Bayern heiß auf Potsdam, Tränen in Duisburg

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Alexandra Popp lehnte alleine mit versteinerter Miene und verweinten Augen minutenlang am Mannschaftsbus, Martina Voss-Tecklenburg war sauer auf Schiedsrichterin Martina Storch-Schäfer und die Bayern-Verantwortlichen. Während die Bayern ihren Pokal-Coup in vollen Zügen genossen, mussten die Duisburgerinnen erst einmal die hoch gekochten Emotionen und den zweiten Titel-K.o. binnen vier Tagen verdauen.

Nach der überraschenden 0:3-Niederlage im DFB-Pokal-Viertelfinale beim FC Bayern München ist für die Duisburgerinnen nicht nur der zweite von drei möglichen Titeln weg, auch der wirtschaftliche Schaden ist groß, denn im Halbfinale hätte ein lukratives Heimspiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam gewunken mit der Option, bei einer Finalteilnahme die angeschlagenen Finanzen weiter aufbessern zu können. Geld, das man dringend gebraucht hätte, um die Planungssicherheit für die neue Saison zu erhöhen und alle Nationalspielerinnen problemlos halten zu können.

Duisburg in erster Halbzeit überlegen
Eine Halbzeit lang lag der Favorit auf Kurs, dank der reiferen Spielanlage hatte man das Spiel im Griff, ohne sich allerdings vor 520 Zuschauern im Sportpark Aschheim hochkarätige Torchancen zu erarbeiten. Doch die junge Bayern-Elf ließ sich anders als in den Spielen gegen die Top-Teams zu Beginn der Saison durch die Überlegenheit des Gegners nicht aus dem Konzept bringen, hielt sich weiter strikt an die taktischen Vorgaben von Trainer Thomas Wörle und spielte in der zweiten Halbzeit nach und nach den vor allem mental immer müder wirkenden Gegner mürbe. „Da haben wir uns alle nochmal gepusht“, so Sylvie Banecki, die mit einem Tor und einer Vorlage maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte.

Strittige Szenen
Doch zunächst benötigten die Bayern ein Quäntchen Glück, als Storch-Schäfer ein  elfmeterwürdiges Foul an Popp nicht pfiff. „Mir wurden ganz klar die Beine weggezogen, was soll das?“, zeigte die Duisburger Nr. 25 wenig Verständnis für die Entscheidung. Auch nach Ansicht von Voss-Tecklenburg die erste von zwei Szenen,  die das Spiel zu Ungunsten der Duisburgerinnen kippten. „Erst das klare Foul an Popp, dann das Handspiel von Lotzen vor dem 1:0. Das waren die Knackpunkte. Das hat den Gegner auf- und uns abgebaut.“

Konterfußball vom Feinsten
Lotzen kam nach einem Freistoß an der Strafraumgrenze im Getümmel an den Ball und verwertete mit einem sehenswerten Drehschuss aus 15 Metern zur nicht unverdienten Führung (68.). Was dann folgte, war eine Bayern-Lehrstunde in Sachen Konterfußball. Erst schloss Sylvie Banecki einen von ihr selbst eingeleiteten, blitzschnellen Konter zum 2:0 ab (78.), nachdem Vanessa Bürkis Versuch noch am Pfosten gelandet war. Fünf Minuten später spielten die Bayern eine 3-zu-1-Überzahlsituation perfekt aus, Julia Simic versetzte den Duisburgern den K.o. (78.). „Das Konter- und Passspiel haben wir im Training verstärkt geübt“, freute sich Banecki.

