DFB-Elf ringt Australien nieder

Von am 28. Oktober 2010 – 20.23 Uhr 27 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf hat das Testspiel gegen Australien in Wolfsburg trotz klarer spielerischer Überlegenheit nur knapp und mit Mühe gewonnen. Ausgerechnet eine Lokalmatadorin erzielte gegen den kompakten und nicht ungefährlichen Gegner den entscheidenden Treffer.

Die DFB-Elf kam zu einem hart erkämpften 2:1 (1:1)-Sieg gegen die Australierinnen. Samantha Kerr brachte die Gäste in Führung (28.), Inka Grings gelang der Ausgleich (36.), bevor die eingewechselte Martina Müller für die Entscheidung sorgte (71.).

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Highlights der Partie auf DFB-TV anschauen

„Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, aber wir haben uns das Leben selber schwer gemacht“, so Bundestrainerin Silvia Neid.

Nur eine Änderung
Neid nahm vor der enttäuschenden Kulisse von nur 7 229 Zuschauern – der schlechtesten seit August 2007 – im Vergleich zum 5:0-Sieg gegen Kanada nur eine Änderung in der Startformation vor, statt Nadine Angerer durfte Uschi Holl das Tor hüten. Ansonsten vertraute sie erneut auf das Duo Lena Goeßling und Saskia Bartusiak in der Innenverteidigung sowie Kim Kulig und Simone Laudehr auf der Doppel-Sechs.

Druckvoller Beginn
Von Beginn an war die DFB-Elf im Vorwärtsgang, nach Vorarbeit von Birgit Prinz und Kerstin Garefrekes vergab Simone Laudehr nur knapp mit einem Schrägschuss die erste gute Gelegenheit (3.). Der Asienmeister geriet früh unter Druck und hatte Glück, dass Laudehr (5.), Kulig (12.) und Garefrekes (16.) beste Torchancen ausließen. Nach einer präzisen Flanke von Babett Peter hatte Inka Grings die Führung auf dem Kopf, doch der Ball ging an die Latte (18.).

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Garefrekes verletzt
Drei Minuten dann einen Schrecksekunde: Garefrekes prallte im Mittelkreis bei einem Zweikampf unglücklich mit Sally Shipard zusammen und musste mit einer Innenbanddehnung im linken Knie früh vom Platz – für sie rückte Célia Okoyino da Mbabi ins Team.

Australien geht in Führung
Und die DFB-Elf schien den Ausfall von Garefrekes erst einmal verkraften zu müssen, Australien nutzte die kurze Schwächephase aus heiterem Himmel zur Führung. Die erst 17-Jährige Samantha Kerr spritzte nach einer weiten Flanke in die Schnittstelle zwischen Peter und Bartusiak und hob den Ball geschickt mit dem Außenrist über die aus dem Tor eilende Holl hinweg ins Netz (28.).

Ausgleich durch Grings
Nach und nach fand die deutsche Elf aber wieder besser ins Spiel, Grings nutzte eine Vorlage von Bajramaj mit einem Drehschuss aus sechs Metern zum Ausgleich (36.). Und nur kurz darauf vergab die Duisburger Stürmerin – perfekt in Szene gesetzt von da Mbabi – allein vor Australiens Torhüterin Melissa Barbieri die Chance zur Führung (41.).

Debüt von Faißt
Zur zweiten Halbzeit brachte Neid die beiden Wolfsburgerinnen Martina Müller und Verena Faißt ins Spiel. Das Offensivspiel der Deutschen war in der Anfangsviertelstunde nicht mehr ganz so präzise und druckvoll, gute Chancen blieben zunächst aus. Müller hatte nach einer Stunde die Führung auf dem Fuß, wurde aber im letzten Moment von Clare Polkinghorne abgeblockt (60.).

Probleme in der Defensive
Das Spiel der DFB-Elf nahm nun wieder etwas mehr Fahrt und Struktur auf, ein Kopfball von Grings landete aber in den Armen von Barbieri (65.). Im Gegenzug musste Bartusiak im letzten Augenblick gegen Shipard klären (66.), bei einem der wenigen, aber gefährlichen Gegenstöße, bei denen die deutsche Viererkette Unsicherheiten zeigte. Kyah Simon versuchte es aus der zweiten Reihe (70.).

Célia Okoyino da Mbabi

Célia Okoyino da Mbabi (re.) brachte nach ihrer Einwechslung Schwung in die umkämpfte Partie ©Nora Kruse, ff-archiv.de

Siegtreffer durch Müller
Nach schöner Vorarbeit von Bajramaj und Laudehr erzielte Müller nach schöner Vorarbeit von Bajramaj und Laudehr aus kurzer Distanz im zweiten Versuch die Führung (71.), nachdem Barbieri den ersten Versuch noch abwehren konnte. Doch schon im Gegenzug wäre Simon nach einem Fehler von Faißt fast der Ausgleich gelungen, ihr Schuss strich nur Zentimeter am Pfosten vorbei (72.).

