Duisburg schießt sich an die Spitze
In der vergangenen Saison waren die Partien zwischen dem FCR 2001 Duisburg und dem FC Bayern München Spitzenspiele in der Bundesliga. Heute reichte dem FCR eine durchschnittliche Leistung, um gegen völlig überforderte Bayern mit 7:0 zu gewinnen. Die Duisburgerinnen übernehmen damit zumindest bis morgen die alleinige Tabellenführung, der FCB rutscht immer weiter in die Krise.
Momentan gehöre die Mannschaft nur ins Mittelfeld, äußerte sich Bayern-Trainer Günther Wörle vor wenigen Tagen. Genau dort ist der FCB nach der Niederlage in Duisburg nun angekommen, denn der Rückstand auf die Duisburgerinnen an der Tabellenspitze beträgt nun schon zwölf Punkte. Und für die Leistung vor 1.053 Zuschauern im PCC-Stadion fand Wörle ebenso deutliche Worte: „So darf man sich nicht präsentieren.“
Früher Duisburger Doppelschlag Bei strömendem Regen lag der amtierende Vizemeister bereits nach dreizehn Minuten durch Tore von Marina Hegering und Inka Grings mit 0:2 zurück. Beiden Treffern gingen wunderbare Vorarbeiten voraus, die jedoch bei einer funktionierenden Defensive nicht zum Torerfolg hätten führen dürfen. An der Hereingabe von Luisa Wensing auf Hegering war die Bayern-Abwehr mit dem Fuß noch dran. Beim zweiten Treffer stand Grings viel zu lange allein im Strafraum und kam nach der Flanke von Femke Maes ungehindert zum Kopfball. Mit einer tollen Reaktion konnte Torfrau Kathrin Längert den Kopfball entschärfen, beim Nachschuss war sie jedoch machtlos.
Starke Leistung: Luisa Wensing.
„Die Abstände waren viel zu groß“ monierte Wörle den Platz, den seine Mannschaft den Duisburgerinnen gab. Beim FCB lief nicht viel zusammen, die Abwehr kam immer wieder ins Schwimmen, und nach vorne waren die Zuspiele zu ungenau. So wirkte ein Fernschuss von Melanie Behringer Mitte der ersten Halbzeit fast wie eine Verzweiflungstat. Und die Distanz, um die die Nationalspielerin den gegnerischen Kasten verfehlte, war sinnbildlich für die Schwäche der Gäste.
FCR verwaltet Führung Die Münchenerinnen versuchten zwar, verstärkt die Initiative zu ergreifen; dennoch kamen sie in der ersten Hälfte zu keinem ernst zu nehmenden Torschuss. Die Gastgeberinnen, die keinesfalls überragend spielten, verwalteten die Führung souverän. Sie hatten den Gegner im Griff und brachten die Defensive der Gäste immer wieder mit einigen Nadelstichen in Bedrängnis. In der 38. Minute war es ein wunderbares Zuspiel von Hegering, das die links startende Simone Laudehr erfolgreich zur 3:0-Halbzeitführung abschloss. Die Nationalspielerin war auf der Außenbahn völlig frei, erneut stimmte die Zuordnung beim FCB nicht.
„Wir wollten ein Zeichen setzen für unser Selbstvertrauen“, so FCR-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg, die mit ihrer Mannschaft zufrieden war. Bei der Verfassung, in der sich der FCB präsentierte, musste man beim 3:0 von einer Vorentscheidung ausgehen. Tatsächlich bot sich in der zweiten Halbzeit ein ähnliches Bild. Die Gäste waren völlig überfordert mit den Duisburgerinnen, für die Jennifer Oster und Laudehr in den ersten zwanzig Minuten nach Wiederanpfiff auf 5:0 erhöhten. Gerade diese Moral der Mannschaft hob Voss-Tecklenburg nach dem Spiel hervor. „Wir haben nicht aufgehört und in der zweiten Halbzeit sogar mehr Tore geschossen.“ Die Bayern verzweifeln Beim FCB lief nach vorne nichts, und in der Defensive wussten sich selbst erfahrene Spielerinnen, wie Bianca Rech und Sandra de Pol, in den letzten fünf Spielminuten nur mit Foulspielen gegen Eunice Beckmann und Grings zu helfen. Schiedsrichterin Miriam Dietz, die eine souveräne Leistung bot, entschied beide Male zurecht auf Strafstoß – Grings und Bresonik verwandelten zum 7:0-Endstand.
„Wir haben besser gespielt als in den letzten Wochen“, kommentierte Voss-Tecklenburg, ihr Gegenüber war nach dem Spiel dagegen mehr als bedient. „Wir sind platt“, so Wörle über seine Mannschaft, die in den vergangenen Monaten viele Verletzungen zu verkraften hatte und damit der Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League nicht gewachsen war. Mittlerweile stehen erfahrene Kräfte, wie Behringer und Isabell Bachor wieder auf dem Feld, doch noch können die Nationalspielerinnen nicht an ihr gewohntes Leistungsniveau anknüpfen. Und so stehen die Duisburgerinnen nun an der Spitze der Liga, Wörle sieht seinen FCB dagegen „weit entfernt“ davon.