Deutschland - Norwegen: Duell ohne Geheimnisse
Am Morgen war der Himmel über Tampere noch mit grauen Wolken verhangen, doch rechtzeitig vor dem Auftaktspiel der deutschen Mannschaft gegen Norwegen bei der Frauenfußball-Europameisterschaft (ab 16.00 Uhr live in ARD und Eurosport) werden Sonnenschein und blauer Himmel offenbar für beste Bedingungen bei der Neuauflage des EM-Finales von 2005 sorgen.
Die Bilanz zwischen den beiden Teams ist nach 31 Duellen ausgeglichen – jeweils 13 Siegen auf beiden Seiten stehen nur fünf Unentschieden gegenüber. Dennoch erwartet man sowohl auf deutscher als auch auf norwegischer Seite eine enge Auseinandersetzung.
Vorfreude Die Stimmung in den eigenen Reihen ist gut, nachdem die ungewöhnlich lange, zweimonatige Vorbereitungszeit die 22 deutschen Spielerinnen in puncto Fitness wohl in einen besseren Zustand versetzt haben als vor einem Jahr beim Olympischen Fußballturnier. Personell kann Bundestrainerin Silvia Neid fast aus dem Vollen schöpfen, nur für Simone Laudehr kommt ein Einsatz gegen Norwegen wohl „noch zwei, drei Tage“ zu früh, allerdings konnte sie nach überstandener Innenbandzerrung im rechten Knie am Sonntag wieder voll trainieren.
Stegemann oder Schmidt? Hingst oder Bartusiak? Und so scheinen für die Startformation nur noch zwei offene Fragen zu bestehen. Wer wird als rechte Außenverteidigerin zum Einsatz kommen? Die erfahrene Weltmeisterin Kerstin Stegemann, die zuletzt nach ihrer Verletzung noch nicht hundertprozentig überzeugen konnte, oder schenkt Neid doch der jungen, aufstrebenden Bianca Schmidt das Vertrauen, die formstark, aber international unerfahren ist? Und auch Annike Krahn scheint ihren Platz in der Startelf nicht mehr unumstößlich sicher zu haben, da sie in der Vorbereitung die Verantwortlichen nicht rundum überzeugen konnte. Wird für sie also Saskia Bartusiak in die Innenverteidigung rutschen?
Norwegen nicht unterschätzen Im deutschen Lager hat man sich nicht davon einlullen lassen, dass sich die Norwegerinnen selbst in der Rolle des Außenseiters positioniert haben, denn ein Blick auf den norwegischen Kader offenbart schnell, dass hier trotz aller personellen Veränderungen im Team eine ganze Reihe erfahrener Spielerinnen den Kern bilden. Allen voran Ingvild Stensland, die im Mittelfeld die Fäden zieht, Trine Rønning, die umsichtig die Abwehr dirigiert, die brandgefährliche Solveig Gulbrandsen und auch die pfeilschnelle Isabell Herlovsen, die schon bei der EM in England 2005 für Aufsehen sorgte.
Niederlagenserie Die Norwegerinnen kassierten im Jahr 2009 gleich eine ganze Reihe unerwartet deutlicher Niederlagen – unter anderem 1:5 gegen Schweden, 1:3 gegen Island, 0:3 gegen England -, wofür es zwei Hauptgründe gab: „Die Spielerinnen waren vor Beginn der Saison nicht in der besten Verfassung“, so Trainer Bjarne Berntsen. Der zweite Grund ist, dass erst nach und nach neue Spielerinnen in das Team integriert werden mussten. „Wir haben einfach Zeit gebraucht.“ Der 1:0-Erfolg im Testspiel gegen Schweden am vergangenen Mittwoch könnte andeuten, dass sich die Elf rechtzeitig vor Turnierbeginn gefunden hat.
Keine Geheimnisse Und so herrscht im deutschen Team auch Einigkeit, dass Norwegen zu den Topfavoriten auf den EM-Titel zählt. „Wir kennen ihre Stärken und wir kennen ihre Schwächen, von denen sie nicht viele haben. Aber wir sind gut vorbereitet“, so Neid. Und auch Berntsen kennt den Gegner aus dem Eff-Eff. „Beide Teams kennen sich sehr gut, es wird also wohl vor allem auf die Tagesform ankommen und wer das erste Tor erzielt, den das kann die gesamte Strategie verändern”, so Berntsen.
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