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2010

Bundesliga-Vorschau: das Führungs-Trio

Am Sonntag, 15. August, 14.00 Uhr, startet die Frauenfußball-Bundesliga in ihre neue, wegen der Frauenfußball-WM 2011 auf Mitte März komprimierte Saison. Im ersten von drei Teilen widmen wir uns den Top Drei der Liga.

In einem scheinen sich fast alle einig zu sein: Der Meistertitel dürfte nur zwischen dem 1. FFC Turbine Potsdam, dem FCR 2001 Duisburg und dem 1. FFC Frankfurt vergeben werden.

Turbine gegen die Last des Erfolgs Meister 1. FFC Turbine Potsdam stieg erst spät am 19. Juli in die Vorbereitung ein, doch für den eingespielten Kader und Trainerfuchs Bernd Schröder sollte es kein großes Problem gewesen sein, sein Team bereits zum Saisonstart gegen den Hamburger SV einigermaßen in Schuss bekommen zu haben. Anders als in der Vorsaison verzichtete man in Potsdam diesmal auf große Neuverpflichtungen, neben Inka Wesely und Daniela Löwenberg (beide SG Essen-Schönebeck) rückten in Kristin Demann, Sandra Starke und Jennifer Cramer drei Spielerinnen der zweiten Mannschaft auf. „Warum sollen wir eine weitere Spielerin von außen holen, wenn die Mannschaft funktioniert?“, so Schröder .

Nach zwei Meistertiteln in Folge und dem Gewinn der Champions League wachsen im Umfeld die Begehrlichkeiten. „Die Erwartungen, die die Menschen nach der vergangenen Saison an uns haben, sind unheimlich gestiegen“, erklärt Schröder den gestiegenen Druck. Dabei ließ die Vorbereitungszeit nichts zu wünschen übrig, dreimal täglich wurde trainiert, in Österreich stand erstmals ein Trainingslager im Ausland auf dem Programm. In der vergangenen Saison bewies Turbine, dass man den Tanz auf drei Hochzeiten gut bewältigen kann, auch wenn zum Saisonschluss die Luft etwas dünn wurde. Auch in der neuen Saison sind die Potsdamerinnen ein heißer Kandidat auf Platz eins oder zwei, wenn es gelingt, sich vom Druck zu befreien.

Ist Duisburgs Kader breit genug? Beim FCR 2001 Duisburg musste man wegen der Champions-League-Qualifikation in Nordirland bereits früh die Saison eröffnen. Der Abstecher nach Belfast verlief erfolgreich, wurde mit der schweren Verletzung von Annike Krahn aber teuer erkauft. Neben der am Knie verletzten Nationalspielerin Linda Bresonik werden zum Saisonauftakt weitere Spielerinnen fehlen. Schmerzlich dürfte man nun Spielerinnen wie Marith Prießen, Elena Hauer oder Lena Wermelt vermissen, die den Verein Richtung Leverkusen, Essen und Herford verließen. Die Duisburgerinnen mussten einen echten Aderlass verkraften, denn aus der zweiten Reihe verabschiedeten sich auch Eunice Beckmann, Ilka Pedersen, Irini Ioannidou oder Ana-Cristina Oliveira-Leite.

Und auch der plötzliche Umbau des Vorstands sorgte für Unruhe hinter den Kulissen. Zum Verein stießen Stürmerin Mandy Islacker (FC Bayern München), Stefanie Weichelt (SG Essen-Schönebeck) und Mirte Roelvink (FC Twente). Islacker soll in der Offensive die Positionen flexibel besetzen, aber auch gelegentlich im Mittelfeld zum Einsatz kommen. Allrounderin Weichelt ist vor allem als Verstärkung für das zentrale Mittelfeld gedacht, Roelvink kann sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der rechten Außenbahn agieren. Die Belastung durch den Tanz auf drei Hochzeiten und Abstellungen zu den diversen DFB-Auswahlen und -Lehrgängen werden hoch sein. Den Duisburgerinnen dürfte keine einfache Saison bevorstehen.

Frankfurt mit neuer Harmonie zurück zum Erfolg? Ein vierter und ein dritter Platz – für die Ansprüche des 1. FFC Frankfurt waren die beiden vergangenen Spielzeiten der Frauenfußball-Bundesliga verkorkst. Doch mit einem auf 1,5 Millionen Euro erhöhten Budget, einem auf 19 Spielerinnen gestrafften Kader und prominenten Neuzugängen, wie Melanie Behringer (FC Bayern München) und Jessica Landström (Sky Blue FC) will man zumindest Platz zwei belegen, der zur Teilnahme am internationalen Geschäft berechtigt. „Ich will endlich Titel gewinnen“, erklärt Behringer stellvertretend. Selten konnten sich die Nationalspielerinnen in der Vergangenheit so ausgeruht und lange vorbereiten wie vor dieser Saison.

„Wir wollen zurück in den europäischen Wettbewerb, zum 11. Mal ins DFB-Pokalendspiel und auch das Double würde uns gut zu Gesicht stehen“, bläst FFC-Manager Sigi Dietrich zur Rückeroberung der Spitze. „Wir wissen, dass wir daran gemessen werden, erfolgreicher abzuschneiden“, weiß Trainer Sven Kahlert. Auch das Funktionsteam wurde erweitert, so gibt es nun zwei Fitnesstrainer, zwei Ärzte und drei Physiotherapeuten. Bei zwei Teambuilding-Maßnahmen ist das Team nach eigenen Aussagen enger zusammengerückt. „Es wird schwer, uns zu schlagen“, so Torhüterin Nadine Angerer. Manager Dietrich erklärt: „Mein wichtigster Wunsch ist es, dass es in allen Bereichen so harmonisch weitergeht, und wir uns als Marke weiterentwickeln.“ Gelingt die Integration der Neuen und bleibt das Team von Verletzungen verschont, ist Frankfurt ein heißer Titelkandidat.