Sylvie Banecki (li.) in Aktion
Sylvie Banecki (li.) zeigte gegen Duisburg eine starke Leistung © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Mit taktischer Disziplin zum Erfolg
Bayern-Trainer Thomas Wörle war begeistert: „Wir haben heute erstmals einen Großen geschlagen, das gibt uns Auftrieb. Es freut mich, dass wir heute von der ersten bis zur letzten Minute taktisch diszipliniert waren und wenig zugelassen haben, auch wenn wir in der ersten Halbzeit unterlegen waren. In der zweiten Halbzeit haben wir dann nochmal eine Schippe draufgelegt.“

Voss-Tecklenburg war hingegen erzürnt, dass sie von den Bayern-Verantwortlichen nach dem Spiel zur spontan auf dem Rasen einberufenen Pressekonferenz nicht ans Mikro gebeten wurde.

Banecki: „Jetzt ist nichts mehr unmöglich“
Zu Gute kam den Münchnerinnen, dass der Gegner bereits das dritte schwere Auswärtsspiel binnen zehn Tagen zu bestreiten hatte inklusive der damit verbundenen Reisestrapazen. „Wir wussten natürlich schon, dass sie ein laufintensives Spiel hinter sich und dadurch schwere Beine hatten“, so Banecki, die sich nach elfmonatiger Verletzungspause nach und nach wieder das Vertrauen des Trainers und sich selbst in die erste Mannschaft zurückgespielt hat.

„Nach der OP hätte ich gedacht, dass das alles viel einfacher und schneller geht. In puncto Fitness musste ich erst mal wieder gehörig aufholen und meine Gewichtsprobleme in den Griff bekommen.“ Nun blickt das Team schon voller Freude auf den 27. Februar. Denn dann will man im Halbfinale gegen den 1. FFC Turbine Potsdam an gleicher Stelle den nächsten Großen aus dem Wettbewerb werfen. „Jetzt ist nichts mehr unmöglich“, so Banecki.

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Schenschtschina Futbolista
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Wenn ich eines am Ausscheiden des FCR besch*** finde, dann ist es die oben beschriebene finanzielle Situation im Verein und alle damit im Zusammenhang stehenden Probleme, wie Spielerinnengehälter etc.
Diese Information ist mir gänzlich neu und traf mich völlig unerwartet, und ich hoffe, man bekommt das recht schnell in den Griff und das ohne Spielerinnen abgeben oder gehen lassen zu müssen!
Damit wäre zwar eine punktuelle Verstärkung anderer BL-Teams möglich, aber insgesamt würde das der BL und darüberhinaus nicht gut tun.
Wenn bringt es schon was, wenn aus dem Spitzentrio der letzten Jahre ein Duo würde…

Webcam
Webcam

Die zwei Knackpunkte, also die (aber das kann ich nicht beurteilen – vermutlichen Fehlentscheidungen des Schiri-Gespanns, erklären sicher einiges, aber doch nicht alles – nämlich wie ein Team mit 5 deutschen [und 3 ausländischen] Nationalspielerinnen dann so einbricht und sich Konter um Konter einfängt.
Fehlt es da an mentaler Stärke oder an physischer Ausdauer? Die bräuchten Grings, Laudehr, Bresonik, Popp und Fuss aber gerade auch für eine WM dringend, bei der man ja auch quasi alle 4 Tage aus dem Wettbewerb fliegen kann.

Respekt für die tollen Konterspielerinnen aus München!

Mini
Mini

ohhh De´ja vu..im verdrehten sinn..

wie war das am So. in Potsdam..klares Handspiel von Frau Grings sowie ein viel zu hartes Einsteigen von..mmhh Frau Grings.

laasee
laasee

Handspiel is only a debate if a goal is scored!
Inka did not score……but she scored a true goal in Frankfurt the week before.

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

Tja, was der DFB-Livestream u.a. nicht zeigte, nämlich das von Mini angesprochene und ungeahndete Handspiel, der RBB zeigte es dann im „Sportplatz“!
Aber auch unabhängig davon hat die Schiri nicht überzeugt, und ich möchte fast wetten, dass, wenn Anja aus der strafstoßreifen Szene (Bellinghoven gegen Odebrecht) kein Tor erzielt hätte, das Spiel wäre weitergelaufen. Ist aber eh Wurscht!;)

Frieda
Frieda

Dafür sieht man im Livestream, dass das Einsteigen von Grings gar nicht so hart war, wie alle im Stadion gedacht haben. Ein Rempler, mehr nicht.

