Frankfurts späte Tore ins Glück

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Der 1. FFC Frankfurt hat das Spitzenspiel der Ersten Frauenfußball-Bundesliga gewonnen. Gegen den 1. FFC Turbine Potsdam siegten die Frankfurterinnen glücklich, aber verdient, mit 2:1 und wahren somit ihre kleine Chance auf die Qualifikation zur Champions League.

Es war die erste Niederlage in der aktuellen Bundesligasaison für die „Torbienen“, denen die Meisterschaft kaum noch zu nehmen sein dürfte. Dennoch war es für Potsdams Trainer Bernd Schröder eine Niederlage, die „sehr schmerzt“. Das nicht nur, weil das Duell gegen die Frankfurterinnen das Prestigespiel der Liga ist, sondern auch, weil sich seine Spielerinnen mit unnötigen Aktionen selbst das Leben schwer machten.

Nadine Keßler sieht Gelbrot
In der ersten Halbzeit entwickelte sich bei schönstem Sonnenschein vor 4.320 Zuschauern kein Spitzenspiel, die Aktionen beider Teams spielten sich in erster Linie im Mittelfeld ab, Tore sollten in den ersten 45 Minuten keine fallen. Stattdessen fiel in der 34. Minute eine folgenschwere Entscheidung: Obwohl die Schiedsrichterin das Spiel unterbrochen hatte,  vollendete die bereits mit der Gelben Karte verwarnte Nadine Keßler ihren Angriff und schoss den Ball ins Tor – Miriam Dietz zückte, vertretbar aber hart entschieden, den zweiten gelben Karton und verwies Keßler des Feldes. „Die Gelbrote Karte war unnötig von ihr selber verschuldet“, haderte Schröder mit der Aktion der Nationalspielerin. Somit musste der Trainer bereits früh das System umstellen, um mit zehn Akteurinnen zu bestehen.

Nadine Keßler (li.) sieht nach 34 Minuten die Gelbrote Karte.

Frankfurt gehört die zweite Hälfte
Das gelang den Potsdamerinnen zunächst gut, denn schon zehn Minuten nach Wiederanstoß erzielte Fatmire Bajramaj das 0:1. Der Treffer fiel zum für Potsdam günstigen Zeitpunkt, denn mit der zweiten Hälfte wurde Frankfurt stärker. Die Gastgeberinnen übernahmen das Kommando auf dem Feld, konnten daraus jedoch keinen Profit schlagen, da die Potsdamerinnen mit ihrer Unterzahl gut umgingen und cleverer agierten. Frankfurts Aktionen waren dagegen häufig zu einfach zu durchschauen, viele Bälle in die Spitze zu ungenau. „Wir haben unsere Torchancen nicht konsequent zu Ende gespielt“, monierte Frankfurts Trainer Sven Kahlert. Mit zunehmendem Verlauf der Partie vergaben die Frankfurterinnen mehr und mehr Chancen (u.a. Birgit Prinz mit Lattenschuss).

Verdient war daher der Ausgleich von Ariane Hingst in der 86. Minute. Doch anstatt in großen Jubel auszubrechen, schnappte sich die Nationalspielerin den Ball, um ihn direkt zum Anstoßpunkt zu tragen – die Frankfurterinnen wollten mehr.

Birgit Prinz trifft in der Nachspielzeit
Die Nachspielzeit hatte bereits begonnen, als Viola Odebrecht das Spiel unfreiwillig entschied. Sie foulte Petra Wimbersky im Strafraum, Miriam Dietz zeigte völlig korrekt auf den Elfmeterpunkt. „Es war ein unnötiges, sinnloses Foul“, kritisierte Schröder. Odebrecht habe in Potsdam lange genug mit Wimbersky zusammen gespielt, um wissen zu müssen, wie sich die Stürmerin bewege, so der Trainer. Birgit Prinz legte sich den Ball zurecht und traf souverän zum 2:1-Endstand, der glücklich – aber insgesamt verdient – war. „Wir haben den Sieg mit Glück, Leidenschaft und Moral erkämpft“, meinte Kahlert.

