Chronik 2007 — 2019 8451 Beiträge 513 Transfers145 Vereine 540 Profile
WomenSoccer

2010

Turbine außer Rand und Band, Wolfsburg patzt erneut

Vor einigen Wochen dezimierte sich Meister 1. FFC Turbine Potsdam durch eine Unbeherrschtheit von Tabea Kemme selbst, die U20-Weltmeisterin wurde für vier Spiele gesperrt . Nun musste Nationalspielerin Fatmire Bajramaj nicht weniger unnötig wegen Meckerns mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz . Anschließend schimpfte Trainer Bernd Schröder unbeherrscht über Schiedsrichterin Anja Kunick. Warum liegen bei Turbine die Nerven blank?

Eigentlich sollte beim 1. FFC Turbine Potsdam eitel Sonnenschein herrschen. Nach wie vor liegt man an der Tabellenspitze, hat vier von fünf Spielen in der Bundesliga gewonnen und sich auch im DFB-Pokal schadlos gehalten. In der Champions League steigt man am Mittwoch als amtierender Titelträger ins Geschehen ein. Doch obwohl die Mannschaft bisher eine erfolgreiche Saison gespielt hat, wenngleich ohne ihren besten Fußball gezeigt zu haben, herrscht derzeit mächtig Unruhe.

Bajramaj und Schröder zu impulsiv Erst die Sperre gegen Kemme, nun die Gelb-Rote Karte gegen Bajramaj, gleich zwei Spielerinnen werden im Spitzenspiel beim FCR 2001 Duisburg am kommenden Sonntag aus eigenem Verschulden fehlen. Dazu die verbale Entgleisung Schröders, der wutentbrannt wie selten zuvor Schiedsrichterin Anja Kunick nach dem 1:0-Sieg gegen den SC 07 Bad Neuenahr als „Osthasserin“ bezeichnete und vom DFB entsprechende Sanktionen befürchten muss. Doch auch mit einigen seiner Spielerinnen ging Schröder nach dem etwas schmeichelhaften Sieg gegen die Ahrstädterinnen hart ins Gericht.

Schröder: „Individuelle Grenzen aufgezeigt“ „Heute wurden die Grenzen einiger Spielerinnen im individuellen Bereich aufgezeigt“, polterte er, nachdem sein Team vor allem in der ersten Halbzeit auf eigenem Platz so schlecht aussah, wie lange nicht mehr. Namen nannte der Trainer explizit keine, doch es ist kein Geheimnis, dass er das Mittelfeld als derzeit größte Achillesferse im Team ausgemacht hat. Bajramaj glänzt dort derzeit als Alleinunterhalterin, ausgerechnet sie wird dem Team aber nun beim FCR 2001 Duisburg fehlen.

Problemfelder Nadine Keßler läuft ihrer Form hinterher und hat sich zu allem Überfluss nun auch noch am Knie verletzt, ihr Einsatz in Duisburg ist in Gefahr. Auch die Formkurve von Viola Odebrecht zeigt nach unten. Darüber hinaus wird in Duisburg auch Kemme wegen ihrer Sperre noch nicht zur Verfügung stehen. Hinzu kommen Verletzungen, wie die von Stefanie Draws oder den Kerschowski-Zwillingen, und auch die Neuzugänge bereiten noch Sorgen. So zog sich Daniela Löwenberg bereits zum wiederholten Male den Unmut des Trainers zu, Inka Wesely befindet sich noch in der Aufbauphase. Und auch die lange Zeit offen gehaltene Frage um die Nr. 1 im Tor hat nicht gerade zur größeren Ruhe beigetragen.

Durchhalteparolen „Wir müssen uns da durchbeißen, Duisburg hat auch solche Probleme“, so Schröder. Ein kleiner Lichtblick: Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League können Bajramaj und Kemme am Mittwoch beim Gastspiel gegen den finnischen Meister Åland United mitwirken. Und zumindest die Turbine-Fans bekamen am Sonntag ein seltenes Lob: „Sie haben meine verletzte Spielerin mit Applaus vom Platz begleitet, das war eine super Geste“, so Bad Neuenahrs Trainer Thomas Obliers.

Licht und Schatten in Wolfsburg Auch beim bisher schärfsten Turbine-Verfolger VfL Wolfsburg läuft es nicht rund. Genauso wie man sich über die Überraschungssiege gegen den 1. FFC Frankfurt und den 1. FFC Turbine Potsdam freuen durfte, musste man sich über die unnötigen Niederlagen bei Bayer 04 Leverkusen und der SG Essen-Schönebeck ärgern, zumal man in beiden Spielen sogar zunächst in Führung lag und bei konsequenterer Spielweise heute Bundesliga-Tabellenführer sein könnte. Eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle.

Mangelnde Einstellung Mittelfeldspielerin Andrea Wilkens bemängelte die fehlende Einstellung und Körpersprache, Trainer Ralf Kellermann vermisste die Kompaktheit in seiner Elf. Hinzu kam, dass wie schon in Leverkusen Torhüterin Alisa Vetterlein patzte und an zwei von drei Gegentreffern nicht schuldlos war. „Wenn man so wie wir in der ersten Halbzeit spielt, dann hat man es auch nicht verdient“, nahm Kellermann seine Torhüterin aber etwas aus der Schusslinie. Auch gegen die vermeintlich Kleinen der Liga ist hundertprozentiger Einsatz vonnöten, diese schmerzliche Erfahrung mussten die Wölfinnen nun bereits zum zweiten Mal in der noch jungen Saison machen.

Leverkusen beißt sich fest Für Bayer 04 Leverkusen lacht hingegen inzwischen die Sonne vom Himmel. 7 von 9 möglichen Punkten holte man aus den vergangenen drei Partien, beim 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV gab es nun sogar den ersten Auswärtssieg der Saison, belohnt mit dem Sprung von Rang 11 auf 8 in der Tabelle. Doch es war eine reine Abwehrschlacht, bei der Meier „mit die aufregendsten 90 Minuten meiner Karriere“ erlebte. Positiv: Endlich zeigt ihr Team den notwendigen Biss. „Genau diese Einstellung brauchen wir, wenn wir in der Liga bestehen wollen.“ Nun will man auch dem nächsten klangvollen Namen ein Bein stellen, am kommenden Sonntag heißt der Gegner der Werkself FC Bayern München.