Nordkorea statt China

Von am 17. Februar 2010 – 12.58 Uhr 23 Kommentare

Endlich mal nicht gegen China – das mögen sich Frauenfußball-Fans vor dem ersten Testspiel der deutschen Nationalmannschaft im Jahr 2010 heute in Duisburg gegen Nordkorea (ab 16.30 Uhr live in der ARD) gedacht haben. Denn in den vergangenen Jahren eröffnete die DFB-Elf ihr Länderspiel-Jahr fast schon traditionell mit einer Partie gegen die Chinesinnen. Doch nun geht es gegen den Asienmeister, der sich in den vergangenen Jahren an die Weltspitze herangepirscht hat. Eine willkommene Gelegenheit, sich mit einem der potenziellen Titelanwärter der  Frauenfußball-WM 2011 zu messen. Doch die DFB-Elf kann nicht in Bestbesetzung antreten.

In Inka Grings und Annike Krahn fehlen wegen Oberschenkelverhärtungen gleich zwei Lokalmatadorinnen beim Auftritt in der MSV-Arena.

Debüt von Popp?
Gespannt sein darf man allerdings darauf, ob deren erst 18 Jahre alte Vereinskollegin Alexandra Popp ihr Debüt in der Nationalmannschaft geben darf. „Sie ist uns in jüngster Vergangenheit sehr positiv aufgefallen, sie hat sich gut entwickelt. Jetzt wollen wir sehen, wie sie ins A-Team reinpasst, ob sie das Tempo auf dieser Ebene schon mitgehen kann“, so Bundestrainerin Silvia Neid, die sich trotz des frühen Zeitpunkts im Jahr wertvolle Aufschlüsse erhofft.

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200. Länderspiel von Birgit Prinz
„Aus solchen Partien können wir nur lernen. Wir erhoffen uns aus dieser Begegnung Erkenntnisse darüber, woran wir bis zur WM noch arbeiten müssen“, so Neid, die mit ihrem Team als Gastgeber der WM 2011 bis zum Turnier im eigenen Land ohne Pflichtspiele auskommen muss. Das Spiel gegen Nordkorea steht aber auch im Zeichen von Birgit Prinz, die nach 16 Jahren im DFB-Trikot ihr 200. Länderspiel bestreiten und somit einmal mehr eher widerwillig im Rampenlicht stehen wird. Zahlen sind für die Frankfurterin auch in diesem Fall Schall und Rauch, der Blick ist bereits auf die WM im kommenden Jahr gerichtet, die ein letzter Karrierehöhepunkt werden soll. „ Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und eine Form haben werde, die eine Nominierung für das Turnier rechtfertigt.“

Hochkarätige Tests
Das Spiel gegen Nordkorea ist nur der Auftakt einer ganzen Reihe von Testspielen gegen hochkarätige Gegner. Beim Algarve Cup vom 24. Februar bis 3. März in Portugal misst sich die DFB-Elf mit Dänemark, Finnland und China, am 22. April geht es in Dresden gegen Schweden, ehe am 22. Mai in den USA gegen den Weltranglistenersten die Revanche für die 0:1-Niederlage im vergangenen Jahr in Augsburg gelingen soll. In der zweiten Jahreshälfte sollen dann drei weitere Testspiele folgen, dann bereits Aufgalopp zur langen WM-Vorbereitung.

Keine Chance für die Jugend?
Ob bis 2011 noch einige junge Spielerinnen den Sprung in den Kader der A-Nationalmannschaft schaffen werden, erscheint nach den jüngsten Aussagen von Bundestrainerin Silvia Neid eher fraglich. „Im Moment drängt sich außer Alex Popp niemand wirklich auf. Darüber hinaus werden wir mit Rücksicht auf die Vorbereitung unserer U20-Nationalmannschaft auf die WM in diesem Jahr sehr sorgfältig abwägen, ob wir bis dahin eine weitere Nachwuchsspielerin für das A-Team nominieren“, so Neid.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

23 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Schlecht hin, schlecht her, was die Nordkoreanerinnen an Fussballerischem angeboten haben, war eindeutig zu wenig. Lediglich in der deutlich zu kurz geratenen Nachspielzeit zum Ende der 1. HZ hatten sie zwei Chancen, wo auch das techn. Vermögen kurz aufblitzte.
    Gemessen an den Vorschusslorbeeren von Frau Neid fehlte jeglicher Nachweis hierzu!
    Mein besonderes Lob bei Liras Spiel ist der vergleichsweise hohe Aufwand in der Arbeit nach hinten, wo die Taktik- und Trainingsanforderungen bei TP deutliche Spuren zeigten – so habe ich sie jedenfalls noch in keinem Länderspiel Fussball arbeiten sehen, toll!
    Birgit hat mir in der Position, wo sie das Spiel vor sich hat, auch hervorragend gefallen. Das hat sie wesentlich besser vollbracht, als wo sie zuvor in der Spitze spielte. Ein nachhaltiges 200. Länderspiel für sie!
    Eine äußerst gelassen agierende, wenngleich kaum geforderte Lisa Weiß tat ihren Job als ob sie noch nie was anderes getan hätte, und das war auch gut so!

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  • kaerf sagt:

    Nicht unerwähnt bleiben darf Sonja Fuss. Klasse Leistung in der Innenverteidigung. Jeden Zweikampf gewonnen, enorm laufstark. Nicht zu glauben, dass auch sie schon über dreißig ist. In dieser Form und Fitness, sollte sie auf jeden Fall eine Kandidatin für die Heim-WM sein, aber nicht auf der Bank wie 2007. Hoffentlich bleibt sie verletzungsfrei und gesund. Dieser Wunsch gilt natürlich auch für alle anderen Kandidatinnen. Und obwohl FCR-Fan muss ich sagen, Liras Wechsel nach TP war für sie goldrichtig – sie hat sich in den letzten Monaten enorm weiter entwickelt. Vieles andere, was ich noch zu sagen hätte, haben schon die SchreiberInnen vor mir erwähnt.

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  • Detlef sagt:

    @Marcel,
    Ein Spitzenteam sollte auch dann nach vorn arbeiten können, wenn der Gegner sie unter Druck setzt!!!
    Aber die Nordkoreanerinnen haben dies selbst da nicht machen können, als Deutschland merklich die Zügel schleifen ließ!!!
    Also für mich war der Asienmeister schon recht enttäuschend, und für Silvia Neid sicherlich auch!!!
    Man sucht sich ja nicht zum Spass so einen (vermeindlich) starken Gegner, man bezweckte ja etwas damit!!!
    Aber eigentlich konnte nur der Koreanische Coach aus diesem Testspiel etwas lehrreiches mitnehmen!!!
    Die deutsche Elf zeigte seinem Team recht deutlich, wo ihre Baustellen für die WM 2011 noch liegen!!!
    Silvia Neid dürfte dagegen recht wenige Erkenntnisse gewonnen haben!!!
    Vielleicht die, dass Birgit Prinz wieder den Spass am Fußball spielen zurück gewonnen hat, und das auch Kerstin Garefrekes die Kampfansage von LIRA BAJRAMAJ angenommen hat, und das wohl beste Spiel seit langem gezeigt hat!!!
    Für die größte Baustelle im deutschen Team, die Innenverteidigung, gab es gegen die Koreanerinnen kaum eine echte Bewährungsmöglichkeit!!!
    Man darf also sehr gespannt sein, was die Bundestrainerin noch so alles probieren wird!!!
    Am Ende wünsche ich NATZE, Simon, Uschi, Annike und Kim noch einen guten Heilungsverlauf!!!

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