Die Potsdamerinnen sind drei Spieltage vor Saisonende nun mit fünf Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. Die Meisterschaft ist dem Titelverteidiger nur schwer zu nehmen. Der Kampf um den zweiten Platz, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt, bleibt jedoch spannend. Der FCR 2001 Duisburg, der noch ein Spiel in der Hinterhand hat, und Frankfurt haben beide 45 Punkte auf dem Konto; die Duisburgerinnen liegen jedoch wegen des um neun Treffer besseren Torverhältnisses momentan vor den Hessinnen.

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Jochen
Jochen

Mir ist unverständlich wie man von einem verdienten Sieg sprechen und Frankfurt loben kann. Dafür dass sie eine Stunde lang mit einer Frau mehr gespielt haben, war dies meines Erachtens eine dürftige Leistung von Frankfurt. Bis auf die gute Szene zum Ausgleich war dies ein mehr oder minder blindes Anrennen bei klareren Chancen der Mannschaft in Unterzahl. Nur die nachlassenden Kräfte und ein ungeschicktes Zweikampfverhalten erlaubten der schwächeren Mannschaft einen – unverdienten – Sieg.

Kay
Kay

Also mal ganz ehrlich normalerweise lese ich die Beiträge hier immer sehr gerne, weil sie sehr gut und kompetent geschrieben sind, aber dieser hier wirkt nach „mal kurz zusammengeschustert ohne vom Spiel irgendetwas gesehen oder gelesen zu haben“. Schon der zweite Satz: „Gegen den 1. FFC Turbine Potsdam siegten die Frankfurterinnen glücklich, aber verdient, mit 2:1“ kann man nicht wirklich so unterschreiben, glücklich war er in jedem Fall aber verdient, also bis auf das Tor durch Ari welches wirklich exelent herrausgespielt wurde und dem Kopfball an die Unterkante der Latte von Frau Prinz waren sämtliche Aktionen der Frankfurterinnen in keinstem… Weiterlesen »

Iche
Iche

tja, da kann ich mich nur anschließen, glücklich war der sieg frankfurts in der tat und irgendwie nicht so ganz verdient, zumindest hat die schiedsrichterin nachgeholefen: gelb-rote karte, 2:0 wegen vermeintlichem abseits nicht gegeben, elfer gegeben…. insgesamt fehlte mir die unparteiigkeit und das besagte fingerspitzengefühl. unentschieden wäre wohl gerechtfertig gewesen.
außerdem wünschte ich mir den beitrag nicht so einseitig….

Pele
Pele

Schlechte Verlierer!

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

Also ich wiederum würde diesen Artikel so unterschreiben! Nun gut, da mag eine gehörige Portion Unzufriedenheit und ja regelrecht Verärgerung über die Leistung meiner Mannschaft mit dabei sein, aber der Frankfurter Sieg geht so in Ordnung. Ich habe erneut eine Turbine gesehen, die nicht mit den Mitteln agierte, die sie eigentlich so stark machen, das techn. gepflegte, miteinander nach vorne Kombinieren. Stattdessen viele Fehlabspiele, überhastete Aktionen wie häufiges Flanken ins Nirvana oder gar ins Aus etc. Die Chancenverwertung war erneut eklatant, denn dem Ausgleich ging ein vielversprechender Turbineangriff voraus, den Tabea mit einer völlig unmotivierten Flanke ins Niemandsland versanden ließ.… Weiterlesen »

