erreichen und ich kann sagen, dass wir uns gegenseitig vertrauen.“ Wohl nur ein Einzug ins Finale der Champions League kann die Wogen kurzfristig wieder glätten.
Zukunft ungewiss Ketelaer selbst scheint ebenfalls noch nicht überzeugt zu sein, ob er auf dem schwankenden Schiff bleiben will . „Ich habe die Mannschaft fürs Erste kurzfristig übernommen und bin bereit, die Sache so auszufüllen. Alles weitere, was auch die genaue Position meiner Person angeht, das sind Dinge, die in den nächsten Tagen konkretisiert werden müssen.“