Tobias
Tobias

Der gestrige Sieg ist meines Erachtens nicht nur für die Entscheidung im DFB-Pokal, sondern auch perspektivisch für die nächste Saison interessant. Gelingt es den Bayern, die Lücke zu den großen Drei wieder zu schließen und auf Augenhöhe zu agieren (wie schon 2008/2009)? Einige Fakten sprechen durchaus dafür: Die Stammelf ist mittlerweile sehr jung und überaus talentiert, die Entwicklung ist eindeutig positiv, nachdem man sich bis zur Winterpause noch finden musste. Zudem wird das taktische Konzept von Trainer Wörle immer deutlicher sichtbar. Und er trifft interessante, aber mittlerweile sehr nachvollziehbare Personalentscheidungen: Ich möchte nur wenige exemplarisch herausgreifen. Nicole Banecki auf links… Weiterlesen »

laasee
laasee

@SF

I think to discuss fact is okay – but to try and guess what the referee might or might not have done about the ‚penalty‘ is silly. Anja Mittag scored the goal and that is the only relevant fact.

Yeah, I have also seen the RBB video. The fact that a goal was not scored makes hysterical analysis about the handball irrelevant. Referees in most games get things wrong but what is crucial is that they get the very important decisions correct. It is clear from all reports that the referee in Munich did not get the two crucial decisions correct!!

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

@lassee
You wrote:
…but to try and guess what the referee might or might not have done about the ‘penalty’ is silly.

And I wrote:
> Ist aber eh Wurscht! 😉 or other:It is banana! 😉

Detlef
Detlef

laasee schrieb, >The fact that a goal was not scored makes hysterical analysis about the handball irrelevant.< Für das Spiel selber mag das stimmen!!! Aber für die allgemeine Situation des FF, nämlich den katastrophalen Fehlentscheidungen (oft spielbestimmend)ist das durchaus relevant!!! Die Leistung von Frau Hussein am Sonntag, ist mit "steigerungsfähig" sehr wohlwollend umschrieben!!! Ich habe das Spiel in Aschheim nicht gesehen, aber es wäre schon sehr bitter, wenn beim Stande von 0:0, ein klarer Strafstoß nicht gegeben wurde!!! Aber selbst solche gravierenden Fehlentscheidungen, dürfen keine Ausrede für einen Titelaspiranten sein, der viele Nationalspielerinnen in seinen Reihen hat!!! Schon am Sonntag… Weiterlesen »

Tobias
Tobias

@ Detlef: Wer träumt von der Meisterschaft? Wäre es im Übrigen möglich, nicht hinter jeden Satz mehrere Ausrufezeichen zu setzen? Dies erschwert die Lesbarkeit doch deutlich.

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

@Tobias
> Wäre es im Übrigen möglich, nicht hinter jeden Satz mehrere Ausrufezeichen zu setzen? Dies erschwert die Lesbarkeit doch deutlich.

Häh, was soll denn da für eine Beeinträchtigung sein?
Leerzeilen und damit Absätze sorgen doch für eine gute Struktur des Geschriebenen!
Mal abgesehen davon, dass dies eine Marotte sein mag, wo so mancher eine davon hat…
Ich meine eher, dass SMS-ähnliche Schreibweisen mit/ohne Satzzeichen eher kritikwürdig sind. Gott sei dank, sind die hier selten!

