EM-Kader: Welche vier Spielerinnen fliegen raus?

Von am 28. Juli 2009 – 13.22 Uhr 21 Kommentare

In weniger als vier Wochen beginnt in Finnland (23. August bis 10. September) die Europameisterschaft und Bundestrainerin Silvia Neid hat die Aufgabe, ihren Kader nach dem morgigen Spiel gegen Japan (ab 16.00 live im ZDF) von 26 auf 22 Spielerinnen zu verkleinern. Doch schon jetzt dürfte es nur noch wenige Fragezeichen geben.

„Das liegt nahe“, kommentierte Neid in der vorigen Woche Spekulationen, wonach in allen Mannschaftsteilen Tor, Abwehr, Mittelfeld und Angriff  noch jeweils eine Spielerin aus dem Kader gestrichen wird. Auch wenn namentlich nur Torhüterin Nadine Angerer, Spielführerin Birgit Prinz und ihre Teamkollegin Kerstin Garefrekes ihre Teilnahme offiziell sicher haben, dürfte die Nominierungsfrage hinter den Kulissen bereits nahezu entschieden sein.

Angerer und Holl unangefochten
Im Tor ist Nadine Angerer nach zwei starken Turnieren, der Weltmeisterschaft 2007 in China und dem Olympischen Fußballturnier 2008 in Peking, die unangefochtene Nummer 1, auch wenn ihre Leistungen in der abgelaufenen Bundesligasaison nicht immer konstant waren. Gegen die Niederlande hatte sie nicht viel Arbeit, doch bei den wenig brenzligen Situationen war sie auf der Hut, kurz vor der Pause verhinderte sie einen Gegentreffer. Ursula Holl als unumstrittene Nummer 2 konnte bei ihrem früheren Verein SC 07 Bad Neuenahr in der vergangenen Saison nicht gerade Selbstvertrauen tanken, 74 Mal musste die bemitleidenswerte Torhüterin hinter sich greifen. Gegen die Niederlande durfte sie wieder einmal 45 Minuten lang Luft in der Nationalmannschaft schnuppern.

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Weiß oder Vetterlein?
Hinter den beiden streiten Lisa Weiß (SG Essen Schönebeck) und Alisa Vetterlein (VfL Wolfsburg) um Platz Nummer 3, eine dritte Torhüterin ist bei der EM obligatorisch. „Ein Vorteil ist sicherlich, dass ich die komplette Saison durchgespielt habe“, hofft Weiß auf ihre Teilnahme. Doch auch Vetterlein hat beim 1. FFC Frankfurt in der zweiten Mannschaft reichlich Spielpraxis sammeln können und mehrheitlich gute Leistungen gezeigt. Darüber hinaus hat sie vom Training mit Angerer profitieren und  Turniererfahrung bei der U20-Weltmeisterschaft in Chile sammeln können. Sie könnte im Duell der beiden Torhüterinnen die etwas besseren Karten haben.

Routiniers springen auf EM-Zug
Sieben Abwehrspielerinnen dürften wohl die Reise nach Finnland antreten. Eine Teilnahme der von ihren Verletzungen wieder genesenen Kerstin Stegemann und Ariane Hingst ist aufgrund ihrer internationalen Erfahrung und der gegen die Niederlande gezeigten Leistung nahezu sicher. UEFA-Pokalsiegerin Annike Krahn hat  ihr Ticket ebenso in der Tasche, wie dies auch bei der oft unauffällig, aber effektiv agierenden Babett Peter der Fall sein sollte. Ihre junge, beim Algarve Cup überzeugende Teamkollegin Bianca Schmidt sollte sich ebenfalls als Stegemann-Alternative auf der rechten Außenbahn in den Kader gespielt haben, während Saskia Bartusiak und Navina Omilade wohl zu den größten Wackelkandidatinnen gehören. Letztere dürfte durch die Hingst-Rückkehr die schlechtesten Karten haben. Bleibt noch Sonja Fuss. In puncto Leistung gibt es keine Bedenken, doch der Wechsel von der 1. in die 2. Liga könnte ihr Minuspunkte eingebracht haben.

Fragezeichen hinter Zietz
Im Mittelfeld sollten neben Garefrekes auch die UEFA-Pokal-Siegerinnen Linda Bresonik und Simone Laudehr und Aufsteigerin Kim Kulig ihren Platz sicher haben. Verbleiben Jennifer Zietz, Isabell Bachor und Lena Goeßling. Die Turbine-Kapitänin spielte in Potsdam eine bärenstarke Saison, bestritt aber ihr letztes Länderspiel vor über einem Jahr, so dass hinter ihrer Nominierung ein dickes Fragezeichen steht. Bachor kann aufgrund der Teilnahme am Champions-League-Miniturnier mit Bayern München gegen Japan keine Pluspunkte mehr sammeln, gegen die Niederlande kam sie nicht zum Einsatz, heißt so viel wie: Entweder auf jeden Fall dabei oder auf jeden Fall draußen. Auch ihre frühere Teamkollegin Lena Goeßling dürfte um ihren Platz bangen müssen. Vielleicht dürfen sich Zietz und Goeßling gegen Japan noch einmal beweisen, Letztere scheint die etwas besseren Karten zu haben.

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Quahl der Wahl
Im Sturm hat Bundestrainerin Neid die Qual der Wahl. Birgit Prinz, Inka Grings und Melanie Behringer machten gegen die Niederlande noch einmal deutlich, dass kein Weg an ihnen vorbei führt. Auch an der Teilnahme von Anja Mittag und Fatmire Bajramaj dürfte es nur wenig Zweifel geben. Martina Müller glänzte gegen die Niederlande als Torvorbereiterin, konnte aber insgesamt kaum Akzente setzen. Sie könnte als Jokerin aber erneut Berücksichtigung finden. Die von Verletzungen und Krankheit lange geplagte Célia Okoyino da Mbabi schoss gegen die Niederlande ein Tor und bekam ein Extra-Lob von der Bundestrainerin. Doch reicht das für eine Nominierung? Vielleicht darf sie gegen Japan noch einmal auf sich aufmerksam machen.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

21 Kommentare »

  • eisbär sagt:

    Nach den beiden Spielen denke ich, dass von den Feldspielern Omilade, Zietz und Goeßling gehen müssen, da sie keine Einsatzzeiten bekommen haben.

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