Ute
Ute

..sehe ich ganz genauso wie Jochen und Kay, der Artikel klingt als hätte Nora lediglich die Meinung von Sven Kahlert übernommen…über dessen Interview ich leider nur den Kopf schütteln kann, ich dachte erst ich hätte mich verhört… Früher hätte ich mich über solch Arroganz ja noch aufgeregt, aber da ja Frankfurt den angeblich viel schöneren Fussball spielt, haben sie hochverdient gewonnen…und weil Potsdam ja nur einfach in die Spitze spielt (leider erfolgreich 😉 stehen sie ja auch völlig zu unrecht mit abstand mit den meisten toren an der Ligaspitze. Schon klar Herr Kahlert… genau diese Fehleinschätzung ist m.E. mit Grund… Weiterlesen »

uwe
uwe

Also das der Sieg der Frankfurter verdient war,diese Meinung haben Sie und die Frankfurter exklusiv.
Wenn die Frankfurter mit 11 Spielerinnen gegen eine Potsdamer Mannschaft die 60min. mit 10 Frauen spielen mussten und stressige Wochen (DFB-Pokal CH.L.) hinter sich hatten bis zur 85min. nichts auf die Reihe bekommt (ausnahmen bestätigen die Regel) dann kann von keinen verdienten Sieg gesprochen werden. Vorallem wenn dazu noch ein schmeichelhafter Elfmeter in der Nachspielzeit herhalten muss.

Pele
Pele

@ Ute
„genau diese Fehleinschätzung ist m.E. mit Grund dafür, dass sich Frankfurt nicht so weiterentwickelt, wie sie es gerne in der Tabelle widergespiegelt hätten… “

Ah ja, alles klar Ute. Die ersten Sonnentage sind immer die gefährlichsten. Denmächst besser Kopfschutz tragen UND

Glückwunsch an Turbine zum verdienten Meistertitel!

laasee
laasee

Today Frankfurt were lucky but Potsdam and Duisburg will play in the CL next season.

Kay
Kay

@Pele

Jetzt werden wir auch noch beleidigend gegen andere. Ich dachte ja schon dein „Schlechte Verlierer“ war die Spitze aber das, oh man, immer nach dem Motto wenn mir keine schlagfertigen Argumente mehr einfallen werde ich eben persönlich beleidigend.

suplo
suplo

Die Antwort auf die Frage „verdient oder unverdient gewonnen“, liegt m.E. doch nur am Blickwinkel des Betrachters. Ich habe heute in Frankfurt einen wunderschönen Sonntagvormittag in einem überdurchschnittlich gut gefüllten Stadion am Brentanobad erleben dürfen. (ich liebe den Kuchenbasar der FFC Jugend- einfach lecker) Was die Berichterstattung angeht, denke ich, dass der Bericht auf der Homepage des 1.FFC Frankfurt das von mir erlebte Spiel sehr gut wiedergibt. Natürlich mit einem kleinen rosa Blick auf das eigene Team aber auch mit anerkennenden Worten für den Gegner. PS: Vorab schon meinen Glückwunsch an die Torbienen zur Deutschen Meisterschaft. Das sollte euch doch… Weiterlesen »

Ute
Ute

Hallo Kay.. danke, aber da stehen wir doch drüber, oder ;-))) sowas kommentier ich nicht zurück, Pele brauch halt etwas länger um DEN Satz zu verstehen… 😉 aber schentschina futbolista: welches Spiel hast du gesehen? – das Pokalspiel in Duisburg?, dazu würde d.K. voll passen 😉 – finde deine Kommentare sonst immer super, ehrlich! aber diesmal… ich weiß nicht…. dass sich Turbine selber geschlagen hat mit Dezimierung und verschuldetem Elmeter kann ich dir ja zumindest sinngemäß zustimmen, aber das ist eine Sache der Disziplin bzw. Zweikampfverhaltens… Spielerisch dagegen waren sie zu 11. UND zu 10. besser!!!, auch wenn Frankfurt versucht… Weiterlesen »

expert1
expert1

Turbiene ist meister, sie haben jetzt noch wichtige internationale aufgaben. wer selbst mal mannschaftsport getrieben hat, weiss wer möchte nicht an den schönen entspielen teilnehmen, deßhalb geht man nicht mehr 100 %. Die schiedsrichterinnen waren dem spiel, an diesem tag, nicht gewachsen. sie verbreiteten viel unruhe. Es gab aber keinen spielentscheidenen fehler. Man spielt aber auch so wie`s der gegner zuläßt. Icke und pele und kay NORA war am platz, schildert das spiel aus ihrer sicht, das istdoch o.k. oder! Die wichtigen spiele hat der 1.FFC vorher verloren dieses Spiel war nicht mehr entscheidend, das wird man am ende feststellen.… Weiterlesen »