Detlef
Detlef

Tobias schrieb;
>@ Detlef: Wer träumt von der Meisterschaft?Der gestrige Sieg ist meines Erachtens nicht nur für die Entscheidung im DFB-Pokal, sondern auch perspektivisch für die nächste Saison interessant. Gelingt es den Bayern, die Lücke zu den großen Drei wieder zu schließen und auf Augenhöhe zu agieren (wie schon 2008/2009)?<

Also wenn ein Team auf Augenhöhe zu den drei Großen agiert, dann heißt das auf Deutsch Meisterambitionen!!!

Und selbst wenn Du nur den CL-Qualifizierungsplatz Zwei anpeilst, stehst Du damit mindestens zwei Teams im Wege, die Meister werden wollen!!!

PS: Wenn Dich mein Geschreibe stört, einfach weiterscrollen!!! 😉

Tobias
Tobias

Eine Beeinträchtigung liegt jedenfalls insoweit vor, als man nicht erkennen kann, was wichtig ist und was nicht. Aber wahrscheinlich ist eh alles wichtig.

Ich könnte jetzt flapsig sagen, wer Duisburg 3:0 schlagen kann, sollte ruhig auch Richtung Meisterschaft schielen dürfen. Mit Augenhöhe meine ich aber eher, dass die drei Großen nicht 15, sondern nur 5 Punkte weg sind.

laasee
laasee

@Detlef The referee on Sunday in Potsdam did not make any decisions that altered the course of the game. Yesterday in Munich the referee made two decisions that altered the course of the game – and the two decisions were bad for FCR. The fact that one team has international players is not actually relevant. The decisions of the referee should be correct on the important plays. I did not see the game but it is stated on many reports on the internet that the referee made two big errors. When Frankfurt played Duisburg there were lots of comments on… Weiterlesen »

laasee
laasee

@SF

I apologise that I misunderstood your original comment.

Detlef
Detlef

@laasee, ich verstehe Deine Verbitterung!!! Aber ein Team von der Klasse Duisburgs, kann seinen Erfolg nicht im Ernst von zwei Spielsituationen abhängig machen!!! Und da spielt es sehr wohl eine Rolle, welche Erfahrung (auch internationale) in dem FCR-Kader steckt!!! Wenn man sich da auf lediglich zwei Situationen beruft, die vielleicht zusammen höchstens 5 Minuten gedauert haben, ist das zu wenig!!! Es blieben noch 85 Minuten plus Nachspielzeit, um Tore zu schießen!!! Es ist sehr ärgerlich, wenn die Schiedsrichterin einen klaren Elfer nicht gibt!!! Aber Duisburgs Kader wurde ja nicht dezimiert, und es blieb genügend Zeit, für andere Chancen!!! Die Belastung… Weiterlesen »

eisbär
eisbär

Die Schiedsrichterentscheidungen sind zwar ärgerlich gewesen, aber das Problem des FCR liegen wo anders. Es ist schon fast zwei Saisons zu sehen, dass im Spiel des FCR wenig Struktur vorhanden ist. Es gibt keine Spielerin, die es schafft, Inka Grings richtig einzusetzen. IG muss sich teilweise die Bälle (vor allem gegen starke Gegner) aus der eigenen Hälfte holen, um am Spiel teilzunehmen. Durch die langen Wege, fehlt ihr dann ab und zu die Konzentration vor dem Tor und vergibt dadurch vor allem in wichtigen Spielen „100%-ige“. Auch sind im Spiel kaum Überraschungsmomente zu sehen, für die vor ihrem Wechsel zu… Weiterlesen »

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

@lassee
No problem for me, lassee, we´re speaking different languages but womensoccer unite us! 😉

laasee
laasee

@Detlef I am not bitter but very concerned about the Munich game. With everything else you write I completely agree. My main concern is with the integrity of football and I do not sleep easy with matters in Munich. FCR win in Frankfurt and lose in Potsdam. Those are clear results and no hint of unfairness at all. Now Munich – first the game plan schedule was unfair on FCR. They had no real recovery time from the Turbine game, just travelling. The responsibility of scheduling the Pokal game was that of the DFB. The game in Munich – the… Weiterlesen »