Formcheck: Frankfurt will optimale Rückrundenausbeute
Wenige Tage vor dem Beginn der Rückrunde in der Bundesliga ist der Druck beim 1. FFC Frankfurt groß. Der frühere Ligaprimus liegt auf dem dritten Platz in der Tabelle, hat acht Punkte Rückstand auf das Führungsduo – es droht eine Saison zu werden, bei der abermals die Qualifikation zur Champions League nicht gelingt. Und diese Situation bringt den FFC sogar dazu, sich mit Erzrivale Potsdam zu vergleichen: Mit dem habe vor einem Jahr nach der Hinrunde auch keiner mehr gerechnet – am Ende waren die „Torbienen“ Meister. „Wir wollen auf einen der ersten beiden Tabellenplätze“, gibt sich Manager Siegfried Dietrich kämpferisch.
„Das Potenzial ist da – wir müssen es nur nutzen“, so Dietrich weiter. Trainer Sven Kahlert stimmt zu: „Wir können mit unseren Neuverpflichtungen alle Spiele gewinnen.“ In der Winterpause holte der FFC mit der Südkoreanerin Jang-Mi Lee sowie der Norwegerin Leni Larsen Kaurin gleich zwei Nationalspielerinnen. Keine Verstärkung in der Defensive „Es war eine schwere Zeit in Potsdam, ich habe kein Vertrauen bekommen“, sagt Kaurin, die in Potsdam relativ wenig Einsatzzeiten bekam und sich daher nach zweieinhalb Jahren zum Wechsel entschied, um sich mit mehr Spielzeit beim FFC für einen Stammplatz in der norwegischen Nationalmannschaft anzubieten.
Genau wie Jang-Mi Lee spielt Kaurin eher offensiv, trotz 19 Gegentoren in elf Spielen werden zur Rückrunde in der Abwehrreihe keine neuen Gesichter auflaufen. „Die Abwehr fängt im Sturm an“, nimmt Torhüterin Nadine Angerer die beim FFC so häufig kritisierte Defensive in Schutz. „Natürlich haben wir Probleme gehabt – aber das ist nichts, das man nicht abstellen kann. Nur geht das nicht von heute auf morgen.“
Auch früher haben sich die Frankfurterinnen eher in der Offensive verstärkt, doch in den letzten Jahren fehlte es den gefürchteten FFC-Stürmerinnen immer mehr an Durchschlagskraft. Aus dem Mittelfeld heraus kamen die Zuspiele nicht, Offensivkräfte, wie Sandra Smisek und Birgit Prinz, mussten durch das Leck in der Defensive verstärkt weiter hinten aushelfen, hinzu kamen Verletzungen, wie bei Petra Wimbersky und Conny Pohlers.
Pohlers wieder bei der Nationalmannschaft „Ich bin wieder da – jetzt ist Schluss mit Urlaub“, gibt sich Pohlers kämpferisch. Zum Ende der Hinrunde gab die Stürmerin nach monatelanger Verletzung ihr Comeback im FFC-Trikot, traf von Beginn an – und hat nun erfolgreich den ersten Leistungstest mit der Nationalmannschaft absolviert. Für den Algarve Cup in zwei Wochen steht sie auf Abruf. „Ich lasse es auf mich zukommen“, gibt sie sich optimistisch, aber zurückhaltend, was Berufungen in den DFB-Kader angeht.
Die Kampfansagen sind beim FFC nicht neu. Nach den Niederlagen in der Hinrunde wurde jeweils erklärt, dass man das Potenzial und die Fähigkeiten habe, wieder zum Erfolg zurückkehren zu können. Im nächsten Spiel gegen eine der Top-Mannschaften offenbarten sich die gleichen Fehler und Defizite in Abwehr und Spielaufbau. „Wir haben uns alle zusammen gesetzt und uns hinterfragt“, sagt Angerer über die Winterpause.
Vor genau einem Jahr hatte in der Bundesliga fast jeder mit der Meisterschaft des FC Bayern München gerechnet, doch in der Rückrunde blies Potsdam zum Angriff und holte auf. Dieses Jahr stehe die Saison unter veränderten Vorzeichen, ist man sich beim FFC einig – aber das Potsdamer Kunststück traue man sich zu. Elf Siege in elf Spielen heißt das Ziel – diesmal muss man dem Optimismus auch erfolgreichen Fußball folgen lassen, möchte man in Frankfurt nicht wieder zusehen, wie die Gegner in die Champions League einziehen.