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2010

U20-WM: Verschläft Europa die Entwicklung?

Deutschland, Kolumbien, Nigeria, Südkorea – Teams von vier verschiedenen Kontinenten haben das Halbfinale der U20-Frauenfußball-WM in Deutschland erreicht. „Toll, dass das so hingehauen hat! Das nenn ich eine echte WM!“, freut sich Womensoccer-Leser „Jan“ und auch Steffi Jones und Franz Beckenbauer zogen nach dem Viertelfinale ein positives Zwischenfazit der Titelkämpfe. Doch die Zusammensetzung des Halbfinales ist auch ein Warnsignal für Europas Frauenfußball.

Gleich drei Außenseiter haben erstmals das Halbfinale eines FIFA-Frauenfußball-Turniers erreicht. Kolumbien, Nigeria und Südkorea wirbeln die Weltkarte des Frauenfußballs in diesen Tagen gehörig durcheinander. Favorisierte Teams wie die USA, Nordkorea, Japan oder Brasilien mussten genauso vorzeitig die Segel streichen wie die europäischen Schwergewicht aus England, Frankreich und Schweden. Und auch die Schweiz, immerhin Halbfinalist der U19-EM 2009 in Weißrussland, verabschiedete sich sang- und klanglos aus dem Turnier. Gastgeber Deutschland ist der letzte verbliebene europäische Vertreter.

Jones: “Feld ist zusammengerückt” „Bei dieser U20-WM wird sichtbar, wie dicht das Feld zusammengerückt ist“, erklärt Steffi Jones, OK-Präsidentin der Frauenfußball-WM 2011. „Die Mannschaften haben sich verbessert, sie bekommen mehr Förderung als früher. Diese Entwicklung trägt dazu bei, dass wir noch attraktiveren Fußball sehen”, so Jones über die positiven Aspekte. Doch was für den Frauenfußball im Allgemeinen gut ist, dürfte Europas Frauenfußball-Nationen nicht besonders gefallen. “Wir in Europa müssen aufpassen, dass wir nicht stagnieren, sondern dass wir uns auch weiterentwickeln”, warnt Jones.

Europäisches Trio enttäuscht Die Teams aus England und Frankreich enttäuschten bei der U20-WM, die Spielerinnen wirkten überspielt, saft- und kraftlos. Englands Trainerin Mo Marley machte den Druck auf ihr Team für das schlechte Abschneiden verantwortlich, Frankreichs Trainer Jean Michel Degrange erklärte, wegen der Belastung aus Liga, U19-EM in Mazedonien und beruflichen Verpflichtungen habe seinen Spielerinnen die körperliche und mentale Frische gefehlt. Und in Schweden hat man sich im Juniorinnenbereich in den vergangenen Jahren einen Rückstand eingefangen, durch verpasste Teilnahmen an großen Turnieren und wegen der Vielzahl von Ausländerinnen in der Liga, die junge Talente reihenweise zu Bankdrückerinnen verkommen ließen. Darüber können auch die beiden knappen Siege gegen Neuseeland und Nordkorea nicht hinwegtäuschen.

2011 noch einmal mit 16 Teams Doch für die öffentliche Wahrnehmung des Frauenfußballs kann die aktuelle Entwicklung nur gut sein. Wehmut, dass man bei der Frauenfußball-WM 2011 noch mit 16 und nicht wie ab 2015 mit 24 Teams spielen wird, kommt bei Jones dennoch nicht auf. „Bei den Frauen sind die Unterschiede doch noch etwas größer. Ich finde es gut, dass man noch einmal vier oder sechs Jahre Zeit hat, sich weiterzuentwickeln. Die jetzigen U20-Spielerinnen werden dann im besten Alter sein. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, noch einmal mit 16 Mannschaften zu spielen.“

Beckenbauer: “Der Frauenfußball ist auf dem Vormarsch” Franz Beckenbauer, Vorsitzender der FIFA-Kommission für die U17- und U20-Frauenfußball-Weltmeisterschaften, ist ebenfalls von den Darbietungen der U20-Teilnehmer angetan: „Die Organisation ist perfekt und die Zuschauerzahlen sind sehr gelungen. Ich denke, dass die FIFA mit dem Wettbewerb und den gezeigten Leistungen sehr zufrieden sein kann. Man sieht, mit welchem Einsatz und welcher Begeisterung die jungen Damen zu Werke gehen. Ich glaube, der Frauenfußball ist auf dem Vormarsch und es wird in Zukunft immer weniger Unterschiede zwischen den Teams geben.“

Wertschätzung für U20-Teams Zum Turnier merkt Beckenbauer allerdings auch kritisch an: „Es ist etwas unglücklich, dass zwei Weltmeisterschaften direkt aufeinander ausgetragen werden und vielleicht ist auch deswegen nach meiner Einschätzung die Berichterstattung über die U20-WM etwas zu gering.“ Doch das schmälert den Gesamteindruck von Jones nur wenig. „Wir sind superzufrieden und haben tolle Zuschauerzahlen. Die Mannschaften haben die Wertschätzung spüren können, wir haben jetzt schon 160 000 Eintrittskarten verkauft. Das zeigt, dass die U20-WM angenommen wurde.“