Bayern München freut sich über Punktsieg

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Nur selten zuvor hat man im Sportpark Aschheim in Reihen des FC Bayern München nach einem Unentschieden dermaßen strahlende Gesichter gesehen. Denn eine gute Stunde lang hielt die arg dezimierte Rumpfelf des Vizemeisters den mit fünf Europameisterinnen angetretenen Meister 1. FFC Turbine Potsdam im Spitzenspiel der Frauenfußball-Bundesliga in Schach und führte gar 2:0. Doch auch wenn man den Zwei-Tore-Vorsprung noch aus der Hand gab, durfte sich der Gastgeber beim 3:3 (1:0) am Ende wie der moralische Sieger fühlen.

1 020 Zuschauer sahen bei besten äußeren Bedingungen ein spannendes und gutklassiges Spitzenspiel der Frauenfußball-Bundesliga, bei dem die Bewertung der Trainer aus München und Potsdam am Ende unterschiedlicher nicht hätte ausfallen können. Bayern-Trainer Günther Wörle meinte: „Insgesamt ist das Remis wie ein Sieg zu bewerten, man darf nicht vergessen, dass Potsdam fünf Europameisterinnen auf dem Feld hatte.“

Bayern gibt Zwei-Tore-Vorsprung aus der Hand
Dass sein Team noch eine 2:0-Führung aus der Hand gab, konnte er schnell erklären. „Die Verletzung von Bianca Rech hat uns weh getan, denn wir standen auf der Doppel-Sechs sehr gut, danach sind wir anfälliger geworden. Und das 2:1 ist zu schnell gefallen, sonst hätten wir auch gewinnen können.“

Starke Schmetz
In der Anfangsphase hatten die Münchenerinnen allerdings Glück nicht in Rückstand zu geraten, denn Anja Mittag scheiterte früh aus aussichtsreicher Position gegen die per Fußabwehr klärende starke Bayern-Torhüterin Ulrike Schmetz (9.), die ihr Team auch wenige Minuten später vor einem Rückstand bewahrte, als sie einen Querschläger der unsicheren Sandra de Pol über die Latte lenkte (15.). Doch dann war es erst einmal vorbei mit der Turbine-Herrlichkeit.

Mangelndes Zweikampfverhalten
„Wir standen zu weit weg von den Gegenspielerinnen“, so Turbine-Trainer Bernd Schröder. „Wir haben mehr reagiert als agiert, obwohl wir die bessere Mannschaft sind. Aber Bayern hat sehr guten Fußball gespielt, bis zum 2:0 sogar optimal.“ Die Bayern-Spielerinnen ließen den Ball kombinationssicher durch die eigenen Reihen laufen, begünstigt durch das halbherzige Zweikampfverhalten der Potsdamerinnen. Und die wenigen Chancen wurden eiskalt und effektiv genutzt. Mit einem Drehschuss erzielte Bianca Rech aus elf Metern die Führung (30.).

Zietz trifft doppelt
Und als Julia Simic nach einer tollen Kombination von Carina Wenninger und Vanessa Bürki den Ball zum 2:0 in die Maschen setzte, drohte Potsdam gar die erste Saisonniederlage (63.). „Man kann so ein Spiel auch verlieren, wenn wir nicht den schnellen Anschlusstreffer gemacht hätten“, räumte Schröder ein, dessen Team durch die Treffer der ansonsten unauffälligen Jennifer Zietz (65. und 75.) schnell in die Partie zurückfand. Die eingewechselte Leni Larsen Kaurin schien ihr Team auf die Siegerstraße zu bringen (82.), gegen nun müde wirkende Bayern-Spielerinnen, die auch noch Rech wegen einer Bänderverletzung im linken Fuß ersetzen mussten.

Bürki rettet Remis
Doch der Schweizer Nationalspielerin Vanessa Bürki gelang kurz vor Spielende der nicht mehr erwartete Ausgleich (87.). Schröder sprach von einem „nachträglichen Geburtstagsgeschenk“ zum 60. Geburtstag von Bayern-Trainer Wörle am Donnerstag. Wenig begeistert war Schröder vor allem darüber, dass man sich nach der 3:2-Führung kurz vor Spielende noch einmal die Butter vom Brot nehmen ließ. „Ich verstehe das nicht, wir hatten uns hier klar einen Sieg ausgerechnet.“

Schröder-Kritik
Vor allem die Psychologie macht er für den zaghaften Auftritt seiner Schützlinge verantwortlich. „Unsere letzten Spiele waren hervorragend, einige von uns können offenbar damit nicht umgehen. Jeder hat sich mit sich selbst beschäftigt.“ Mit Neuzugang Fatmire Bajramaj war Schröder genauso wenig zufrieden („Sie hat sich nur mit Fouls beschäftigt und immer wieder diskutiert.“) wie mit Anja Mittag („Sie muss in der Anfangsphase einfach die Tore machen, dann fangen die Bayern das Zweifeln an und kassieren fünf Gegentreffer.“).

Mangelnder Wille
Und auch Europameisterin Babett Peter räumte ein: „Ich hatte das Gefühl, dass der letzte Wille gefehlt hat. Das darf nicht passieren, denn wir wussten ja, um was es geht.“ Erst in der Schlussphase zeigten die Potsdamerinnen ihre Klasse. Mit schnellem Kombinationsspiel und hohem Tempo setzten sie die Bayern-Spielerinnen immer mehr unter Druck.