eisbär
eisbär

Aus neutraler Sicht gesehen, konnte man klar erkennen, dass Potsdam die spielerisch bessere Mannschaft war. Frankfurt hatte zwar nach dem Platzverweis mehr Ballbesitz, wusste damit aber nicht viel anzufangen. Potsdam hat gute Konter gespielt, aber Anja Mittag ist zu oft an Nadine Angerer gescheitert. Der Elfmeter war aber aus meiner Sicht gerechtfertigt.

jeanwood
jeanwood

Sven Kahlert muss nach sehr erfolglosen Jahren unheimlich unter Druck stehen. Wie anders kann man sonst einordnen , dass er tatsächlich meint, seine Mannschafft würde den besten Fussball der Liga spielen? ( Interview im framba.de ).

eisbär
eisbär

Da wird er aber nicht viel Zustimmung erhalten. Dafür spielen sie zu einfallslos.

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

@Ute
Da ich ausnahmslos immer gewinnen will bzw. will, dass es Turbine tut, bin ich mit Recht vergnatzt, wenn es anders kommt!
Dann bleibt auch die rosarote Brille im Etui, und ich schreibe meine ehrliche und kritische Meinung über die gesehenen Unzulänglichkeiten.
Ich erhebe ja auch keinen Anspruch, dass jede gegenteilige Auffassung auszubleiben hat!
Aber vielleicht ist das auch nur meine spezielle Art, die Niederlage zu verarbeiten/-kraften, um die nächsten Tage nicht in meinem Umfeld mal wieder als Vollmuffel betitelt zu werden… 😉

fisch
fisch

S.Kahlert meinte doch sicher nicht die Gegenwart, sondern die weit zurück liegende Vergangenheit. Sonst wäre es ja der Witz des Jahres. Trotzdem typisch Mainhattan, arrogant und unfähig zur realen Selbsteinschätzung mit folgerichtigem Gesamtergebnis und
wirklich nur mittelmäßigen Leistungsstand.

Detlef
Detlef

Ich habe auch eine sehr unglückliche, und eher unverdiente Niederlage von TURBINE gesehen!!! Natürlich muß sich der alte und neue Meister jetzt fragen lassen, was er aus seinen vielen 100%-igen Chancen gemacht hat!!! Bei einem 0:2, oder 0:3, wären alle Messen gesungen gewesen, und Frankfurt hätte sicher kein einziges Tor mehr erzielt!!! Für mich war auch die gelb-rote Karte für KESSI ein absoluter Witz, denn so eine idiotische Regelauslegung habe ich weder bei Frauen-, und erst recht nicht bei Männerspielen je gesehen!!! Das war eine ganz klare, spielentscheidende Fehlentscheidung der Hauptschiedsrichterin, der eine Fehlentscheidung der Linienrichterin voranging!!! Das war weder… Weiterlesen »

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

Alles Lamentieren (auch das meinige!) ändert da gar nichts dran, es ist und bleibt eine Niederlage und als solche geht sie auch in die Fussball-Statistik ein! Es ist und bleibt ein Makel, ein Fleck im Meistertrikot. Wie Detlef es schon schrieb, wer seine Vielzahl guter Torchancen nicht ausnutzt, den bestraft das (Fussball-)Leben mit leeren Händen. @Detlef Und ich stimme Dir nicht zu, was die Begründung mit der Unterzahl anbelangt! Meine vornehmliche Kritik, dass das ansonsten die Mannschaft auszeichnende und nahezu perfekt umsetzende Kurzpassspiel gänzlich abhanden gekommen war, hatte bereits vor der angesprochenen Situation nicht stattgefunden und auch in den CL-Sielen… Weiterlesen »