Schröder frohen Mutes, Gelbe Karte als Souvenir
Konzentrierte Favoriten, schwächelnde Aufsteiger und ein emotionaler Abschied: Womensoccer lässt noch einmal die Highlights des zweiten Spieltags in der Frauenfußball-Bundesliga Revue passieren.
Potsdam gibt sich keine Blöße: Bernd Schröder, dem Trainer von Meister und Champions-League-Sieger 1. FFC Turbine Potsdam, stand Freude und Erleichterung nach dem souveränen 3:0-Erfolg beim FC Bayern München ins Gesicht geschrieben. Zum ersten Mal seit fünf Jahren entführte sein Team die drei Punkte aus dem Sportpark in Aschheim, in der Vergangenheit hatte man hier oft wertvolle Punkte verschenkt. Dabei ist Turbine nach dem harten Trainingsprogramm mit jeweils drei täglichen Einheiten in den vergangenen vier Wochen sicher noch nicht auf dem Höhepunkt, zumal auch die U20-Weltmeisterinnen in der Vorbereitung fehlten. Doch angetrieben von der überragenden Fatmire Bajramaj stimmte vom Fußballerischen her für den frühen Saisonzeitpunkt schon eine ganze Menge. Gelingt dem Team am kommenden Wochenende auch noch ein Heimsieg gegen den 1. FFC Frankfurt, hat Turbine ein gutes Fundament für eine weitere erfolgreiche Saison gelegt.
Duisburg lässt keine Zweifel aufkommen: Auch der FCR 2001 Duisburg ließ beim 2:0-Sieg beim Angstgegner SG Essen-Schönebeck nichts anbrennen. Hatte man in den vergangenen Jahren gegen den Ruhrpott-Rivalen gerne mal sowohl auf eigenem Platz als auch in Essen Punkte liegen lassen, tat man dem Gegner diesmal nicht diesen Gefallen. Der Einsatz der wieder genesenen Linda Bresonik tat dem Team genauso gut, wie die vorbildliche Einstellung von Annemieke Kiesel und Mirte Roelvink, die trotz aller Strapazen keine Mühe scheuten, rechtzeitig aus dem weißrussischen Molodechno von der WM-Qualifikation nach Essen zurückzukehren. „Es ist schon lange her, dass ich hier einmal wieder drei Punkte mitnehmen konnte“, freute sich Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg, die die Leistung ihres Teams bei den bisherigen beiden Pflichtaufgaben „insgesamt zufrieden“ zur Kenntnis genommen hat.
Neuer Realismus: In der Vergangenheit redete man sich beim 1. FFC Frankfurt Siege gegen schwächere Gegner gerne einmal schön, doch am Brentanobad ist unter Trainer Sven Kahlert offenbar ein neuer Realismus eingekehrt. „Ich war zu keiner Phase des Spiels richtig zufrieden“, so das Fazit Kahlerts nach dem 6:0-Sieg gegen den Herforder SV, bei dem die Gastgeberinnen spielerisch nur wenig Glanz versprühten. Doch nach dem Zustandekommen der drei Punkte wird in einer Woche niemand mehr fragen. Das Gastspiel in Potsdam am kommenden Sonntag wird einen ersten Fingerzeig über das wahre Leistungsvermögen der Frankfurterinnen liefern, dann stehen auch die beiden Schwedinnen Sara Thunebro und Jessica Landström wieder im Kader. Frankfurt wird sich jedoch gewaltig strecken müssen, um aus Potsdam Punkte zu entführen.
Ernüchterte Aufsteiger: Groß war die Hoffnung vor dieser Saison, die Aufsteiger in die Frauenfußball-Bundesliga könnten womöglich von Beginn an positive Akzente setzen. Doch schon nach zwei Spieltagen macht sich erste Ernüchterung breit. Bayer 04 Leverkusen ziert mit 0 Punkten und 0:13 Toren das Tabellenende, wenngleich die Gegenwehr gegen den FF USV Jena schon größer war als in Duisburg eine Woche zuvor. Nicht viel besser erging es dem Herforder SV mit 0 Punkten und 0:8 Toren. “Jedes Gegentor kann am Ende entscheidend sein – darüber hatten wir gesprochen“, so eine frustrierte Herforder Trainerin Tanja Schulte, deren Schützlinge sich nach ordentlichem Beginn in Frankfurt am Ende doch recht wehrlos ihrem Schicksal ergaben. Die Zeichen für die beiden Absteiger scheinen recht früh auf Abstiegskampf zu stehen.
Emotionaler Abschied: Für zwei Spiele erklärte Torhüterin Kathrin Lehmann den Rücktritt vom Rücktritt und hütete das Tor des FC Bayern München, nachdem sich die Nr. 1 Kathrin Längert an der Schulter verletzt hatte. Ein bisschen Wehmut kam bei der Schweizerin schon auf, obwohl sie sich mit einer 0:3-Niederlage gegen den 1. FFC Turbine Potsdam aus dem Frauenfußball verabschiedete und zum Abschluss die dritte Gelbe Karte ihrer Laufbahn kassierte. Doch den Humor verlor sie deswegen nicht: „Die Karte hole ich mir als Souvenir“, so Lehmann nach dem Spiel. Doch bei aller Wehmut kann sie ihrer Entscheidung auch Positives abgewinnen: „Ich bin froh, wenn ich nicht mehr trainieren und über Hürden springen muss.“ Umso heißer ist Kathrin Längert, endlich wieder ins Geschehen eingreifen zu können. Sie steckt im Aufbautraining und beziffert ihre Einsatzchance beim Auswärtsspiel in Bad Neuenahr mit 70 Prozent. Klappt es noch nicht, wird Andrea Schlemmer zum Einsatz kommen.
Frecher Auftritt: In Herford durfte die erst 16-jährige Lena Lotzen bereits zehn Minuten Bundesligaluft schnuppern, gegen den Champions-League-Sieger 1. FFC Turbine Potsdam ließ Bayern Münchens Neuzugang Lena Lotzen sogar etwas mehr als eine halbe Stunde ran. Und nutzte die Gelegenheit, frisch, frech und unbekümmert auf sich aufmerksam und ihr Talent aufblitzen zu lassen. „Sie hat sich unglaublich reingehauen“, erntete sie ein Sonderlob von Trainer Thomas Wörle. Schade nur, dass die Bundesliga nun eine Weile auf Lotzen verzichten muss, denn sie steht im Kader der U17-WM in Trinidad und Tobago (5. bis 25. September).