Zittern bis zum Schluss
Und die Australierinnen blieben gefährlich, ein Kopfball von Kathryn Gill verfehlte sein Ziel nur knapp (79.). Müller vergab nach präziser Vorarbeit von Hingst und da Mbabi aus elf Metern die Chance zur Entscheidung (80.). In den Schlussminuten drängte die deutsche Elf auf einen dritten Treffer, der aber nicht mehr gelang, wenngleich sich durch einen Kopfball von Laudehr (89.) und einen Schuss von Okoyino da Mbabi noch einmal gute Chancen boten (90.).

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

27 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Goeßling eine Schwachstelle, das Rumhacken auf Bartusiak ungerechtfertigt? Hehe, das ist doch Quatsch mit individueller Schönfärberei wegen Vereinsbrille o.ä.! Wenn Lena gröbere Fehler gemacht hat, dann, weil sie Zuspiele erhielt, mit denen man eigentlich nur schlecht aussehen kann, und die kamen auch von Bartusiak bzw. musste sie deren Unzulänglichkeiten ausbügeln.
    Aber macht doch bitte bei all Eurer übertriebenen Wertschätzung für das gestrige Spiel der dt. Natio, deren unbefriedigende Leistung nicht ausschliesslich am Gegner fest. Spart Euch noch paar Argumente auf, für den Fall, dass das Spiel gegen Nigeria u.U. in die Hose gehen sollte, weil die trotz der Temperaturen nicht vor Frost erstarren, sondern technisch anspruchsvollen Fussball spielen. Au weia, wenn Nigeria bereits gestern der Gegner gewesen wäre…

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  • eisbär sagt:

    Nigeria wird ebenfalls nicht viel ausrichten, da bin ich mir relativ sicher. Nur Brasilien und die USA können der DFB-Auswahl gefährlich werden, da diese die einzigen sind, die meines Erachtens körperlich, spielerisch und taktisch mithalten können. Allen anderen Nationen fehlt mindestens eine dieser Eigenschaft. Nochmals, wenn Deutschland mit „so einer schlechten Leistung“ den Gegner dermaßen beherrscht, dann sollte man nicht so schwarz sehen.

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  • Jennifer sagt:

    Man kann nicht nur die Highlights auf DFB TV anschauen sondern auch das ganze Spiel in der ZDF Mediathek unter Sendung verpasst/Donnerstag 18.30 Uhr.

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  • Paul sagt:

    Test-für mich war das bis jetzt nicht wirklich ein Test.
    Wir hatten eine Stammmelf und danach haben einige Spielerinnen die
    Möglichkeit bekommen zu spielen.
    So seh ich ein Test:
    Mannschaft gegen Nigeria:
    Tor: Angerer
    Abwehr: Schmidt;Gößling;Henning;Peter
    Miettelfeld: Bajaramaj;Hingst; Laudehr;Celia Okoyino da Mbabi
    Sturm: Prinz;Grings
    Das sind die jungen Wilden mit der stütze der Erfahrung und wenn ich jetzt weiter testen will, dann bringe ich zur zweiten Halbzeit wieder Stütze und neue hungrige Wilde

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  • SCW sagt:

    @Paul: Mel Behringer und Kim Kulig gehören für mich auch eingesetzt! Garefrekes ist gesetzt bei ihren momentanen Leistungen (denke nicht dass sie derart lang ausfällt!)
    Goeßling und Fuss sollte Frau Neid auf der Bank lassen (über Bartusiak muss man ja nicht mehr reden… das ist ne never ending story) und lieber Schmidt und Faißt bringen oder so. Hoffe Linda ist bald wieder fit!

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @SCW
    Kulig als gesetzt deklarieren, ist doch ziemlich fernab jeglicher Berechtigung – nicht in der Form, die sie seit der unbefriedigenden U20-WM-Leistung eher konserviert als verbessert hat!

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  • Paul sagt:

    Kulig wird nicht wissen was sie falsch macht,für diese Leistung bekam sie ja eine der höchsten Auszeichnung. Auf diese Position gehört jemand der ein Spiel lesen, sowie ein Pass spielen kann.(Erfahrung)
    Da reichen keine einmaligen Lichtblicke die am Ende zu einer guten Leistung hingestellt werden. Ihr wird sicherlich die Zukunft gehören, aber mann kann nicht alles erzwingen.

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