Gute Werbung
Umso glücklicher war Wörle über den Ausgleich. „Mit dem 3:3 durch Bürki war nicht mehr zu rechnen.“ Schröder konnte dem Spiel am Ende dennoch etwas Positives abgewinnen. „Sechs Tore in einem Spitzenspiel sind gut für den Frauenfußball und immerhin haben wir anders als in den beiden Jahren zuvor hier nicht verloren. Man kann mit dem Punkt also schon leben.“

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Detlef
Detlef

Also im Groben stimme ich Markus Spielbericht zu!!! Allerdings habe ich zwar ein bis zum Schluß spannendes-, aber keinesfalls ein gutklassiges Bundesligaduell gesehen!!! Dafür spielten vor allem die Favoritinnen aus Potsdam zu schlecht!!! Über weite Strecken der Partie, sahen die Zuschauer ein Fehlpassfestival auf beiden Seiten!!! Die Ursachen sind auch klar, beide Teams sind (aus verschiedenen Gründen) noch nicht richtig eingespielt, und die Laufwege stimmten oft nicht!!! Die 2 Tore für Bayern fielen fast zufällig, denn es spielte eigentlich nur TURBINE!!! Im Gegensatz zu den Gästen, die viele gute und selbst klarste Torchancen ausließen, lag die Torausbeute der Wörle-Truppe bei… Weiterlesen »

Jarmusch
Jarmusch

Schickes Tor von Julia Simic zum zwischenzeitlichen 2:0!
Sie ist eine der wenigen Spielerinnen mit wirklich guter Schusstechnik.

Ralf
Ralf

Aber im Fußball geht nicht immer alles nach Plan, sonst wäre es ja auch langweilig!!! @Detlef Wohl wahr! Gott sei Dank! Und nu können wir uns ja wieder dem Wesentlichen – der schönsten Sache der Welt – zuwenden: Dem Fußball!!! Herrn Schröders Aussage kann ich nur bedingt zustimmen! Seinen Ärger über die zwei psychologisch verlorenen Punkte möchte ich mit dem Zitat eines Kölner Fußballprinzen kontern: „Wichtig is‘ auf’m Platz!“ STIMMT! Aber auch daneben! Es reicht nicht aus, nur die Abseitsregel in allen Details erklären zu können. Seine Fußballdamen waren eben gestern nicht mit dem ganzen Kopf bei der Sache. Geistes-,… Weiterlesen »

Marcel
Marcel

@Ralf

Also das Jenny nur mitgenommen wurde weil sie der Käptn der Meistermannschaft ist glaub ich jetzt nicht denn unsere Bundestrainerinn hat ja sogar schonmal die Torschützenkönigin einfach zu Hause gelassen. da wird sie ,das Jenny Käptn ist, wahrscheinlich auch nicht besonders beeinflusst haben.

Ralf
Ralf

@Marcel

Jain, sag i mal!
Der Personalie IG lag ein ‚biss’chen ein anderer Sachverhalt zu Grunde, als bei der Personalie JZ!

Mit Potse hat’s dann auch noch damit zu tun, dass sich da zwei Platzhirsche ständig in die Quere kommen, die es miteinander nicht so können! Vergess‘ das nicht!
Da liegen zwei grundsätzlich gegensätzliche Fußballphilosophien miteinander im Clinch!

Detlef
Detlef

@Ralph, ich weiß jetzt zwar nicht ganz, was Deine Erläuterung der Personalpolitik der Bundestrainerin, mit dem gestrigen Spiel zu tun hat, denn damit erzählst Du mir ja nix Neues!!! Um also den Bogen zum gestrigen Spiel wieder zu spannen, eine kurze Episode!!! Der Stadionsprecher fragte mich etwas provokativ, wie ich die Leistung der Potsdamer Europameisterin BABETT PETER, mit der von Bayerns Katharina Baunach vergleichen würde!!! Ich gab unumwunden zu, dass BABETT gestern nicht ihren besten Tag hatte!!! Er fragte mich weiter, WARUM Frau Baunach dann nicht auch zur Natio dürfe!!! Ich antwortete ihm: „Weil die Leistung bei Frau Neid nicht… Weiterlesen »

Ralf
Ralf

@Detleph, lassen wir’s jetzt: Detlef

Na dann sag’s doch mal: „Welche?“

Detlef
Detlef

@Ralf,
Pssst, ist doch geheim!!!

Ralf
Ralf

@Detlef

‚Kopfschüttel‘
Ok, ok!!!
Ich hoffe Du hast trotzdem gemerkt, dass ich prinzipiell nicht soweit von Deinem Standpunkt entfernt bin! Mir gefallen da einige Dinge auch nicht!

Marcel
Marcel

@Ralf

Inka war jetzt weniger gemeint das war ja etwas anders aber eine Shelley Thompson in der Saison wo sie mit 30 Treffern Torschützenkönigin wurde ,wurde ja komplett ignoriert… von Theune-Meyer allerdings noch.

Steffen
Steffen

das mit der Shelley Thompson hatte ich auch schon mal gefragt, aber keine Antwort hier bekommen

Ralf
Ralf

@Marcel und Steffen

Vielleicht gibt es irgendwann mal die Möglichkeit, sich gründlichst über den Begriff „Leistung“ argumentativ auszutauschen!?